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Kommunizieren in die Ferne. Fern- und Telekommunikation in weltgeschichtlicher Perspektive

Prof. Dr. Susanne Popp / Dennis Röder / Dr. Michael Wobring

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Gliederung

Einführung in das Thema

1. Begriffliche Grundlagen

Bis vor rund 200 Jahren stellten reitende Eilboten das schnellste Medium der Nachrichtenübermittlung über weite Entfernungen dar. Heute hingegen ist es für viele Zeitgenossen selbstverständlich geworden, fast ohne jede Zeitverzögerung selbst mit den fernsten Plätzen der Welt in Kontakt zu treten. Telephon und Telefax, Internet und E-Mail stehen für eine enorm leistungsfähige, extrem beschleunigte Fernkommunikation, die weltweit vernetzt ist und raumzeitliche Distanzen weitgehend aufhebt. Sie repräsentiert die Idee der global vernetzten "Einen Welt", die aus dem 19. Jahrhundert stammt. Damals eröffnete sich theoretischdie Möglichkeit, selbst über größte Strecken hinweg gleichsam in "Echtzeit" zu kommunizieren.

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1.1 "Fern-" und "Telekommunikation" - eine begriffliche Abgrenzung

"Telekommunikation" und "Globalisierung" sind Schlüsselbegriffe der Gegenwart. Die globale Nutzung von Internet und E-Mail, Festnetz- und Mobiltelephon, Telefax oder Funk zur Nachrichtenübermittlung über weite Strecken(Alternativkarte) lassen es gerechtfertigt erscheinen, zu Beginn des 21. Jahrhunderts von einem "Zeitalter der Telekommunikation" zu sprechen.
Doch der Begriff "Telekommunikation" ist bereits über 100 Jahre alt. Veranlasst durch die Nutzbarmachung von Elektrizität für die Nachrichtenübertragung und die Fertigstellung eines
weltumspannenden Telegraphennetzes(1902), erfand der französische Nachrichtentechniker Edouard Estaunié (1862-1942) im Jahre 1904 (vgl. "Traité de communication électrique") das Kunstwort "Telekommunikation", um damit Telegraphie und Telephonie, die neuen Nachrichtenübermittlungssysteme seiner Zeit, zu bezeichnen.
Dieser Begriff setzt sich aus der griechischen Vorsilbe "tele" für "weit, fern" und dem lateinischen Nomen "communicatio" für "Unterredung, Mitteilung" zusammen. Doch bereits bei Estaunié bedeutete "tele-" nicht nur "fern", sondern vor allem auch "
elektrischvermittelter Nachrichtenaustausch".
Damit schloss der Begriff
"Telekommunikation"viele, teilweise sehr alte Formen der Fernkommunikationaus: sowohl die nicht-elektrischenoptischen oder akustischen Zeichensysteme (z.B. Feuer-, Rauch- oder Klangsignale), die die Geschichte der Menschheit schon seit langembegleiteten (z.B. bei Gefahrenabwehr oder Kriegführung), als auch den insgesamt weitaus wichtigeren Transport mündlicher und schriftlicher Nachrichten per Boten. Bei diesem gelangten die Nachrichten stets um das Maß zeitlich versetzt beim Empfänger an, das die menschlichen oder tierischen Boten (z.B. Brieftauben) " unter wechselnden geographischen, klimatischen u.a. Bedingungen und ggf. mit unterschiedlichen Hilfsmitteln (z.B. Reittiere, Schiffe, Wagen)" benötigten, um die räumliche Distanz zwischen Absender und Empfänger zu überbrücken: auf dem Landweg, zu Wasser und, schon vor dem Flugzeug, auch in der Luft.

Nicht anders als in vormodernen Epochen muss auch die heutige Briefpost noch "reale" Wegstrecken bewältigen. Doch im Vergleich mit Segelschiff, Reiterstaffel oder Postkutsche sind die modernen Transportmittel" Eisenbahn, Automobil, Flugzeug oder motorengetriebenes Schiff " weitaus schneller, leistungsstärker und witterungsunabhängiger geworden. Unverändert aber gilt, dass sie weiterhin noch häufig Nachrichten zusammen mit Personen und Gütern transportieren, z.B. im Zug, Flugzeug, Schiff oder Postbus. Die Telekommunikation hingegen lässt nur die Übertragung immaterieller Einheiten, d.h. elektrischer Signale, zu. Doch erfolgt hier die Übermittlung einer Nachricht vom Absender zum Empfänger mehr oder minder in einem einzigen "Transportsystem", während beim materiellen Transport von Nachrichten zumeist verschiedene Systeme miteinander verbunden wurden und werden. So bringt man heute beispielsweise einen Brief zu Fuß zu einem Postkasten, von wo aus er zunächst mit einem Auto, dann mit der Eisenbahn und möglicherweise sogar mit Schiff oder Flugzeug transportiert wird, bevor er in vielen weiteren Schritten seinen Bestimmungsort erreicht.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts erfolgte im Zuge der Industrialisierung eine nie zuvor gekannte Beschleunigung der Laufzeiten von Nachrichten (vgl. z.B. London-Bombayoder London-New-York). Diese Entwicklung beruhte nicht allein auf der Etablierung der elektrischen Nachrichtenübermittlung, sondern ebenso auf der "Verkehrs- und Transportrevolution", zu der motorengetriebene Schienen- und Wasserfahrzeuge, Automobile und später auch Flugzeuge sowie der Bau von Eisenbahnlinien, Straßen, Brücken, Tunnel, Kanälen sowie Schiffs- und Flughäfen entscheidend beigetragen haben.
Für die so genannte "Kommunikationsrevolution" aber war es von entscheidender Bedeutung, dass die neuen Systeme der elektrischen Fernübermittlung von Nachrichten alsbald für den nicht-staatlichen Gebrauch geöffnet wurden. Dabei setzte jedoch die uns vertraute massenhafte individuell-private Telekommunikation noch nicht mit der
Telegraphiedes späten 19. Jahrhunderts, sondern erst mehrere Jahrzehnte später mit der Telephonieein.
Für eine erste begriffliche Orientierung sei festgehalten, dass Fern- und Telekommunikation unter den Oberbegriff des Nachrichten(übermittlungs)wesens fallen und dieser wiederum unter den Sammelbegriff des Verkehrswesens einzuordnen ist, der den Transport von Menschen, Gütern und Nachrichten umfasst.

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1.2 Zum Begriff "Telekommunikation"

Im Laufe des 20. Jahrhunderts, spätestens seit den 1980/90er Jahren, hat sich der Begriff "Telekommunikation" allgemein und weltweit durchgesetzt. Er ist jedoch nicht mehr auf Telegraphie und Telephonie beschränkt, sondern hat sich zu einem Sammelbegriff für alle Formen der nicht-materiellen Informationsübertragung entwickelt und dabei ältere Bezeichnungen, wie z.B. "Nachrichten-" oder "Fernmeldewesen", verdrängt, die heute nur noch in speziellen Bereichen (z.B. Militärwesen) gebräuchlich sind.
Diese Darstellung folgt der aktuellen Begriffsbestimmung der "
International Telecommunication Union" (ITU). Telekommunikation umfasst hier "[...] any transmission, emission, or reception of signs, signals, writings, images, and sounds; or intelligence of any nature by wire, radio, visual, or other electromagnetic systems".
Folgt man dieser Definition, sind aus dem Begriff "Telekommunikation" einerseits jene Systeme ausgeschlossen, die Nachrichten materiell transportieren (z.B. Briefpost), sowie andererseits auch jene, die zwar eigene Zeichensysteme, z.B. Licht-, Rauch- oder Klangzeichen, für die Nachrichtenübermittlung benutzen, aber keine elektrische Grundlage haben.
In geschichtlicher Perspektive gelten üblicherweise nur solche nicht-elektrischen Verfahren der Nachrichtenübermittlung als historische Vorläufer der Telekommunikation, die neben einem Kodesystem noch weitere Merkmale aufweisen, wie z.B.

  • das Vorhandensein eines ständig und permanent betriebenen Systems, das von Spezialisten bedient wird,

  • die Kodierung der zu übertragenden Nachrichten nach einer für das ganze Netz geltenden Systematik (Universalität der Kodierung),

  • das Vorhandensein von Betriebssignalen in den Nachrichten, die vom Nachrichteninhalt unabhängig sind (z.B. für Beginn, Ende und Unterbrechung einer Nachricht).

Diese Bedingungen werden beispielsweise vom System des optischen Telegraphen von Claude Chappeerfüllt, nicht jedoch von der "Feuerpost", die antike Autoren beschrieben haben.

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1.3 Zum Begriff "Fernkommunikation"

Die Notwendigkeit, Nachrichten über weite Strecken hinweg zu kommunizieren, entstand selbstverständlich nicht erst mit modernen Gesellschaften. Gleichwohl gibt es keinen feststehenden, verbindlichen Sammelbegriff für die Bezeichnung all jener akustischen, optischen und graphischen Verfahren der Nachrichtenfernübermittlung, deren sich menschliche Gesellschaften von den geschichtlichen Anfängen an bis heute bedient haben. Und der Begriff "Nachrichtenwesen", den viele historische Darstellungen im Bezug auf vormoderne Gesellschaften benutzen, unterscheidet nicht zwischen nah und fern, worauf es hier besonders ankommt.

Diese Darstellung verwendet den Begriff "Fernkommunikation" generell für Verfahren der nicht-elektrischen Nachrichtenübermittlung über weite Distanzen, d.h. sowohl für nicht-materielle Übermittlungsverfahren mit Hilfe von speziellen Zeichen (z.B. Licht-, Rauch- oder Klangzeichen) als auch für den Transport von mündlichen und schriftlichen Nachrichten durch Boten.
Nähe und Ferne sind jedoch relative Begriffe. Man kann die Distanz, die aus Kommunikation "Fernkommunikation" macht, nicht präzise bestimmen. Was als Nahbereich einer gegebenen Lebenswelt anzusehen ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab, so z.B. vom Mobilitätsgrad einer Gesellschaft bzw. von sozialen Teilgruppen, von subjektiven oder kollektiven "mental maps" oder auch von offiziellen Bestimmungen. So kann man heute beispielsweise in einer Großstadt ein "Ortsgespräch" über eine Entfernung hinweg führen, die anderswo als "Ferngespräch" gilt, weil sie dort Gemeindegrenzen überschreitet.
Erst recht gilt dies für den diachronen Vergleich. Der Radius der alltagsweltlichen Reichweite hat sich im Laufe der Geschichte lokal und regional immer wieder erheblich verändert, dabei allerdings niemals die Größenordnung der modernen (Post-)Industriegesellschaften erreicht. Heute legen nicht wenige Menschen auf ihrem täglichen Weg zum Arbeitsplatz" als denkbarem Indikator für "Nahbereich"" mehr als hundert Kilometer zurück und nutzen Telephon und E-Mail für eine massenhafte Individualfernkommunikation, die räumliche Distanzen weitestgehend aufhebt.
In dieser Darstellung soll jede Nachrichtenübermittlung als "Fernkommunikation" gelten, die über den "Nahbereich" hinausführt, wie immer dieser definiert sein mag. Keinesfalls aber sind nur internationale oder transkontinentale Fernstrecken gemeint. Auch soll der weit gefasste Begriff der Fernkommunikation keineswegs die tiefen medien- und kommunikationsgeschichtlichen
Zäsurenin der Geschichte der Fernkommunikation nivellieren, die z.B. mit der Verbreitung von Schrift und Buchdruck oder der Telekommunikation auf elektrischer Basis verbunden sind. Vielmehr geht es darum, einen geschichtlichen Bezugsrahmen herzustellen, um Größe und Bedeutung von vergangenem und gegenwärtigem historischem Wandel besser abschätzen und einordnen zu können.

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2. Die historische Bedeutung von Fern- und Telekommunikation in weltgeschichtlicher Perspektive

2.1 Neue Trends der Geschichtswissenschaften

Es gibt aktuelle Trends in der historischen Forschung zur Fern- und Telekommunikation, die das Blickfeld über die großen Entwicklungsschritte der Telekommunikationim 19., 20. und 21. Jahrhundert hinaus erweitern (vgl. z.B. Huurdeman 2003). Fernkommunikationwird hier als grundlegendes Element von historischen Gesellschaften und Herrschaftsformationen aufgefasst, das jeweils differenziert zu bestimmende Funktionen z.B. für deren Infrastruktur, Außenbeziehungen oder deren geschichtlichen Wandel aufweist.
Dieser Ansatz entspricht ähnlichen Forschungstendenzen auf dem Gebiet der Geschichte der Globalisierung, die diese in den umfassenden Zusammenhang einer zunehmenden Vernetzung von (Welt-)Regionen einordnen (vgl. z.B.
Osterhammel/Petersson 2003), die weit in die vormoderne Vergangenheit zurückreicht.
Dabei wird nicht in Frage gestellt, dass sich die Prozesse transregionaler Austauschbeziehungen und Vernetzungen regional höchst unterschiedlich und unstet gestalteten und keineswegs dem Muster eines linearen Fortschritts folgten. Auch wird zu Recht betont, dass die Bedeutung von Fernkontakten für einzelne historische Gesellschaften bzw. für einzelne soziale Teilgruppen stets sehr differenziert einzuschätzen ist. Gleichwohl lässt eine makrohistorische Betrachtung sichtbar werden, dass es " zumindest bis heute " ein Wachstum sowohl der technologischen und demographischen als auch der kommunikativen bzw. interaktiven Kapazitäten gegeben hat, das regionale Unterschiede übergreift.
Die hier dargestellten Überlegungen zur weltgeschichtlichen Relevanz von Fern- und Telekommunikation sind vor diesem Hintergrund zu sehen.

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2.2 Fern- und Telekommunikation als historische Schlüsselelemente

Fernkommunikation stellt zweifellos ein Schlüsselelement der gesamten gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Menschheit dar. Diese ist kaum ohne fortgesetzte Aktivitäten vorstellbar, Nachrichten über die Grenzen des jeweiligen Nahraums hinaus auszutauschen, d.h. "von draußen" zu erhalten oder "nach draußen" zu verbreiten. Dies diente vermutlich schon in den frühesten Gesellschaften elementaren Funktionen, wie z.B. dem Schutz: Mit einfachen optischen oder akustischen Mitteln der Fernkommunikation konnte man Warnsysteme betreiben, die von ferne nahende Gefahren früher meldeten, als dies Späher und Läufer tun konnten.
Ferner ist die menschliche Geschichte grundsätzlich nicht ohne überaus vielfältige Wanderungsbewegungen von Menschen und damit von Gütern und Technologien, aber auch von Wissen, Denksystemen und kulturellen Praktiken denkbar. Dies impliziert Fernkommunikation auch dann, wenn diese nicht intentional erfolgte und sich in kleinräumigen Teilstrecken über zahlreiche Knotenpunkte und Umschlagplätze hinweg vollzog. Insgesamt haben sich im Laufe der letzten 5000 Jahre die sozialen Interaktionen über den Horizont der "face-to-face communities" hinaus in sehr vielen Regionen mehr und mehr intensiviert.

Die Bedeutung von Fernkommunikation erschließt sich auch aus dem Wachstum der Weltbevölkerung, die seit dem Ende der letzten großen Eiszeit und der Besiedlung aller Kontinente vor rund 15.000 Jahren rasant angestiegen ist. Lebten um das Jahr 1 n. Chr. schätzungsweise rund 200 bis 300 Millionen und um 1500 etwa doppelt so viele Menschen (vgl. Cohen 1995, S. 77) in den bewohnbaren Erdregionen, so vergrößerte sich die Weltbevölkerung(Alternativkarte) in den letzten 500 Jahren auf immerhin rund 6,5 Milliarden Menschen.
Migrationenund Expansionen schufen immer wieder neue Kontaktzonen. Aus der geographischen, politischen, militärischen und besonders wirtschaftlichen Anziehungskraft einer Region heraus entwickelten sich schon vor mehreren tausend Jahren Ballungszentren, z.B. Städte oder Stadtstaaten, die auf den Kontakt mit Peripherien angewiesen und häufig an Fernhandelskontakte angeschlossen waren. Die Bildung der ersten Reichen und Großreiche bedeutete weiteren Bedarf an Fernkommunikation" im Inneren und nach außen.
Immer wieder wurden neue technische Erfindungen, darunter nicht wenige Zufallsentdeckungen, hervorgebracht, die eine weitere Verbesserung des Informationsaustauschs über große Entfernungen hinweg ermöglichten, unterstützten oder intensivierten. Hierbei spielten nicht nur Fernhandel, Transportmittel und -wege eine tragende Rolle, sondern auch die Verbreitung neuer Speichermedien (vgl. z.B. Schrift) und" sehr viel später " von Vervielfältigungsmöglichkeiten (vgl. z.B. (Buch-)Druck mit beweglichen Lettern).

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Politik und Herrschaft

Selbst elementare politische Handlungen setzen in vieler Hinsicht Fernkommunikation voraus. Dies betrifft ganz allgemein die Bildung von einzelnen Gruppen und Gesellschaften sowie Freund-Feind-Beziehungen, aber auch z.B. Verhandlungen über Krieg und Frieden, Handelskontakte oder ganz allgemein das Wissen über die Welt, da dieses das Selbst- und Fremdverständnis von Gesellschaften und deren Teilgruppen mitprägt.
Grundsätzlich stehen politische Macht und Herrschaft, aber auch Macht- und Herrschaftskrisen, in einem engen Verhältnis zu den vorhandenen Möglichkeiten, Nachrichten effizient und zuverlässig über größere Distanzen hinweg zu übermitteln. Staats- und Reichsbildungen benötigen ein funktionstüchtiges Nachrichtenübermittlungswesen zur Durchsetzung des politischen Willens, besonders auch im Kriegsfall. Je komplexer sich Herrschaftssysteme gestalten, je weiter sie transregional oder gar" in Form von Imperien" z.B. über (Sub-)Kontinente hinweg expandieren, desto notwendiger werden funktionierende Kommunikationsstrukturen, die Zentrum und Peripherie, Regierung und Provinz, Stadt und Land verbinden und eine effiziente Kontrolle des Herrschaftsraumes und seiner Umgebung ermöglichen.
Die Verbreitung von Informationen, Weisungen, Warnungen, geheimen Botschaften oder auch Gerüchten über den Nahraum hinaus gehörte wohl schon immer zur Geschichte politischer Systeme dazu und ist nicht auf die Geschichte von Diplomatie und Spionage beschränkt. Auch für Herrschaftslegitimation und -propaganda spielte und spielt Fernkommunikation eine wichtige Rolle, man denke z.B. an die Verbreitung von herrschaftslegitimierenden Mythen, an Herrscherlegenden oder die symbolische Repräsentation von Herrschaft (z.B. durch Münz- und andere Bildnisse bis hin zur Verwendung von Radio, Fernsehen und Internet). Vergleichbares gilt schließlich auch für die Integration von Regionen und die Entwicklung von neuen kollektiven Identitäten, aber umgekehrt auch für Desintegrations- und Spaltungsprozesse.

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Geschichte der Globalisierung

Die Fernkommunikation bildet einen konstitutiven Faktor nicht nur in der Geschichte der Globalisierung, sondern auch im makrohistorischen Prozessder zunehmenden Ausweitung und Verdichtung transregionaler Kontaktzonen und Netzwerke. Dieser Prozess vollzog sich zunächst über sehr große Zeiträume überaus langsam und unstet, beschleunigte sich aber ab dem 16. Jahrhundert gewaltig und gewann seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine historisch neuartige Qualität. Hierzu trug wesentlich die Revolutionierung der Kommunikations-, Transport- und Verkehrssysteme im Zuge der Industrialisierung bei.
Die Etablierung eines
telegraphischen Weltnetzes, das nach einer rund 40-jährigen Aufbauzeit im Jahre 1902 in Betrieb ging, kann als Symbol für die Entstehung der einen, global vernetzten Welt der Gegenwart stehen, auch wenn der Globalisierungsprozess nicht dem Muster eines linearen Wachstums folgte und gerade im 20. Jahrhundert erhebliche Rückschläge zu verzeichnen waren. Man denke nur an die Folgen des Ersten Weltkrieges.
Doch schon vor dem Beginn der Kommunikationsrevolution und Globalisierung (im engeren Sinne) konnten beispielsweise die Eliten der (früh-)neuzeitlichen Welt, in der Europa zur politisch und wirtschaftlich führenden Region aufstieg, weitaus mehr an Nachrichten in einem immer größeren Radius schneller und zuverlässiger als je zuvor kommunizieren. Hierzu trugen die Entdeckungsreisen, die enorme Ausweitung der weltweiten Handels- und Verkehrsnetze zu Wasser und zu Land sowie die Verbesserung der Transportmittel und -systeme, z.B. für Briefpost, bei. Ebenso sind hier die neuen schriftsprachlichen Vervielfältigungsmöglichkeiten (vgl. (Buch-)Druck mit beweglichen Lettern) oder wegweisende wissenschaftliche und technische Entwicklungen zu nennen. Auch die Verbreitung des Fernrohrs kann als Meilenstein in der Geschichte der Fernkommunikation gelten. Doch erst mit der Fertigstellung des
weltumspannenden Telegraphennetzes(1902) wurde es möglich, Nachrichten zwischen Weltmetropolen wie z.B. London und New York, Zentren der außereuropäischen Welt, z.B. Kalkutta, oder auch Transitplätzen, wie z.B. Aden oder Mombasa, innerhalb weniger Minuten(Alternativkarte) auszutauschen.

Der in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts neu entstandene Weltmarktes konzentrierte sich mehr und mehr auf die Knotenpunkte der globalen Telekommunikation. Dies bedeutete für jene Regionen, denen die Weltmächte keine oder eine bloß marginale wirtschaftliche und politische Bedeutung beimaßen (insbesondere z.B. Polargebiete, zentralasiatische Regionen, Teile von Afrika südlich der Sahara), dass sie nicht "verkabelt" und damit im Vergleich noch randständiger wurden, als sie dies zuvor waren. Die später vorgenommene Unterscheidung in Erste, Zweite und Dritte Welt beruht somit auch auf der "(Tele-)Kommunikationsrevolution" des 19. Jahrhunderts und ihrer Funktion für die Etablierung einer weltweiten politischen und wirtschaftlichen Dominanz des Westens. Wie eng die Chancen zur Partizipation an Welthandel und -politik mit der Geschichte der Fern- bzw. Telekommunikation verbunden sind, tritt auch heute noch überaus deutlich hervor, wenn man die Entwicklung der weltweiten Verteilung von Internetservern und -usernhistorisch betrachtet.

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Schließlich aber ist die Geschichte der Fern- und Telekommunikation, weltgeschichtlich betrachtet, mehr als eine ausschließlich "westlich" dominierte, oft genug fortschrittsteleologisch gedeutete Beschleunigungsgeschichte der Welt, die sich mit Hilfe von Telegraph, Telefon, Telefax, Funk, Internet und Email realisierte.

