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davon/darauf


Nach den Grammatiken werden sog. ‚Pronominaladverbien‘ (oder ‚Präpositionaladverbien‘), das sind Wörter aus da-, wo- oder hier- und einer Präposition (damit, womit, hiermit; daran, woran, hieran etc.), in der schriftlichen Standardsprache grundsätzlich zusammengeschrieben. In der Umgangssprache jedoch finden sich verschiedene Formen, bei denen entweder die beiden Teile dieser Wörter getrennt stehen (Typ I: da weiß ich nichts von oder da habe ich keine Lust auf) oder der erste Teil ‚verdoppelt‘ wird. Im letzteren Fall gibt es wieder zwei Möglichkeiten: Entweder stehen der verdoppelte Teil und das Pronominaladverb getrennt (Typ IIa: da weiß ich nichts davon oder da habe ich keine Lust d(a)rauf) oder sie stehen zusammen (Typ IIb: da davon weiß ich nichts, da d(a)rauf habe ich keine Lust). Wir haben nach den in der jeweiligen Stadt üblichen Formen für die beiden Beispielsätzen Davon weiß ich nichts.“ und „Darauf habe ich keine Lust.“ gefragt.

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davon (Frage 11)

Zu  Davon weiß ich nichts.“ wurde am häufigsten und flächendeckend die ‚korrekte‘ zusammengezogene Form genannt. Die anderen Formen zeigen jedoch ein charakteristisches regionales Muster: Die einfache Getrenntstellung (da weiß ich nichts von) wird fast nur aus dem Norden gemeldet – sowie seltener auch im Südwesten. (Ein Informant aus Füssen schrieb, dass die Verwendung dieser Form dort immer mehr zunehme.) Dagegen werden allgemein im Süden – bis hinauf nach Thüringen und Sachsen – die ‚Verdoppelungskonstruktionen‘ bevorzugt, in Thüringen und Sachsen sowie in Österreich fast ausschließlich die getrennt stehende Verdopplung (da weiß ich nichts davon) und in den deutschen Gebieten ungefähr südlich des Mains sowie in der Schweiz die zusammenstehende Verdopplung (dadavon weiß ich nichts). Diese Nord-Süd-Verteilung entspricht ziemlich genau dem Gebrauch in den Dialekten (vgl. Fleischer), und sie zeigt sich auch schon im „Wortatlas der städtischen Umgangssprachen“ für die ostdeutschen Bundesländer (vgl. Protze). In der Schweiz und in Vorarlberg sagt man auch Von dem weiß ich nichts.

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darauf (Frage 12)

Zu „Darauf habe ich keine Lust.“ gibt es ein weniger eindeutiges Bild als zu davon. Bei darauf haben wir die Besonderheit, dass die Präposition mit einem Vokal beginnt und deswegen in der Standardsprache und in den meisten Umgangssprachen ein -r- zwischen da und auf eingefügt wird (wie auch in worauf; hierauf; daran; darin etc.). Die Getrenntstellung (da habe ich keine Lust auf), die man aus einigen nordwestdeutschen Dialekten kennt, gibt es in der Umgangssprache fast gar nicht (nur aus einem Ort in Ostfriesland und aus Schwaben gemeldet – allerdings berichteten Kieler Studenten, dass sie diese Form auch noch aus dem Kieler Umland kennen). Verbreitet ist dagegen, besonders im Norden, eine Verdopplungsform, bei der jedoch das -a- im zweiten -da- ausgelassen wird (da habe ich keine Lust drauf). Die getrennt stehende Verdopplungsform (da habe ich keine Lust darauf) kommt, wenn auch recht selten, nur im Süden Deutschlands, in Österreich und in der Schweiz vor. Viel häufiger wird dort und in Südtirol jedoch die zusammenstehende Verdopplungsform verwendet (dadrauf habe ich keine Lust); diese ist im Norden des Sprachgebiets deutlich seltener. Die ‚ausgeschriebene‘ Verdopplungsform wurde nur ganz selten genannt (dadarauf habe ich keine Lust) allerdings – wie da ... davon – nur im Süden. Und schließlich gaben auch hier Gewährsleute in Vorarlberg sowie in Südtirol an, dass man in solch einem Satz kein Pronominaladverb verwenden würde (auf das habe ich keine Lust).