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Nase läuft/rinnt

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Nase läuft/rinnt (Frage 8a)

Die Frage, wo die Nase rinnt bzw. läuft, hat Dr. Robert Sedlaczek, Verfasser verschiedener Bücher zum österreichischen Deutsch, in seiner Kolumne „Sedlaczek am Mittwoch“ in der Wiener Zeitung aufgeworfen („Hilfe, meine Nase läuft!“, http://www.wienerzeitung.at/meinungen/glossen/231849_Hilfe-meine-Nase-laeuft.html, 27.10.2009 bzw. Wiener Zeitung vom 28.10.2009). Die dort angekündigte Erhebung ist nun durchgeführt worden. Die Fragestellung lautete: „Wie sagt man bei Ihnen, wenn jemand erkältet ist: Die Augen tränen, die Nase ....“. Die Gewährsleute konnten zwischen läuft, rinnt und „anders“ (also möglichen anderen Formen) wählen.
Die Karte bestätigt unsere Vermutung, dass die Ausdrucksweise die Nase rinnt in Österreich und in Teilen Süddeutschlands – genauer: in Ober- Niederbayern und auch in der Oberpfalz– sowie in einem Zipfel der Schweiz, nämlich dem Wallis, gebräuchlich ist, und zeigt darüber hinaus, dass sie auch in Südtirol die übliche Bezeichnung ist. Die Nase rinnt ist also kein ,reiner‘ Austriazismus, und es ist auch nicht die einzige in Österreich verwendete Variante. Die Erhebung bestätigt nämlich auch eine Beobachtung von Sedlaczek: „In Vorarlberg scheinen beide Varianten gebräuchlich zu sein – ,Nase rinnt‘ und ,Nase läuft‘.“ (ebd.) Rinnen ist übrigens mit rennen verwandt – genauer: rennen ist von rinnen abgeleitet (‘rinnen machen’, Pfeifer, 1131); das Engl. hat für beides noch dasselbe Verb (to run). Das ,Laufen‘ bzw. ,Rinnen‘ der Nase lässt sich in beiden Fällen als (metonymische) Übertragung von dem Laufen/Rinnen der Flüssigkeit auf den Gegenstand, aus dem etwas läuft/rinnt, deuten.
Es gibt noch zwei weitere Varianten, die aber so selten gemeldet wurden, dass sie auf der Karte mit nur einem Punkt bzw. gar nicht erscheinen: Aus dem gesamten Sprachgebiet wurde tropft gemeldet, und fast ausschließlich aus Deutschland auch vereinzelt das etymologisch verwandte trieft (Pfeifer, 1460, 1465). Mit diesen beiden Ausdrücken ist aber möglicherweise nicht mehr nur der Schleimfluss bei einer Erkältung gemeint, sondern konkret die daraus resultierende Tropfenbildung. Es mag freilich sein, dass da im Sprachgebrauch kein Unterschied gemacht wird und das Kartenbild etwas bunter aussähe, wenn man auch diese beiden Varianten angeboten hätte.