Ihre menschheits- und kulturgeschichtliche Relevanz zeigt sich gerade auch in der Vielfalt der historischen Formen, die, dies zeigt vor allem der Weltmaßstab der Betrachtung, bis heute parallel laufen und sich oft genug ergänzen. Wenn heute vor dem Hintergrund von Mobiltelefon und Email Tiere und Menschen als Träger der Informationsübermittler gerne für atavistische Randerscheinungen gehalten werden, wird leicht übersehen, dass sie in vielen Teilen der Welt weiterhin eine große Rolle in der aktiven Informationsübertragung spielen " und dass auch zu uns (noch) fast täglich ein menschlicher Post-"Bote" kommt, der oft genug auf dem Fahrrad unterwegs ist.

Zugleich gilt, dass 60 % der heutigen Weltbevölkerung noch niemals telefoniert(weitere Karte) haben und beispielsweise in bestimmten Weltregionen auch die uns geläufige Vorstellung der Entwicklung vom elektrischen Festnetztelefon zum mobilen, multifunktionalen Telefon nicht zutrifft. Im Gebiet des südlichen Afrika etwa waren Festnetzanschlüsse nur wenig sinnvoll und rentabel, gleichzeitig aber zählt dieser Teil der Welt heute zu den sich am schnellsten entwickelten Regionen auf dem Mobilfunkmarkt.

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2.3 Kontinuität und (Funktions-)Wandel: Das Rieplsche Gesetz

Die Geschichte von Telekommunikation und weltweiter Dominanz des "Westens" sind eng miteinander verbunden. Doch kann eine weltgeschichtlich erweiterte Betrachtung der Fern- und Telekommunikation deutlich zeigen, dass es sich dabei keineswegs um eine ausschließlich "westlich" dominierte "Beschleunigungsgeschichte" der Kommunikation handelt, die sich mit Hilfe von Telegraph, Telephon, Funk, Telefax, Internet und E-Mail realisierte" und oft genug fortschrittsteleologisch gedeutet wird. Vielmehr verweist die Vielfalt der historischen Formen, die bis heute parallel laufen und sich oft genug ergänzen, auf eine umfassendere historische Dimension hin.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts machte der Altphilologe und Journalist Wolfgang Riepl (1864-1938; Beiträge zur Geschichte des Nachrichtenwesens bei den Römern, 1911) darauf aufmerksam, dass auch die ältesten Mittel, Formen und Methoden der Fernkommunikation neben neueren Entwicklungen erhalten bleiben, dabei jedoch häufig ihre Funktion verändern. Das so genannte "Rieplsche Gesetz" der Komplementarität der Medien besagt, dass "kein Instrument der Information und des Gedankenaustauschs, das einmal eingeführt wurde und sich bewährte, von anderen vollkommen ersetzt oder verdrängt wird." (Haas 1990, S. 109).

Auch wenn der Gesetzescharakter der Rieplschen Annahme schon längst als unzutreffend erkannt wurde, diskutiert man noch immer über das Verhältnis von neueren und älteren Medien (vgl. z.B. Verdrängungs- oder Kumulationsthese). Und dabei bestreitet niemand, dass im "Zeitalter der Telekommunikation" auch sehr alte Formen der Fernübermittlung von Nachrichten fortexistieren. Man muss nur an den Postboten denken, der oft genug zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist und nach wie vor eine "tragende" Funktion im System der modernen Fernkommunikation erfüllt. Auch sind weltweit noch immer Nebelhörner und Leuchttürme in Betrieb" trotz Schifffunk und GPS. Schließlich dienen selbst in hoch entwickelten Industrieregionen weiterhin (Kirchen-)Glocken, Fanfaren oder Flaggen (z.B. auf Halbmast) der "Fernkommunikation", auch wenn sie dabei zumeist auf symbolische oder rituelle Zwecke reduziert sind.

Hält man" vor dem Hintergrund von Mobilphon und E-Mail" Tiere und Menschen, die als Boten Nachrichten überbringen, für atavistische Randerscheinungen, übersieht man leicht, dass sie in vielen Weltregionen weiterhin eine große Rolle spielen. Immerhin haben schätzungsweise rund 60 % der heutigen Weltbevölkerung noch niemals telephoniert(weitere Karte). Auch trifft die geläufige Vorstellung keineswegs für alle Weltregionen zu, der Weg des technologischen Fortschritts führe immer vom Festnetz- zum mobilen Telephon. Das Gebiet des südlichen Afrika etwa, wo es vergleichsweise wenige Festnetzanschlüsse gab und gibt, zählt gegenwärtig zu den am schnellsten expandierenden Regionen des Mobilphon-Marktes.

In sehr unwegsamen Weltregionen existieren auch Kurier- und Stafettensysteme fort, so z.B. in der heutigen indischen Himalaja-Region . Ferner dienen Brieftauben, die im hochgradig technisierten Ersten Weltkrieg noch in großer Anzahl für die Taubenpostan der Frontverwendet wurden, mancherorts noch immer als "Postboten", so z.B. auf der Halbinsel Cotentin in der Normandie. Und auch der Heliograph, den bereits antike Quellen erwähnen, findet mitunter noch Verwendung in modernen Kriegen. Somit zeigt die Welt der Fernkommunikation mehr denn je eine "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen".

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3. Zielsetzungen des geschichtlichen Überblicks

In diesem Überblick kann es nicht um eine systematische und ausführliche Skizze der Geschichte von Fern-und Telekommunikationin welthistorischer Perspektive gehen. Vielmehr soll ein elementarer, an grundlegenden Zäsuren orientierter Bezugsrahmen entstehen, der die Einschätzung und Einordnung von historischem Wandel erleichtern und Denkanstöße vermitteln will. Zum einen soll die grundlegende Bedeutung von Fernkommunikation für historische Gesellschaften betont werden, zum anderen soll diese verstärkt als fundamentales Phänomen der weltweiten Geschichte transregionaler Kontakte und Beziehungen wahrgenommen werden, die auf die einzelnen Gesellschaften zurückwirkte und oft genug zu deren Wandel beitrug.

Schließlich gilt das Interesse einer Erweiterung jener Geschichtsvorstellungen, die die üblichen Schulbuchinhalte vermitteln. Es geht um eine weltgeschichtlich orientierte Perspektive auf jenen großen historischen Bogen, den die Lehrpläne von den "Anfängen der Menschheit" über die ersten Großreiche, die griechisch-römische Antike, das lateinisch-christliche Mittelalter und die Frühe Neuzeit zur Moderne und Gegenwart zu schlagen pflegen. Damit will man den Heranwachsenden eine Traditionslinie nahe bringen, die als geschichtlicher "Weg" der eigenen Kultur und Nation in die Gegenwart gilt. Ein Nebeneffekt besteht jedoch darin, dass die einzelnen aufeinander folgenden historischen Gesellschaften bzw. Epochen weitestgehend von der sie umgebenden zeitgenössischen Welt isoliert werden, da man sie fast ausschließlich unter dem Aspekt betrachtet, welche Bedeutung sie für die eigene Geschichte haben. Dies aber führt dazu, dass überregionale Verflechtungen und Zusammenhänge zumeist stark vernachlässigt werden, ganz gleich, ob sie nun für den historischen Wandel vor Ort bedeutsam waren oder nicht. Damit entfallen auch Vergleichsmöglichkeiten, die das historische Verständnis vertiefen könnten.

Das Thema "Geschichte von Fern- und Telekommunikation" bietet gute Möglichkeiten, sowohl die Geschichte einzelner Gesellschaften als auch die zeitgenössischen transregionalen und -kulturellen Kontakte und Netzwerke in den Blick zu nehmen, worin jene eingebettet waren. Somit kann man die obligatorischen Lehrplanthemen mit erweiterten geschichtlichen Perspektiven verknüpfen und ein geschichtliches Denken anregen, das bestrebt ist, ortsgebundene historische Phänomene in umfassendere geschichtliche Zusammenhänge einzuordnen" per Beziehungsgeschichte (d.h. die Geschichte transregionaler oder -kultureller Beziehungen) oder per Vergleich. Da die Erweiterung der Perspektiven bei den vertrauten Themen beginnen soll, orientiert sich der hier vorgestellte Überblick am Inhaltskanon der deutschen Geschichtslehrpläne und -schulbücher, der freilich nicht nur in der Schule, sondern weit darüber hinaus von geschichtskultureller Bedeutung ist.

Der Überblick setzt drei Schwerpunkte:

  • Im Kapitel "Geschichtliche Anfänge der Fernkommunikation" (Kapitel 4) geht es um jene Formen der Fernübermittlung von Nachrichten, die bereits vor der Domestikation von Tieren in Gebrauch waren. Dieses Kapitel befasst sich mit den Voraussetzungen und der frühen Entwicklung menschlicher Fernkommunikationund bezieht dabei die Evolution und Ausbreitung des Menschen sowie die Rolle von Sprachen, Werkzeugen und Zeichensystemen ein.

  • Das 5. Kapitel, "Von der Neolithischen Revolution zur Verbreitung des Buchdrucks", greift in einem sehr großen zeitlichen Bogen exemplarisch einzelne Aspekte mit grundlegender Bedeutung für die Geschichte der Fernkommunikation auf: die Herausbildung sesshafter Gesellschaften, die Domestikation von Tieren, die Entstehung von Stadtstaaten, Reichen und Großreichen, die Entwicklung und Verbreitung der Schrift sowie die Transportwege und Verkehrsnetze für den Fernhandel.

  • Das 6. Kapitel, "Fernkommunikation in der Moderne", wendet sich schließlich der Telekommunikationzu, die sich im 19. Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung mit der Nutzung von Elektrizität entwickelt und verbreitet hat und die bislang vorhandene Fernkommunikation von Grund auf veränderte.

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4. Geschichtliche Anfänge der Fernkommunikation

4.1 "Nah" und "Fern"

Selbstverständlich setzt jegliche Form der Fernkommunikation das Vorhandensein entwickelter Formen der Kommunikation im jeweiligen Nahbereich voraus. Nicht nur für sehr frühe menschliche Gesellschaften, sondern für den allergrößten Teil der Menschheitsgeschichte gilt, dass die Reichweite von und die Partizipationsmöglichkeiten an Fernkommunikationim Vergleich mit der Moderne überaus eng beschränkt waren. Doch darf man umgekehrt auch davon ausgehen, dass schon die ältesten Gesellschaften, z.B. für die Gefahrenabwehr, nicht nur Späher und Läufer, sondern auch andere Kommunikationssysteme einsetzten, die über größere Entfernungen hinweg funktionierten.

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4.2 Sprache und Stimme

Eine erste Ausdehnung der Reichweite der menschlichen Nachrichtenübermittlung ergab sich mit der Entwicklung des aufrechten Gangs (homo erectus, vor ca. zwei Millionen Jahren bis ca. 150 000 Jahren), der einerseits das Blickfeld der Hominiden vergrößerte und deren Sehsinn schärfte, sowie andererseits zur Absenkung des Kehlkopfes und zum Erwerb der menschlichen Sprache führte. Damit wurde es den Menschen möglich, mit ihrer Stimme sprachlicheNachrichten über Strecken von mehreren 100 Metern weiterzugeben und mit Hilfe von einfachen Sprachrohren vielleicht sogar einen Kilometer zu überbrücken. Rufpostensysteme hingegen bewältigten ein Vielfaches davon. Daneben ist selbstverständlich auch an Läufer als Boten, aber auch an (nicht-sprachliche) Trommel- oder Pfeifsignale als Mittel der Kommunikation über größere Entfernungen zu denken.

Indem verbesserte sprachliche Kommunikationsmöglichkeiten Kooperation und Arbeitsteilung förderten, erzeugten sie zugleich einen gesteigerten Bedarf an Informationsaustausch. Mit Gruppenspaltungen und Wanderungen entwickelten sich fortlaufend neue Sprachen und Kommunikationsstile. Im Zuge der raschen Ausbreitung des modernen Menschen über die Erde (etwa 60.000 - 16.000 v. Chr.) bildeten sich zudem regionalspezifische Rituale und Symbole heraus, die die jeweilige Gruppenidentität repräsentierten und kommunizierten. So haben Höhlenbilder, Ritzzeichnungen und plastische Figuren möglicherweise auch dazu gedient, Informationen, z.B. über Tiere oder Gottheiten, einem größeren Kreis von Menschen zugänglich zu machen. Auch dann, wenn Menschen sich zu einer Quelle von Nachrichten begeben, die nicht aus ihrem kommunikativen Nahbereich stammen, findet Fernkommunikation statt.

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4.3 Feuer und Fernkommunikation

Neue Möglichkeiten für die Fernübermittlung von wichtigen Nachrichten, vor allem in kriegerischen Zusammenhängen, ergaben sich mit der Beherrschung des Feuers (zuerst vermutlich ca. 500.000 Jahren in China). Das Feuer konnte man nächtens von Erhebungen aus für Lichtzeichen, tagsüber, bei entsprechenden Witterungsbedingungen, für Rauchzeichen nutzen. Solche Verfahren führten grundsätzlich, besonders aber in Kombination beispielsweise mit Läuferstafetten oder Rufposten, zu einer erheblichen Vergrößerung der räumlichen Reichweite der Signale und zugleich zu einer bedeutenden Beschleunigung der Nachrichtenübermittlung über weite Strecken.

Im typologischen Vergleich mit der optischen Telegraphie, die freilich erst nach der Verbreitung des Fernrohrs in der Neuzeit entwickelt wurde und als Vorläufer der elektrischen Telegraphie gilt, muss man betonen, dass Feuer- oder Rauchzeichen für die Übermittlung frei formulierter Nachrichten nicht oder kaum geeignet waren und sind. Die Signale dienten, wenn man von einem antiken Polybios-Bericht (10, 45ff.) einmal absieht, wohl durchweg der Weitergabe von Zeichen für zuvor verabredete Botschaften. Nach Polybios aber kannte man auch ein Verfahren, bei dem die einzelnen der 24 Buchstaben des Alphabets mit bestimmten Konstellationen von brennenden Fackeln wiedergegeben wurden (vgl. hierzu den Flügeltelegraphen).
Eine weitere Variante der optischen Signale entstand später, im Zuge der Metallverarbeitung, mit dem Heliographen. Darunter versteht man optische Verfahren der Fernkommunikation, die das Sonnenlicht dafür nutzen, mit Hilfe polierten Metalls (z.B. Schilde " sehr viel später " auch Spiegeln) Lichtreflexe zu erzeugen, die
Informationendurch eine definierte Signalkodierungzu übertragen.

Was aber die akustischen bzw. sprachlichen Systeme der Nachrichtenfernübermittlung anbelangt, so sollte, vom Hilfsmittel der Rufstaffeln einmal abgesehen, eine Ausweitung der Reichweite der Stimmübertragung erst im Zeitalter der Industrialisierung auf elektrischer Basis möglich werden.

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5. Von der Neolithischen Revolution bis zur Verbreitung des Buchdrucks

5.1 Die "Neolithische Revolution" als Zäsur

Nach dem Abschmelzen der Gletscher und dem Ende der großen Eiszeit (ca. 15 000 v. Chr.) führten neue Wanderungswellen zur Besiedlung von bisher unerreichten Gebieten. Sehr langsam, unstet und ungleichmäßig verteilt, begannen die Weltbevölkerung und die Größe und Komplexität sozialer Gebilde zu wachsen, woraus sich zugleich auch ein wachsender Bedarf an Nachrichtenübermittlung über weite Strecken ergab.

Mit der so genannten "Neolithische Revolution" war eine tief greifende Zäsur in der Geschichte der Fernkommunikation verbunden. Neue Möglichkeiten und Formen der Fernkommunikation, die die jeweiligen Kontaktzonen um ein Vielfaches erweiterten, ergaben sich mit Sesshaftwerdung und Handel, der Domestikation von Tieren und Pflanzen, der Entstehung von bevölkerungsreichen Siedlungen sowie von zunehmend größeren Herrschaftsgebilden, in deren Zentren sich der Austausch von Erfahrung und Wissen verdichten konnte.

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5.2 Schriftkultur und Fernkommunikation

Insbesondere in großen Flusstälern (z.B. Nil, Tigris, Euphrat, Indus, Gelber Fluss) bildeten sich zu verschiedenen Zeitpunkten erste Städte und Stadtstaaten heraus, die mitunter sehr weit reichende Handelskontakte besaßen und durch eine planmäßig entwickelte Infrastruktur (z.B. Kanal- und Straßenbau) zusammengehalten wurden, die zugleich die Reisewege verkürzte. Hier kam es ab 4000 v.Chr. zur Entwicklung der Schrift als Speichermedium für sprachliche Äußerungen. Damit waren die Grundlagen für eine neue Form der Wissensakkumulation, aber auch für eine Nachrichtenfernübermittlung geschaffen, die ungleich kontrollierter und detaillierter als je zuvor erfolgen und darüber hinaus auch dokumentiert bzw. archiviert werden konnte. Ton, Glas, Tierhäute, Papyrus, Pergament und vermutlich ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. auch Papier (China) wurden zu Trägern von sprachlichen Nachrichten, die, über viele Vermittlungsschritte hinweg, nicht nur größte Entfernungen in ihrer ursprünglichen Fassung zurücklegen, sondern prinzipiell auch die Zeit überdauern konnten.

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5.3 Menschen und Tiere als Boten

Für den größten Teil der Geschichte wurden Menschen und Tiere als Transport-"Vehikel" für die mündliche oder schriftliche Fernkommunikation eingesetzt. So kommen menschliche "Postboten" in vielen, teilweise sehr alten Überlieferungen vor: Sie überbrachten Schreckens- und Freudenbotschaften, meldeten drohende Gefahren oder verkündeten Krieg und Frieden. Oft handelten sie im Auftrag und waren durch äußerlich sichtbare Attribute, z.B. eine bestimmte Kleidung, oder auch akustische Signale (z.B. das Spielen von Instrumenten, Glöckchen) gekennzeichnet, die den Boten-Status auswiesen und zugleich Schutz einforderten.

Die Bedeutung des Botenwesens spiegelt sich zudem in weit verbreiteten Vorstellungen von menschenähnlichen Götterboten wider, die Nachrichten aus der metaphysischen in die menschliche Sphäre transportieren. Als Beispiel ist zum einen das jüdisch-christlich-islamische Konzept des Engels (von griech. "angelos": Bote) zu nennen, einer menschenähnlichen Figur, die mit dem Botensymbol der Flügel ausgestattet ist. Zum anderen könnte man an den Götterboten Hermes erinnern, dem die griechische Mythologie bekanntlich Flügelschuhe und Heroldstab als spezielle Attribute beigegeben hat.
Für den allergrößten Teil der Menschen, die von den geschichtlichen Anfängen bis zur Industrialisierung lebten, dürfte die einzige Form einer "Fernkommunikation", die sie selbst praktizierten, darin bestanden haben, mit Ahnen und metaphysischen oder göttlichen Wesen zu kommunizieren. An dieser Stelle soll deshalb kurz darauf eingegangen werden, weil in überlieferten Mythen, Sagen und religiösen Texten nicht nur menschenähnliche Flügelwesen, sondern auch Tiere, besonders auch Vögel, als Boten fungierten, die "Nachrichten" aus metaphysischen Welten überbringen und, wie im antiken Rom, als Orakel dienten. Im Gilgamesch-Epos, das innerhalb des langen Zeitraumes vom 21. bis zum 6. Jahrhundert v. Chr. im Gebiet von Südbabylonien bis nach
Kleinasienüberliefert wurde und unter anderem auch die Erzählung von einer großen Sintflut(11. Tafel) beinhaltet, kommen bereits, wie später auch in der Genesis (vgl. 1. Buch Mose, 8) Raben, Tauben und als Botenfiguren vor, die den Wasserstand verkündeten.

Gewiss, solche teils mythischen, teils religiösen Vorstellungen haben kaum etwas mit der "realen" Geschichte der Fernkommunikation und der Boten zu schaffen. Indirekt aber verweisen sie auf die Ausbreitung der Weltreligionen im ersten nachchristlichen Jahrtausend, die für die Geschichte der "irdischen" Fernkommunikation eine kaum zu unterschätzende Bedeutung gewonnen hat. Denn mehr vielleicht als einzelne Expansionen und Handelsnetze haben die Weltreligionen zur Schaffung und langfristigen Etablierung weit reichender transregionaler und -kultureller Fernkommunikationsnetze, z.B. zwischen religiösen Zentren und Peripherien, beigetragen.

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5.4 Frühe Post- und Kuriersysteme: Das Beispiel Taubenpost

Der Zusammenhang, der die Geschichte der Fernkommunikation mit der Geschichte der Domestikation und Verbreitung von Nutztieren verbindet, erweist sich zum einen in der Bedeutung, die Huf- und andere Tierefür die Beschleunigung des Nachrichtentransports durch menschliche Boten gewannen, andererseits aber in der Bedeutung von Tauben, die als Kuriere für die Fernübermittlung von Nachrichten eingesetzt werden konnten, weil sie selbst aus sehr großen Entfernungen zum Nistplatz zurückkehren. Die Taube, die vermutlich als eines der ersten Tiere vom Menschen domestiziert wurde (schätzungsweise um ca. 5000 v.Chr.), diente bereits Sumerern und Ägyptern (um 2000 v.Chr.) für die Einrichtung einer Taubenpost, mit der beispielsweise Nachrichten über bevorstehende Kriege, aber auch Pharaonenkrönungen (z.B. Ramses II, 1279 v. Chr.) verbreitet wurden. Heute geht man davon aus, dass die Praxis der Taubenpost aus dem westasiatisch-nordafrikanischen Gebiet stammte und mit der Herausbildung von Stadtstaaten und Reichen sowie mit der Expansion von Herrschaftsräumen verbunden war. Von hier soll sie in den Mittelmeerraum sowie nach Indien und China gelangt sein.

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5.5 Die Entstehung erster "Weltreiche"

Die Domestikation des Pferdes, die möglicherweise schon 3000 v. Chr. begann, und die Entwicklung des Steigbügels (vermutlich um 400 v. Chr. in China) bedeuteten für immer mehr Weltregionen (zunächst besonders Zentral- und Ostasien, später auch Europa und Afrika; nicht aber" bis zur Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert n.Chr." für Amerika) einen enormen Anstieg der Nachrichten-Übermittlungsgeschwindigkeit, die erst im Zuge der Industrialisierung übertroffen wurde. In China und Persien wurden bereits sehr früh lokale Handelswege zu größeren Straßennetzen mit Fernverbindungen ausgebaut, die auch für Reiter geeignet waren. Dabei konnten die Nachrichtenübermittlung per Reiterstafette immer auch mit anderen Formen der Fernkommunikation kombiniert werden" sowohl mit sehr alten (z.B. Einsatz der menschlichen Stimme in Rufposten, Feuersignale, menschliche Boten zu Fuß) als auch mit jüngeren, wie z.B. Taubenpostoder Heliographen.

