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Schornstein/Kamin

f3_14c

Schornstein/Kamin (Frage 14c)

Die Karte mit den Bezeichnungen für den Abzug für den Rauch an einem Haus spiegelt noch die Vielfalt der Ausdrücke und deren regionale Verbreitung in den Dialekten wider (vgl. König (2004): dtv-Atlas, S. 220): Die Bezeichnung Schornstein ist in ganz Deutschland gebräuchlich, in großen Teilen Nord- und Ostdeutschlands sagt man fast ausschließlich Schornstein (zu mittelniederdt. schare/schore ‘Stütze’, womit zunächst wohl ein den gesamten Rauchfang stützender Stein gemeint war). In Süddeutschland verwendet man hingegen Kamin, allerdings war auch hier an vielen Orten Schornstein die zweithäufigste Antwort. Im Westen ist es vielfach genau anders herum: Schornstein war meist die häufigste und Kamin die zweithäufigste Antwort. In drei Regionen kennt man besondere Bezeichnungen: In Sachsen sagt man Esse (was ursprünglich die ‘Feuerstelle’ bzw. den ‘Herd’ bezeichnete), in Franken Schlot (wahrscheinlich mit ahd./mhd. slâte ‘Schilfrohr’ verwandt und auf eine Röhrenform des Abzugs verweisend) und im Osten Österreichs Rauchfang.
Kamin scheint die alleinige Form in Ostbelgien, Luxemburg und Südtirol zu sein. Das schweizerdeutsche Wort für Kamin ist Chémi oder Chämi. Kamin, Chémi und Chämi gehen auf lat. caminus (= ‘Feuerstelle, Herd, Schmiedeesse’) (Kluge, Pfeifer); die Entlehnung von Kamin erfolgte wohl über das italienische camino (König (2004): dtv-Atlas, S. 221; vgl. aber auch frz. cheminée), während das schweizerdeutsche Wort in der Lautgestalt (ch statt k, Umlaut, Betonung auf der ersten Silbe) erkennen lässt, dass es schon erheblich früher, im Kontakt mit den Römern, entlehnt worden ist (frdl. Hinweis von Christian Seidl).
Vergleicht man die Ergebnisse des WDU (1977, Kt 1-23) vom Ende der 1970er Jahre mit unserer Karte, zeigen sich folgende Trends: An vielen Orten Sachsens und Bayerns ist inzwischen neben den Urformen Esse bzw. Kamin der Schornstein die zweithäufigste Antwort. Ende der 1970er wurden in diesen Regionen fast ausschließlich Esse bzw. Kamin genannt. In Österreich gaben zwar auch schon in der damaligen Befragung viele Leute Kamin als zweithäufigste Form neben Rauchfang an, allerdings tritt dieses Phänomen auf unserer Karte im Osten Österreichs nun gehäuft auf. Dies sind möglicherweise Anzeichen für einen sich langsam vollziehenden Sprachwandel. Allerdings ist hier zu berücksichtigen, dass in vielen Orten Österreichs die zwei Bezeichnungen auch zwei verschiedene Dinge meinen können: Kamin steht dort für den Teil des Rauchabzugs im Haus, Rauchfang für den Teil über dem Dach (WDU I, S. 26).