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Wintersemester 2006/2007


ALTE GESCHICHTE, KLASSISCHE ARCHÄOLOGIE UND KLASSISCHE PHILOLOGIE

Stadt und städtische Kultur im Imperium Romanum

14.11.2006

Priv.-Doz. Dr. Markus Janka (Regensburg/München)
Der Apostat und seine Alptraumstadt. Der Philosophenkaiser Julian im Konflikt mit der urbanen Kultur Antiochias

ak_jankaDen Mittelteil seiner kurzen Alleinregentschaft, näherhin die Zeit von Sommer 362 bis Anfang 363 n. Chr., verbrachte Kaiser Julian, von übelwollenden Nachlebenden mit dem Beinamen "Apostata/Der Abtrünnige" versehen, in Antiocheia, der östlichsten der drei ?Weltstädte? des spätantiken Imperium Romanum. Der zweite Philosophenkaiser nach Marc Aurel kam in freudiger Erwartung in die notorisch lebenslustige Stadt, die als sein Hauptquartier für den Krieg gegen die Perser, aber auch als ein wichtiger Stützpunkt im Kampf gegen das die Rolle der Staatsreligion erobernde Christentum und für die Restauration der alten Götterkulte dienen sollte. Doch die Beziehung zwischen dem Gelehrtenkaiser und der Metropole des Ostens stand von Anfang an unter einem Unglücksstern und spitzte sich fortlaufend krisenhaft zu. Am Ende zieht Julian mit seiner Satire "Der Barthasser" (Misopogon) einen bitterbösen literarischen Schlussstrich und bricht seine Zelte ab, um sein Quartier nach Tarsos zu verlegen. In dem Vortrag werde ich versuchen, die Krisenstruktur zwischen kaiserlichem Sendungsbewusstsein und urbaner Kultur Antiocheias anhand der Schriften (v.a. Briefe und Satiren) Julians, aber auch anderer zeitnaher Quellen (besonders Libanios und Ammianus Marcellinus) zu erhellen.

28.11.2006 Prof. Dr. Michael Heinzelmann (Bern)
Stadtbild und kulturelle Identität in der Kaiserzeit ? römische Städte im Spannungsfeld zwischen Globalisierung und regionaler Vielfalt
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Säulenstraße in Djerash/Gerasa (Jordanien)
Im Verlauf der römischen Kaiserzeit kommt es zu einer der frühesten Globalisierungsphasen der Alten Welt. Römische Stadtkultur und Lebensformen strahlen bis an die äußersten Grenzen des Reiches aus und beeinflussen in vielschichtiger Weise das Leben der indigenen Bevölkerung zwischen Hadrianswall und Sahara. In der bisherigen Stadtforschung wurde dieser Vorgang intensiv beleuchtet, meist jedoch unter dem Aspekt der ?Romanisierung? und der Herausarbeitung spezifisch römischer Elemente im Städtebau. Weniger thematisiert wurde bislang, dass trotz dieser starken vereinheitlichenden Tendenz eine erstaunliche regionale Vielfalt bestehen bleibt. Städte können in ihrer architektonischen Ausgestaltung ein Indikator für den jeweiligen Grad der Akkulturation sowie für den Charakter der kulturellen Identität einzelner Regionen des Reiches sein. Am Beispiel mehrerer Fallstudien werden mögliche Ursachen und Mechanismen aufgezeigt, die zur Ausprägung regional unterschiedlicher Prozesse der Stadtentwicklung geführt haben.