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Ein Beispiel: Das alte Perserreich

Die frühen, stets regional begrenzten "Weltreiche" sind ohne Fortentwicklung und Perfektionierung des Nachrichtenwesens völlig undenkbar. Beispielsweise galt das Post- und Verwaltungssystem des Perserreiches, dessen Machtausdehnung vom Indus bis nach Libyen im 6./5. Jahrhundert v. Chr. ihren Höhepunkt erreichte, sowohl Griechen und Römern als auch Chinesen als Vorbild (vgl. dazu besonders Schmidli 1997). Unter Dareios dem Großen (522-486 v.Chr.) wurden auf der neuen, ca. 2600 km langen so genannten "Königsstraße" zwischen Sardes und der persischen Hauptstadt Susa, die vor allem militärischen und wirtschaftlichen Zwecken dienten, mehrere Postdienstlinien mit 111 Etappen eingerichtet. Von reitenden Kurieren und Schnellläufern transportiert, benötigte die Post auf der Gesamtstrecke nur wenige Tage, während Karawanen und gewöhnliche Reisende mehr als drei Monate unterwegs waren. "Es gibt nichts Schnelleres unter den sterblichen Wesen als diese persischen Boten", schreibt Herodot (Herodot VIII, 98). Bei besonders dringenden Nachrichten, die z.B. Aufstände oder Naturkatastrophen betrafen, sollen die Großkönige auch auf eine "Feuerpost" zurückgegriffen haben, ein spezielles Feuerzeichen-Relais (Staffel-System), das von den Ägäischen Inseln bis nach Susa reichte.

Verbesserungen der Fernkommunikation konnten auch der Spionage und dem Lancieren von Gerüchten und Falschmeldungen zugute kamen. So sollen Griechen, die sich im Perserreich befanden, dessen vorzüglich ausgebautes Kommunikationsnetz heimlich genutzt haben, um vor dem Hellas-Feldzug (480 v. Chr.) des Xerxes (Regierungszeit: 486 - 465 v. Chr.) Informationen über persische Angriffspläne auf die Peloponnes zu senden. Herodot (VII, 239) berichtet, dass der spartanische Ex-König Demaratos, der am persischen Hof im Exil lebte, Nachrichten über die Angriffspläne des Xerxes nach Griechenland gesendet habe. Die königliche Straßenkontrolle muss allerdings so vorzüglich gewesen sein, dass er sich gezwungen sah, die Nachricht mit einer List zu verbergen.

Bei den griechischen Stadtstaaten beruhte damals die "Fernmelde"-Technik größtenteils auf einem System von Fußboten und Avisoschiffen (d.h. Späh- bzw. Erkundungsboote). Als einschlägige Beispiele sind hier zu nennen: die berühmte Nachricht vom Sieg in der Schlacht bei Marathon (490 v. Chr.), die durch einen Schnellläufer übermittelt wurde, und die Feuerzeichen bzw. die Fackeltelegraphie, von der Thukydides(ca. 460 - 400 v. Chr.) berichtet. Sie soll nach persischem Vorbild während des Peloponnesischen Krieges im 5. Jahrhundert v. Chr. verwendet worden sein. Und wenn man im "Agamemnon", Teil der "Orestie" des Aischylos (525 " 456 v. Chr.) eine Beschreibung findet, wie die Nachricht vom Sieg der Griechen über Troja mittels einer Feuerzeichenkette zu Agamemnons Gattin Klytämnestra über mehrere Hunderte von Kilometern in das peloponnesische Argos übermittelt worden sein soll, dann darf man schließen, dass die Erwähnung dieser Technik nicht auf purer Erfindung beruht, sondern im zeitgenössischen kulturellen Wissen der Zuschauer präsent war.

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Ausbau von Schifffahrts- und Landwegen

Die späteren Großreiche, z.B. Alexanderreich, Römisches Reich, chinesisches Han-Reich, schufen erstmals ein Geflecht von Kontaktzonen, die den Westen und den Osten des eurasischen Kontinents sowie Afrika näher aneinanderrücken ließen. Rund ums Mittelmeer und im Indischen Ozean verbesserte sich die Fernkommunikation aufgrund der technologischen Fortentwicklung und wachsenden Bedeutung der Schifffahrt. Man baute beispielsweise verstärkt Häfen aus, erstellte und verbreitete Segelhandbücher (Portolane), die Fahrtstrecken beschrieben, und errichtete erste Leuchttürme, wie z.B. das "Weltwunder" des Pharos ("Leuchtturm") von Alexandria oder römische Feuertürme. Der koordinierte Einsatz von Lichtsignalen, Fackeln und Feuerschiffen wies den Schiffen im Mittelmeer den Weg und ließ den Handel im Römischen Reich ansteigen. Chinesische und arabische Seefahrer entdeckten den Monsunwind und entwickelten schon in der Antike kleine Ferngläser und -rohre, mit deren Hilfe sie das Herannahen fremder Schiffe schneller als zuvor entdecken und an Land melden konnten.

Ebenso bedeutsam waren die Einrichtung und der Ausbau wichtiger Fernstrecken zu Lande, z.B. die eurasischen "Seidenstraße(n)", Verkehrswege über die Alpen und durch die Sahara oder der "cursus publicus" " das Straßensystem Römischen Reiches, auf dem Botendienste die Post sehr effizient transportieren konnten. Die Ausweitung der Land- und Seestraßen trug wesentlich dazu bei, dass mehr Informationen als zuvor in immer größerem Radius zirkulieren konnten. Dabei erweiterte sich auch das geographische Wissen von Welt erheblich "Weltwissen" erweiterte. Das kartographische Werk eines Klaudios Ptolemaios (ca. 100 - 160 n. Chr.) gibt ein beeindruckendes Zeugnis davon.

Großreiche sicherten ihre Grenzbefestigungen auch dadurch, dass sie zusätzlich optische Telegraphensysteme etablierten, die Alarmsignale (Feuer oder Rauch) sehr rasch über weite Strecken übermitteln konnten (vgl. z.B. römische Feuerzeichen-Posten entlang der Limesgrenze oder" zeitlich stark versetzt" Rauchzeichen- und Feuerposten entlang der chinesischen Mauer, die nomadische Angriffe melden sollten).

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5.6 Vormoderne Fernkommunikation und die Verbreitung der Weltreligionen

Die Ausbreitung der Weltreligionen im ersten nachchristlichen Jahrtausend (Christentum, Buddhismus, Hinduismus und" ab dem 7. Jahrhundert " Islam) erfolgte zum großen Teil auf den bereits bestehenden Kommunikationswegen der damaligen Großreiche der eurasischen Hemisphäre und trug wesentlich zum weiteren Ausbau der Fernkommunikation und damit zur Vernetzung von Regionen bei. Zum einen entstanden im Zuge der Ausbreitung der Weltreligionen einheitliche Sprach- und Schrifträume (z.B. Latein, Chinesisch, Arabisch) und zum anderen verkehrstechnische Verbindungen zwischen den religiösen Zentren und der Peripherie, so etwa zwischen dem Festland und vorgelagerten Inseln (vgl. Britische Inseln und Kontinentaleuropa oder Japan und China), oder auch zwischen dem afrikanischen Kontinent südlich der Sahara und der islamischen Welt. Ferner beschleunigte sich die Verbreitung von neuen, schnelleren Transportmitteln in die Peripherien der damaligen "Welten" (z.B. das Pferd und der Radwagen nach Japan und Westeuropa oder das Kamel nach Zentralafrika).
Schließlich durchdrangen die sich ausbreitenden Weltreligionen die jeweiligen Räume mit akustischen und visuellen Zeichensystemen, die religiöse bzw. rituelle Funktionen hatten. Indem sie aber der Kommunikation mit einem räumlich verstreuten Adressatenkreis dienten, konnten sie zugleich für die allgemeine Fernkommunikation " mit begrenzter Reichweite " genutzt werden.

Ein Beispiel ist die Ende des ersten nachchristlichen Jahrtausends erfolgende Einführung von Bronzeglockenin christlichen Kirchen und buddhistischen Klöstern. Sie wurden multifunktional verwendet, indem sie zur Versammlung, zur Verteidigung und zum Kriegszug aufriefen oder mit bestimmten "Läutekodes" Gefahren, z.B. Feuer oder Angriff, meldeten. Ferner dienten sie als fernkommunikatives Element dazu, Raum und Lebensrhythmus zu gliedern und letzteren zu synchronisieren, aber auch Fremden und Reisenden Orientierung zu geben (vgl. auch Bronzeglocken als Vorform der Nebelhörner an Meeresküsten).

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5.7 Migration, Expansion und Fernkommunikation (300-1500)

Die mit ausgedehnten Wanderungsbewegungen verbundenen Überfälle schriftloser Germanenvölker (ca. 300-1000 n. Chr.) zerstörten häufig die mittlerweile jahrhundertealten Kommunikationsverbindungen nach Westeuropa und Zentral- und Ostasien und verweisen darauf, dass die Geschichte der kommunikativen Vernetzung von Regionen keinesfalls eine lineare Fortschrittsgeschichte darstellt. Zugleich entstanden damals jedoch auch neue Kommunikationsräume, wie z.B. der nordeuropäisch-arktische Raum durch die Wikinger. Nur langsam formten sich in den neuen Herrschaftsgebilden wieder erste Verkehrs- und Postnetze aus, wie z.B. das System der Königsboten (missi dominici) im Frankenreich unter Karl dem Großen (768-814 n. Chr.), welches jedoch wenig erfolgreich war. Es ist für die Geschichte des christlichen Mittelalters durchaus bezeichnend, dass Karl der Große und die mittelalterlichen deutschen Könige und Römischen Kaiser nach ihm zur unmittelbaren Ausübung ihrer Herrschaft das Wander- und Reisekönigtum praktizierten.

Die gewaltsamen Expansionen, die zwischen 1000 und 1500 auf dem eurasischen Kontinent stattfanden (z.B. christliche Kreuzzüge, islamische und mongolische Expansion) hatten" unter anderem " nicht nur eine Modernisierung der Kriegsführung zur Folge, sondern auch eine Intensivierung der Fernkommunikation. Dabei entstand erstmals ein zusammenhängender kontinentalereurasischer Kommunikations- und Handelsraum, in dem sich Güter und Informationen von China bis nach Westeuropa verbreiten konnten. Das Verkehrs- und Postsystem der Mongolen soll bereits eine Übermittlungsgeschwindigkeit wichtiger Nachrichten von rund 400 km pro Tag ermöglicht haben, so dass im 13. und 14. Jahrhundert die Reisezeiten auf den Handelsstraßen prinzipiell kürzer als je zuvor waren.

Der Berufsstand des Übersetzers und Dolmetschers professionalisierte sich in den Handels- und Oasenstädten, insbesondere entlang der "Seidenstraßen", an den Randgebieten der großen Reiche im südlichen Europa (z.B. Toledo) sowie an den Rändern der Sahara. Die Übersetzer- und Dolmetscherzentren (z.B. in den Oasen des Tarim-Beckens oder in den afrikanischen Städten der Sahelzone) fungierten als "Verständigungsbrücke" zwischen unterschiedlichsten Sprachen und Kulturen. Chinesisches Wissen (z.B. Kompass, Schießpulver und vor allem die Herstellung von Papier) gelangte mit Hilfe dieser fernkommunikativen Netzwerke über islamische Vermittlung vergleichsweise rasch in das christliche Europa, wo dann im Zuge von Humanismus und Renaissance, Reformation und Gegenreformation der Bedarf an neuen Vervielfältigungstechniken stark ansteigen sollte.

Ähnlich wie die Expansion der Mongolen die Fernkommunikation zwischen Europa und Asien intensivierte und beschleunigte, so führte etwa im gleichen Zeitraum (14./15. Jahrhundert) auch die Expansion der Inkas und Azteken in der amerikanischen Hemisphäre zu einer stärkeren Vernetzung von Regionen. Dies gilt besonders für das 4000 Kilometer lange Straßennetz der Inkas, das durch die Anden führte und eine enge Verbindung zwischen der Stadt Machu Picchu und der Hauptstadt Cuzco herstellte. Auch hier sorgten Kurier- und Postsysteme, bestehend aus menschlichen Boten, instrumentalen Signalgebern (Trompeten), tierischen Fortbewegungsmitteln (Lamas) und Relaisstationen (Staffel-Systeme), für eine vergleichsweise rasche, regelmäßige und zuverlässige Übermittlung mündlicher oder schriftlicher Nachrichten. Als schließlich im 16. Jahrhundert das Habsburgerreich mit dem Familienunternehmen Taxis auf Verbindungen zwischen z.B. Wien und Brüssel oder Innsbruck und Mailand eine zentralisierte Post einrichtete, war dies in weltgeschichtlicher Perspektive keineswegs eine Neuheit.

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5.8 Polyzentrische Entwicklungen

Die Fortbewegung per Radwagen war in ganz Amerika, in Ozeanien sowie in großen Teilen Afrikas unbekannt" und wäre besonders in Tropen und Wüsten auch unsinnig gewesen, bevor diese Weltregionen im Zuge der globalen Expansion der Europäer (15.-19. Jahrhundert) an transkontinentale Fernkommunikationsnetze angebunden wurden. Indes hatten sich zuvor bereits z.B. in Australien und Neuseeland, in großen Teilen der beiden Amerikas, in vielen Wüsten-, Tropen- und Polargebieten sowie auf den meisten größeren Inseln der Welt eigene Verfahren einer effektiven Fernübermittlung von Informationen etabliert, die im Rahmen der sich entwickelnden europäisch dominierten Weltwirtschaft weiter existierten, indem sie sich mit den neuen Techniken ergänzten oder auch von den Europäern partiell für die eigene Fernkommunikation übernommen wurden.

Dazu zählten beispielsweise:

  • spezielle Systeme von Rauch- und Feuertelegraphen (nachgewiesen in vielen Gesellschaften Australiens, Afrikas und Amerikas) sowie

  • Systeme von akustischen Signalgebern als Warn- und Handels-"Sprachen" (z.B. Schlitztrommeln in afrikanischen Tropengesellschaften, Flöten- und Trompeten-Pfeif-"Sprachen" auf den Kanarischen Inseln und in Zentralafrika) sowie schließlich auch

  • speziell tropen- oder polartaugliche Fortbewegungsmittel (z.B. Holzschlitten und Holzskier, erstmals nachgewiesen bei Inuit-Völkern, sowie Kanus und Einbaum-Boote in Ozeanien, Afrika und Amerika).

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5.9 Neue Entwicklungen ab 1500

Die aus der auf zahlreichen geographischen Fehlannahmen beruhenden Suche nach "Westindien" resultierende Entdeckung Amerikas durch den in spanischen Diensten stehenden Seefahrer Christoph Kolumbus (1451-1506) wäre gleichwohl ohne vorangegangene Fernkommunikation bzw. einen Wissensaustausch zwischen China und Europa nicht denkbar gewesen wäre (vgl. z.B. die Bedeutung der Reiseberichte des Marco Polo, 1254-1324, für Kolumbus). Umgekehrt schuf sie ihrerseits eine wesentliche Voraussetzung für das erste "globale Zeitalter".

Obwohl ältere Formen der Fernverständigung weiter existierten (z.B. englische Feuertelegraphie als Frühwarnsystem der Seefahrt, besonders im Bezug auf die spanische Armada im 16. Jahrhundert), konnten diese den" mit der weltweiten Seefahrt und dem transatlantischen Menschen- und Güterhandel (z.B. Sklaven, Zucker) " rasch wachsenden europäischen Bedarf an transkontinentaler Fernkommunikation nicht mehr befriedigen.

In diesem Kontext erfolgte der zügige Ausbau von transkontinentalen Post- und Briefverkehrsnetzen, wobei die Perfektionierung des Fernrohrs im 17. Jahrhundert entscheidend dazu beitrug, optische Signale (z.B. Reihen von kodierten Buchstaben der Alphabetschrift) über größere Entfernungen zu übermitteln. Auch bekamen Flaggensymbole auf Schiffen und weithin hörbare Trommelsignale in Kriegssituationen auf dem Land eine neue Bedeutung.
In das 17. Jahrhundert fallen auch, nicht zuletzt durch militärische Interessen gefördert, erste Versuche zur Entwicklung eines
optischen Telegraphen(z.B. durch den englischen Gelehrten Robert Hooke, 1684), die mit Fernrohren und großen, mit Buchstabenkombinationen beschriebenen Tafeln arbeiteten, die man mit Hilfe von Seilzügen auf einem Mastsystem aufbaute. Während sich diese und andere Methode als technisch höchst unzureichend erwiesen, gelang es während der Französischen Revolution Claude Chappe(1763-1805), ein technisch praktikables Verfahren zu entwickeln, das variable und komplexe Nachrichten weitergeben konnte. Der Flügeltelegraph übermittelte Zeichen, die nach einem von Chappe entwickelten Kodebuch verschlüsselt wurden, mit Hilfe von schwenkbaren Signalarmen (vgl. "Flügeltelegraf" oder "Semaphor") von einem fünf Meter hohen Mast aus, indem die einzelnen Buchstaben der Alphabetschrift mit verschiedenen Balkenstellungen angezeigt wurden.
Die Tatsache, dass sich die optische Telegraphie in den französischen Revolutions- bzw. Napoleonischen Kriegen als vorzügliches militärisches Nachrichteninstrument bewährt hatte, wirkte als entscheidender Katalysator für die allgemeine Fortentwicklung der Telegraphie. Der Flügeltelegraph verbreitete sich an der Wende zum 19. Jahrhundert zunächst in Frankreich und wurde dann europaweit, aber auch in außereuropäischen Regionen (z.B. Ägypten, Indien), bis etwa in die 1840er Jahre " vor allem für militärisch-politische Zwecke " eingesetzt, bevor er durch elektrische Telegraphenleitungen abgelöst wurde. Seine Übermittlungsgeschwindigkeit übertraf alle bis dahin vorhandenen Möglichkeiten; so benötigte ein Signal für die 600 km lange Strecke Berlin" Koblenz nur 15 Minuten.

Dieses System der optischen Telegraphiekann als unmittelbarer Vorläufer der elektrischen Telegraphieund als Beginnder (modernen) Telekommunikation gelten, da hier variable und komplexe Nachrichten übertragen werden konnten, die nach einer für das ganze Netz geltenden Systematik kodiert wurden und vom Nachrichteninhalt unabhängige Betriebssignale (z.B. für Beginn, Ende und Unterbrechung einer Nachricht) enthielten. Zudem stellte das "Fernmeldenetz" eine dauerhafte Einrichtung dar, die ständig wuchs und durch speziell ausgebildete Mitarbeiter betrieben wurde. Die Übertragungskapazität der optischen Telegraphie war jedoch gering, vor allem bei komplexeren Texten, und außerdem war das System bei ungünstigen Witterungsbedingungen nicht oder nur beschränkt betriebsbereit.

Der optische Telegraph ist übrigens zugleich in die Geschichte der drahtlosen Fernkommunikationeinzuordnen, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zunächst hinter die Entwicklung der land- und seekabelgebundenen Telegraphie zurücktrat.

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5.10 Zusammenfassung: Fernkommunikation vor der Industriellen Revolution

Vormoderne Fernkommunikationsverbindungen setzten sich in aller Regel aus vielen verschiedenen regionalen Teilstrecken sowie aus unterschiedlichen Übermittlungsverfahren zusammen. Vor Ort wusste man mitunter kaum, wie weit sich die Verbindungen letztlich erstreckten, auf denen Nachrichten und Güter von "außen" in den lokalen Nahbereich und von hier nach "draußen" gelangten.
Trotz der vielfältigen Entwicklungen und Veränderungen, die die Geschichte der Fernkommunikation bis ins Industriezeitalterdurchlaufen hat, kann man doch einige übergreifende Merkmale festhalten.

  • Erstens: Auch wenn die Formenvielfalt der "Fernmelde"-Verfahren insgesam zunahm, blieben diese doch sämtlich auf sehr direkte Weise von den klimatisch-geographischen Besonderheiten der zu überbrückenden Wegstrecken abhängig.

  • Zweitens blieben Botschaften, die über große Entfernungen hinweg materiell übermittelt wurden, an die körperliche Kraft von Menschen und Tieren sowie an die Schnelligkeit von Booten und Schiffen gebunden. Verfahren, die mit Kodes arbeiteten, wie z.B. Feuer- und Lichttelegraphie, gab es nur in besonders gut organisierten Staaten und Großreichen, die global gesehen nicht die Norm waren. Akustische Signale hingegen hatten selbst in Staffelsystemen nur eine beschränkte Reichweite und waren zumeist als Teilelemente in größere Post- und Kuriersysteme integriert, die sich zusätzlich wieder auf Menschen, Tiere oder Schiffe stützten.

  • Drittens war die Partizipation an Fernkommunikation und besonders an transkontinentalen Nachrichtenübermittlungssystemen jeweils sehr kleinen Eliten vorbehalten, während der unmittelbar erfahrene Kommunikationsradius der allermeisten Menschen lokal und regional begrenzt blieb, auch wenn sich der Kontakt mit Menschen anderer Regionen" und damit eine indirekte "Fernkommunikation"" in bestimmten Regionen immer wieder intensivierte (oder auch abnahm).

  • Ferner konnten diese "Fernmelde"-Systeme " auch wenn sich die Übermittlungsdauer für Nachrichten beispielsweise aufgrund von Straßenbau, technologischen Fortschritten oder effizienter Organisation erheblich verkürzen mochte– niemals auch nur entfernt die Übertragungsgeschwindigkeit der elektrischen Telegraphie oder auch des Posttransports per Eisenbahn oder Dampfschiff erreichen. Damit waren nicht nur die Möglichkeiten für die imperialen Durchdringung der Welt beschränkt, sondern auch beispielsweise für die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Partizipation innerhalb der eigenen Gesellschaft.

  • Schließlich ist festzuhalten, dass die Fernkommunikation niemals das Alltagsleben in einer auch nur annähernd vergleichbaren Weise geprägt hat, wie dies für die moderne Kommunikation gilt.

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6. Fern- und Telekommunikation in der Moderne

6.1 Das 19. Jahrhundert - eine welthistorische Zäsur in der Geschichte der Fernkommunikation

Für die Geschichte der Fernkommunikation bedeutete das 19. Jahrhundert mit der Einführung der Telegraphie auf elektrischer Grundlage und dem Beginn der Telekommunikationeine Zäsur von welthistorischem Rang. Damit wurde ein Transformationsprozess eingeleitet, der die moderne Kommunikation entstehen ließ. Sie sollte das Alltagsleben der Menschen in einer nie zuvor gegebenen Intensität prägen: die Art und Weise, wie man sich fortbewegt, wie und über welche Distanzen man dialogisch kommunizieren kann, auch das, was man unter "Kommunikation" oder "Nachricht" versteht, und wie die modernen Menschen sich selbst und ihren Platz in der Welt wahrnehmen, dies alles sollte sich im Zuge der so genannten "Kommunikationsrevolution" des 19. Jahrhunderts für einen immer schneller wachsenden Teil der Weltbevölkerung(weitere Karte) fundamental verändern.

