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Zeitgeschichte des Sterbens


Der Frage, wie sich Tod und Sterben im Verlauf des 20. Jahrhunderts veränder-ten, widmet sich das Lehrstuhl-Team in verschiedenen Zusammenhängen. Wahrnehmung und Erleben eines „gewaltsamen Todes“ sind Bestandteil der Forschungen zur Geschichte des Nationalsozialismus und des Luftkriegs im Zweiten Weltkrieg. In einem von der DFG geförderten Projekt untersucht Florian Greiner die gesellschaftliche Auseinandersetzung um das Sterben in beiden deutschen Staaten nach 1945, also in jenen Jahren, in denen der „natürliche Tod“ zum bestimmenden Merkmal des Lebensendes wurde. Was machte für Zeitgenossen einen „guten Tod“ aus und mit welchen Mitteln wurde versucht, ein selbstbestimmtes „Sterben in Würde“ in modernen  Industriegesellschaften zu gewährleisten? Die – um internationale Ausblicke ergänzte – vergleichende deutsch-deutsche Verflechtungsgeschichte berücksichtigt zum einen die unter-schiedlichen politischen Konturen der beiden Staaten, nimmt zum anderen aber auch längere Traditionslinien und die gemeinsame NS-Vergangenheit von Bundesrepublik und DDR in den Blick. Die intensive Auseinandersetzung um die Probleme am Lebensende, insbesondere im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts, erscheint als eine Sonde für allgemeine Entwicklungen, die Aufschluss über gesellschaftliche Konventionen, sozialen Wandel und vorherrschende normative Grundstrukturen geben kann.

Im Kontext des Forschungsschwerpunktes ist u.a. erschienen (auch mit einem Beitrag von Florian Greiner): 
Ute Planert / Dietmar Süß / Meik Woyke (Hg.): Sterben, Gedenken, Töten. Zur Sozialgeschichte des Todes, Bonn 2018.

Vgl. zur Presseberichterstattung über das Projekt u.a.:
Doris Arp: Autonomie und Selbstbestimmung. Vom guten Sterben, in: Deutschlandfunk, 12.01.2017,
http://www.deutschlandfunk.de/autonomie-und-selbstbestimmung-vom-guten-sterben.1148.de.html?dram:article_id=376086