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Speisekammer

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Raum zur Aufbewahrung von Lebensmitteln (Frage 2c)

Das standarddeutsche Wort Speise geht auf mittellat. spēsa, älter spensa aus lat. expēnsa (pecunia) ‘das ausgegebene Geld, der Aufwand’ zurück, das zu dem lat. Verb expendere ‘gegeneinander aufwägen, ausgeben’ gehört (vgl. Spesen, spenden, vgl. a. ital. spesa ‘Einkauf’, ebenfalls mit einer Verengung der Bedeutung des Ausdrucks fare la spesa auf die Besorgung von Lebensmitteln, ähnlich wie bei dt. einkaufen). Nach dem DWB wurde das Wort zunächst in den Klöstern für die Austeilung von Lebensmitteln an Arme verwendet, jedoch bald schon als Bezeichnung für Nahrung allgemein. Die dialektale Form Speis zumeist ohne -e (die – als Maskulinum – im Westen Deutschlands für den Mörtel verwendet wird, vgl. Kt. „Mörtel“) bezeichnet jedoch in ganz Österreich, in Bayern, und im Osten und Süden Baden-Württembergs nicht die Nahrung selbst, sondern den Raum, in dem sie aufbewahrt wird. In Graubünden hat Spensa dieselbe Bedeutungsentwicklung durchgemacht (gefragt war nach der Benennung für den kleinen, meist an die Küche grenzenden Raum, in dem Lebensmittel aufbewahrt werden). Im Norden und Westen Deutschlands wird für diesen Raum dagegen das Kompositum Speisekammer verwendet.
Aus Rheinland-Pfalz nördlich der Mosel und aus Luxemburg wurde Spind, Spinnchen (Spennchen) gemeldet. Auch dieses Wort (auch mittelniederdeutsch und mittelniederländisch als spinde bzw. spende bezeugt) geht über mlat. spenda f. ‘Vorratsraum, Speisekammer’ auf das lateinische Verb expendere zurück; zunächst wurde so eine „vertiefte, kühle Vorratskammer“ bezeichnet (Kluge). In Nordrhein-Westfalen, im Saarland und in der Schweiz wird der betreffende Raum dagegen Vorratskammer genannt, am Westrand Deutschlands und teilweise in der Schweiz auch Vorratsraum.
Gänter(-li) ist eine Schweizer Bezeichnung v. a. für einen Schrank, aber auch für verschiedene Arten kleiner Kammern (Schweizerisches Idiotikon, 381), die eventuell auf ital. cantaro ‘Eckschrank’ zurückgeht.