Die im Vergleich zu früheren Jahrhunderten extrem beschleunigte Abfolge der Entwicklungsschritte auf dem Gebiet der Telekommunikationstechnik, die von der Nutzbarmachung der Elektrizitätüber die Funk- und Satelliten- bis hin zur Glasfasertechnik reichen, umfassen beispielsweise

  • die elektrische Telegraphie(seit der Mitte des 19. Jahrhunderts),

  • die Telephonie(seit Ende des 19. Jahrhunderts),

  • den Funk (seit Beginn des 20. Jahrhunderts erste Schritte der drahtlosen Übertragung von Signalenmittels elektromagnetischer Wellen),

  • das Telefax ( vgl. Fax = "Faksimilie"; etwa seit dem Ersten Weltkrieg erste Schritte der originalgetreuen (kopierten) Übertragung von schriftlichen oder bildlichen Dokumenten über das Telefonnetzoder per Funkfax-Betrieb),

  • das Internet und E-Mail(weitere Karte).

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6.2 Globale Veränderungen

Fernkommunikation ist Interaktion. Man kann deren geschichtliche Voraussetzungen und Formen, Funktionen und Auswirkungen nicht losgelöst von umfassenderen geschichtlichen Zusammenhängen betrachten. Dies gilt auch für den Zeitraum von 1750 bis zum Ersten Weltkrieg, in dem sich das menschliche Zusammenleben auf der Erde rascher, tief greifender und folgenreicher wandelte, als dies jemals zuvor der Fall gewesen ist. Mehr und mehr gewannen Menschen den Eindruck, die Natur vollständig beherrschen und raumzeitliche Beschränkungen überwinden zu können. Die bisher mit Windantrieb (Segelschiffe) und Tierkraft gegebenen Beschränkungen der Reise- und Transportgeschwindigkeiten, die auch die Laufzeit von Nachrichten(weitere Karte) bestimmten, wurden zunächst durch Eisenbahnenund (Schnell-)Dampferüberwunden; schließlich wurde auch der alte Menschheitstraum vom Fliegen als regulärem Mittel der Fortbewegung realisiert.

Die telegraphische Fernkommunikation über die Ozeane hinweg konnte bis 1914 bereits in wenigen Stunden(weitere Karte), danach in Minuten und schließlich in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts nahezu ohne Zeitverzögerung erfolgen" mittels Telephon (seit 1956) sowie per Internet und E-Mail.

Millionenstädte entstanden, die auch nachts erleuchtet waren, und im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts leben erstmals weltweit mehr Menschen in Städten bzw. urbanen Ballungsräumen als auf dem Lande. Zugleich wurden die Menschen in nie zuvor gegebenem Ausmaß mobil. Sie erkundeten Erde und Weltraum mit wissenschaftlichen Methoden, vermochten im 20. Jahrhundert erstmalig den Planeten vollständig zu kartieren und konnten diesen schließlich auch von außen betrachten. Sie wanderten in den größten Migrationsbewegungender Menschheitsgeschichte über die Kontinente hinweg" teils freiwillig, teils unter Zwang", rückten gleichzeitig näher zusammen und trugen mit neuem, durch den technischen Fortschritt immens gesteigertem Gewaltpotential zunehmend mehr transregionale militärische Konflikte aus. Aus Kriegen wurden "Weltkriege".

Dies alles steht in engem, unauflöslichem Zusammenhang mit der Geschichte der Fern- und Telekommunikation. Diese hatte einen großen Anteil daran, dass die Erde mehr als je zuvor als ein zusammenhängender, interdependenter Informations-, Erfahrungs- und Handlungsraum begriffen wurde. Teils gingen die im Folgenden angesprochenen "Umwälzungen" der "Kommunikationsrevolution" voraus, teils begleiteten oder ergänzten sie diese.

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6.2.1 Demographische Umwälzungen

Die Bevölkerungsentwicklung spielte für den Auf- und Ausbau von Telekommunikationsnetzen eine wichtige Rolle. In einem stark beschleunigten Wachstum hat sich die Weltbevölkerungzwischen 1750 und 1914mehr als verdoppelt (vgl. auch Karte 9.3) und betrug am Beginn des Ersten Weltkrieg über eineinhalb Milliarden Menschen. Eine starke Bevölkerungszunahme verzeichneten vor allem Asien, die beiden Amerikas und die "Alte Welt". Um 1900 betrug z.B. die Bevölkerung Europas ca. 420 Mio. Einwohner, während in den noch jungen USA bereits rund 90 Mio. Menschen lebten. Obgleich die Abschaffung der Sklaverei auch in Teilen Afrikas einen Bevölkerungsanstieg brachte, führten u.a. Dürren, Krankheiten und Kriege (besonders in Ostafrika) nicht nur dazu, dass die afrikanischen Wachstumsraten hinter den außerafrikanischen zurückblieben, sondern dass der afrikanische Anteilan der Weltbevölkerung am Ende des 19. Jahrhunderts drastisch sank.

Die demographische Entwicklung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bildete in den sich industrialisierenden Staaten einen wichtigen Hintergrund für den Ausbau von Infrastruktur. Für die Schaffung von Land-Telegraphenlinien waren dabei besonders die Eisenbahnnetze bedeutsam, da sie die Möglichkeit boten, Telegraphenleitungen mit relativ geringen Kostenaufwands entlang der Gleisstrecken zu verlegen.

Ferner wirkte sich die Bevölkerungsentwicklung auf die Migrationsbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts aus, die zugleich den Bedarf an transkontinentalen Fernverbindungen ansteigen ließen. Verbesserte Möglichkeiten der Telekommunikation nahmen auch auf die Gestaltung der Beziehungen der Migrantinnen und Migranten zu ihrer neuen und alten Lebenswelt Einfluss.

Demographische Faktoren sind schließlich auch hinsichtlich der Entwicklung der transnational agierenden Wirtschaft und des Anstiegs des Welthandelsvolumens(weitere Karte) bedeutsam. Aus diesem Sektor wiederum resultierte die insgesamt wichtigste Nachfrage für die neuen Übersee-Telegraphenverbindungen .

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6.2.2 Industrialisierung

Die demographische Entwicklung der Weltbevölkerung und die weltweiten Migrationen stehen in engem Zusammenhang mit den Industrialisierungsprozessen, die um 1750 zuerst in Großbritannien im Kontext der kolonialen Wirtschaftsbeziehungen einsetzten und wesentlich zur Revolutionierung des Nachrichtenfernverkehrs beitrugen. Neben sehr vielen anderen Faktoren änderten besonders die Dampfmaschine und die Nutzung elektrischer Energiedie gegebenen Voraussetzungen für den Nah- und Fernverkehr von Personen, Gütern und Nachrichten. Der Bau von Bahnstreckennetzenund Bahnhöfen, Schiffskanälen (z.B. Eröffnung des Suez-Kanals 1869(weitere Karte) und des Panamakanals 1914(weitere Karte)) und Häfen(z.B. Aden, Bombay) sowie die Verlegung von Seetelegraphenkabeln (weitere Karte) schufen entscheidende Grundlagen für die telekommunikative Vernetzung der neu entstandenen Weltmärkte(weitere Karte) und Metropolen.

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6.2.3 Elektrizität

Die Entdeckung und Nutzbarmachung der elektrischen Energie zählt zu den "Meilensteinen" in der Geschichte der Fernkommunikation. Von hier an trennten sich die Wege der Informationsübertragung signifikant von denen des Personen- und Gütertransports, auch wenn bis heute noch immer große Anteile des Nachrichtenverkehrs, man denke an die Briefpost, mit denselben Transportmitteln bewegt werden wie Güter und Personen, d.h. im Rahmen von Eisenbahn-, Straßen-, Flug- und Schiffsverkehr.

Die Nutzung elektrischer Energie ermöglichte eine extrem beschleunigte Nachrichtenübermittlung über sehr große Entfernungen, die überdies von geographischen, Witterungs- und anderen Bedingungen weitestgehend unabhängig war und vergleichsweise kostengünstig erfolgen konnte. Erfahrungen mit elektrischer Energie sind bereits in der griechischen Antike (vgl. z.B. Reibung des Bernsteins " gr. "elektron"" mit Wolle) sowie im alten China aufgezeichnet worden. Doch die eine systematische Nutzung elektrischer Impulse bahnte sich erst im Zuge der "wissenschaftlichen Revolution" der Frühen Neuzeit an, als wissenschaftliche Experimente schrittweise z.B. zur Feststellung führten, dass sich Elektrizität entlang eines Drahts fortbewegen und bei Verwendung geeigneter "Leiter" (z.B. Kupfer) über große Entfernungen hinweg "fließen" kann.

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6.2.3 Europäische Dominanz

Auch die viel zitierte "Europäisierung der Welt", die sich insbesondere ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollzogen hat, trug wesentlich zur Entwicklung und Verbreitung neuer Telekommunikationstechniken bei, indem diese in den Dienst der internationalen (Kolonial-)Politik sowie der expandierenden europäischen Weltwirtschaft gestellt wurden.
Kontrollierten europäische Mächte um 1800 rund 35 Prozent der weltweiten Landoberfläche, so waren es
1914über 84 Prozent. Die Erschließung der Welt durch Europäer bzw. deren europäisch geprägte Nachkommen erfolgte, weltgeschichtlich betrachtet, in einem überaus kurzen Zeitraum. "Tempo", "Fortschritt" und "Rekord" wurden neue Vokabeln im europäischen Sprachgebrauch" Jules Vernes Roman "In 80 Tagen um die Welt" (1874) mag hierfür als Symbol stehen. In jedem Fall waren die Fortschritte der Telekommunikationstechnik ein weiterer und sehr wichtiger Baustein, der den Glauben befestigte, Europa habe eine führende Rolle in der zivilisatorischen Entwicklung der Menschheit inne und könne deshalb eine Vorreiter- und Vorrangstellung gegenüber anderen Kulturen beanspruchen.

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6.2.4 Kolonialimperialismus, Nationalstaaten und internationale politische Bewegungen

Die Erfordernisse der Kolonialherrschaftvermittelten ihrerseits intensive Impulse zur Verbesserung nicht nur des Personen- und Gütertransports, sondern auch des Nachrichtenverkehrs. So ließen beispielsweise politische Krisensituationen in europäischen Kolonien, wie der Sapoy-Aufstandin Indien, das Interesse am Ausbau der Telegraphennetze stark ansteigen und trugen dazu bei, der Steuer zahlenden Öffentlichkeit den hohen Kostenaufwand für die Verlegung und den Betrieb von Seekabelnplausibel zu machen.
Ebenso stellte der Prozess des
nation buildingeine wichtige Triebfeder der Entwicklung der Telekommunikation dar. Hierbei ist nicht nur an den Ausbau der nationalen Infrastruktur zu denken (z.B. Straßen-, Kanal-, Eisenbahn-, Brückenbau; Ausbau von Transport- und Kommunikationssystemen), sondern auch an die zunehmend sich verschärfende internationale Rivalität und Konkurrenz um politische und wirtschaftliche Einflusssphären. Gestützt auf einheimische Unternehmen, beteiligten sich viele der alten und neuen Staaten in Europa, Asien und Amerika am Auf- und Ausbau transnationaler Netze, sei es um sich Anteile an internationalen Telekommunikationsmärkten zu sichern, sei es um Zugänge zu Netzen zu kontrollieren und nationale Hoheitsrechteim internationalen Nachrichtenverkehr zu sichern.

Neben einem verstärkten nation buildingsah die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts auch das Entstehen großer und einflussreicher internationaler Bewegungen(z.B. Sozialismus, Pazifismus, Feminismus, Esoterik und religiöse Bewegungen). Auch diese Entwicklungen sind kaum unabhängig von der Geschichte der Telekommunikation denkbar.
Schließlich muss im Kontext von
nation buildingund Imperialismus zum einen auf die Geschichte des Krieges hingewiesen werden, der im Zuge der Industrialisierung fundamentale Veränderungsprozesse erlebte, wobei eben auch die Telekommunikation" oft genug fungierten militärische Belange als Impulsgeber für neue technische Entwicklungen " eine wichtige Rolle spielte. Zum anderen sind in diesem Kontext auch die wachsende Zahl politischer Revolten und Revolutionen sowie das weltweit wachsende Verlangen nach politischer Partizipation und einer entsprechend informierten Öffentlichkeit zu nennen.

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6.3 Neue Formen der Kommunikation

Der beschleunigte soziale, politische, wirtschaftliche und technologische Wandel, intensive Prozesse verstärkter nationaler und internationaler Kooperation und Integration, aber auch Rivalitäten zwischen den Staaten " diese und andere Faktoren begünstigten forcierte Bemühungen um schnellere und effizientere Kommunikationsmöglichkeiten.

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6.3.1 Der optische Telegraph

Als "Telegraphie" bezeichnet man verschiedene Formen der Weiterleitung primär von Texten, die " im Unterschied zu Sprechfunk und Telephonie" nicht gesprochen, sondern mit Hilfe von Kodes (z.B. Verschlüsselung der Buchstaben der Alphabetschrift) in graphischer Form übermittelt werden. Hinzu kommt die Übertragung von feststehenden Bildern. Im Unterschied zu Sprechfunk und Telephonie erfolgt die telegraphische Kommunikation uni- und nicht bidirektional. Da Telegraphiezeichen nur zwei Zustände (z.B. Licht oder Strom, kein Licht oder kein Strom) haben, erfolgt die Übertragung in einem Binärcode mithilfe von Telegraphenalphabeten. In der drahtlosen Telegraphie hingegen werden die Signale durch Modulation oder Tastung eines Senders erzeugt und im Empfänger durch Demodulation hörbar gemacht.

Die optische Telegraphie(auch: Lichttelegraphie), die vorwiegend für militärische Zwecken genutzt wurde, gilt als geschichtlicher Vorläufer der elektrischen Nachrichtenübertragung auf Leitungen. Deren Leistungsfähigkeit war jedoch beschränkt. Zwar vermochte der "Flügeltelegraph" (Semaphor) am Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Nachrichten mit sehr hoher Geschwindigkeit und schneller als jedes andere bisher bekannte Medium übermitteln, doch war er witterungsabhängig und wenig für komplexe Botschaften geeignet. In beiden Aspekten sollte sich die elektrische Telegraphie, die die optische ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu ersetzen begann, entschieden als überlegen erweisen.

Transregionaler Wissenschaftsaustausch und Kulturtransfer spielten bereits bei der Verbreitung der optischen Telegraphie eine wichtige Rolle. In Ägypten beispielsweise wurde unter dem Einfluss europäischer Eliten zur Zeit Muhammad Alis (1805-49), des Statthaltersvon Ägypten, eine optische Telegraphenlinie zwischen Alexandria, Kairo und Suez nach französischem Vorbild eingerichtet, ebenso im indischen Kalkutta, das bereits zu Beginn der 1830er Jahre zu einem Zentrum des indischen Handels mit Baumwolle, Indigo, Salpeter, Zucker und Seide geworden war. Dabei diente jedoch die bedeutende Telegraphenlinie von Kalkutta nach Chunar (Grenzfestung) weniger wirtschaftlichen als primär militärischen Zwecken.

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6.3.2 Telegraphie auf elektrischer Grundlage

Unabhängig voneinander entwickelten verschiedene Pioniere in Europa, den USA und Indien Verfahren der Telegraphie nach einem neuen technisch-physikalischem Prinzip. Insbesondere seit der Entdeckung des Zusammenhangs zwischen Elektrizität und Magnetismus in den 1820er Jahren kam es zu Experimenten mit verschiedenen, zunächst auf eine Reichweite von wenigen Kilometern begrenzten elektrischen Telegraphen, die mit relativ hoher Geschwindigkeit Signale weiterleiten konnten. Seit den späten 1830er Jahren lagen sodann Apparaturen vor, die brauchbar, leistungsfähig und zuverlässig genug waren, um sie in Serie zu bauen und damit Linien auszustatten.

Zur selben Zeit breitete sich auf dem nordamerikanischen Kontinent der von Samuel Morse (1791-1872), einem US-amerikanischen Professor für Malerei, Plastik und Zeichenkunst, entwickelte elektrische Telegraph aus, der einzelne Buchstaben mit einem Binärkode von langen und kurzen elektrischen Signalenverschlüsselte. Auf Empfängerseite steuerte" nachdem die technische Entwicklung etwas fortgeschritten war" ein Elektromagnet einen beweglichen Stift, der auf einem Papierstreifen die kodierten Zeichen wiedergab, die von einem Telegraphisten in die Alphabetschrift übersetzt wurden, ein Vorgang, der ebenfalls in der Folgezeit schrittweise automatisiert wurde.

In den USA erkannte man recht schnell die Vorteile, die das neue Kommunikationsmedium im Vergleich mit der optischen Telegraphie, aber beispielsweise auch mit dem Pony Express(ab 1860) besaß. Dabei verdankten die elektrotelegraphischen Netze ihre rasche Durchsetzung vor allem der Tatsache, dass sie für den privaten Gebrauch zugänglich gemacht wurden, was aber nicht bedeutet, dass schon damals das Zeitalter der individuellen Fernkommunikation angebrochen sei. Vielmehr nutzten vor allem Bankiers, Börsenmakler, Unternehmer oder auch Journalisten die Telegraphenverbindungen zum Austausch aktueller wirtschaftlicher und politischer Nachrichten.

Auf der anderen Seite des Atlantiks vollzog sich die Entwicklung kaum langsamer. Man begann die Systeme der optischen Telegraphie durch elektrische Telegraphie zu ersetzen und elektrische Leitungen zu verlegen.

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6.3.3 Submarine Telegraphenkabel

Für die weltweite kommunikative Vernetzung der Zentren der Erde bedurfte es eines weiteren Schritts: der Überwindung der Ozeane durch Seekabel.
Unter Königin Viktoria (1837-1901) entwickelte sich das British Empire zum ersten wirklichen "Welt-Reich" der Geschichte. Damit wuchs das Interesse verschiedener britischer Gesellschaftskreise an einem schnellen transozeanischen Nachrichtenaustausch" vorwiegend auf transatlantischer Ebene, aber auch im Hinblick auf Kolonien und Dominions (vgl.
Handel mit Indien) " für den man submarine Telegraphenkabelleitungen benötigte.

Deren Verlegung stellte jedoch eine weitaus größere technische und finanzielle Herausforderung als bei Landkabeln dar. Für die Isolierung der Kupferdrähte im Meereswasser beispielsweise" eines der vielen mit submarinen Kabeln verbundenen Probleme" entwickelten Wissenschaftler und Unternehmen, z.B. neben den insgesamt führenden britischen Unternehmen auf deutscher Seite auch Siemens & Halske, ein Verfahren zur Ummantelung von Kupferdrähten mit Guttapercha, eines vornehmlich in Singapur und Malaysia gewonnenen gummiähnlichen Stoffes. Insofern als chinesische Kontraktarbeiter die Guttapercha-Bäume in Malaysia fällten, europäische Unternehmer daraus den Isolierstoff Guttapercha entwickelten, diesen verschifften und an das Britische Empire verkauften, welches wiederum Firmen beauftragte, die Telegraphenkabelzu verlegen spiegelt die Geschichte der submarinen Kabel auch jenseits der Telekommunikation im engeren Sinne die Geschichte der beginnenden Globalisierung wider.

Im Jahre 1851 wurde das erste submarine Telegraphenkabel zwischen Calais und Dover verlegt, das eine Verbindung zwischen den Binnennetzen in Großbritannien und auf dem Kontinentschuf. In verstärkter Kooperation, aber auch in verschärftem Wettbewerb trieben europäische Volkswirtschaften den weiteren Ausbau von Seekabelverbindungen voran, etwa im Mittelmeer und nach Nordafrika. Innerhalb von wenigen Jahrzehnten entstand bis 1902 ein zusammenhängendes Weltkabelnetz, das sich zum größten Teil in den Händen britischer Betreibergesellschaften befand.
1866 wurde sodann die erste dauerhaft funktionstüchtige
nordatlantische Kabelverbindungin Betrieb genommen, die Großbritannien und die USA und damit die Alte mit der Neuen Welt verband. Etwa zur selben Zeit folgte die Fertigstellung der ersten Telegraphenlinie von England nach Indien. Aber auch außerhalb von Europa und den USA kam es zum Aufschwung der telegraphischen Telekommunikation, wie z.B. in Persien, China, Japan, Australien, Südamerikaund zuletzt auch in großen Teilen der afrikanischen Küste sowie des südlichen Afrikas" insbesondere im Kontext des so genannten "Scramble for Africa" ("Wettlauf um Afrika") ab den 1880er Jahren.

Japan, um nur ein Beispiel hervorzuheben, begann im Zuge einer forcierten Industrialisierung und Reformpolitik in den 1860er Jahren mit dem Bau von Eisenbahnen und Telegraphennetzen, die beide wesentlich mit britischen Kapitalanleihen finanziert wurden. Im Jahre 1869 wurde zwischen Tokio und Yokohama die erste Landtelegraphenverbindung in Betrieb genommen. Bereits zwei Jahre später übernahm man den Morsekode und errichtete transnationale Telegraphenverbindungen von Nagasaki nach Shanghai und Wladiwostok, wodurch der japanische Telegrammverkehr an den europäischen angebunden wurde. War 1878 bereits fast ganz Japan "verkabelt", so wurde dann bereits 1906 auch die erste submarine Verbindung zu den USA realisiert.

Insgesamt gesehen entwickelte sich jedoch die Erschließungsdichte der Telegraphenkabel auf der Erde bis zum Ersten Weltkrieg und darüber hinaus außerordentlich unterschiedlich. Südostasien, große Teile Ozeaniens und Tropen- und Polarregionen blieben weitestgehend von dieser neuen Form der Telekommunikation ausgeschlossen, was einerseits die Rolle dieser Regionen in der zeitgenössischen Weltwirtschaft widerspiegelt und andererseits deren marginale Position zusätzlich verstärkte.

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6.3.4 Drahtlose Telegraphie

Eine zweite zentrale Entwicklungslinie der Telekommunikationsgeschichte war die Funktechnik. Sie schuf nicht nur die Voraussetzungen für die im Laufe des 20. Jahrhunderts einsetzende massenhafte bidirektionale Inividualtelekommunikation per Telephon, sondern ermöglichte auch den Unterhaltungsrundfunk und das Fernsehen als Medien einer unidirektionalen Massenkommunikation.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erforschten und entdeckten europäische und indische Physiker (z.B. Heinrich Hertz, 1857-1894, und Jagadish Chandra Bose, 1858-1937) das Phänomen der elektromagnetischen Wellenin der Luft, die Signale, Töne und Stimmen drahtlos mit Hilfe einer Antenne übermitteln können.
Die Telegraphie stand als Funk
telegraphieauch auf diesem Gebiet am Anfang der Entwicklung. Guglielmo Marconi (1874-1937) ließ in Großbritannien sein System der drahtlosen Telegraphie patentieren und erhielt dafür im Jahre 1909, zusammen mit dem deutschen Physiker Ferdinand Braun(1850-1918), den Physik-Nobelpreis .

