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Jerusalem: Die Grabeskirche

Beitrag von Alexandra Hohenester

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Abb. 1: Blick auf die Grabeskirche in Jerusalem.

Baugeschichte/Beschreibung
Die Grabeskirche, oder die von Orthodoxen betitelte Anastasis (Auferstehungskirche), liegt mitten im christlichen Viertel Jerusalems an der Via Dolorosa. In ihr lassen sich der Ort der Kreuzigung auf dem Golgotafelsen, sowie der Ort der Auferstehung, das Grab Christi, vorfinden. Vor rund 2.000 Jahren befand sich dieser Ort außerhalb der Stadtmauern. Ursprünglich überragte der Fels die Gegend östlich um zwölf Meter und an der Westseite um fünf Meter. Zahlreiche Bearbeitungen lassen heute allerdings nur noch wenig vom Felsen und dessen ursprünglicher Gestalt erkennen, der heute nur noch die Grabkammer umhüllt. Bereits in den ersten 100 Jahren nach dem Tod Christi begann eine regelrechte Verehrung des Golgotafelsens und der 40 Meter entfernten Gräber. Im 2. Jahrhundert n.Chr. ließ Kaiser Hadrian, als Zeichen seines Triumphes, über dem frühchristlichen Heiligtum einen Aphroditentempel errichten. Die hohe Terrasse bedeckte das Grab und den gesamten Felsen, welche dadurch gut erhalten blieben. Laut Berichten des Eusebius befahl 326 Kaiser Konstantin d. G. nach der Kreuzauffindung seiner Mutter Helena an der Stelle des Tempels einen prächtigen Kirchenbau zu errichten. Unter den Plänen des syrischen Architekten Zenobius wurde die gesamte Anlage abgetragen und ein Bau von 150 Metern Länge und 75 Metern Breite erbaut. Bei der Abtragung des Tempels wurden acht alte jüdische Gräber gefunden.

Den Felsen des Grabes Christi bearbeiteten die Handwerker so sehr, dass schlussendlich nur noch ein kleines freistehendes „Gebäude“ übrigblieb. Die neue prächtige Anlage gliederte sich in ein Martyrion, einer fünfschiffigen Basilika in Andenken an die Passion, einem inneren Atrium mit dem Golgotafelsen und einer Rundkirche Anastasis mit dem Grab Jesu. 336 erfolgte die Weihung der konstantinischen Grabeskirche. Die Basilika zierte eine innere Marmorverkleidung, geschnitzte Decken und einen Säulenhof. Von der einstigen Pracht ist heute nur noch wenig zu sehen, nach dem Großbrand 614 während der Eroberung der Perser, deren Wiederaufbau 638, dem Brand von 969 mit dem Einsturz der Kuppel und der erneuten vollkommenen Zerstörung 1008 durch den Fatimiden Kalif Abu Ali al Hakim. Trotz des kläglichen Wiederaufbaus Kaiser Monomachuses 1048 blieb die Basilika auf Dauer zerstört. Einzelne Säulenüberreste wurden in den monumentalen Neubau der Kreuzfahrer integriert. Diese vereinigten in ihrem Bau 1149 das Grab und den Felsen unter demselben Dach. Die Grabrotunde war von einer Holzkuppel in Form eines offenen Kegelstumpfes bedacht. Von der spätromanischen bzw. gotischen Architektur wird das heutige Erscheinungsbild dominiert. Seit der Herrschaft Saladins im 12. Jahrhundert ist eines der beiden Holztore verschlossen. 1545 stürzten allerdings drei Stockwerke des Glockenturms ein. Der Brand von 1808 vernichtete die Grabrotunde; 1809 wurde dadurch die Ädikula im Stil des osmanischen Barocks neugestaltet. 1869 wurde die Kuppel durch eine Eisenkonstruktion ersetzt und 1927 erlitt die Kirche durch ein Erdbeben erhebliche Schäden, die fast zum Einsturz der Kuppel führten. Seit 1961 die dauern Restaurierungsarbeiten an, um den weiteren Zerfall zu verhindern. 2016/17 begann nach langen Diskussionen die originalgetreue und erdbebensichere Instandsetzung der Ädikula. Dabei durfte die Grabplatte für insgesamt 60 Stunden im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen entfernt werden.

