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und, sonst, sind


Bei unbetonten, kurzen und häufigen Wörtern ist Abschwächung und Verlust von Endkonsonante eine normale Erscheinung, insbesondere bei lässigem und/oder schnellem Sprechen. Auch bei diesen "Allegroformen" gibt es jedoch regionale Unterschiede. So ist das Fehlen des -d (-t) bei und und sind offenbar eine vor allem mitteldeutsche und südwestdeutsche Erscheinung.

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und (Frage 23a)

Bei und stimmt der Gebrauch im Süden mit dem der Dialekte gegen 1900 überein (DIWA II 8, Kt. 55): Auch dort ist das -d östlich einer Linie Basel - Stuttgart - Würzburg - Main erhalten. Der Unterschied zwischen östlichem und westlichem Sachsen findet sich gleichermaßen in den Dialekten so wieder. Auffällig ist bei und dagegen die Tatsache, dass in der Alltagssprache auch überall im Norden die Form mit -d (gesprochen t) vorherrscht: Die niederdeutschen und niederfränkischen Dialekte haben in diesem Fall durchgehend un ohne -d (t). Der Unterschied zwischen Norden und Mitte, besonders deutlich im Westen zu erkennen, geht hier demnach - wie nicht selten - nur auf unterschiedliche Dialektnähe der Alltagssprache zurück. Die Ausspracheerleichterung aus den niederdeutschen/niederfränkischen Dialekten ist hier nicht in die hochdeutsche Alltagssprache übergegangen, obwohl es sich um dasselbe Wort handelt.

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sonst (Frage 23b)

Bei sonst ist das Bild weniger eindeutig, auch hier gibt es aber eine Häufung der verkürzten Form im Westen, jedoch weiter nördlich als bei und und sind, insbesondere im Ruhrgebiet (Ob letzteres auch mit Stereotypen zu tun haben kann, muss offen bleiben). Weitere Varianten stellen hier die ältere Form mit u oder ü dar, die ausschließlich im Süden erscheint; im westlichen Österreich sowie in der Schweiz allgemein herrschen Formen ohne n vor (sus, süsch, süscht u.ä.); hier ist auch in anderen Wörtern in der Kombination ns das n verschwunden.

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sind (Frage 23c)

Bei sind ist das Fehlen des -d  nicht überall als Aussprache-Vereinfachung zu erklären, sondern in der 1. und 3. Person Plural des unregelmäßigen Verbs sein ist teilweise früh die Form ohne -d vom Konjunktiv in den Indikativ übernommen worden (mittelhochdeutsch sîn, neuhochdeutsch sein). Die Form sein wurde uns v.a. aus Südtirol gemeldet. Im Vergleich zu den Verhältnissen in den Dialekten gegen 1900 (DIWA II 5, Kt. 85) ist die Verteilung von -n und -nd bei sind relativ unverändert: Die auch standardsprachliche Form mit -nd gilt in der Nordhälfte und im Schwäbischen (sowie in der östlichen Schweiz). Im Norden lautet die dialektale Form allerdings teilweise sünd, was sich in unseren Meldungen nicht findet. Anders san in Bayern und Österreich: Hier ist keine Anpassung an den Standard zu verzeichnen.