Mit der drahtlosen Telegraphie eröffneten sich der Fernkommunikation insofern grundsätzlich neue Perspektiven, als diese zum ersten Mal "mobil" wurde. Die Kommunikation war nicht mehr auf einen vorhandenen Kabelanschluss fixiert, so dass man beispielsweise auch auf hoher See Nachrichten ans Festland senden konnte. Daher wurde die drahtlose Telegraphie zunächst vor allem von Marinen benutzt.

Auch wenn die Funktelegraphie noch für lange Zeit nicht die Anforderungen erfüllen sollte, die um die Jahrhundertwende an die drahtgebundene Interkontinentaltelegraphie gestellt wurden, so verdient es doch, erwähnt zu werden, dass Marconi im Jahre 1899 die erste drahtlose Verbindung über den Ärmelkanalerrichtete und bereits im Todesjahr von Königin Viktoria (1901) die erste transatlantische Funkübertragung zwischen Poldhu (Cornwall) und Cape Cod(USA) gelang. In Island traf 1905 ein erstes Telegramm ein, ohne dass Island an das Weltkabelnetz angebunden war.

Der entscheidende Schritt zur massenhaften privaten Individualfernkommunikation stand damals jedoch noch bevor: Er sollte mit dem Telephon erfolgen. Bis dahin war die elektrische Telegraphie weiterhin das gegebene Mittel für die Fernkommunikation.

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6.3.5 Telephon und Mikrophon

Die Entwicklung des Telephonssetzte zwar ebenfalls im späten 19. Jahrhundert ein, doch stand diese Technik " vor allem wegen des Reichweitenproblems" noch für viele Jahrzehnte hinter der Telegraphie zurück, die die Fernkommunikation zwischen den Zentren der damaligen Welt sowie zwischen deren Zentren und Peripherien klar dominierte.

Entscheidend für die Entwicklung des Telephons war der Schritt, die gesprochene Sprache mit elektrischen Signalen zu kodieren. Damit konnten Nachrichten scheinbar ohne jede Zeitverzögerung und scheinbar unverschlüsselt auf bidirektionalem Wege so ausgetauscht werden, als ob der Gesprächspartner unmittelbar anwesend sei. Auch musste der Inhalt der Kommunikation nicht schriftlich fixiert und dokumentiert werden.

Ähnlich wie bei der Entwicklung der verschiedenen Formen der Telegraphie gingen der Entwicklung des Telephons unterschiedliche, oft unabhängig voneinander erfolgende Bemühungen voraus, Geräusche durch elektrische Fernübertragung zu übermitteln, wobei die Erfindung und Weiterentwicklung des Mikrophonseine ähnlich wichtige Rolle für die Telephonie spielte wie das Fernrohr für die optische Telegraphie. Das nach Vorarbeiten des deutschen Erfinders Philipp Reis vom US-Amerikaner Alexander Graham Bell(1847-1922) im Jahre 1876 zur Nutzungsreife entwickelte Telephon sollte das weltweit führende Medium der Individualtelekommunikation werden. Doch war man zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch nicht in der Lage, die Reichweite der Stimmübertragung über 2000 Kilometer hinaus auszudehnen. Das erste transatlantische Telephonat fand erst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts (1956) statt.

Vergleicht man die Entwicklung von Telephonie und Telegraphie, stellt man fest, dass die Telegraphie zunächst primär zur Überbrückung großer Distanzen und die Telephonie vor allem für Gespräche innerhalb nationaler, regionaler und Ortsnetze genutzt wurde. Doch insgesamt hat sich nicht der Telegraph, sondern das Telephon zum typischen Medium einer massenhaften Fernkommunikation zwischen Individuen entwickelt, wobei jedoch die Anzahl der Telephonanschlüsse, aber auch der Mobiltelephon-Besitzer weltweit heute noch immer sehr ungleichmäßig verteilt ist.

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6.3.6 Technologische Entwicklungen ab 1945

Die technische Fortentwicklung des Telephons und der Ausbau der weltweiten Kommunikationsmöglichkeiten nach dem 2. Weltkrieg erfolgten vor dem Hintergrund der bipolaren Spannung zwischen den atomar aufgerüsteten Weltmächten USA und UdSSR, wobei beispielsweise auch der Start des sowjetischen "Sputnik" (1956), des ersten künstlichen Satellitenin der Erdumlaufbahn, wichtige Impulse gab. Parallel mit der massenhaften Ausbreitung des Fernsehens und der durch Satellitentechnik und Digitalisierung beschleunigten Vernetzung privater Haushalte, vergrößerte sich spätestens ab den 1970er Jahren in den "westlichen" Industrieländern die Illusion, mit der "ganzen Welt" kommunizieren zu können und über alle wichtigen Vorkommnisse unmittelbar unterrichtet zu werden. Dieser Trend verstärkte sich seit 1990 mit der massenhaften Privatnutzung von Computerkommunikation per Internet ("World Wide Web" ab 1991) und den neuen elektronischen Post- und Interaktionsmöglichkeiten (E-Mail, Chat-Foren).

Die Kupferkabel, die das Zeitalter der Telegraphie geprägt hatten, wurden seit den späten 1980er Jahren durch Glasfaserkabelals Übertragungsmediumfür leitungsgebundene Telekommunikationsverfahrenersetzt. Sie weisen eine immens erhöhte Übermittlungskapazität auf: Hatte TAT1, das erste transatlantische Telephonkabel (1956), eine Kapazität von 36 simultanen Kanälen, so wurde mit TAT14 (2001) ein transatlantisches Datenkabel geschaffen, das über eine Kapazität von fast 10 Millionen simultanen Kanälen verfügt. Heute stellen jedoch konventionelle Telephongespräche längst nicht mehr die Masse der übertragenen Daten dar.

Vergleicht man schließlich die Zentren der Telegraphennetze mit denen der Internetnutzung am Beginn der Entwicklung (vgl. die weltweite Verteilung der CONE- und Ländercode-domains, 1999), so ist die "westlich" dominierte Globalisierung, wie sich mit ihren "Weltzentren" im 19. Jahrhundert entwickelt hat, bis in die Gegenwart hinein deutlich sichtbar.

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6.4 Auswirkungen (in ausgewählten Aspekten)

The following remarks cannot and are in no way meant to give a comprehensive account of the manifold effects which the modern communications revolution had. The aim is rather to briefly point out no more than a few selected aspects to which, of course, many others could be added.

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6.4.1 Krieg und humanitäre Hilfeleistung

Es ist unbestritten, dass die politische und wirtschaftliche Überlegenheit der "westlichen Moderne" in der Welt des 19. und 20. Jahrhunderts auch darauf gründete, dass die neuen, zunächst leitungsgebundenen und später auch drahtlosen Mittel zur Fernkommunikation die Durchdringung und Kontrolle alter wie neuer Kolonial-, "Schutz-" und Einflussgebiete wie auch die Ausbreitung "westlicher" kultureller Muster höchst wirksam unterstützten. Ebenso ist bekannt, dass die wirtschaftliche und politische Vernetzung der Welt von Beginn an stets auch heftige Bewegungen der regionalen Abschottung und des Widerstandes hervorbrachte, der sich mitunter auch direkt gegen die neuen Transport- und Telekommunikationssysteme (Eisenbahn, Telegraphie) richtete. So gehörten, um nur ein Beispiel unter vielen anderen anzudeuten, Anschläge auf Telegraphenmasten in europäischen und US-amerikanischen Kolonien (so z.B. in Tansania oder auf den Philippinen) zu wirkungsvollen Machtmitteln des Widerstandes der einheimischen Bevölkerung. Ebenso kann man auf den Sapoy-Aufstandin Indien verweisen.

Nicht nur die Geschichte der modernen Kriegeerhielt immer wieder starke Impulse von militärischer Seite, man denke beispielsweise an die Geschichte des Rundfunksim Ersten Weltkrieg oder das Internetim "Kalten Krieg" bzw. im Atomzeitalter. Vielmehr steht auch die Geschichte internationaler humanitärer Hilfeleistungenin einem unauflöslichen Zusammenhang mit der Entwicklung der Telekommunikation. Ohne die Mittel moderner Telekommunikation sind weder eine effiziente Entwicklungspolitik noch eine wirksame Katastrophenprävention und -hilfe möglich, welche heute selbst in sehr abgelegenen Regionen in internationaler Kooperation und äußerst kurzfristig erfolgen kann.

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6.4.2 Telekommunikation der Finanz- und Börsenplätze

Die transregionalen Kabelverbindungen dienten von Beginn der Entwicklung an vorrangig dem Telekommunikationsbedarf von Finanz- und Börsenplätzen. Die räumliche Ausweitung und Vernetzung, Beschleunigung und Intensivierung des Wirtschaftstelegrammverkehrs trug entscheidend zur Entstehung der Weltwirtschaft im 19. Jahrhundert bei. So spiegelte sich die Weltstellung Großbritanniens nicht nur in der Beherrschung großer Teile der Weltwirtschaft, sondern auch darin wider, dass sich das entstehende Weltkabelnetzgrößtenteils in den Händen britischer Gesellschaften(weitere Karte) befand.
Der Ausbau von Eisenbahn-, Dampfschiff- und Telegraphennetzen bewirkte eine stetig zunehmende
Konzentrationvon Wirtschaft und Handel, kulturellem und politischem Austausch auf rasch wachsende Knotenpunkte. Zu nennen sind hier an erster Stelle für unseren Zeitraum (bis zum Ersten Weltkrieg) die Weltmetropolen London und New York, aber auch bedeutende Zentren in der außereuropäischen bzw. nicht-westlichen Welt, wie z.B. etwa Kalkutta, und Transitplätze mit lediglich verkehrsstrategischer Relevanz, so z.B. Aden oder Mombasa.

Da zirkulierende Nachrichten sich unabhängig von Wahrheitsgehalt, Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen auf das Verhalten sozialer Systeme auswirken, konnten im Zuge verbesserter Telekommunikationsmöglichkeiten auch Gerüchte und absichtlich oder irrtümlich lancierte Fehlinformationen einen zunehmend größeren Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen nehmen, so etwa im Bereich des Aktien- und Anleihenhandels an den Börsen. Die Reaktionen auf tatsächliche oder vermeintliche Krisen wirkten sich" selbst in abgelegenen Regionen" umso intensiver aus, je enger das Weltwirtschaftsnetz verflochten war. Damit wurde die Informationspolitik immer mehr zu einem eigenständig wirksamen, überaus schwer zu kontrollierenden Faktor des allgemeinen Wirtschaftsgeschehens, und Vergleichbares gilt natürlich auch für die Bereiche der Politik, der Diplomatie und der öffentlichen Meinung.

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6.4.3 Zeitungs- und Nachrichtenwesen

Infolge der massiven Ausweitung und Vernetzung, Intensivierung und Beschleunigung des Nachrichtenverkehrs(weitere Karte) konnten im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts ungleich mehr und ungleich aktuellere Nachrichten als je zuvor aus weit entfernten Weltregionen in die "westliche" Welt bzw. in die Gesellschaften gelangen, die an die internationalen Telegraphennetze angeschlossen waren. Das neuartige Erleben von Aktualität führte zusammen mit der Entwicklung wesentlich leistungsfähigerer Druck- und Satzverfahren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem Gründungsboom von Tageszeitungen, die nicht von ungefähr häufig den Begriff "Telegraph" im Titel führten, sowie von Börsenzeitungen, Nachrichtenagenturen und Pressekonzernen; der Beruf des Journalisten verbreitete sich über die Kulturen hinweg.

1851 gründete Paul Julius Reuter (1816-1899) " bezeichnenderweise " in London die erste Nachrichtenagentur, mit der er zum bislang erfolgreichsten Agenturgründer der Geschichte werden sollte. Der Verbreitung der Telegraphie folgend, versah er alle wichtigen Plätze der Welt mit eigenen Korrespondenten und Agenturen. Die US-amerikanische AP (Associated Press), im Mai 1848gegründet, zog 1900" ebenfalls bezeichnenderweise " nach New York um. Und war die Massenpresse auch zuerst in den USA entstanden, so existierte doch bereits in den 1870er Jahren auch z.B. in Japan, China oder Ägypten ebenfalls ein modernes Zeitungswesen.

In diesem Kontext veränderte sich nicht zuletzt auch die Kriegsberichterstattungin den öffentlichen Medien. So wurde beispielsweise im Zuge des Krimkrieges (1853-1856) im Auftrag der französischen und britischen Regierung ein Telegraphennetz bis zur Krim ausgebaut, damit die jeweiligen Regierungen direktmit den Kommandanten der Streitkräfte auf dem Schlachtfeld kommunizieren konnten. Auf diesem Wege konnten sich zugleich Gerüchte über russische Massaker verbreiteten. Auch Berichte über eine mangelhafte medizinische Versorgung der Verwundeten gelangten über die Presse an die Öffentlichkeit, was dann in Großbritannien zu Protest-Demonstrationen und zur Gründung von ersten Organisationen der professionellen Kriegsverwundetenpflege führte.

Dieses Beispiel ruft zugleich den umfassenderen Zusammenhang zwischen der Geschichte der Fernkommunikation und der Geschichte der bürgerlichen Öffentlichkeit, der politischen Partizipation und sozialer Massenbewegungen ins Bewusstsein. Mochten die gestiegenen Übertragungsmöglichkeiten, die die elektrische Telegraphie mit sich brachte, zunächst vor allem wirtschaftliche sowie, in deutlich geringerem Umfang, auch staatlich-politische und militärische Nutzung erfahren haben, so wiesen sie doch grundsätzlich darüber hinaus: Das neue Kommunikationsmedium war vor allem auch eines der sich herausbildenden und wandelnden öffentlichen Sphäre von Gesellschaften.

Immer wieder war der Ausbau von transnationalen oder -kontinentalen Fernkommunikationsverbindungen von der Hoffnung begleitet, dass die verbesserten Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten nicht allein wirtschaftlichen Interessen dienen, sondern auch das friedliche Zusammenleben der Staatenund insgesamt das Wohl der Menschheit fördern würden. So feierte man beispielsweise die Inbetriebnahme des transatlantischen Telegraphenkabelsals wichtigen Schritt zur Überwindung der britisch-amerikanischen Feindschaft und zur Wiederherstellung einer "special relationship" im Sinne freundschaftlicher politischer Beziehungen. Die mit der Telekommunikation verbundenen humanen Hoffnungen mussten jedoch schon deshalb oft genug enttäuscht werden, weil man die neuen Kommunikationstechnologien immer wieder intensiv auch dafür nutzte, mit propagandistischen Methoden "Massen" zu mobilisieren, wenn es etwa um einen Krieg ging, der im Namen der Nation oder gar der "Rasse" geführt werden sollte.

Die totale Erreichbarkeit der "Massengesellschaft" mit Hilfe der neuen telekommunikativen Möglichkeiten (Telegraphie, verbesserte Druck- und Kopiermöglichkeiten der Tageszeitungen und Magazine, Telephon und Radio, später Fernsehen und Internet) wurde zu einem Schlüsselmerkmal der Moderne. Massenbewegungen, Massenveranstaltungen, Massenpropaganda, aber auch Massensterben, Massenmord, Genozid" gemessen an der Häufigkeit ihres Auftretens und der Anzahl der beteiligten Akteure wie auch der Opfer" sind dies historisch neuartige Phänomene, die seit dem 19. Jahrhundert global auftreten und zugleich untrennbar auch mit der Geschichte der Fern- bzw. Telekommunikation verbunden sind.

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6.4.4 Kriminalität und Verbrechensbekämpfung

Schließlich wurde die leitungsgebundene und drahtlose Fernkommunikation seit dem 19. Jahrhundert sowohl für die staatliche Verbrechensbekämpfung als auch von Seiten der organisierten Kriminalität genutzt. Neue Formen und Koordinationsmöglichkeiten der Polizeiarbeit gingen Hand in Hand mit neuen Formen von verbrecherischen Aktivitäten. Konnte man auf der einen Seite mit Hilfe des Telegraphen beispielsweise in einem größeren Radius fahnden und dadurch die Verbrechensaufklärungsrate erhöhen, so verbesserten sich auf der anderen Seite auch die Möglichkeiten z.B. für Wirtschaftskriminalität dadurch, dass man illegale Geschäfte mit Hilfe der Kryptographie per Telegraph im internationalen Rahmen abschließen oder auch die Geheimkodes von Unternehmen entschlüsseln konnte. Dieser Problemkreis besteht in der Gegenwart fort. Längst haben kriminelle und terroristische Organisationen das Internet als nützliche Plattform erkannt" so für Aktionen mit globaler Reichweite etwa im Bereich des Waffen-, Menschen- und Organhandels, der Verbreitung politischer Propaganda, des Kreditkartenmissbrauchs oder des unbefugten Eindringens in Computersysteme, was durchaus globale Folgen haben kann.

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6.5 Zusammenfassung: Merkmale der modernen Fern- bzw. Telekommunikation

Der Begriff "Moderne" orientiert sich in unserem Zusammenhang vorrangig an jenen Zäsuren in der Geschichte der Fernkommunikation, die mit den Verkehrs-, Transport- und Kommunikationsrevolutionen des 19. Jahrhunderts verbunden sind und dazu führten, dass ein heute noch immer wachsender Teil der Weltbevölkerung" freiwillig oder gezwungenermaßen" den gesamten Planeten als Erfahrungs-, Kommunikations- und Handlungsraum nutzt. Mit der Indienstnahme der Elektrizität für die Fernkommunikation wurde die Interaktion der Weltregionen ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immens ausgeweitet und verdichtet, so dass am Beginn des 20. Jahrhunderts die meisten politischen und wirtschaftlichen Systeme global vernetzt waren.

Die weltweite Fernkommunikation, die im 19. Jahrhundert mit der elektrischen Telegraphie ihren eigentlichen Anfang nahm, ist kaum mit früheren Formen zu vergleichen. Dies erweist sich zum einen darin, dass die Telekommunikation nicht mehr allein der Kommunikation diente, sondern die moderne Kommunikation überhaupt erst hervorgebracht hat. Vor der Semaphoren-Telegraphie, die Claude Chappe dem französischen Nationalkonvent vorschlug, waren nahezu alle bekannten Systeme zur Fernübermittlung von Nachrichten, die nicht per Boten (z.B. Mensch, Brieftaube) überbracht wurden, darauf beschränkt, zuvor vereinbarte Signale weiter zu leiten. Variable und komplexe Nachrichten über weite Distanzen zu kommunizieren, dies wurde erst mit der Fortentwicklung der optischen Telegraphie und dann in entscheidender Weise durch die elektrische Telegraphie ermöglicht.

Im Unterschied zu früheren Formen der Fernkommunikation prägt die moderne Telekommunikation dort, wo sie sich etabliert hat, den Alltag der breiten Bevölkerung in umfassender Weise, d.h. in den elementaren Rahmenbedingungen der Wirtschafts- und Arbeitswelt sowie des öffentlichen und privaten Lebens (vgl. z.B. "Informationsgesellschaft").
Die moderne Welt ist ohne die schnelle und sichere Übermittlung von Nachrichten über große und größte Entfernungen hinweg nicht denkbar. Heute ist kaum ein Arbeitsplatz, ob er nun geschaffen, erhalten oder abgebaut wird, nicht in irgendeiner Weise mit Telekommunikation verbunden. Auch im sozialen Leben gilt, dass Freunde und Bekannte nicht mehr zwingend diejenigen Personen sind, die man jeden Tag
sieht, sondern es können durchaus Menschen sein, mit denen man eine Vielzahl von Informationen über große Entfernungen austauscht, obwohl man ihnen vielleicht nie begegnen wird. Die Bindung an den konkreten lebensweltlichen Raum hat sich gelockert; es kommt zur Entterritorialisierung der sozialen Beziehungen" geografische und soziale Nähe fallen auseinander.
Wo jedoch die traditionellen Schranken für Fernkommunikation aufgehoben sind, die allein schon aus technischen Gründen bestanden, und wo die Zugangsmöglichkeiten zu einem Weltnetz der Kommunikation nicht nur Eliten, sondern (prinzipiell) jedermann offen stehen, da wird nicht selten eine "neue Unübersichtlichkeit" zum Problem, und neue, tief greifende soziale Ungleichheiten entstehen aus den vorhandenen Unterschieden in der Verteilung von Zugriffs- bzw. Partizipationsmöglichkeiten.

Wenn Kommunikationskanäle leistungsstärker sind und besser funktionieren als jemals zuvor in der Geschichte und wenn prinzipiellfür alle Menschen die Möglichkeit eröffnet wird, ohne nennenswerten Aufwand mit Zeitgenossen und Institutionen überall auf der Welt in Verbindung zu treten, so bedeutet dieses Mehr an Kommunikationsmöglichkeiten noch lange kein Mehr an verlässlicher Information, erfolgreicher Verständigung oder auch "herrschaftsfreier" Kommunikation. Und selbstverständlich folgt aus der weltweiten Verbreitung derselben Bilder und Nachrichten nicht notwendig eine globale Annäherung der Wahrnehmungsweisen, Interessen und Standpunkte oder eine Förderung des multiperspektivischen Denkens. So wie die Globalisierung Regionalisierungstendenzen keineswegs auslöscht, sondern auf vielfältige Weise stärkt und neben Integration auch Desintegration fördern kann, so bilden auch die modernen Möglichkeiten der weltweit vernetzten Fernkommunikation oft genug erst die entscheidende Voraussetzung dafür, dass sich partikulare Interessen, Perspektiven und soziale Identitäten im öffentlichen Raum des Internet prononciert artikulieren, in einer vorher unbekannten Größenordnungen verbreiten und politisch wirksam werden können.

Zuletzt sei darauf verwiesen, dass auch im Zeitalter der modernen Fernkommunikation ältere und zum Teil sehr alte Techniken fortbestehenund sich partiell mit den modernen ergänzen (vgl. "Rieplsches Gesetz").

Der Blick auf langfristige Entwicklungen und weltweite Horizonte hilft, die Größe und Bedeutung historischen Wandels abzuschätzen und Orientierung in der Gegenwart zu gewinnen. Auf dem Feld der Telekommunikation stehen sowohl Technologie als auch Verbreiterung der Nutzungsformen vor weiteren revolutionären Umbrüchen, die auch zukünftig prägenden Einfluss auf die grundlegenden Rahmenbedingungen des wirtschaftlichen, politischen, öffentlichen, kulturellen, sozialen und privaten Lebens in allen Weltregionen nehmen werden. Dies ist Anlass genug, sich mit der Geschichte der Fernkommunikation als Schlüsselelement der Geschichte menschlicher Gesellschaften zu befassen und in besonderer Weise auch deren Bedeutung für transregionale Zusammenhänge und Interaktionen zu betrachten.