 

05.12.2006 Dr. Marion Gindhart (Kiel)
Zur Semantik der Stadt im Werk des Ausonius

In seinem umfangreichen Oeuvre rekurriert der aus Bordeaux stammende spätantike Autor Ausonius immer wieder auf den Bereich "Stadt". Prominent ist dabei vor allem eines seiner späten Werke, der nach 388/9 n.Chr. entstandene "Ordo urbium nobilium". Ausonius reiht hier ? beginnend mit der aurea Roma, der jedoch nur ein Einzelvers gewidmet ist ? in einer absteigenden Rangliste poetische Miniaturen von 20 Städten des Imperium aneinander. Diese lineare Reihung wird jedoch überschrieben durch ein zweites Ordnungssystem, das in der spezifischen literarischen Präsentation der urbes und der Fokussierung bestimmter Charakteristika evident wird: durch eine Rangfolge, die nun von den gallischen Städten angeführt wird, welche durch ihre besonderen Qualitäten als Gallulae Romae, als Rom en miniature, erscheinen.
Der Vortrag möchte sich zunächst der variantenreichen Inszenierung der Städte und ihrer spezifischen Eigenschaften und Vorzüge im ?Ordo? widmen. Da diese in beständigem Dialog mit den propria Roms formuliert werden, soll versucht werden, über die Beschreibungen der einzelnen Städte einen Zugang zur Rom-Idee des Ausonius zu gewinnen. Vom "Ordo" ausgehend sollen dann auch Verbindungen zur Semantik der Stadt in anderen Werken des Ausonius gezogen werden, in denen die Stadt als mütterlicher Hort ebenso begegnet wie als Vermittlerin und Garantin traditioneller Bildung und Kultur, als Inspiration für literarische Produktion oder als Förderin politischer Karrieren.
 

12.12.2006 Prof. Dr. Christian Witschel (Heidelberg)
Schrumpfende Städte? Die Stadtkultur der Spätantike in vergleichender Perspektive

Der Vortrag geht der Frage nach, ob das spätantike Städtewesen insgesamt einem starken Niedergang ausgesetzt war. Dabei wird einerseits untersucht, inwieweit das Städtenetz in bestimmten Regionen des Imperium Romanum (Gallien, Italien, Africa, Kleinasien, Syrien/Palaestina) bis zum Ende des 6. Jhs. n. Chr. auf einem einigermaßen stabilen Level blieb oder aber quantitativ stark zurückging. Zum anderen wird der Blick auf die innere Struktur der Städte gelenkt und gefragt, wo sich deutliche Veränderungen im traditionellen gesellschaftlichen Gefüge und insbesondere in den Stadtbildern ergeben haben. Erneut wird dabei zu analysieren sein, inwieweit sich solche Veränderungen mit Begriffen wie ?Niedergang? oder ?Schrumpfung? adäquat erfassen lassen.

09.01.2007 Dr. Jens-Arne Dickmann (Heidelberg)
Pompeji: Wohnen und Wirtschaften in einer Kleinstadt
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Pompeji, Casa dei Postumii
(VIII 4, 4.49; rosa)
und die Nachbargebäude
Jüngste Untersuchungen in einem größeren Gebäudekomplex in Pompeji werfen neues Licht auf die Formen des Zusammenlebens und die Organisation von Arbeit. Die Verschränkung von Besitz- und  Mietverhältnissen sowie die in  den privaten Wohnbereich  hineinragende Organisation  von Produktionsabläufen zeigen, daß die städtische Oberschicht vielfältig in wirtschaftliche Abläufe integriert war und diese kontrollierte. Die Untersuchungen legen  nahe, daß das schwere Erdbeben von 62 n. Chr. in Pompeji eher als Katalysator denn als Auslöser einer Krise gewertet werden muß.

 

23.01.2007 Prof. Dr. Herbert Grassl (Salzburg)
Zur Gewerbetopographie in der römischen Stadt

 

06.02.2007 Priv.-Doz. Dr. Rudolf Haensch (München)
Bischöfe als Stadtherren? Die Entwicklung in der östlichen Reichshälfte

 


Die Vorträge finden jeweils um 18 Uhr c.t. im Hörsaal III, Universitätsstraße 10 statt.

Kontakt und weitere Informationen:
Prof. Dr. Valentin Kockel
Klassische Archäologie - Philologisch-Historische Fakultät der Universität Augsburg - 86135 Augsburg
Telefon: 0821/598-5549 - e-mail: valentin.kockel@phil.uni-augsburg.de

Prof. Dr. Valentin Kockel

Prof. Dr. Marion Lausberg

Prof. Dr. Gregor Weber