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Hauptseminar (fr., it., sp.)/Proseminar: Der Brief in der romanischen Sprach- und Textgeschichte


Dozent(in): Prof. Dr. Sabine Schwarze
Termin: Mo 15.45-17.15 Uhr
Gebäude/Raum: Raum 1005
Modulsignatur: WBROMina 01 Nr. 3 (Proseminar)


Inhalt der Lehrveranstaltung:

In Abwandlung einer bekannten Formel aus der französischen Politgeschichte könnte man mit Blick auf eine auffällige Kontinuität die Rolle des Briefes in der romanischen Sprach- und Textgeschichte mit „Der Brief ist tot, es lebe der Brief!“ überschreiben. Keine andere Textsorte kann – wie der Brief – auf eine Jahrtausende alte Geschichte verweisen, in der er sich in den verschiedensten Kommunikationsbereichen etabliert, entfaltet und ausdifferenziert hat:
  • Briefe haben die Literaturgeschichte geprägt (Jacques Derrida 1985 spricht metaphorisch gar davon, dass der Brief die Literatur an sich verkörpere – „La lettre, l’épître, […] n’est pas un genre mais tous les genres, la littérature même).
  • Über Briefe lässt sich die Geschichte der Nähesprachen rekonstruieren, denn Privatbriefe tendieren zum Gebrauch von typischen Mündlichkeitsstrukturen.
  • Briefe haben aber auch in der romanischen Wissenschaftsgeschichte eine entscheidende Rolle gespielt, denn der Dialog über Forschungsergebnisse wurde in jedem Jahrhundert auch in der gelehrten Korrespondenz ausgetragen.
  • Nachdem in den 1980er Jahren das nahe Ende der Textsorte Brief verkündet worden war (vgl. z.B. Gianfranco Folena 1985), erlebte der Brief in der Folgezeit eine regelrechte Wiedergeburt mit vielfältigen, zum Teil innovativen Varianten, wie dem E-Mail-Roman und der E-Mail-Korrespondenz mit ihren zahlreichen Facetten zwischen Nähe- und Distanzkommunikation.

Zweifellos gehört also der Brief sowohl mit Blick auf Sprach-, Text- und Mediengeschichte als auch auf die schillernde aktuelle Kommunikationslandschaft zu den vielfältigsten und spannendsten Textsorten überhaupt.

Das Seminar unternimmt in einem ersten Veranstaltungsblock einen Exkurs in die spannende Geschichte des Briefes seit der Antike und gibt dabei einen Einblick in die Geschichte der Brieftheorie und –typologie. Der zweite Block der Veranstaltungen widmet sich den zahlreichen Varianten der Textsorte Brief in der modernen Kommunikationslandschaft.

Die Bearbeitung theoretischer Fragestellungen wird in jedem Fall begleitet von der Arbeit an konkreten Textexemplaren in den verschiedenen romanischen Sprachen. Eigenes Textmaterial kann gern eingebracht werden.

Textexemplare können aus den folgenden Diskursbereichen ausgewählt werden:

  • Literatur (Briefroman, E-Mail-Roman),

  • Wissenschaftsdiskurs (Diskussionsforen, Blogs, Fachkorrespondenz vs. populärwissenschaftliche Korrespondenz),

  • Verwaltungsdiskurs,

  • Didaktik des Spracherwerbs [Briefsteller],

  • Mediendiskurs (Leserbriefe in der Presse),

  • Alltagsdiskurs (editierte und nicht edierte Privatbriefe, handgeschriebene Briefe, Aufschriften im öffentlichen Raum).

Die Arbeit an den konkreten Texten erfolgt nach den Anforderungen an die Bearbeitung einer Textaufgabe zur französischen Gegenwartssprache in Staatsexamen bzw. Magisterabschlussprüfung.

Leistungsschein:

  • Kurzreferat (15 Minuten)

  • Schriftliche Seminararbeit nach den für Proseminare üblichen Maßstäben (siehe: Hinweise zur wissenschaftlichen Arbeit, Homepage Romanische Sprachwissenschaft)

Referatsthemen werden vor Semesterbeginn ins Netz gestellt; Vorauswahl und Anmeldung bis zum 15.04.2009 über StudIP bzw. per Email an den Seminarleiter.


Literatur zur Lehrveranstaltung:

Schwarze, Sabine (2008): „Dall’epistola all’e-pistola. La scrittura epistolare in mutamento“, in: Schwarze, Sabine (ed.): La lingua del sì e le sue figlie, Passau: Stutz, 91-119 (Textdatei wird in StudIP eingestellt)

Baron, Naomi S. 1998: “Letters by phone or speech by other means: the linguistic of email”, Language & Communication 18 (1998), 133-170

Beebee, Thomas O. 1999: Epistolary fiction in Europe 1500 – 1850, Cambridge: University Press.


weitere Informationen zu der Lehrveranstaltung:

empfohlenes Studiensemester der Lehrveranstaltung: Hauptstudium
Fachrichtung Lehrveranstaltung: Lehramt, Magister, Wahlbereich Bachelor
Nummer der Lehrveranstaltung: 05305
Dauer der Lehrveranstaltung: 2 SWS
Typ der Lehrveranstaltung: HS - Hauptseminar
Leistungspunkte: 6
Bereich: Romanische Sprachwissenschaft (fr., it., sp.)
Prüfung: Hausarbeit
Semester: SS 2009