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Trauer um Bernhard Overbeck


Der Lehrstuhl für Alte Geschichte trauert um Bernhard Overbeck, der vor kurzem im Alter von 76 Jahren verstorben ist.

 

Medaille Overbeck

 

 

 

 

 

 

 

 

Medaille von Erich Ott, München, Photo: U. Kosi, Staatliche Münzsammlung München

 

Zum Tode von Bernhard Overbeck

Nach langer Krankheit ist Bernhard Overbeck am 8. Juli 2018 im Alter von 76 Jahren verstorben. B. Overbeck war seit Sommersemester 1981 zunächst als Privatdozent, dann als außerplanmäßiger Professor am Augsburger Lehrstuhl für Alte Geschichte bei Gunther Gottlieb tätig. Seine letzte im Wintersemester 2005/6 angekündigte Lehrveranstaltung galt der Rezeptionsgeschichte der antiken Numismatik in der Literatur des 16. bis 19. Jahrhunderts.

In Berlin am 1. April 1942 geboren, studierte Overbeck ab Wintersemester 1960/61 Ur- und Frühgeschichte, Alte Geschichte und Provinzialrömische Archäologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ging im Winter 1963/64 für zwei Semester zum Studium bei Konrad Kraft nach Frankfurt am Main. Im Winter 1964/65 war er wieder in München und wurde im Sommersemester 1969 bei Joachim Werner promoviert. Die Arbeit erschien 1973 bzw. 1982 als Band 20 und 21 in der Reihe Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte unter dem Titel Geschichte des Alpenrheintals in römischer Zeit auf Grund der archäologischen Zeugnisse. Teil I: Topographie, Fundvorlage und historische Auswertung, Teil II: Die Fundmünzen der römischen Zeit im Alpenrheintal und Umgebung. Genau dieser Schnittstelle zwischen provinzialrömischer Archäologie und Numismatik galt zeit seines Lebens sein besonderes wissenschaftliches Interesse. So publizierte Overbeck zuletzt noch in mustergültiger Weise den bei den Grabungen im Kastell Vemania bei Isny gefundenen Schatzfund III, der hauptsächlich aus Antoninianen des Probus aus der Münzstätte Ticinum besteht, die in den Jahren zwischen 277 und 279 geprägt wurden (Das spätrömische Kastell Vemania bei Isny II. Ein Schatzfund von Münzen aus der Zeit des Probus [Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte 61], München 2009).

Am 1. September 1969 begann Overbeck bei der Staatlichen Münzsammlung München, der er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2006 treu bleiben sollte. Als Konservator arbeitete er an verschiedenen Ausstellungsprojekten mit, erwähnt seien nur Bauten Roms auf Münzen und Medaillen, 1973 (zusammen mit D. Steinhilber und I. Weber), Spätantike zwischen Heidentum und Christentum, 1989 (zusammen mit J. Garbsch) und Ägypten zur Römerzeit, 1989 (zusammen mit D. O. A. Klose und S. Schoske). Die wohl wichtigste Ausstellung, die unter Overbecks Direktorat in der Staatlichen Münzsammlung präsentiert wurde, galt den Münzen und Siegeln des Heiligen Landes. Diese entstand in Zusammenarbeit mit dem Granden der jüdischen Numismatik, Yaakov Meshorer. Zur Ausstellung, die am 29. November 1993 durch Staatsminister Hans Zehetmair eröffnet wurde, kam auch der israelische Botschafter Avi Primor, der ein Grußwort sprach. Die letzte von Overbeck durchgeführte Ausstellung war im Jahr 2005 der Darstellung des Weingottes Dionysos auf geschnittenen Steinen gewidmet. Auch bei diesem Projekt stand ihm, wie so oft, seine Frau Mechtild als kenntnisreiche Mitarbeiterin zur Seite.

Am 14. Januar 1981 erfolgte die Habilitation an der Universität Augsburg mit der Arbeit Untersuchungen zu den keltischen Münzen des Büscheltyps. Ein Beitrag zur Geldgeschichte der Spätlatènezeit in Bayern. Seine Venia Legendi umfasste Alte Geschichte und Historische Hilfswissenschaften. Im Bereich der keltischen Numismatik hat Overbeck Wegweisendes geleistet. Noch seine letzte Publikation galt diesem Gegenstand: Dem Fund von Neuses, dem ersten Mischfund keltischer Gold- und Silbermünzen in Bayern (Neuses a. d. Regnitz. Ein spätkeltischer Münzschatz aus Oberfranken [Abhandlungen und Bestandskataloge der Archäologischen Staatssammlung München 2], München 2016). Ein auch die kleineren Publikationen umfassendes Schriftenverzeichnis hat Matthias Barth erstellt (Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte 57, 2007, S. 1–40).

Gerne erzählte Overbeck von seiner Lehrtätigkeit in den USA. 1980 holte ihn die American Numismatic Society als Gastdozenten nach New York. Er war Gastprofessor an der Emory University in Atlanta (Georgia) und an der University of Texas in Austin. Aus diesen Tagen blieb ihm etwas cowboyhaftes. Bis zum letzten Tag seiner aktiven Dienstzeit pflegte er einen Ledergürtel mit prächtiger texanischer Schnalle zu tragen. Overbeck war alles andere als ein langweiliger Wissenschaftler. Immer kritisch und immer humorvoll konnte er mit seinen unkonventionellen Meinungsäußerungen manchmal provozierend wirken. Er verfügte über ein hohes Maß an Menschenkenntnis. Wen Overbeck schätzte, für den setzte er sich ein. Was Museumspolitik anbelangt, so konnte man bei ihm strategisch denken lernen. Er scheute, wichtig für einen Museumsmann, die Nähe zum Publikum, auch den ‚einfachen‘ Sammlern, nicht. Seine menschliche Art und sein guter Rat bei schwierigen Entscheidungen werden uns fehlen.

Die guten Beziehungen zwischen dem Lehrstuhl für Alte Geschichte und der Staatlichen Münzsammlung München, deren Grundlagen in den Jahren von Gunther Gottlieb und Bernhard Overbeck gelegt wurden, sind in der jüngeren Vergangenheit am Lehrstuhl von Gregor Weber weiter ausgebaut und gepflegt worden. Dieses Erbe gilt es auch in Zukunft zu bewahren.

 

Kay Ehling

Meldung vom 16.07.2018