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Wintersemester 2005/2006


ALTE GESCHICHTE, KLASSISCHE ARCHÄOLOGIE UND KLASSISCHE PHILOLOGIE

25.10.2005

PD Dr. Veit Rosenberger (Augsburg/Erfurt)
Römische Religion. Positionen - Probleme - Perspektiven

In kaum einem Bereich der Altertumswissenschaften haben sich in den letzen Jahrzehnten die Zugangsweisen so geändert wie in der Erforschung von antiker Religion. Kategorien, die lange als gesichert galten, werden einer Neudefinition unterzogen oder generell in Frage gestellt. Ausgehend vom Prodigienwesen der römischen Republik sollen einige der offenen Fragen zum Thema "römische Religion" vorgeführt werden

08.11.2005

Dr. Lothar Bakker (Leiter der Stadtarchäologie und des Römischen Museums Augsburg)
Die Gottheiten im römischen Augsburg. Religiöse Vielfalt und Toleranz

awk_05_06_bakker Die raetische Provinzhauptstadt AELIA AVGVSTA / Augsburg zeigt wie keine andere römische Siedlung Süddeutschlands die Vielfalt des antiken Götterhimmels auf. Unter den klassischen Gottheiten stand an der Spitze die kapitolinische Trias. Dominierend war in AVGVSTA aber Mercur: Von ihm stammen die meisten Zeugnisse. Die weite Toleranz "fremden" Religionen gegenüber wird an Weihungen für orientalische Gottheiten wie Isis, Mithras oder Sol Elagabalus sichtbar. Das Christentum, bis 312/313 n. Chr. diskriminiert und Verfolgungen ausgesetzt, griff gegen Ende des 4. Jh. n. Chr. selbst in einer Art "damnatio" Tempel und Weihedenkmäler an, wie u. a. die Eradierung einer Jupiteranrufung erkennen lässt.
Merkurrelief von St. Ulrich und Afra, um 1500 gefunden.
(Stich nach Markus Welser von 1682)

 

22.11.2005

PD Dr. Dirk Steuernagel (Leipzig)
Denkmal und Kult: Zu Erscheinung und Funktionen "alter Tempel" im römischen Griechenland

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Perspective Drawing of Temenos of Poseidon in Second Roman Period
Was geschah mit Tempeln aus der Zeit der autonomen griechischen Stadtstaaten, als diese unter römische Herrschaft kamen? Warum blieben die Tempel damals überhaupt erhalten: um die Fortdauer religiöser Traditionen zu gewährleisten oder um die Erinnerung an einstige politische und kulturelle Größe wach zu halten? Das eine muss das andere nicht ausschließen. Schon in der Antike scheint es aber möglich gewesen sein, beide Aspekte unabhängig voneinander zu sehen. Diese These wird an Hand der räumlich-funktionalen Kontextualisierung und der baulichen Neugestaltung ausgewählter Tempel des römischen Griechenland begründet.
06.12.2005 Dr. Dorothee Elm (Freiburg)
Divinationskritik im Kontext der Zweiten Sophistik. Lukians ?Alexandros oder der Lügenprophet?

In der Schrift "Alexander oder der Lügenprophet" des Satirikers Lukian wird der kleinasiatische Orakelgott Glykon, der sich im zweiten Jahrhundert n. Chr. im römischen Reich so großer Beliebtheit erfreute, dass (nach Lukian) selbst der Kaiser Marc Aurel zu seinen Anhängern zählte, als eine Erfindung des Alexandros, des Kultgründers und ersten Propheten des Gottes, entlarvt. In dem Vortrag wird diese Schrift in den Kontext einer zeitgenössischen Debatte über die Divination gestellt, die unter den gebildeten Vertretern einer als "Zweite Sophistik" apostrophierten Bewegung geführt wurde. Es wird deutlich, dass Lukian bei der Konstruktion des epikureischen Ich-Erzählers der Schrift die Selbstdarstellung der Vertreter dieser Bewegung als gebildete Philosophen in ironischer Brechung aufnimmt.