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2. Die historische Bedeutung von Fern- und Telekommunikation in weltgeschichtlicher Perspektive

2.1 Neue Trends in den Geschichtswissenschaften

Es gibt aktuelle Trends in der historischen Forschung zur Fern- und Telekommunikation, die das Blickfeld über die großen Entwicklungsschritte der Telekommunikationim 19., 20. und 21. Jahrhundert hinaus erweitern (vgl. z.B. Huurdeman 2003). Fernkommunikationwird hier als grundlegendes Element von historischen Gesellschaften und Herrschaftsformationen aufgefasst, das jeweils differenziert zu bestimmende Funktionen z.B. für deren Infrastruktur, Außenbeziehungen oder deren geschichtlichen Wandel aufweist.
Dieser Ansatz entspricht ähnlichen Forschungstendenzen auf dem Gebiet der Geschichte der Globalisierung, die diese in den umfassenden Zusammenhang einer zunehmenden Vernetzung von (Welt-)Regionen einordnen (vgl. z.B.
Osterhammel/Petersson 2003), die weit in die vormoderne Vergangenheit zurückreicht.
Dabei wird nicht in Frage gestellt, dass sich die Prozesse transregionaler Austauschbeziehungen und Vernetzungen regional höchst unterschiedlich und unstet gestalteten und keineswegs dem Muster eines linearen Fortschritts folgten. Auch wird zu Recht betont, dass die Bedeutung von Fernkontakten für einzelne historische Gesellschaften bzw. für einzelne soziale Teilgruppen stets sehr differenziert einzuschätzen ist. Gleichwohl lässt eine makrohistorische Betrachtung sichtbar werden, dass es " zumindest bis heute " ein Wachstum sowohl der technologischen und demographischen als auch der kommunikativen bzw. interaktiven Kapazitäten gegeben hat, das regionale Unterschiede übergreift.
Die hier dargestellten Überlegungen zur weltgeschichtlichen Relevanz von Fern- und Telekommunikation sind vor diesem Hintergrund zu sehen.

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3. Zielsetzung des geschichtlichen Überblicks

In diesem Überblick kann es nicht um eine systematische und ausführliche Skizze der Geschichte von Fern-und Telekommunikationin welthistorischer Perspektive gehen. Vielmehr soll ein elementarer, an grundlegenden Zäsuren orientierter Bezugsrahmen entstehen, der die Einschätzung und Einordnung von historischem Wandel erleichtern und Denkanstöße vermitteln will. Zum einen soll die grundlegende Bedeutung von Fernkommunikation für historische Gesellschaften betont werden, zum anderen soll diese verstärkt als fundamentales Phänomen der weltweiten Geschichte transregionaler Kontakte und Beziehungen wahrgenommen werden, die auf die einzelnen Gesellschaften zurückwirkte und oft genug zu deren Wandel beitrug.

Schließlich gilt das Interesse einer Erweiterung jener Geschichtsvorstellungen, die die üblichen Schulbuchinhalte vermitteln. Es geht um eine weltgeschichtlich orientierte Perspektive auf jenen großen historischen Bogen, den die Lehrpläne von den "Anfängen der Menschheit" über die ersten Großreiche, die griechisch-römische Antike, das lateinisch-christliche Mittelalter und die Frühe Neuzeit zur Moderne und Gegenwart zu schlagen pflegen. Damit will man den Heranwachsenden eine Traditionslinie nahe bringen, die als geschichtlicher "Weg" der eigenen Kultur und Nation in die Gegenwart gilt. Ein Nebeneffekt besteht jedoch darin, dass die einzelnen aufeinander folgenden historischen Gesellschaften bzw. Epochen weitestgehend von der sie umgebenden zeitgenössischen Welt isoliert werden, da man sie fast ausschließlich unter dem Aspekt betrachtet, welche Bedeutung sie für die eigene Geschichte haben. Dies aber führt dazu, dass überregionale Verflechtungen und Zusammenhänge zumeist stark vernachlässigt werden, ganz gleich, ob sie nun für den historischen Wandel vor Ort bedeutsam waren oder nicht. Damit entfallen auch Vergleichsmöglichkeiten, die das historische Verständnis vertiefen könnten.

Das Thema "Geschichte von Fern- und Telekommunikation" bietet gute Möglichkeiten, sowohl die Geschichte einzelner Gesellschaften als auch die zeitgenössischen transregionalen und -kulturellen Kontakte und Netzwerke in den Blick zu nehmen, worin jene eingebettet waren. Somit kann man die obligatorischen Lehrplanthemen mit erweiterten geschichtlichen Perspektiven verknüpfen und ein geschichtliches Denken anregen, das bestrebt ist, ortsgebundene historische Phänomene in umfassendere geschichtliche Zusammenhänge einzuordnen" per Beziehungsgeschichte (d.h. die Geschichte transregionaler oder -kultureller Beziehungen) oder per Vergleich. Da die Erweiterung der Perspektiven bei den vertrauten Themen beginnen soll, orientiert sich der hier vorgestellte Überblick am Inhaltskanon der deutschen Geschichtslehrpläne und -schulbücher, der freilich nicht nur in der Schule, sondern weit darüber hinaus von geschichtskultureller Bedeutung ist.

Der Überblick setzt drei Schwerpunkte:

  • Im Kapitel "Geschichtliche Anfänge der Fernkommunikation" (Kapitel 4) geht es um jene Formen der Fernübermittlung von Nachrichten, die bereits vor der Domestikation von Tieren in Gebrauch waren. Dieses Kapitel befasst sich mit den Voraussetzungen und der frühen Entwicklung menschlicher Fernkommunikationund bezieht dabei die Evolution und Ausbreitung des Menschen sowie die Rolle von Sprachen, Werkzeugen und Zeichensystemen ein.

  • Das 5. Kapitel, "Von der Neolithischen Revolution zur Verbreitung des Buchdrucks", greift in einem sehr großen zeitlichen Bogen exemplarisch einzelne Aspekte mit grundlegender Bedeutung für die Geschichte der Fernkommunikation auf: die Herausbildung sesshafter Gesellschaften, die Domestikation von Tieren, die Entstehung von Stadtstaaten, Reichen und Großreichen, die Entwicklung und Verbreitung der Schrift sowie die Transportwege und Verkehrsnetze für den Fernhandel.

  • Das 6. Kapitel, "Fernkommunikation in der Moderne", wendet sich schließlich der Telekommunikationzu, die sich im 19. Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung mit der Nutzung von Elektrizität entwickelt und verbreitet hat und die bislang vorhandene Fernkommunikation von Grund auf veränderte.

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4. Geschichtliche Anfänge der Fernkommunikation

4.1 Nah und Fern

Selbstverständlich setzt jegliche Form der Fernkommunikation das Vorhandensein entwickelter Formen der Kommunikation im jeweiligen Nahbereich voraus. Nicht nur für sehr frühe menschliche Gesellschaften, sondern für den allergrößten Teil der Menschheitsgeschichte gilt, dass die Reichweite von und die Partizipationsmöglichkeiten an Fernkommunikationim Vergleich mit der Moderne überaus eng beschränkt waren. Doch darf man umgekehrt auch davon ausgehen, dass schon die ältesten Gesellschaften, z.B. für die Gefahrenabwehr, nicht nur Späher und Läufer, sondern auch andere Kommunikationssysteme einsetzten, die über größere Entfernungen hinweg funktionierten.

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5. Von der Neolithischen Revolution bis zur Verbreitung des Buchdrucks

Nach dem Abschmelzen der Gletscher und dem Ende der großen Eiszeit (ca. 15 000 v. Chr.) führten neue Wanderungswellen zur Besiedlung von bisher unerreichten Gebieten. Sehr langsam, unstet und ungleichmäßig verteilt, begannen die Weltbevölkerung und die Größe und Komplexität sozialer Gebilde zu wachsen, woraus sich zugleich auch ein wachsender Bedarf an Nachrichtenübermittlung über weite Strecken ergab.

Mit der so genannten "Neolithische Revolution" war eine tief greifende Zäsur in der Geschichte der Fernkommunikation verbunden. Neue Möglichkeiten und Formen der Fernkommunikation, die die jeweiligen Kontaktzonen um ein Vielfaches erweiterten, ergaben sich mit Sesshaftwerdung und Handel, der Domestikation von Tieren und Pflanzen, der Entstehung von bevölkerungsreichen Siedlungen sowie von zunehmend größeren Herrschaftsgebilden, in deren Zentren sich der Austausch von Erfahrung und Wissen verdichten konnte.

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6. Fern- und Telekommunikation in der Moderne

6.1 Das 19. Jahrhundert eine welthistorische Zäsur in der Geschichte der Fernkommunikation

Für die Geschichte der Fernkommunikation bedeutete das 19. Jahrhundert mit der Einführung der Telegraphie auf elektrischer Grundlage und dem Beginn der Telekommunikationeine Zäsur von welthistorischem Rang. Damit wurde ein Transformationsprozess eingeleitet, der die moderne Kommunikation entstehen ließ. Sie sollte das Alltagsleben der Menschen in einer nie zuvor gegebenen Intensität prägen: die Art und Weise, wie man sich fortbewegt, wie und über welche Distanzen man dialogisch kommunizieren kann, auch das, was man unter "Kommunikation" oder "Nachricht" versteht, und wie die modernen Menschen sich selbst und ihren Platz in der Welt wahrnehmen, dies alles sollte sich im Zuge der so genannten "Kommunikationsrevolution" des 19. Jahrhunderts für einen immer schneller wachsenden Teil der Weltbevölkerung(weitere Karte) fundamental verändern.

Die im Vergleich zu früheren Jahrhunderten extrem beschleunigte Abfolge der Entwicklungsschritte auf dem Gebiet der Telekommunikationstechnik, die von der Nutzbarmachung der Elektrizitätüber die Funk- und Satelliten- bis hin zur Glasfasertechnik reichen, umfassen beispielsweise

  • die elektrische Telegraphie(seit der Mitte des 19. Jahrhunderts),

  • die Telephonie(seit Ende des 19. Jahrhunderts),

  • den Funk (seit Beginn des 20. Jahrhunderts erste Schritte der drahtlosen Übertragung von Signalenmittels elektromagnetischer Wellen),

  • das Telefax ( vgl. Fax = "Faksimilie"; etwa seit dem Ersten Weltkrieg erste Schritte der originalgetreuen (kopierten) Übertragung von schriftlichen oder bildlichen Dokumenten über das Telefonnetzoder per Funkfax-Betrieb),

  • das Internet und E-Mail(weitere Karte).

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Materialien

1. Geschichtliche Quellen

Textquellen

  1. Quellen zur Bedeutung der elektrischen Telegrafie, 19. Jahrhundert

entnommen aus: Standage, Tom: Das Viktorianische Internet, St.Gallen/ Zürich 1999, chronologisch geordnet

Q1: Der St. Louis Republican berichtete schon 1847:

"Die Telegraphie ist aus den kommerziellen Transaktionen nicht mehr wegzudenken. Wo immer es Leitungen gibt, wird der Handel über diese abgewickelt, und es ist naturgemäß unmöglich, dass die Geschäftsleute von St. Louis mit jenen anderer Städte handeln können, wenn diese nicht an das Telegraphennetz angeschlossen sind. Der Dampf ist ein Hilfsmittel für den Handel - und nun gibt es ein zweites, den Telegraphen. Man könnte ebenso gut versuchen, mit einem Ruderboot gegen ein Dampfschiff zu konkurrieren wie sich mit der Post gegen einen Telegraphen zu stellen."

Standage, S. 184/185.

Q2: Gedicht anlässlich der Verlegung des Transatlantikkabels 1866, unbekannter Autor:

"Es ist vollbracht! Die wilde See bezwungen ist,
nicht mehr getrennt die Nationen sind;
mit verschränkten Händen die Kontinente fühlen
wie das Herz des anderen schlägt.
Schnell, schnell, Kabel und rolle "
einen Gürtel der Liebe um die Erd'
bis alle Nationen der unter der Sonne
Brüder sind an einem Herd."

Standage, S. 90.

Q3: Zeitungsberichte 1866:

"In London verglich die Times die Verlegung des Kabels mit der Entdeckung der Neuen Welt: Seit der Entdeckung von Kolumbus wurde keine vergleichbare Erweiterung des menschlichen Wirkungsbereiches erzielt. Ein anderes weithin zum Ausdruck gebrachtes Gefühl, das ebenfalls in der Times artikuliert wurde, war, dass das Kabel eine Wiedervereinigung des britischen und des amerikanischen Volkes bewirkt hätte. Der Atlantik ist ausgetrocknet, und wir werden nicht nur in unseren Wünschen, sondern auch in der Realität zu einem Land. Der atlantische Telegraph hat die Deklaration des Jahres 1776 halb rückgängig gemacht und viel dazu beigetragen, um uns allen Widrigkeiten zum Trotz wieder zu einem Volk zu machen."

Standage, S. 92.

Q4: Cyrus Fields, US-amerikanischer Geschäftsmann und wesentlicher Finanzier des Transatlantikkabels, in einem Brief an seinen Bruder Henry:

"Er [der Telegraph] bringt die Länder der Welt zusammen. Er verbindet die getrennten Hemisphären. Er vereint entfernte Nationen und gibt ihnen das Gefühl, Teil einer großen Familie zu sein []. Ein Meereskabel ist keine Eisenkette, die kalt und tot in den eisigen Tiefen des Atlantiks begraben ist. Es ist eine lebendige Verbindung aus Fleisch und Blut, die getrennte Teile der menschlichen Familie vereint, und die stets von Liebe und Zärtlichkeit durchpulst ist. Diese starke Bande tragen dazu bei, die menschliche Rasse in Frieden und Einmütigkeit zu einen []. Es scheint, als wäre diese Meeresnymphe, die sich aus den Wellen erhebt, geboren worden, um vom Frieden zu künden."

Q5: Der britische Botschafter Edward Thornton auf einem Bankett zu Ehren von Samuel Morse in New York, Dezember 1868:

"Was kann den [Frieden] stärker fördern als ein ständiger und uneingeschränkter Diskurs zwischen allen Nationen und Menschen der Welt? [] Die Dampfkraft war der erste Olivenzweig, den uns die Wissenschaft reichte. Dann kam ein noch vielversprechenderer Zweig" dieser wundervolle elektrische Telegraph, der jeden, der sich in Reichweite eines Kabels befindet, in die Lage versetzt, sofort mit seinen Mitmenschen in Kontakt zu treten, wo immer auf der Welt sie sich auch befinden mögen."

Standage, S. 100.

Q6: Aus einer Rede des New Yorker Geschäftsmanns W.E. Dodge (1868):

"Wenn Armee und Marine, Diplomatie, Wissenschaft, Literatur und Presse ihr spezielles Interesse an der Telegraphie bekunden, dann muss das der Handel mindestens im selben Maß tun, aber ich kann nicht behaupten, dass die neue Technik nur Gutes gebracht hat. [] es werden Zweifel laut, ob der Telegraph tatsächlich ein so guter Freund der Händler ist, wie dies weithin angenommen wird. Heute werden Berichte über die wichtigsten Weltmärkte täglich veröffentlicht, und unsere Kunden werden ständig telegraphisch kontaktiert. Statt einiger weniger Lieferungen pro Jahr muss der Händler nun permanent auf Trab sein und sein Geschäft kontinuierlich steigern. Er muss ständig mit seinen entfernten Partnern in Kontakt bleiben, erfährt innerhalb von Wochen die Ergebnisse von Lieferungen, die er vor einigen Jahren monatelang nicht erfahren hätte, und lässt die Erträge in Waren investieren, deren Wert wohl bekannt ist, und die schon vor ihrer Ankunft weiterverkauft werden. So wird er ständig auf Trab gehalten und findet keine Zeit für Ruhe und Entspannung.
Nach einem harten Arbeitstag geht er nach Hause, nimmt ein spätes Abendessen zu sich und versucht, im Familienkreis die Gedanken an die Arbeit aus seinem Kopf zu verscheuchen. Da trifft aber plötzlich ein Telegramm aus London ein, in dem er aufgefordert wird, in San Francisco 20 000 Scheffel Mehl zu kaufen. Nun muss der arme Mann seine Mahlzeit möglichst schnell beenden, um eine Botschaft nach Kalifornien zu senden. Der heutige Geschäftsmann muss ständig auf dem Sprung sein. Der langsame Expresszug wird dem neuen Tempo nicht gerecht, und dem Ärmsten, der den Lebensunterhalt seiner Familie finanzieren muss, bleibt keine andere Möglichkeit als sich dem neuen Stil anzupassen. Er muss sich der Telegraphie bedienen."

Standage, S. 182/183.

Q7: In der Zeitschrift 'Scientific American' erschien 1881 ein Artikel, der sich mit dem moralischen Einfluss der Telegrafie auf das menschliche Leben befasste. Kurz zuvor war der amerikanische Präsident James Garfield nach monatelangem Leiden gestorben:

"[] Die Berührung der telegraphischen Tastatur ruft menschliches Mitgefühl hervor, das seine Manifestation in einem universellen, gemeinsamen Herzschlag findet. Wir haben soeben gesehen, wie sich die zivilisierte Welt wie eine Familie um ein Krankenbett versammelte, wie Hoffnung und Sorge abwechselnd die Welt überfluteten, wenn elektrische Impulse hoffnungsvolle oder alarmierende Bulletins über Kontinente und Meere schickten []. Es war ein noch nie dagewesenes Spektakel; ein Spektakel, das in so großem Maßstab bisher nicht möglich gewesen wäre, und das von dem Tag kündet, an dem die Wissenschaft die menschlichen Gedanken und Interessen so miteinander vermischt, verwoben und vereint haben wird, dass das Gefühl, alle Menschen seien Brüder, keine einzelne Emotion mehr sein wird, sondern eine stetige Empfindung, welche die alltägliche Grundeinstellung der Menschen zueinander prägt und beherrscht."

Standage, S. 179/180.

Q8: Sir John Pender, Vorsitzender der Gutta Percha Company, zur Bedeutung des Telegrafen 1894:

"Die Telegraphie hat oftmals den Abbruch der diplomatischen Beziehungen und damit Dauerkriege verhindert. Sie stellt ihre Bedeutung für Frieden und Glück auf der Welt immer wieder unter Beweis []. Es besteht kein Anlass für böse Gefühle oder auch nur den kleinsten Grund zur Klage. Das Kabel hat das Übel der Missverständnisse, die zum Krieg führten, bereits im Keim erstickt."

Standage, S. 176.

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2. Riepl-Ausführungen 1913

1913 schrieb der Historiker und Nachrichtentechniker Wolfgang Riepl in seinem Buch "Das Nachrichtenwesen des Altertums" über die Geschichte der Fern- und Telekommunikation:

"Entsprechend dem Fortschreiten der menschlichen Kultur von den einfachen Lebensverhältnissen der Urzeit bis zu der Höhe unserer Zivilisation mit ihren vielfachen Interessen, verfeinerten Bedürfnissen, gesteigerten Ansprüchen sind die Aufgaben, Bedingungen, Leistungen des Nachrichtenwesens quantitativ und qualitativ ungemein gesteigert worden. [] Trotz aller solchen Wandlungen ist indessen festzustellen, dass neben den höchstentwickelten Mitteln, Methoden und Formen des Nachrichtenverkehrs in den Kulturstaaten auch die einfachsten Urformen bei verschiedenen Naturvölkern noch heute im Gebrauch sind, und um sie zu finden, braucht man nicht die Südseeinseln oder auch nur das Innere Marokkos aufzusuchen, in Europa selbst, in Gegenden, die sich schon vor den Römern einer verhältnismäßig hoch entwickelten Kultur erfreuten, so bei den Albanesen z.B. ist das Nachrichtenwesen bis heute fast auf der Urstufe geblieben. Andererseits ergibt sich gewissermaßen als ein Grundgesetz der Entwicklung des Nachrichtenwesens, dass die einfachsten Mittel, Formen und Methoden, wenn sie nur einmal eingebürgert und brauchbar befunden worden sind, auch von den vollkommensten und höchst entwickelten niemals wieder gänzlich und dauernd verdrängt und außer Gebrauch gesetzt werden können, sondern sich neben diesen erhalten, nur dass sie genötigt werden, andere Aufgaben und Verwertungsgebiete aufzusuchen. Denn nicht nur die Nachrichtenmittel, ihre Leistungen und Verwendungsmöglichkeiten vermehren und steigern sich unausgesetzt, auch das Gebiet ihrer Verwendung und Ausnützung ist in fortwährender Erweiterung und Vertiefung begriffen. Sie machen einander die einzelnen Felder dieses Gebietes streitig, finden aber in dem fortschreitenden Prozeß der Arbeitsteilung alle nebeneinander genügend Raum und Aufgaben zu ihrer Entfaltung, bemächtigen sich verlorener Gebiete wieder und erobern Neuland dazu. So ist, um nur eines zu erwähnen, die mündliche Nachricht, welche am Anfang der Entwicklungsreihe steht, durch die schriftliche und später durch die telegraphische stark zurückgedrängt, wenn auch keineswegs verdrängt worden, hat jedoch im Lauf der letzten 3 Jahrzehnte mit Hilfe des Telephons gewaltige Gebiete zurückerobert, ohne ihrerseits die schriftliche oder telegraphische verdrängen, ja auch deren Tätigkeit nur wesentlich verringern zu können.[] Um die Mitte dieses Jahrhunderts bezeichnet die Einführung der Elektrizität in den Dienst der Nachrichtenvermittlung den tiefsten Einschnitt und die nachhaltigste, heute noch nicht abgeschlossene Umwälzung in der Entwicklungsgeschichte des Nachrichtenwesens. Sofort bei ihrem Eintritt verbindet sich die Elektrizität mit der Telegraphie, reißt diese plötzlich aus ihren bescheidenen Anfangsstadien zur höchsten Entfaltung ihrer Eigenschaften fort, spornt alle bis dahin bekannten Nachrichtenmittel zur intensiven Anspannung ihrer Kräfte an und fordert die reiche Fülle der neuen Hilfsmittel, welche das beginnende Jahrhundert der Technik hervorbringt, von der Dampfmaschine bis zum Luftschiff und Flugzeug, zum höchstgesteigerten Wettbewerb im Dienste der Nachrichtenvermittlung heraus. Nunmehr folgen die Neuerungen und Fortschritte einander auf dem Fuße, überstürzen sich zuweilen, und kaum ist ein neues Problem von der Technik gelöst, bemächtigt sich dessen sofort das Nachrichtenwesen. Einen Stillstand gibt es nicht mehr, und eine geringe Zahl von Jahren bringt durchgreifendere Umgestaltung hervor als früher von Jahrhunderten."

Aus: Riepl, Wolfgang: Das Nachrichtenwesen des Altertums. Mit besonderer Rücksicht auf die Römer, Leipzig/ Berlin 1913, S. 4-7.

