Suche

DFG gefördertes Projekt zu „Friedenskultur(en) und monarchische Repräsentation in der hellenistischen Staatenwelt“


DFG fördert Forschungsvorhaben zu „Friedenskultur(en) und monarchische Repräsentation in der hellenistischen Staatenwelt“ mit fast 200.000 €

Bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) stieß ein Antrag des Augsburger Lehrstuhls für Alte Geschichte, die Rolle verschiedener Aspekte des Friedens in der Selbstdarstellung der hellenistischen Könige neu in den Blick zu nehmen, auf positive Resonanz. Für drei Jahre (1. Mai 2019 – 30. April 2022) wird deshalb eine PostDoc-Stelle gefördert, für die erfreulicherweise Herr Dr. Charalampos Chrysafis (Athen) gewonnen werden konnte. Er übernimmt nicht nur die monographische Bearbeitung des Themas, sondern organisiert auch einen internationalen Workshop, der im Frühjahr 2021 stattfinden soll.

Die gegenwärtige Forschung zur antiken Monarchie – so der Ausgangspunkt unserer Überlegungen – scheint von der Annahme geprägt zu sein, es habe eine spezifische Legitimationsbedürftigkeit monarchischer Herrschaft bestanden, die einen steten Zwang zum Nachweis militärischer Sieghaftigkeit nach sich zog. Von einer stark militärisch geprägten Selbstdarstellung der hellenistischen Könige kann freilich keine Rede sein; auch erklärt der Historiker Polybios den Frieden zum einzigen von allen Menschen unumstritten geschätzten Gut. Deshalb ist es angebracht, diesen Aspekt in den Gesamtrahmen monarchischer Selbstdarstellung einzuordnen und neu zu gewichten.

Verweise auf Kriege oder Sieghaftigkeit werden im weiteren historischen Kontext untersucht, der besonders den Konnex mit erwünschten Ergebnissen des Krieges berücksichtigt. Eine zentrale Frage hierbei ist, ob Krieg vorrangig als Mittel zur Herstellung von Frieden oder als Weg zur Aneignung materieller Ressourcen konzeptionalisiert wurde. Darüber hinaus muss chronologisch differenziert werden: Das Modell des ‚siegreichen Königs‘, das Hans-Joachim Gehrke 1982 vorgelegt hat und das seitdem stark rezipiert wurde, besitzt zwar für die Auseinandersetzungen um Alexanders Erbe einen hohen Erklärungswert, doch trifft dies nicht zwingend auf die Zeit nach der Etablierung der großen Dynastien zu, da die ‚Veralltäglichung‘ des herrscherlichen Charismas immer mehr eigene Formen ausbildete. 

Die Untersuchung orientiert sich an folgenden sechs Leitfragen: (1) Welches Gewicht haben Verweise auf den Frieden, konkrete Friedensschlüsse oder eine defensive Politik im Rahmen der monarchischen Selbstdarstellung, gerade im Vergleich mit der militärischen Sieghaftigkeit? (2) Inwieweit sind die Könige selbst in Friedensverhandlungen involviert? Welche Argumentationsfiguren werden hierbei gebraucht? (3) Wie wird ‚Friede‘ als Konzept entwickelt – als Abwesenheit von Krieg, Verteidigung bestehender Besitzstände, Durchsetzung hegemonialer Kontrolle oder gottgegebener Herrschaftsrechte, Gewährleistung einer normativ vorausgesetzten ‚Gerechtigkeit‘? (4) Welche Forderungen an den Herrscher werden diesbezüglich in normativen Texten – neben philosophischen Texten auch Passagen bei Geographen, Historikern und Biographen – formuliert? (5) Werden Aspekte des materiellen Wohlergehens eher mit Siegen oder der Abwesenheit von Krieg assoziiert? Sind der Erwerb von Beute und fremden Reichtums wichtig für die königliche Selbstdarstellung? (6) Konzentrieren sich Darstellungstypen in bestimmten Räumen und waren sie an ein spezifisches Publikum adressiert?

Durchzusehen und zu analysieren sind jenseits der literarischen Quellen das reichhaltige epigraphische, papyrologische und numismatische Materias, aus dem sich Aussagen über die königliche Selbstdarstellung für diesen Teilaspekt ableiten lassen. Dabei werden die Texte einem semantischen Tagging nach den Motivkategorien unterzogen; daraus entsteht eine auch unter anderen Aspekten nachnutzbare Textdatenbank, die frei zugänglich zur Verfügung gestellt wird.

Der geplante mehrtägige Workshop spannt den chronologischen Bogen der Thematik vom Alten Ägypten bis in das Frühe Mittelalter, in dessen Rahmen die erhobenen Befunde mit Nachbarwissenschaftlern und mit Experten für die einzelnen Quellengattungen diskutiert werden.

Kontakt:

Dr. Charalampos Chrysafis

Lehrstuhl für Alte Geschichte

Universität Augsburg

Universitätsstr. 10 / Gebäude D4, Raum 5016

D-86135 Augsburg

Tel.: 0049 (0) 821/598-5546

Fax: 0049 (0) 821/598-5501

Mail: charalampos.chrysafis@philhist.uni-augsburg.de

Meldung vom 28.05.2019