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Hauptseminar (fr.): Die französische Sprachnorm in Geschichte und Gegenwart


Dozent(in): Prof. Dr. S. Schwarze
Termin: Mo 11.45-13.15 Uhr
Gebäude/Raum: Raum 1005


Inhalt der Lehrveranstaltung:

Regelhaftigkeit ist notwendige Vorbedingung jeder Kommunikation. Im Fall des Französischen haben wir es in Folge einer ideologisch und ästhetisch bedingten Sprachregelung mit einer sehr stark normierten Sprache zu tun. Das französische Sprachmodell ist eine elitäre Norm, die sich sozio-kulturell auf den bon usage einer (zahlenmäßig geringen) Elite ausrichtet und areal-geographisch auf die Varietät von Paris bzw. der Île de France.

Auf diese ausdrücklich auf das Hexagon Frankreich bezogene Sprachnorm wurde bis heute die gesamte französischsprachige Welt verpflichtet. Entsprechend sieht auch das aktuell vermittelte romanistische Handbuchwissen noch aus (im Lexikon der Romanistischen Linguistik ist von der „hexagonalen – also der allgemeinen europäischen Sprachnorm“ als Zielnorm für die gesamte Frankophonie die Rede, vgl. Schmitt 1990: 686; im HSK-Handbuch Kontaktlinguistik wird das Französische als „exemple assez peu controversé d’une langue monocentrique” hervorgehoben, vgl. Bossong 1996: 614). Mit dem Postulat einer „allgemeinen europäischen Norm“ des Französischen, die deckungsgleich mit der hexagonalen Norm ist, werden ganz souverän mögliche Normvarianten im europäischen Sprachraum übergangen. Diese normative Ausrichtung auf das französische Mutterland wird dann sogar für die gesamte außereuropäische Frankophonie postuliert (also für insgesamt ca. 131 Mio. Sprecher in 28 Ländern, auf 4 Kontinenten, vgl. Haarmann Handbuch der Sprachen). Diese Einschätzung lässt sich aus der bisherigen französischen Normgeschichte durchaus ableiten.

Die gegenwärtige Entwicklung macht aber deutlich, dass in das französische Normdenken „Bewegung“ gekommen ist und das Französische der Gegenwart zu einer plurizentrischen Sprache mit mehreren nebeneinander existierenden Standardvarietäten geworden ist, die ein hierarchisch geschichtetes und von komplexen Wechselwirkungen geprägtes Gefüge von Standards mit globaler, supranationaler, nationaler, regionaler und in manchen Fällen sogar nur kommunikationsdomänenspezifischer Geltung bilden.

Das Hauptseminar behandelt aufbauend auf der Diskussion grundlegender theoretischer Kategorien wie Norm, Standard, Sprachbewusstsein und Sprachvariation

  1. das Konzept des bon usage in einem entwicklungsgeschichtlichen Abriss (Analyse von Grundlagentexten der französischen Normierungsgeschichte);

  2. die Entwicklungsdynamik der französischen Standardsprache (Prestigenorm vs. Gebrauchsnormen) sowie

  3. Theorie und Praxis französischer Sprachnormen in der pluralistischen Kommunikationsgesellschaft (geschriebene, gesprochene, regionale und internationale Varietäten des Französischen).

Die Arbeit an den konkreten Texten erfolgt nach den Anforderungen an die Bearbeitung einer Textaufgabe zur französischen Gegenwartssprache in Staatsexamen bzw. Magisterabschlussprüfung.

Voraussetzung für einen Leistungsschein:

  • regelmäßige Anwesenheit

  • Referat

Seminararbeit nach den für Hauptseminare üblichen Maßstäben (siehe: Hinweise zur wissenschaftlichen Arbeit, Homepage Romanische Sprachwissenschaft)

Referatsthemen werden vor Semesterbeginn ins Netz gestellt; Vorauswahl und Anmeldung bis zum 15.04.2009 über StudIP bzw. per Email an den Seminarleiter

 


Literatur zur Lehrveranstaltung:

Seminararbeit nach den für Hauptseminare üblichen Maßstäben (siehe: Hinweise zur wissenschaftlichen Arbeit, Homepage Romanische Sprachwissenschaft)


weitere Informationen zu der Lehrveranstaltung:

empfohlenes Studiensemester der Lehrveranstaltung: Hauptstudium
Fachrichtung Lehrveranstaltung: Lehramt, Magister
Nummer der Lehrveranstaltung: 05306
Dauer der Lehrveranstaltung: 2 SWS
Typ der Lehrveranstaltung: HS - Hauptseminar
Bereich: Romanische Sprachwissenschaft (fr.); Angewandte Sprachwissenschaft Französisch
Prüfung: Hausarbeit
Semester: SS 2009