Das 19,5 Meter hohe aus dem 12. Jahrhundert stammende Hauptportal ist mit seinem leichten Spitzbogen, Friesen, und Gesimsen versehenen Doppeltor und den schlanken Marmorsäulen mit Kapitellen im byzantinischen Stil der schmuckvollste Teil der Kirche. An der Westseite befinden sich die Jakobus-, Johannes- und Magdalenakapelle und die Kapelle der 40 Märtyrer mit dem Glockenturm aus der Kreuzfahrerzeit. Östlich vom Portal sind das griechische Abrahamskloster, die armenische Johanneskapelle, die koptische Michaelskapelle und die darunter liegende Helenakapelle. Bis 1970 gab es noch eine Verbindung zum äthiopischen Kloster auf dem Dach. Rechts der Fassade befindet sich die Frankenkapelle, darunter die griechisch-orthodoxe Kapelle Marias von Ägypten. Vom Hauptportal aus gelangt man durch das südliche Nebenschiff ins Querschiff, das den östlichen Golgotafelsen mit der westlichen Grabesrotunde verbindet. Seit 1810 blicken Besucher auf den rötlichen Kalkstein, dem Salbungsstein. Rechts davon führen fünfzehn Stufen zur Kreuzigungsstätte in die Golgotakapelle hinauf. Der südliche Bereich gehört den Lateinern, der nördliche den Griechen. Zwischen den Säulen der Altarplatte soll sich ein Loch der Kreuzaufstellung befinden und rechts des Altars findet der Besucher einen 15 Zentimeter breiten Felsspalt vor, der bei der Kreuzigung entstanden sein soll. Die zwei Bänke vor der darunter liegenden gr.-orth. Adamskapelle erinnern an die ersten christlichen Herrscher, Gottfried v. Boullion und Balduin I. Der Unterbau der Kirche ist bis in 10 Meter Höhe dem konstantinischen Bau zuzuordnen. Die 50 Meter hohe Kuppel mit vergoldetem Kreuz ruht auf einem Säulenkreis von ca. 19,6 Metern Durchmesser. In der Mitte der Rotunde steht die von 1810 8,3 Meter lange, 5,9 Meter breite und 5,9 Meter hohe Grabkapelle. Durch einen 3,4 Meter langen Vorraum, die Engelskapelle, gelangt man durch einen schmalen nur 1,33 Meter hohen Durchgang in die Grabkammer Christi. Diese ist lediglich 2,07 Meter lang und 1,93 Meter breit. Über der marmorverkleideten Grabbank befinden sich 43 Ampeln, die von den verschiedenen Konfessionen betreut werden. Die Rückwand der Kapelle ist seit dem 15. Jahrhundert Andachtsstätte der Armenier. An der Westapsis führt der Weg zu einer niedrigen Türe des Grabes von Josef v. Arimathea. Hinter der Aula liegt die Erscheinungskapelle der Franziskaner. Das gr.-orth. Katholikon mit dem Nabel der Welt betritt man durch den Kaiserbogen. Von dort aus führt eine Treppe in die unterirdische mittelalterliche Helenakapelle der Armenier. Diese wurde rund fünf Meter tief in den Felsen gehauen und war einst die Krypta des konstantinischen Martyrions. Vier Säulen unterschiedlichen Umfangs tragen das mittelalterliche Gewölbe. Möglicherweise sind die Säulen und deren Kapitelle noch Überreste aus dem ehemaligen Martyrion. Es wird vermutet, dass am Platz des Altars in der südlichen Apsis die drei Kreuze gefunden wurden. Die Fresken stammen aus dem 11./12. Jahrhundert und sind damit Überreste der Kreuzfahrerkunst.

Besitzverhältnisse
Verschiedene christliche Konfessionen möchten einen möglichst großen Anspruch an dem wichtigsten Heiligtum der Christen haben. Die Kirche wird heute von sechs Konfessionen verwaltet. Die griechisch-orthodoxen, römisch-katholischen Franziskaner und armenisch-apostolischen Kirchen sind die Haupteigner. Kleinere Bereiche gehören außerdem der koptischen Kirche Ägyptens, der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien und der orthodoxen Tewahedo Kirche Äthiopiens. Häufige Meinungsverschiedenheiten sind seit 1244 der Grund für die externe Verwahrung des Schlüssels bei der muslimischen Familie Joudeh und die tägliche Öffnung und Schließung des Holztores durch Vertreter der ebenfalls muslimischen Familie Nusseibeh. Die Unfähigkeit der unterschiedlichen Verantwortlichen, sich in der Zuständigkeit des Beseitigens der Holzleiter über dem Portal zu einigen, führte zu deren Verbleib. So ist auch die Dauer der Liturgiefeiern genau festgelegt, um gegenseitige Störungen und Konflikte zu vermeiden.

Besuch
Die Grabeskirche ist in der Stadt durch gute Ausschilderung sehr gut aufzufinden. Allerdings erfreut sie sich großer Beliebtheit unter Pilgern oder Touristen aus aller Welt. Dementsprechend viele Menschenmassen befinden sich in der Kirche auf Erkundungstour. Sogar am Abend muss der Besucher noch damit rechnen sich in eine Schlange anstellen zu müssen, um die Grabkammer Christi betreten zu dürfen. Die Verweilzeit in dieser ist leider auch nur von sehr geringer Dauer.

 

Grabeskirche in Jerusalem

Öffnungszeiten:
April – Sep. 5.00 – 21.00 Uhr,
Nov-März 4.00 – 19.00 Uhr,
Okt. 5.00 – 20.00 Uhr

Eintritt: frei

Literatur
Freigang, Christian: Meisterwerke des Kirchenbaus. Stuttgart 2009.
Gorys, Erhard und Andrea: Heiliges Land. Ein 10000 Jahre altes Kulturland zwischen Mittelmeer, Rotem Meer und Jordan. 2009.
Hirschberg, Peter: Israel und die palästinensischen Gebiete.Leipzig 2011.
Krüger, Jürgen: Die Grabeskirche zu Jerusalem. Geschichte – Gestalt – Bedeutung. Regensburg 2000.

Abbildungen
Abb. 1: © Alexandra Hohenester, 2018.