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DFG-Projekt: "Österreichischer Bibelübersetzer"


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Projektstart: 01.10.2005
Projektende: 30.09.2008
Projektträger: DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft)
Projektverantwortung vor Ort: Prof. Dr. Freimut Löser
Beteiligte Wissenschaftler der Universität Augsburg: PD Dr. Klaus Wolf

Zusammenfassung

DFG-Projekt "Österreichischer Bibelübersetzer - Schlierbacher Altes Testament"

Beschreibung

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts legte ein Laie im heutigen Österreich große Teile der Bibel, die er dabei auch kommentierte und glossierte, in der Volkssprache in die Hände anderer Laien. In eigenen apologetischen Schriften (essentieller einleitender Teil seines alttestamentlichen Werkes) verteidigte er sein Vorgehen vehement gegen Angriffe seitens orthodoxer Gegner. Gleichzeitig zielte er in einem umfangreichen Traktatwerk gegen Ketzer und Aberglauben, aber auch gegen die Juden. Das Werk dieses österreichischen Anonymus ist eine – wenn nicht die zentrale Etappe – der deutschen Bibel vor Luther.

Die editorische Erschließung und Kommentierung der Schriften des Anonymus stellt ein von germanistischer Seite schon länger angemahntes Forschungsdesiderat dar; das Augsburger DFG-Projekt will eben diese Forschungslücke schließen und zielt insgesamt auf eine kommentierte Edition der Schriften des Österreichischen Bibelübersetzers. Dies kann nur Schritt für Schritt erfolgen. In einer ersten Stufe erfolgt daher die kritische Ausgabe des alttestamentlichen Teiles und der damit eng vernetzten antihäretischen und chiliastischen Traktate. Für dieses (Teil-)Vorhaben wurden von der DFG für drei Jahre umfangreiche Sachmittel (Bibliotheksreisen, Handschriften-Filme etc.), eine volle Stelle eines wissenschaftlichen Angestellten und eine studentische Hilfskraftstelle bewilligt.

Im einzelnen wurden (ausgehend von der lateinischen Vulgata) aus dem Alten Testament die Bücher Genesis, Exodus, Tobias, Hiob, Psalmen, Proverbia Salomonis, Ecclesiastes sowie Daniel übertragen; man spricht – wegen des Aufbewahrungsortes der am frühesten bekannten Handschrift – vom sogenannten „Schlierbacher Alten Testament“. Die Konzentration (zunächst) auf diesen alttestamentlichen Teil des Oeuvres hat zwei Gründe: Erstens wird das Textcorpus dadurch überschaubar gehalten. Zweitens verspricht gerade dieses Textcorpus durch die Vernetzung mit dem genannten Traktatwerk Ergebnisse, die – auch jenseits der Altgermanistik – von allgemeinem Interesse sind.

Eine Weiterförderung nach Abschluss der ersten Editionsphase im Jahre 2008 soll beantragt werden. Dann soll mit dem sogenannten „Klosterneuburger Evangelienwerk“ der neutestamentliche Teil des Bibelwerkes erschlossen werden.

Die Texteingabe des alttestamentlichen Teiles ist abgeschlossen. Das Projekt ist im Augenblick ausgesetzt, weil der wissenschaftliche Mitarbeiter PD Dr. Klaus Wolf im WS 2006/07 eine C3-Professur vertrat und im SS 2007 einen C4-Lehrstuhl (Würzburg, Nachfolge Horst Brunner) vertritt. Um diese Zeit verlängert sich die Förderungsdauer.