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Jüdische Kulturgeschichte Sommersemester 2019:

Drei ‚Zeitromane‘ jüdischer Autoren stehen im Mittelpunkt des Seminars: Lion Feuchtwangers Die Geschwister Oppenheim, zuerst 1933 im Amsterdamer Querido-Verlag erschienen, Gerson Sterns Die Waage der Welt, zuerst 1948 in hebräischer Übersetzung publiziert, und Paula Bubers Muckensturm. Ein Jahr im Leben einer kleinen Stadt, 1953 unter dem Pseudonym Georg Munk erstveröffentlicht. Alle drei Romane sind unmittelbar zur Erfahrung der Verfolgung nach der Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland entstanden, die Erzähltexte Bubers und Sterns in Jerusalem, Mandats-Palästina, der Roman Feuchtwangers in Sanary-sur-Mer, Südfrankreich. Im Seminar soll erarbeitet werden, wie der Bruch der Lebenszusammenhänge und der Rechtsordnung in den Erzähltexten literarisch repräsentiert und gedeutet wird. Es geht dabei um verschiedene Aspekte: die Darstellungs- und Verarbeitungsformen einer – oft von der Katastrophe der Pogrome 1938 überlagerten – schockhaften Erfahrung physischer Gewalt in den Jahren um 1933, um die Versuche der Einordnung des Judenhasses in deutsche kulturelle Traditionen, um das Verhältnis von religiösem und nationalem Selbstverständnis, aber auch um die Suche nach einer Formsprache (der ‚langen Form‘ des Romans)

ab 23.04.2019 dienstags, 17:30 bis 19:00 Uhr, BCM-Gebäude, Raum 8013

Welche Rolle spielen Literatur und Sprache im Denken von Hannah Arendt, einer der wichtigsten jüdischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts? Arendt behauptet, dass Dichter Tatsachenarchivare sind: „die Reporter, die Historiker und letztlich die Dichter“ seien die Hüter der Tatsachen, notiert sie 1966. Anhand von exemplarischen Texten Hannah Arendts seit den frühen 1930er Jahren soll Arendts Verständnis von Kunst, Literatur, und Sprache und dessen Bedeutung für ihre politische Philosophie rekonstruiert werden. Zu fragen ist nach den Bezügen dieses Verständnisses zu Walter Benjamin und Martin Heidegger, nach der Bedeutung, die Arendts Tätigkeit für die "Jewish Cultural Reconstruction" seit 1947 dabei zukommt, aber auch nach dem Ort, den Hannah Arendt der Literatur in ihren eigenen Schriften zumisst - beispielsweise in Lektüren und Zitaten aus Werken von Rainer Maria Rilke, Heinrich Heine, Franz Kafka, und W.H. Auden.

ab 24.04.2019 mittwochs, 17:30 bis 19:00 Uhr, Gebäude D, Raum 1006