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Bildquellen


Sachquellen

2. Karten mit Begleittexten

I. Karten und Graphiken (mit Begleittexten)

1. Karte: Das Telegraphennetz im Jahre 1855 mit Begleittext

Der Aufbau von Telekommunikationsnetzen auf Grundlage der elektrisch-magnetischen Telegraphie begann um die Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst in Europa (zumeist in staatlicher Regie) und in den USA (in privatwirtschaftlichem Rahmen). Die Technik war damals bereits so weit ausgereift, dass mit Drahtleitungen " vorzugsweise entlang von neu entstehenden Eisenbahnlinien" Fernstrecken (z.B. Prag-Wien oder Köln-Berlin) errichtet werden konnten, die einen effektiven Telegrammbetrieb ermöglichten. Dabei setzte sich die leistungsstarke Morsetelegraphie, die aus den USA nach Europa gekommen war, unter den konkurrierenden Apparatetypen allgemein durch. Auch kam es bereits mit dem Aufbau der ersten Fernstrecken zur internationalen Zusammenarbeit von Telegraphenverwaltungen.

Mit oberirdisch geführten Drahtleitungen konnte man Telegraphenkabel vergleichsweise kostengünstig und schnell auch auf großen Distanzen realisieren. In Europa wurden zunächst die wichtigsten Metropolen mit den Hauptstädten der Länder verbunden. Innerhalb weniger Jahre entstand ein dichtes Verbindungsnetz, in das alle wichtigen Plätze eingebunden waren. Ein erstes Seekabel zwischen England und Frankreich wurde 1851 im Ärmelkanal in Betrieb genommen, und sieben Jahre später folgte das erste Kabel von Deutschland nach England (Emden-Cromer). Nachdem sich 1857 auch Portugal und die Türkei angeschlossen hatten, war es um die Jahrhundertmitte in Europa prinzipiell möglich geworden, mit gewissen zeitlichen Verzögerungen quer über den Kontinent per Telegramm zu kommunizieren. Die stetig wachsende Nachfrage nach Telekommunikation ist vor dem Hintergrund der zunehmend sich beschleunigenden Industrialisierungsprozesse zu sehen.

Mit den ersten Fernstrecken trat das Problem der internationalen Weiterbeförderung von Telegrammen auf. So kam es bereits 1850 zur Gründung des Deutsch-Österreichischen Telegraphenvereins (DÖTV) zwischen Preußen, Österreich, Bayern und Sachsen, der den grenzüberschreitenden Telegrammverkehr regelte. Fünf Jahre später ging daraus der Westeuropäische Telegraphenverein (1855) hervor, der Vorläufer des 1865 gegründeten Welttelegraphenvereins.
Beim Aufbau der ersten Fernstrecken beschlossen die kontinentaleuropäischen Telegraphenverwaltungen die Staatstelegraphie für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um die Investitionskosten zu decken, die jedoch nicht entfernt mit den Investitionsvolumina zu vergleichen waren, die mit dem Eisenbahnbau oder der Verlegung von Seekabeln verbunden waren.
Vorrangig waren es Wirtschaftskreise, die schnell auf das neue Medium zugriffen und dieses zu einem wichtigen Hilfsmittel von Fernhandel und Börse machten: Zu über 90 Prozent bestand der Telegrammverkehr aus Wirtschaftstelegrammen. Auch Nachrichtenagenturen gründeten sich auf die neue Technik und bedienten Presse und Öffentlichkeit mit Meldungen, die mit Hilfe der Telegraphie zahlreicher und schneller als je zuvor verbreitet werden konnten.

Das Telefon breitete sich seit den 1880er Jahren in Europa aus. Die Telegraphennetze hatten zu der Zeit eine sehr hohe Dichte erreicht. Das Telefon wurde in dieser Zeit dazu versendet, Telegraphenlinien auf Nebenstrecken zu ergänzen. An diesen neu eingerichteten Stationen nahmen Telefonisten Telegramme auf, die dann als Sprachmeldung an die nächste Telegraphenstation weitergegeben zu werden. Von dort wurde das Telegramm kodiert per Telegraph an den Zielort übertragen. Daneben breitete sich das Telefon in den Städten aus und wurde zum wichtigen Hilfsmittel von Banken, Handel und Börse. Die Anwendung des Telefons im Fernverkehr war vor dem Ersten Weltkrieg durch die geringe Reichweite begrenzt.

Ein hohes Telegrammaufkommen führte rasch zur Nachrüstung der Kabelkapazitäten durch zusätzliche Leitungen und leistungsstärkere Apparaturen. Bis zum Jahr 1866, als das erste funktionstüchtige Atlantikkabelrealisiert wurde, verfügten die europäischen Staaten bereits über Netze von hoher Dichte mit Mehrfachkapazitäten zwischen den wichtigsten Plätzen und Metropolen und konnten einen täglichen Massenbedarf bedienen. Bis zum Ersten Weltkrieg wurde das Netz zunehmend erweitert und modernisiert.

Ebenso intensiv wurde bis zum Ersten Weltkrieg das US-amerikanische Binnennetz, wiederum vielfach entlang der neu entstehenden Eisenbahnstreckenausgebaut. Dieses Binnennetz zwischen Ost- und Westküste war ein wichtiger Bestandteil des weltumspannenden Weltkabelnetzes, das 1902 entstand.

Literaturhinweise:

  • Reindl, Josef: Der Deutsch-Österreichische Telegraphenverein und die Entwicklung des deutschen Telegraphenwesens 1850-1871, Frankfurt/Main1993.

  • Wobring, Michael: Die Integration der europäischen Telegraphie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in: Henrich-Franke, Christian; Cornelius Neutsch; Guido Thiemeyer (Hrsg.): Internationalismus und Europäische Integration im Vergleich. Fallstudien zu Währungen, Landwirtschaft, Verkehrs- und Nachrichtenwesen, Baden-Baden 2007, S. 83-112

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2. Seekabel im Nordatlantik

2.1 Karte/Graphik: Die erste dauerhaft funktionstüchtige transatlantische Seekabelverbindung 1866 (Atlantic Telegraph Company)

Erste Erfolge bei der Verlegung von Seekabeln auf kurzen Strecken, etwa zwischen England und Kontinentaleuropa (1851), bildeten den Ausgangspunkt für die Konzeption und Verlegung von interkontinentalen Telegraphenleitungen über Distanzen von vielen Tausend Kilometern.

Der New Yorker Kaufmann Cyrus West Field (1819-1892) verfolgte gemeinsam mit seinen englischen Partnern Charles T. Bright (1832-1888), John Brett und John Pender (später Direktor der Eastern Telegraph Company) den Plan, ein transatlantisches Kabel auf der kürzesten Route zwischen Neufundland und Irland zu realisieren. Die hierzu gebildete Atlantic Telegraph Company verlegte das Kabel unter der technischen Leitung von Charles Bright. Das Anfang August 1858 fertiggestellte Kabel versagte jedoch bereits Anfang September.

1855 misslang auch ein zweiter Versuch: Bei ungünstiger Witterung mußte die Verlegung eines neuen Atlantikkabels. vor der Vollendung aufgegeben werden.

Im darauf folgenden Jahr wurde, diesmal erfolgreich, ein neues Projekt in Angriff genommen, und das erste dauerhaft brauchbare Kabel konnte am 21. Juli 1866 den Betrieb aufnehmen. Auch das im Vorjahr verlorene Kabel wurde geborgen und fertiggestellt, so dass seit Sommer 1866 zwei Atlantikkabel bestanden. Auf diesen ersten Leitungen konnten jedoch nur sehr wenige Telegramme pro Tag realisiert werden.

Die Kabelkapazitäten im nordatlantischen Raumwurden durch die Telegraphenbetriebsgesellschaften verschiedener Nationen bis ins Vorfeld des Ersten Weltkriegs ausgebaut. Am Beginn der 1870er Jahre ersetzte man die ersten beiden Kabel durch neue Leitungen.

Literaturhinweise:

  • Lenschau, Thomas: Das Weltkabelnetz, Frankfurt/Main 1908.

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2.2 Karte/Graphik: Seekabel und Betreibergesellschaften im nordatlantischen Raum vor dem Ersten Weltkrieg mit Begleittext

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war der Nordatlantik die wichtigste Handelsstraße der Welt, die auch weltweit die größten Kabelkapazitäten besaß. Seit rund 50 Jahren verlegten hier europäische und US-amerikanische Telegraphenbetriebsgesellschaften Kabelverbindungen (1870, 1880, 1890, 1902, 1914), wobei der wichtigste Telekommunikationsbedarf von der Wirtschaft ausging. In den letzten Jahren vor dem 1. Weltkrieg wurden täglich fünfstellige Telegrammzahlen mit höchster Zuverlässigkeit übertragen.

Die Telegraphengesellschaften verlegten die Kabel auf Routen, auf denen sie das Meeresbodenprofil durch Lotungen erkundet hatten. Kapazitätsausbauten wurden, jeweils um einige Meilen parallel versetzt, auf denselben Strecken realisiert. Somit konnten beschädigte Kabel leicht geortet werden, wenn man sie zur Reparatur bergen musste.

Der nordatlantische Raum war unter den europäischen und US-amerikanischen Betreibergesellschaften hart umkämpft. Denn es handelte sich aufgrund des hohen Kommunikationsbedarfes zwischen den USA und Europa (z.B. Handel, Börse) um den weltweit größten Markt. Bereits mit den ersten Kabelprojekten kam es zu Bündnissen zwischen den Unternehmen. Ging es dabei zunächst um gegenseitige technische Unterstützung und gemeinsame Risikominimierung, so stand später eine Bündnispolitik im Vordergrund, die auf eine zunehmend sich aggressiv verschärfende Konkurrenzsituation auf den Gebieten der Reglementierung der Telegrammpreise sowie des Zugangs zu den Nachrichtenmärkten antwortete.

Die US-amerikanischen Atlantikgesellschaften hatten den Vorteil, zugleich ausgedehnte Binnennetze zu besitzen, die, anders als in Europa, in den Händen privater Gesellschaften waren.
Hierdurch kam den beiden US-amerikanischen Atlantikgesellschaften, der
Western Unionund der Commerical Cable Company, kam eine bündnisstrategisch zentrale Funktion zu, da diese entscheidenden Einfluss auf die Gesamtpreisgestaltung für interkontinentale Telegramme nehmen konnten, die streckenweise von US-amerikanischen Binnennetzen bedient wurden.

Gegen den britisch dominierten Pool ("Gruppe von Telegraphengesellschaften") unter der Führung der Anglo-American Telegraph Companyformierte sich seit der zweiten Hälfte der 1880er Jahr eine zweite Gruppe unter der Führung der US-amerikanischen Commercial Cable Company.

Diese fand einen ersten Partner in der französischen Compagnie Française des Cables Télégraphiques, die 1886 aus dem Pool ausgetreten war. In diesem Bündnis fand auch die Deutsch-Atlantische Telegraphengesellschaft, die vor der Jahrhundertwende ein erstes Kabel realisieren konnte, ihre Partner. Bis zum Ersten Weltkrieg standen sich zwei Kartelle in einem geschlossenen Duopol gegenüber, die ungefähr über gleiche Kabelkapazitäten verfügten.

Literaturhinweise:

  • Wobring, Michael: Die Globalisierung der Telekommunikation im 19. Jahrhundert, Frankfurt/Main 2005.

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3. Das Weltkabelnetz von 1870-1914 mit Begleittext

Mit der erfolgreichen Verlegung von Interkontinentalkabelntrat die Geschichte der Telekommunikation in eine neue Phase. Die Verlegung von Überseekabeln war seit Mitte der 1860er Jahre prinzipiell möglich. Die Transferzeiten(weitere Karte) von Nachrichten reduzierten sich gegenüber den konventionellen Übertragungsgeschwindigkeiten auf minimale Zeiteinheiten von Stunden und Minuten.

Die ersten Erfolge bei der Verlegung von Seekabeln hatte man bereits seit Beginn der 1850er Jahre erzielt und zwar zunächst auf kurzen Entfernungen, wie z.B. dem Ärmelkanal(1851), an Küsten entlang oder zwischen Inseln. Seit dieser Zeit engagierte man sich auch in Vorhaben zur Überbrückung interkontinentaler Distanzen. In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts schlossen interkontinentale Kabelverbindungen die wichtigsten Plätze der Welt immer mehr in einem Netz zusammen, das im Jahre 1902erstmals den Globus vollständig umspannte.

Die führende Rolle beim Aufbau des Telegraphenweltnetzes spielten britische Telegraphengesellschaften, und London entwickelte sich zum Zentrum des Weltnachrichtenverkehrs. Auf den Haupttransferrouten des Weltverkehrsermöglichten Mehrfachkapazitäteneine zunehmend effizientere Bewältigung des Massenbedarfs vor allem der international agierenden Wirtschaft.

Kabelprojekte im Mittelmeer, die auf eine kommunikationstechnische Anbindung Indiensgerichtet waren, und die Herstellung eines nordatlantischen Telegraphenkabelsgelangen erst später. Seit der zweiten Hälfte der 1860er Jahre konnten nach zahlreichen Rückschlägen und der Überwindung technischer Problemeerste große Durchbrüche erzielt werden.

Man baute nicht nur die Hauptrouten des Weltverkehrs mit Mehrfachkapazitäten aus, sondern band auch neue Räume in das Netz eingebunden (vgl. das Weltkabelnetz im Jahre 1870, 1880, 1890, 1902und 1914), wobei sich die durchweg von Privatgesellschaften realisierten Kabelprojekte im Wesentlichen an der weltwirtschaftlichen Relevanz der angebundenen Räume orientierten.
Dementsprechend folgte der Kabelverlegung im Nordatlantik und nach Indien die Anbindung
Chinas, Japans, Australiens und Südamerikas. Afrikawurde erst in den 1880er Jahren vernetzt. Zuletzt wurde der Pazifikam Beginn des 20. Jahrhunderts mit zwei Kabelverbindungen durchquert, wodurch eine direkte Verbindung zwischen Nordamerika mit Südostasien und Australien hergestellt wurde.

Das Welttelegraphennetz, das vor dem Ersten Weltkrieg entstanden ist, war kein Internet (vgl. Server-Klient-Beziehung in dezentralem Netzwerk). Somit besteht auch keine direkte Kontinuität zwischen jenem Welttelegraphennetz und den Kommunikationsnetzwerken der Gegenwart; allenfalls kann man partielle Parallelen im Rahmen einer übergreifenden Kontinuität der Telekommunikationsgeschichte der letzten 200 Jahre benennen, wobei man jedoch den fundamentalen medientechnischen Fortschritt im 20. Jahrhundert wie auch die komplexe Wechselwirkung zwischen Medientechnik und Gesellschaft berücksichtigen muss.

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3.1. Materialien/Karten: Das Weltkabelnetz im Jahr 1870 mit Begleittext

Das Jahr 1870 markiert einen wichtigen Zeitpunkt in der Geschichte der interkontinentalen Telekommunikation. Erste Telegraphenkabel wurden bis dahin erfolgreich auf den wichtigsten Routen des Weltverkehrsrealisiert. Die noch bestehenden technischen Schwächenschienen grundsätzlich überwindbar zu sein. Die interkontinental operierende Wirtschaft hatte die neuen Medien für ihre Zwecke entdeckt. Der Aufbau eines Weltnetzes konnte beginnen.

Seit Anfang der 1850er Jahre verlegte man Seekabel auf kurzen Distanzen, zwischen Inseln und entlang von Küsten. 1866 war es nach mehreren Anläufen gelungen, erste, dauerhafte Leitungen zwischen Europa und den USAzu verlegen. Hinzu kamen zahlreiche Kabel im Raum von Nord- und Ostsee sowie im Mittelmeerraum. Seit 1865 bestand eine erste, wenn auch technisch mangelhafte Transkontinentalverbindung zwischen England und Indien("Türkenlinie").

Bis 1870 standen im Nordatlantik drei Kabelverbindungenzur Verfügung, zwei britische und ein französisches. Der Bedarf nach weiteren Kapazitäten war groß, trotz der hohen Telegrammgebühren und der Beförderung von lediglich wenigen Hundert Telegrammen täglich. Die interkontinental operierende Wirtschaft adaptierte das neue Medium für ihre Zwecke.

Probleme machten bis dahin die Kabelverlegung auf der Seeroute nach Indien. Vor 1870 waren mehrere Versuche, Seekabel im Mittelmeer und im Arabischen Meer zu verlegen, gescheitert. Eine erste transkontinentale Kabelverbindung über das osmanische Reich ("Türkenlinie") blieb mit ihren geringen Leistungen hinter den hohen Erwartungen der Öffentlichkeit zurück. Die entscheidenden Forschritte gelangen 1870. Verbesserte Kabel, die auf die meeresgeographischen Besonderheiten des Roten- und Arabischen Meeres abgestimmt waren, ermöglichten die erfolgreiche Inbetriebnahme einer Seekabelverbindung zwischen Europa und Indien durch die Eastern Telegraph Company. Ein Transkontinentalkabel der Indo European Telegraph Company("Siemens-Linie") konnte ebenfalls erfolgreich in Dienst gestellt werden.

Die Ausdehnung in den hinterindischen Raum reichte 1870 bis nach Singapur. Bis 1870 konnten auch Kabel im westindischen Raum in Betrieb genommen werden, die eine Anbindung an die US-amerikanischen Binnennetze besaßen (Binnennetze der USA nicht in der Karte dargestellt).

Ein weiteres Großprojekt, das Kabel der Großen Nordischen Telegraphengesellschaft, war nach Wladiwostok gelegt worden und nahm ebenfalls 1870 den Betrieb auf. Die ursprüngliche Absicht dieses Projekts, eine Verbindung zwischen Europa und Nordamerika über die Behringstraße zu führen, war 1866 mit der Kunde von der erfolgreichen Inbetriebnahme des ersten Atlantikkabels eingestellt worden. Von Wladiwostok aus sollte dieses Kabel in der folgenden Zeit eine wichtige Rolle für den Telegrammverkehr zwischen Europa und Ostasiens spielen.
Der Südamerikanische Raum, Australien und der afrikanische Kontinent (abgesehen vom Mittelmeerraum) waren telekommunikationstechnisch noch nicht an Europa angebunden.

Bis 1870 zeigen sich charakteristische Muster der voranschreitenden Weltvernetzung: Ein Verfahren um die Konzessionierung zur Anlandung von Kabeln an den Küsten der jeweiligen Staaten hatte sich herausgebildet und wurde von den Telegraphengesellschaften praktiziert. Die Initiative privater Telegraphengesellschaften, die sich bis 1870 bewährt hatte, sollte sich dauerhaft etablieren und zur Routine werden. Das Weltkabelnetz wurde von privaten Gesellschaften realisiert und betrieben.
Die britischen Gesellschaften nahmen seit Beginn der Seekabelverlegung eine führende Rolle ein. Großbritannien war von Beginn an die führende Seekabelmacht.

Zeitgleich gab es wichtige Durchbrüche im Weltgüterverkehr. Der Suezkanal(eröffnet 1869) ermöglichte einen effektiven Seeweg in den indischen Ozean über das Mittelmeer. Der Weltgüterverkehr konnte durch die Ausbreitung der Dampfschiffahrtmit wachsender Effizienz realisiert werden.

Literaturhinweise:

  • Barthy-King, Hugh: Girdle Round the Earth. The Story of Cable and Wireless and its predecessors to mark the group's jubilee 1929-1979, London 1979.

  • Neutsch, Cornelius: Erste "Nervenstränge des Erdballs": Interkontinentale Seekabelverbindungen vor dem Ersten Weltkrieg, in: Teuteberg, Hans-Jürgen/ Neutsch, Cornelius (Hrsg.) Vom Flügeltelegraphen zum Internet. Geschichte der modernen Telekommunikation, Stuttgart 1998, 47-66.

  • Röper, August: Unterseekabel, Leipzig 1910.

  • Roscher, Max: Die Kabel des Weltverkehrs hauptsächlich in volkswirtschaftlicher Hinsicht, Berlin 1911.

  • Wobring, Michael: Die Globalisierung der Telekommunikation im 19. Jahrhundert. Pläne, Projekte und Kapazitätsausbauten zwischen Wirtschaft und Politik. Frankfurt/M 2005.

Fortsetzung: Das Weltkabelnetz im Jahr 1880

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3.2. Materialien/Karten: Das Weltkabelnetz im Jahr 1880 mit Begleittext

Bis auf das Jahr 1880 hatte der Weltkabelnetzausbau große Fortschritte gemacht. Die Kapazitäten an Kabeln waren auf den wichtigsten Routen des Weltverkehrsausgebaut worden. Neue Räume wurden erstmals in das Kabelnetz eingebunden. Die technischen Problemeder zurückliegenden Zeit waren bewältigt worden. Seekabelverlegung auf interkontinentalen Routen war Routine. Interkontinentale Telegraphie war zum wichtigen Medium der Weltwirtschaft geworden. Der Aufbau eines Weltnetzes schritt voran, denn der Bedarf nach Erweiterung und Ausbau des Netzes wuchs permanent.

Eine wichtige technische Innovation war das Duplex-Verfahren. Mit diesem Verfahren war es möglich, auf einem Kabel zeitgleich in beide Richtungen Telegramme zu übertragen. Das Verfahren kam seit den 1870er Jahren auf den Interkontinentalkabeln zum Einsatz. Hierdurch verdoppelte sich die Leistungsfähigkeit der Anlagen.
Bis 1880 standen im
Nordatlantik 5 Kabelverbindungenzur Verfügung, zwei britische und ein französisches. Der Bedarf nach weiteren Kapazitäten war groß. Telekommunikation war zu einem selbstverständlichen Hilfsmittel der interkontinental operierenden Wirtschaft geworden.

Auch auf der Route nach Indien waren Kapazitätenausgebaut worden. Der Betrieb wurde hauptsächlich über die Seekabel und das "Siemenskabel" realisiert. Die "Türkenlinie" verlor an Bedeutung. Der Telegrammverkehr richtete sich nicht nur auf Britisch-Indien. Auch über Indien hinaus waren Verbindungen über Südostasien bis nach Australien und Neuseeland in Betrieb gestellt worden. Der Telekommunikationsbedarf dieser Räume wuchs ebenfalls.
Von Aden aus war eine Verbindung entlang der afrikanischen Ostküste bis Durban durch eine Tochtergesellschaft der britischen
Eastern Telegraph Companyrealisiert und in Betrieb genommen worden. Sie diente der Kommunikation zwischen England und Britisch Ostafrika sowie Südafrika..

In Ostasien war das transkontinentale Kabel der Großen Nordischenmit Seekabeln über Japan, Shanghai, Honkong bis Manila in Verbindung. Die Kabel waren am Beginn der 1870er Jahre verlegt worden.

Südamerika war 1874 durch ein Kabel von St. Vincent nach Pernambuco an Europa angebunden worden. Dort war es seit Beginn der 1870er Jahr zur Verlegung von Kabeln entlang der südamerikanischen Ost- und Westküste gekommen. Diese wurden ebenfalls durch Tochtergesellschaften der britischen Eastern Telegraph Companybetrieben.

Ein Muster der voranschreitenden Weltvernetzung hatte sich seit den 1870er Jahren etabliert: Ein Verfahren um die Konzessionierung zur Anlandung von Kabeln an den Küsten der jeweiligen Staaten hatte sich herausgebildet und wurde von den Telegraphengesellschaften praktiziert. Die Initiative privater Telegraphengesellschaften, die sich bis 1870 bewährt hatte, sollte sich dauerhaft etablieren und zur Routine werden. Das Weltkabelnetz wurde von privaten Gesellschaften realisiert und betrieben. Die britischen Gesellschaften dominierten den Ausbau des Weltnetzes.

