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Die Entdeckung der Endlichkeit im französischen Roman des XIX. und XX. Jahrhunderts (HS)


Titel: Die Entdeckung der Endlichkeit im französischen Roman des XIX. und XX. Jahrhunderts (HS) auch für Magisterstudierende Romanische Literaturwissenschaft Französisch geeignet; auch für nicht-modularisiertes Lehramtsstudium (Gymnasium, Realschule Französisch) geeignet
Dozent(in): PD Dr. Kian-Harald Karimi
Termin: Do. 10-11.30
Gebäude/Raum: 1005
Modulsignatur: BacFran23-LW, Nr. 2 WBFran, Nr.3 MaRom03, Nr. 2 GyFran23-LW, Nr.2 RsFran23-LW, Nr.2


Inhalt der Lehrveranstaltung:

Aufklärung und Moderne sind nicht von jenem Prozess der Säkularisierung zu trennen, mit dem sich der Mensch aus seinen Bindungen an die Religion löst, um seine Lebensgrundlagen in einer innerweltlichen Vernunft zu begründen. Dieser historisch offene Vorgang macht sich in einer radikal neuen Zeiterfahrung bemerkbar, die die Zeitgenossen im Alltag allerdings kaum wahrnehmen. Der Literatur kommt indes das Privileg zu, dem Bewusstsein einer flüchtig-dahinschwindenden Zeit Konturen zu geben, wie sie exemplarisch von Baudelaire mit den Worten „Le Temps mange la vie,/ Et l'obscur Ennemi qui nous ronge le cœurs/ Du sang que nous perdons croît et se fortifie!“ umschrieben werden. Mit der Endlichkeit der Zeit entdeckt gerade der Leser des französischen Romans auch die Vergänglichkeit eines Lebens, das es im schmerzlichen Verlust eines besseren Jenseits umso mehr zu bewahren und festzuhalten gilt. Die Erfahrung mit der Zeit gerät so zur Erfahrung mit dem Leben, die nur in ihrer Pluralität, auch die ihrer Texte, nachvollziehbar wird. Dass diese Themen zu eigentlichen Motiven der Literatur in den letzten Jahrhunderten avancieren, wird der Teilnehmer des Seminars an einer Reihe von Beispielen studieren können: Zu ihnen zählen La peau de chagrin (1831) von Honoré de Balzac, L’éducation sentimentale (1869) von Gustave Flaubert, La cathédrale (1898) von Joris-Karl Huysmans, L’immoraliste (1902) von André Gide sowie À la recherche du temps perdu: Du côté de chez Swann (1913) von Marcel Proust.

Aufgabe dieses Seminars wird es sein, die genannten Romane als Diskurs der Endlichkeit und Vergänglichkeit zu lesen, um so eine Anthropologie des modernen Menschen herauszuarbeiten. Eine ausführliche Bibliographie wird zu Beginn der Veranstaltung nachgereicht bzw. im Internet veröffentlicht. Anmeldungen sind unbedingt durch eine kurze Mail an meine Adresse augsburg2010@aol.com erbeten.


weitere Informationen zu der Lehrveranstaltung:

empfohlenes Studiensemester der Lehrveranstaltung: ab dem 4. Semester
Fachrichtung Lehrveranstaltung: Literaturwissenschaft Französisch
Nummer der Lehrveranstaltung: 0
Dauer der Lehrveranstaltung: 2 SWS
Typ der Lehrveranstaltung: HS - Hauptseminar
Leistungspunkte: 5-8
Prüfung: Referat / Hausarbeit
Semester: SS 2010