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Lautsymbolikexperiment


Prof. Dr. Hilke Elsen                                             Augsburg, Mai 2019                                

Projekt Lautsymbolik

Lautsymbolikexperiment                                                                                                                             

Zusammen mit Dr. Laszlo Kovacs vom Savaria-Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften, Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät, Eötvös Loránd Universität in Szombathely, Ungarn, führen wir im Moment ein Lautsymbolikexperiment am Lehrstuhl Deutsche Sprachwissenschaft durch.

Wie wollen in unserer Studie die Lautsymbolik bestimmter Vokale und Konsonanten im Deutschen und Ungarischen überprüfen und die Ergebnisse mit denen aus anderen Sprachen wie Englisch, Koreanisch, Japanisch und Chinesisch vergleichen. Die Vorlage und die Vergleichsbasis bildet Shinohara, Kazuko / Kawahara, Shigeto (2016). A cross-linguistic study of sound symbolism: The image of size. Proceedings of the Berkeley Linguistic Society 36. Berkeley. 396-410.

Die zwei wichtigsten Thesen lauten: /a/ ist größer als /i/, stimmhafte Obstruenten sind größer als stimmlose Obstruenten.

Diese lassen sich aus Ergebnissen zahlreicher Experimente ableiten. Als Erklärungen werden momentan artikulatorisch-kinästhetische (auf Bewegungsempfindung bezogen) und akustische Gründe diskutiert.

  •  Als ein Motiv für die Assoziation der Sprachlaute mit unterschiedlicher Größe wird in der Korrelation zwischen dem Volumen im Mundraum beim Sprechen der jeweiligen Laute und der relativen Größe, mit der sie in Verbindung gebracht werden, vermutet. Bei der Artikulation hoher vorderer Vokale ist die Mundöffnung klein, die Zunge liegt im Mund weit oben und nähert sich vorne dem Gaumen an. Entsprechend ist der Resonanzraum zwischen Zunge und Gaumen relativ klein. Bei der Aussprache tiefer hinterer Vokalen ist die Mundöffnung deutlich größer, die Zunge wird hinten nach oben gewölbt und liegt wesentlich tiefer als beim /i/. Somit entsteht ein größerer Resonanzraum. Je nach Stimmhaftigkeit der Obstruenten verändert sich die Größe des Mundraums ebenfalls (vgl. Shinohara et al. 2016). Bei der Artikulation von Obstruenten steigt der Luftdruck im Mundraum. Bei stimmhaften Obstruenten ist der Luftdruck unterhalb der Glottis größer als der oberhalb, sodass die Luft nach oben strömen kann. Der Mundraum wird hierzu durch die Umformung des Vokaltraktes vergrößert.
  • Bereits Charles Darwin beobachtete, dass aggressive Tiere tiefe, knurrende Laute produzieren, während sich ängstliche durch hohes Winseln und Schreien auszeichnen. Dies hängt unter anderem mit physikalischen Gesetzen zusammen: Größere Gegner erzeugen größere Resonanzräume. Außerdem wissen wir, dass sie in aggressiven Auseinandersetzungen eher gewinnen als kleinere Gegner, sodass wir außerdem groß mit (potenziell) gefährlich verbinden. Morton (1994) zeigt das universelle Verhältnis der Signalstrukturen von Säugetieren und Vögeln. Sie kommunizieren durch tiefe, raue Töne Aggressivität und Bedrohung, durch helle Unterwerfung und Harmlosigkeit. Akustisch gesehen weisen hohe vordere Vokale höhere Frequenzen (F2) auf als andere Vokale, hintere tiefe Vokale die niedrigste. Stimmlose Obstruenten haben eine höhere Stimmfrequenz als stimmhafte. Der frequency code (Ohala 1984, 1994, 1997) geht von der Verbindung zwischen hellen gegenüber tiefen Stimmfrequenzen und kleinen gegenüber großen  Vokalisierer/innen aus. Er bezieht sich auf eine Assoziation von hohen vorderen Vokalen, hohen Formantenfrequenzen und geringer Größe.

Einsichten in die Wirkungszusammenhänge lassen sich beispielsweise für die Universalienforschung, für die Spracherwerbssituation, bei Gedichtinter-pretationen in der Literaturwissenschaft und für den Einsatz von Produktnamen in der Werbekommunikation nutzen. (weiter und Literatur in Elsen, Hilke 2016. Einführung in die Lautsymbolik. Berlin).

Mitte April wurden an beiden Universitäten Fragebögen verteilt.  Sie werden nun von den ungarischen Kolleg/innen ausgewertet.

 

Meldung vom 02.05.2019