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Junge/Bub

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Junge/Bub (Frage 1)

Bei den Bezeichnungen für den ‘Jungen’ zeigt sich im deutschen Sprachraum eine deutliche Zweiteilung: Hunsrück, Westerwald (im Osten bis Marburg), Vogelsberg sowie Thüringer Wald und Frankenwald (östlich davon noch in Hof und Plauen) bilden ungefähr die nördliche Grenze der Verbreitung von Bu(b) (Unter dieser Leitform sind Varianten wie Bub, Bue(b), Bua(b), Bui und andere zusammengefasst.). Nördlich davon sagt man fast ausschließlich Jung(e). Diese Grenze in den alltagssprachen Varietäten hat sich seit der Befragung für den Wortatlas der deutschen Umgangssprachen in den 1970er Jahren (siehe Eichhoff 1977ff.) kaum geändert; die Verteilung entspricht schon der in den Mundarten. Allerdings heißt das natürlich nicht, dass südlich dieser Linie nicht auch Junge verwendet würde. Die Antworten auf die Frage 1 („Wie nennt man an Ihrem Ort gewöhnlich ein Kind männlichen Geschlechts?“) geben wohl vielmehr das wieder, was als ,ortstypisch‘ angesehen wird.
Aus dem Rhein-Main-Raum wird vereinzelt Borsch gemeldet (die mundartliche Form von Bursche), aus Kärnten und der Steiermark auch Bersch (nach dem Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich nicht mit Bursche verwandt, sondern durch Bedeutungsübertragung aus Barsch entstanden und von Wien aus in einigen Stadtsprachen verbreitet). Die z. B. für Heilbronn und Bruchsal angegebene Variante Kerl weist auf kleinere Gebiete im Südwesten, in denen mundartlich auch Kerl für ‘Junge’ gebraucht wird (vgl. Deutscher Wortatlas, DWA).
Eine interessante Form neueren Datums ist die aus Bern und Biel in der Schweiz gemeldete Bezeichnung Giu für ‘Junge’. Es handelt sich dabei offenbar um eines der aus dem ,Mattenenglischen‘, einer Berndeutschen Geheimsprache, stammenden Wörter, die heute allgemein üblich geworden sind und kaum mehr ‚nur‘ als bubensprachlich/mattenenglisch gekennzeichnet sind. Schon im 2. Band des Wörterbuchs der schweizerdeutschen Sprache (1885, 213) ist die Form Giel zu finden; mit der im Westschweizerdeutschen üblichen Vokalisierung von l ist das Wort als gieu und dann Giu heute schon weiter verbreitet (Prof. Dr. Beat Siebenhaar, Leipzig/Bern, p.c.).