Literaturhinweise:

  • Barthy-King, Hugh: Girdle Round the Earth. The Story of Cable and Wireless and its predecessors to mark the group's jubilee 1929-1979, London 1979.

  • Neutsch, Cornelius: Erste "Nervenstränge des Erdballs": Interkontinentale Seekabelverbindungen vor dem Ersten Weltkrieg, in: Teuteberg, Hans-Jürgen/ Neutsch, Cornelius (Hrsg.) Vom Flügeltelegraphen zum Internet. Geschichte der modernen Telekommunikation, Stuttgart 1998, 47-66.

  • Röper, August: Unterseekabel, Leipzig 1910.

  • Roscher, Max: Die Kabel des Weltverkehrs hauptsächlich in volkswirtschaftlicher Hinsicht, Berlin 1911.

  • Wobring, Michael: Die Globalisierung der Telekommunikation im 19. Jahrhundert. Pläne, Projekte und Kapazitätsausbauten zwischen Wirtschaft und Politik. Frankfurt/M 2005.

Fortsetzung:Das Weltkabelnetz im Jahr 1890

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3.3. Materialien/Karten: Das Weltkabelnetz im Jahr 1890 mit Begleittext

Bis auf das Jahr 1890 war der Weltkabelnetzausbau weit vorangeschritten. Die Kapazitäten an Kabeln waren auf den wichtigsten Routen des Weltverkehrsausgebaut worden. Der Aufbau eines Weltnetzes schritt voran, denn der Bedarf nach Erweiterung und Ausbau des Netzes wuchs permanent.

Bis 1890 standen im Nordatlantik neun Kabelverbindungenzur Verfügung, sechs britische, ein französisches und zwei amerikanische. Der Bedarf nach weiteren Kapazitäten war groß. Die Nutzer der Kabel, vor allen Dingen Fernhandel und Börse, stellten höchste Anforderungen an eine zeitgenaue Beförderung der Telegramme.

Auch auf der Route nach Indienwaren weiter Kapazitäten geschaffen worden. Zwischen Suez und Bombay waren zu der Zeit bereits vier Telegraphenleitungen in Betrieb. Der Telegrammverkehr richtete sich nicht nur auf Britisch-Indien. Der Telekommunikationsbedarf der hinterindischen Räume Ostasien, Südostasien und Australien wuchs ebenfalls. Weitere Kapazitätsausbauten waren erforderlich.

In Afrika waren Kabel entlang der Westküste verlegt worden. Von Kapstadt aus erstreckte sich ein Kabel in Küstennähe bis Luanda. Von Duala bestand eine Kabelverbindung bis Dakar, die wiederum über St. Vincent mit Europa verbunden war.

In Südamerika waren die Kapazitäten entlang der Westküste durch weitere Kabel erweitert worden. 1884 war ein zweites Kabel zwischen St. Vincent und Pernambuco in Betrieb genommen worden. Die Kabel entlang der Westküste erstreckten sich bis Salina Cruz in Mittelamerika. Im Golf von Mexiko bestand eine Verbindung zwischen Tampico, Galveston und Vera Cruz.

Literaturhinweise:

  • Barthy-King, Hugh: Girdle Round the Earth. The Story of Cable and Wireless and its predecessors to mark the group's jubilee 1929-1979, London 1979.

  • Neutsch, Cornelius: Erste "Nervenstränge des Erdballs": Interkontinentale Seekabelverbindungen vor dem Ersten Weltkrieg, in: Teuteberg, Hans-Jürgen/ Neutsch, Cornelius (Hrsg.) Vom Flügeltelegraphen zum Internet. Geschichte der modernen Telekommunikation, Stuttgart 1998, 47-66.

  • Röper, August: Unterseekabel, Leipzig 1910.

  • Roscher, Max: Die Kabel des Weltverkehrs hauptsächlich in volkswirtschaftlicher Hinsicht, Berlin 1911.

  • Wobring, Michael: Die Globalisierung der Telekommunikation im 19. Jahrhundert. Pläne, Projekte und Kapazitätsausbauten zwischen Wirtschaft und Politik. Frankfurt/M 2005.

Fortsetzung: Das Weltkabelnetz im Jahr 1902

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3.4. Materialien/Karten: Das Weltkabelnetz im Jahr 1902 mit Begleittext

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war der Weltkabelnetzausbau weit vorangeschritten. (Bei dieser Karte wurde das Stichjahr 1902 gewählt, weil die Briten in diesem Jahr ein erstes Pazifikkabel in Betrieb genommen hatten.) Die Kapazitäten an Kabeln waren auf den wichtigsten Routen des Weltverkehrsmit Mehrfachkapazitäten ausgebaut worden. Hier wurden täglich fünfstellige Telegrammzahlen realisiert. Der Aufbau eines Weltnetzes schritt weiter voran, denn der Bedarf nach Erweiterung und Ausbau des Netzes wuchs permanent.

In den 1890er Jahren hatte sich eine apparatetechnische Innovation durchgesetzt, die die Leistungsfähigkeit der Weltseekabel auf den Hauptrouten entscheidend verbesserte. Bei den neuen Apparaturen wurden die Signale nicht mehr manuell, sondern mit zuvor gestanzten Lochkarten in die Sendeapparate eingelesen. Hierdurch war eine schnelle und fehlerfreie Eingabe der Telegramme möglich, die bei Bedarf auch beliebig oft wiederholt werden konnten. Die stark beanspruchten Kabel auf den Hauptrouten konnten so optimal ausgelastet werden.

Bis 1902 standen im Nordatlantik 14 Kabelverbindungenzur Verfügung. Die Ansprüche an Zuverlässigkeit und Leistung der Telegraphenkabel in diesem Raum waren sehr hoch. Besonders Fernhandel und Börsen stellten höchste Anforderungen an eine zeitgenaue Übertragung ihres Nachrichtenaufkommens. Der Telegrammbetrieb war eng auf die speziellen Bedürfnisse der atlantischen Wirtschaft abgestimmt. So erfolgte regelmäßig eine zeitgenaue Übertragung der Anfangs- und Schlußkurse der atlantischen Börsen. Zu bestimmten Tageszeiten wurden Kabelkapazitäten für die Durchführung bestimmter Geschäftstypen (z.B. Arbitragegeschäfte) freigehalten. Der nordatlantische Nachrichtenmarkt war schwer umkämpft. Die Telegraphengesellschaften standen in Kartellen formiert in starker Rivalität zueinander. Der Bedarf nach weiteren Kapazitäten war groß.

Auch auf der Route nach Indienwaren weiter Kapazitäten geschaffen worden. Der Telegrammverkehr richtete sich nicht nur auf Britisch-Indien. Zur Jahrhundertwende hatte der hinterindische Telegrammverkehr den auf Indien gerichteten Telegrammverkehr übertroffen. Die hinterindischen Räume waren in die Weltwirtschaft hineingewachsen.

Aus diesem Anlaß hatte Großbritannien ein transpazifisches Kabelin Betrieb genommen. Ein Teil des Telegrammverkehrs der hinterindischen Räume konnte, sofern er auf Großbritannien gerichtet war, über Kanada und den Nordatlantik realisiert werden.

Vor dem Hintergrund des Burenkrieges hatte die britische Regierung ein Kabel von St. Vincent nach Kapstadt verlegt. Der Telegrammverkehr zwischen Mutterland und Kapkolonie war hierdurch nicht mehr von den afrikanischen Küstenkabeln abhängig.

Die Kabelverbindungen nach Südamerika waren von St. Vincent und Dakar aus erweitert worden. Am Beginn des 20. Jahrhunderts bestanden vier Kabel.

Literaturhinweise:

  • Barthy-King, Hugh: Girdle Round the Earth. The Story of Cable and Wireless and its predecessors to mark the group's jubilee 1929-1979, London 1979.

  • Neutsch, Cornelius: Erste "Nervenstränge des Erdballs": Interkontinentale Seekabelverbindungen vor dem Ersten Weltkrieg, in: Teuteberg, Hans-Jürgen/ Neutsch, Cornelius (Hrsg.) Vom Flügeltelegraphen zum Internet. Geschichte der modernen Telekommunikation, Stuttgart 1998, 47-66.

  • Röper, August: Unterseekabel, Leipzig 1910.

  • Roscher, Max: Die Kabel des Weltverkehrs hauptsächlich in volkswirtschaftlicher Hinsicht, Berlin 1911.

  • Wobring, Michael: Die Globalisierung der Telekommunikation im 19. Jahrhundert. Pläne, Projekte und Kapazitätsausbauten zwischen Wirtschaft und Politik. Frankfurt/M 2005.

Fortsetzung: Das Weltkabelnetz im Jahr 1914

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3.5. Materialien/Karten: Das Weltkabelnetz im Jahr 1914 mit Begleittext(Alternativkarte: Zentrum Pazifik)

Der Aufbau des Weltseekabelnetzes war am Beginn den 20. Jahrhunderts weitgehend abgeschlossen. Alle Erdteile waren in das Netz eingebunden. Die Kapazitäten an Kabeln waren auf den wichtigsten Routen des Weltverkehrsmit Mehrfachverbindungen ausgebaut worden. Nahezu alle wichtigen Plätze des Weltgeschehens konnten telegraphisch erreicht werden. Täglich wurden hohe fünfstellige Telegrammzahlen übertragen. Der Telegrammverkehr bestand zu über 90 Prozent aus Wirtschaftstelegrammen.

Bis 1914 standen im Nordatlantik 17 Kabelverbindungenzur Verfügung. Die Ansprüche an Zuverlässigkeit und Leistung der Telegraphenkabel in diesem Raum waren sehr hoch. Besonders Fernhandel und Börsen stellten höchste Anforderungen an eine zeitgenaue Übertragung ihres Nachrichtenaufkommens. Der Telegrammbetrieb war eng auf die speziellen Bedürfnisse der atlantischen Wirtschaft abgestimmt. So erfolgte regelmäßig eine zeitgenaue Übertragung der Anfangs- und Schlußkurse der atlantischen Börsen. Zu bestimmten Tageszeiten wurden Kabelkapazitäten für die Durchführung bestimmter Geschäftstypen (z.B. Arbitragegeschäfte) freigehalten.
Der nordatlantische Nachrichtenmarkt war schwer umkämpft. Die Telegraphengesellschaften standen in Kartellen formiert in starker Rivalität zueinander. Der Bedarf nach weiteren Kapazitäten war groß. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Kapazitäten weiter ausgebaut.

Auch auf der Route nach Indienwaren weiter Kapazitäten geschaffen worden. Der Telegrammverkehr richtete sich nicht nur auf Britisch-Indien. Zur Jahrhundertwende hatte der hinterindische Telegrammverkehr den auf Indien gerichteten Telegrammverkehr übertroffen. Die hinterindischen Räume waren in die Weltwirtschaft hineingewachsen. Das internationale Telegrammaufkommen dieser Räume wurde auf verschiedenen Routen realisiert. Ein großer Teil der Telegramme wurde, sofern diese auf Europa oder die USA gerichtet waren, über die Mittelmeerrouten realisiert.
Aus diesem Anlaß hatte
Großbritannien auch ein transpazifisches Kabelin Betrieb genommen. Ein Teil des Telegrammverkehrs der hinterindischen Räume konnte, sofern er auf Großbritannien gerichtet war, über Kanada und den Nordatlantik realisiert werden. Auch die USA hatten 1906 ein Pazifikkabel realisiert, das an Südostasien und Japan angebunden war.

Von Südafrika wurde vor dem Ersten Weltkrieg eine Kabelverbindung nach Australien über Mauritius und die Cocos-Inseln in Betrieb genommen. Der Telekommunikationsbedarf der Kap-Kolonie war seit dem Burenkrieg am Beginn des Jahrhunderts stark gestiegen.

Die Kabelverbindungen nach Südamerika waren von St. Vincent und Dakar aus erweitert worden. Vor dem Ersten Weltkrieg bestanden 5 Kabelverbindungen. Entlang der Südamerikanischen Ost- und Westküste bestanden Mehrfachkapazitäten.

Das bis zum Ersten Weltkrieg aufgebaute Kabelnetz war ein unverzichtbares Hilfsmittel der Weltwirtschaft, die zu der Zeit einen nie da gewesenen Stand erreicht hatte.
Am Beginn des Ersten Weltkriegs wurden mit dem Zeitpunkt wechselseitiger Mobilmachungen große Teile des Netzes zerstört. Die Kabel wurden nach dem Krieg, soweit als möglich, wieder in Betrieb gestellt. Auch in der Zwischenkriegszeit wurden weitere Kabel zur Ergänzung des Netzes verlegt.

Literaturhinweise:

  • Barthy-King, Hugh: Girdle Round the Earth. The Story of Cable and Wireless and its predecessors to mark the group's jubilee 1929-1979, London 1979.

  • Neutsch, Cornelius: Erste "Nervenstränge des Erdballs": Interkontinentale Seekabelverbindungen vor dem Ersten Weltkrieg, in: Teuteberg, Hans-Jürgen/ Neutsch, Cornelius (Hrsg.) Vom Flügeltelegraphen zum Internet. Geschichte der modernen Telekommunikation, Stuttgart 1998, 47-66.

  • Röper, August: Unterseekabel, Leipzig 1910.

  • Roscher, Max: Die Kabel des Weltverkehrs hauptsächlich in volkswirtschaftlicher Hinsicht, Berlin 1911.

  • Wobring, Michael: Die Globalisierung der Telekommunikation im 19. Jahrhundert. Pläne, Projekte und Kapazitätsausbauten zwischen Wirtschaft und Politik. Frankfurt/M 2005.

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3.6. Materialien/Karten: Die Entwicklung des interkontinentalen Seekabelnetzes bis zum Ersten Weltkrieg [in km]

3.7. Materialien/Karten: Anteile ausgewählter Länder am Weltseekabelnetz 1898-1913 [in Prozent] mit Begleittext

Im Jahr 1900 umfasste der britischeAnteil am Weltseekabelnetz etwa 68 Prozent. Die USAbesaßen elf, Frankreichzehn und das Deutsche Reichzwei Prozent. Frankreich und Deutschland bauten ihren Kabelbestand erst nach der Jahrhundertwende intensiver aus.

Der Anteil der britischen Telegraphenbetriebsgesellschaften am Weltnetzging seit dieser Zeit zurück. Die britischen Gesellschaften behaupteten 1908 etwa 55 Prozent, während sich der US-amerikanische Anteil sich auf 20 Prozent verdoppelt hatte. Frankreichs Kabelzuwachs fiel statistisch nicht ins Gewicht. Deutschlands Anteil erreichte hingegen sechs Prozent.

Das Auftreten Dänemarks in der Graphik "Die Entwicklung des interkontinentalen Seekabelnetzes bis zum Ersten Weltkrieg" stellt einen statistischen Effekt dar. In einer nach Ländern gegliederten Datenaufbereitung bildet der Sitz des jeweiligen Unternehmens das Zuordnungskriterium, so dass die in Kopenhagen ansässige multinationaleTelegraphenbetriebsgesellschaft, die Große Nordische Telegraphengesellschaft, Dänemark zugeordnet wird, das aber nicht über rein dänische Betreibergesellschaften verfügte. Auch die Anzahl an dänischen Staatskabeln erreichte im Weltmaßstab kein statistisch relevantes Gewicht.

Japan war im Besitz einer Reihe von Staatskabeln. Der Bestand umfaßte einige kleine Küstenkabel. Daneben bestanden Verbindungen hin zum asiatischen Festland nach Wladiwostok und eine Anbindung an die Pazifikinsel über die Bonin Insel nach Guam. Hierdurch war Japan mit dem Transkontinentalkabel der Großen Nordischenmit Europa verbunden. Durch die Verbindung nach Guam bestand Anschluß an das US-amerikanische Pazifikkabel.

Literaturhinweis:

  • Neutsch, Cornelius: Erste "Nervenstränge des Erdballs": Interkontinentale Seekabelverbindungen vor dem Ersten Weltkrieg, in: Teuteberg, Hans-Jürgen / Neutsch, Cornelius (Hrsg.): Vom Flügeltelegraphen zum Internet. Geschichte der modernen Telekommunikation, Stuttgart 1998, S. 47-66.

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3.8. Materialien/Karten: Das britische Seekabelnetz bis zum Ersten Weltkrieg mit Begleittext

Die interkontinentalen Seekabel waren bis auf wenige Ausnahmen in den Hängen privater Telegraphenbetriebsgesellschaften. Ordnet man die Seekabel dieser Unternehmen den jeweiligen Nationen zu, in denen diese ihren Sitz hatten, dann läßt sich die kommunikationstechnische Einbindung der führenden Welthandels- und Industriemächte in vier Karten darstellen.

Diese Aufteilung darf jedoch nicht den Eindruck erwecken, daß die Zeitgenossen nur auf den Kabeln der Telegraphenbetriebsgesellschaften der jeweils eigenen Nation Telegramme versenden konnten. Der Telegrammbetrieb wurde auf den Kabeln der Gesellschaften anderer Nationen sowie der innerstaatlichen Binnennetze weitergeleitet. Für die Nutzer machte sich das durch höhere Gebühren und längere Telegrammlaufzeiten (GB-Indien, GB-New York) bemerkbar. Diese Aufteilung des Weltnetzes ist also in erster Linie ein Blick der Forschung.

Nach der Jahrhundertwende kam es jedoch aufgrund eines Vorfalls, der "Telegraphenzensur von Aden", zu einer starken Politisierung der Kabelfrage unter den Kabelmächten, vor allen Dingen in Frankreich und Deutschland. Die Abhängigkeit der Kabelmächte von England, das allein über ein unabhängiges Weltnetz mit allen Interessengebieten in direkter Verbindung stand, trat voll ins Bewußtsein und beeinflußte die Kabelpolitik bis zum Ersten Weltkrieg.

Großbritanniens Seekabelnetz bis zum Ersten Weltkrieg

Als einzige Macht der Welt verfügte Großbritannien über ein interkontinentales Seekabelnetz, das unabhängig von den Kabelbeständen der Telegraphengesellschaften anderer Mächte war. Britische Kabelgesellschaften betrieben Kabel in allen Räumen der Welt. Der Aufbau des Weltnetzes richtete sich nach den britischen Überseeinteressen. Auch quantitativ besaßen die britischen Gesellschaften mit Abstand die meisten Kabel. Der britische Anteil am Weltnetz umfaßt vor dem Ersten WK ca. 55 Prozent. Das Zentrum des britischen Weltnachrichtenverkehrs war London.

Die Verlegung von Seekabeln durch britische Unternehmen hatte 1851 Jahre mit einem ersten Seekabel im Ärmelkanal seinen Anfang genommen. Britische Pioniere waren an den ersten Versuchen zur Verlegung von Kabeln im Atlantikbeteiligt. Ebenso wichtig für Großbritannien war die telekommunikationstechnische Anbindung Britisch-Indiens. In beiden Räumen wurden die Kapazitäten bis zum Ersten Weltkrieg erweitert. Die Telekommunikationsanbindung nach Indienwurde ausschließlich von Großbritannien dominiert.
Seit Beginn der 1870er Jahre wurden die Kabelverbindungen in die hinterindischen Räume, Südostasien, Ostasien und Australien ausgebaut. Zur selben Zeit erfolgten Kabelverlegungen in Westindien, die in den 1870er Jahren entlang der Südamerikanischen West- und Ostküste weitergeführt wurden.
Seit den 1880er Jahren erfolgte die kabeltechnische Anbindung Afrikas. Hierbei standen
britische Kolonialinteressen im Vordergrund. Von Aden aus wurden Kabelverbindungen entlang der afrikanischen Ostküste bis Durban verlegt und von Dakar aus entlang der Westküste bis Kapstadt.

Während dieser Zeit war die Eastern Telegraph Companymit ihren zahlreichen Tochtergesellschaften zur mächtigsten Telegraphenbetriebsgesellschaft der Welt aufgestiegen. Am Beginn des 20. Jahrhunderts, vor dem Hintergrund des Burenkrieges, realisierte die Eastern eine Kabelverbindung von Großbritannien nach Kapstadt über St. Vincent und Ascension. Eine Verbindung von Südafrika nach Australien über Mauritius und die Cocos Inseln wurde zur selben Zeit realisiert. Der letzte große Raum, der vor dem Ersten Weltkrieg erschlossen wurde, war der Pazifik. 1902 kam es in einem britisch-kanadisch-neuseeländisch-australischen Gemeinschaftsprojekt zur Herstellung eines ersten transatlantischen Kabels.

Bis zu dieser Zeit waren alle britischen Interessengebiete in den britischen Kabelbestand eingebunden. In vielen Räumen bestand die Möglichkeit, Telegramme, je nach Telegrammaufkommen und Bedarf, auf unterschiedlichen Wegen an den Bestimmungsort zu leiten. Z.B. konnten Telegramme von Australien nach Europa den Weg über das Mittelmeer nehmen oder über transkontinentale Routen über Indien oder Sibirien laufen. Alternativ stand die Seekabelroute über den Pazifik zur Verfügung. Die Telegramme wurden transkanadisch über den Nordatlantik nach Europa übertragen. Auch über das afrikanische Kap wurden Telegramme, wenn auch sehr wenige, von Australien nach Europa geleitet.

Die größte britische Telegraphenbetriebsgesellschaft war die Eastern Telegraph Company. Ihr Chairman John Pender (1816 - 1896), der das Imperium bis zu seinem Tod leitete, war der mächtigste Mann im interkontinentalen Telekommunikationsgeschäft. Mit ihren zahlreichen Tochtergesellschaften war die Eastern in allen Räumen der Welt etabliert (außer im Nordaltantik). Die größte Kabelproduktionsfirma war die Telegraph Construction and Maintenance Company. Von ihr wurden die meisten Kabel, die im Weltnetz verlegt wurden, nicht nur die der britischen Gesellschaften, produziert.

Literaturhinweise:

  • Neutsch, Cornelius: Erste "Nervenstränge des Erdballs": Interkontinentale Seekabelverbindungen vor dem Ersten Weltkrieg, in: Teuteberg, Hans-Jürgen/ Neutsch, Cornelius (Hrsg.) Vom Flügeltelegraphen zum Internet. Geschichte der modernen Telekommunikation, Stuttgart 1998, 47-66.

  • Wobring, Michael: Die Globalisierung der Telekommunikation im 19. Jahrhundert. Pläne, Projekte und Kapazitätsausbauten zwischen Wirtschaft und Politik. Frankfurt/M 2005.

  • Barthy-King, Hugh: Girdle Round the Earth. The Story of Cable and Wireless and its predecessors to mark the group's jubilee 1929-1979, London 1979.

  • Röper, August: Unterseekabel, Leipzig 1910.

  • Roscher, Max: Die Kabel des Weltverkehrs hauptsächlich in volkswirtschaftlicher Hinsicht, Berlin 1911.

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