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Erfahrungsbericht Las Palmas - Dezember 2008


Mein Aufenthalt hier begann schon eine Woche vor dem Start des Wintersemesters, das am 23. September 2008 losging. Die Universität von Las Palmas bot bereits vor dem  Semester ein Programm für Gaststudenten, wobei drei Optionen zur Verfügung standen. Option A umfasste einen zwölftägigen Spanisch-Intensivkurs inklusive Unterkunft im Wohnheim mit Vollverpflegung vom 31. August bis zum 21. September sowie die Teilnahme an der Semana de Bienvenida mit verschiedenen betreuten Aktionen, wie z.B. einer Boot-Party, einem Tag mit sportlichen Aktivitäten und einem Ausflug in den Norden der Insel. Option B umfasste die Unterkunft im Wohnheim mit Vollverpflegung vom 14. August bis zum 21. September sowie die Teilnahme an der Semana de Bienvenida, und Option C bedeutete nur die Teilnahme an der Semana de Bienvenid. Die Optionen kosteten 625, 255 bzw. 55 Euro.

Ich entschied mich für Option B und habe diese Entscheidung nicht bereut. Es war sehr angenehm, hier gleich eine Anlaufstelle zu haben, in der ich während der Wohnungssuche eine Woche bleiben konnte, ohne mich um etwas kümmern zu müssen. Die Unterkunft in einem Hotel oder einer Herberge mag zwar ein bisschen billiger sein, allerdings hat man, wenn man im Wohnheim wohnt, die Möglichkeit, gleich Leute kennen zu lernen. So kann man nicht nur Kontakte knüpfen, sondern man findet vielleicht auch jemanden, mit dem man sich später eine Wohnung teilen kann. Bei der Wohnungssuche kommt es einem zu Gute, dass sowohl Wireless-Lan Verbindung in den Zimmern vorhanden ist, als auch ein frei zugänglicher Computerraum mit Internetverbindung zur Verfügung steht.

Dauerhaft in einem der Wohnheime zu wohnen ist hier jedoch keine praktikable Option, da dies nicht nur sehr teuer ist, sondern man zudem ein gutes Stück außerhalb der Stadt wohnen würde, in einer Gegend, in der man sogar Schwierigkeiten hat, einen Supermarkt zu finden. Die Philologische Fakultät liegt zudem nicht auf dem Campus. Es war also, denke ich, die richtige Entscheidung, mich an die Empfehlung der Asistentes del Gabinete de Relaciones Internacionales zu halten, die mich in einer E-mail folgendermaßen informierten: "[...] these residences are not in the city and maybe you will prefer to rent a room in another zone. Once you arrive to our office, we will give you a list of possible rooms and flats for renting in Las Palmas. Erasmus students normally prefer this last option [...]." Die Unterstützung bei der Wohnungssuche kann ich im übrigen bestätigen.

Nun zur Universität: Die einzelnen Fakultäten sind in Las Palmas über die Stadt verteilt, wobei sich die meisten auf dem Campus Tafira etwas außerhalb des Zentrums befinden. Dies gilt jedoch, wie bereits erwähnt, glücklicherweise nicht für die philologische Fakultät, die relativ zentral gelegen ist und eine sehr angenehme und persönliche Atmosphäre bietet. Sie erinnert wegen ihrer Größe und Gestaltung eher an eine Schule als an eine Universität. Es gibt kaum Hörsäle, die meisten Veranstaltungen finden in kleineren Seminarräumen statt. Ein Nachteil dieser Fakultät ist, dass es hier keine Mensa gibt. Allerdings existiert eine Cafeteria, in der man etwas essen kann, wenn dies auch etwas teurer ist, als in einer üblichen Mensa.

Die Betreuung der neuankommenden Austauschstundenten an der Uni war freundlich und entgegenkommend, so dass ich mir um organisatorische Dinge keine Sorgen machen musste. Als kleiner Kritikpunkt sei angemerkt, dass notwendige Unterschriften des hiesigen Betreuers manchmal leider ein bisschen auf sich warten ließen.

Was die Vorlesungen und Seminare angeht, gilt es hier, einen Unterschied zur deutschen Universität zu beachten: Die meisten Kurse dauern hier ein ganzes Jahr, also sie beginnen im Wintersemester und werden im Sommersemester fortgesetzt. Bei der Kurswahl muss man deshalb berücksichtigen, wie lange man bleiben möchte. Wenn man beabsichtigt, nur ein Semester zu bleiben, kann man zwar auch ganzjährige Kurse belegen, allerdings kann man sich diese nicht im Learning Agreement anrechnen lassen. Es ist auch möglich, Kurse anderer Fachrichtungen und Fakultäten zu belegen. So kann man zum Beispiel auch Übersetzungskurse der Facultad de Traducción besuchen, die sich auf dem selben Campus befindet.

Die Kurse unterteilen sich hier in Pflicht- und Wahlfächer, wobei die Einheimischen verständlicherweise hauptsächlich erstere besuchen, so dass in den Wahlfächern oft nur wenige Studenten anzutreffen sind, darunter viele Erasmusteilnehmer. Dies bietet den Vorteil, dass man in entspannter Atmosphäre zusammenkommt und  - wenn man möchte - selbst öfter zu Wort kommt als dies in größeren Kursen möglich wäre. Die Lehrer können hier zudem Rücksicht auf die Tatsache nehmen, dass sich viele Ausländer unter den Studenten befinden und sie sind auch gerne bereit, das eine oder andere Wort zu erklären.

Das Arbeitspensum und die Schwierigkeit der Kurse hier halten sich in Grenzen, was einem als Nicht-Muttersprachler sehr entgegen kommt. In den meisten Fächern finden ein oder mehrere kleine Examina statt, Hausarbeiten bilden die Ausnahme, so dass man, wenn man möchte, auch mehrere Literatur-Wahlkurse gleichzeitig belegen kann.

Auch ein Spanischkurs wird von der Uni für alle Erasmusstudenten angeboten, wobei die Studenten auf vier Gruppen aufgeteilt werden, je zwei Gruppen für Anfänger- und zwei für Fortgeschrittenenniveau. Die Zuteilung erfolgte anhand eines diagnostischen Tests, dem wir uns am Anfang des Semesters unterziehen mussten. Es handelte sich dabei um ein Multiple-Choice-Verfahren mit Fragen, die den meisten Studenten, die bereits zwei oder drei Semester Spanischunterricht an der Uni besucht haben, keine allzu großen Schwierigkeiten bereitet haben dürften.

Die Spanischkurse dauern jeweils eine Doppelstunde pro Woche und können auch mit wenigen ECTS-Punkten im Learning Agreement angerechnet werden. Der Fortgeschrittenenkurs, den ich besuche, war am Anfang geradezu überfüllt, erfreute sich aber im Laufe der Zeit immer geringerer Beliebtheit. Dies ist wohl mit der recht theoretischen Unterrichtsgestaltung des Lehrers zu erklären, der oft mehr Wert auf ein durchdringendes Verständnis der Grammatik als auf deren Anwendung legt. Was an diesem Kurs positiv hervorzuheben ist, ist die Tatsache, dass der Lehrer auch auf die Besonderheiten des Kanarischen (und des oft ähnlichen amerikanischen) Spanisch eingeht, von dem man hier ja täglich umgeben ist.

Abschließend kann ich sagen, dass ich mit meinem bisherigen Aufenthalt sehr zufrieden bin und hoffe, dass dies auch so bleiben wird.