20.12.2005 Prof. Dr. Dr. Manfred Clauss (Frankfurt am Main)
Christen - Bürger einer anderen Welt

Wenngleich Lukas mit seiner berühmten, gerade in der Weihnachtszeit gerne bemühten Erzählung von Joseph und Maria, die ihre Reise nach Bethlehem aufgrund eines kaiserlichen Befehls antraten, die Eltern Jesu als treue loyale Bürger Roms zeichnet, deren Verhalten vorbildlichen Gehorsam gegenüber der irdischen Ordnungsmacht demonstriert, gab es stets eine nicht unbedeutende Gruppe, die genau diesen Weg zu gehen nicht bereit war.

"Solange Christen als Bürger der Erde im Körper wohnen, bleiben sie ausgebürgert aus dem Reich Gottes. Christen sehnen sich aber danach, sich aus dem Körper auszubürgern und beim Herrn eingebürgert zu werden, damit sie, wenn sie Bürger seines Reiches sind, eins werden mit Gott." Dieses Zitat des Origines beschreibt das Spannungsfeld christlicher Existenz während der Frühzeit des Christentums. Der Vortrag konzentriert sich auf diese Bürger einer anderen Welt und die vielfältigen Wege aus dieser in jene, sei es, dass man in eine Art innere Emigration ging, den schnellen Tod suchte oder die Welt selbst oder zumindest ihre Hauptstadt in Brand steckte.

17.01.2005 Dr. Katharina Rieger (Göttingen/Halle)
Götter in Ostia ? gelebte Religion in einer römischen Stadt
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Perspective Drawing of Temenos of Poseidon in Second Roman Period
In einer polytheistischen Religion wie der römischen religio stellt sich die Frage, in welchem Verhältnis die verschiedenen Göttern und ihre Adoranten stehen. Denn das Nebeneinander mehrerer Gottheiten birgt die Möglichkeit der Konkurrenz und (mangelnden) Toleranz.
In Ostia, das als lebendige Hafenstadt eine Vielzahl von Göttern beherbergt hat, kann man die Verflechtungen zwischen einzelnen Göttern und ihren Verehrern nachzeichnen. Wie die Kulte zwischen republikanischer und später Kaiserzeit neben- und miteinander praktiziert wurden, spiegeln die Zeugnisse aus Heiligtümern und Häusern Ostias wider. Das spezifische Pantheon der Stadt und die Funktion der einzelnen Götter in Ostia lassen sich so rekonstruieren.
24.01.2005 Prof. Dr. Johannes Hahn (Münster)
"Ausgemerzt werden muss der Irrglaube!" Religion und Gewalt in der Spätantike

 "Die staatliche Anerkennung des Christentums durch Kaiser Konstantin bedeutete nur eine, wenn auch wesentliche Zwischenstation auf dem Weg zur Christianisierung des Imperium Romanum. Der nun einsetzende machtvolle religiöse, soziale und politische Transformationsprozess der spätantiken Welt erfolgte allerdings nicht ohne Konflikte. Die Aggressivität und unverhohlene Intoleranz christlicher Repräsentanten und Gruppen, ja die offene Gewaltbereitschaft einzelner christlicher Kreise im Umgang mit Andersdenkenden spielten hierbei eine nicht unwesentliche Rolle. Der Vortrag versucht, dem Phänomen der (christlichen) Gewaltanwendung und ihrer Be-gründungszusammenhänge an ausgewählten Beispielen nachzugehen und zugleich in seiner ge-sellschaftlichen Wirkung auszuleuchten."

Die Vorträge finden jeweils um 18 Uhr c.t. im Hörsaal III, Universitätsstraße 10 statt.

Kontakt und weitere Informationen:
Prof. Dr. Valentin Kockel
Klassische Archäologie - Philologisch-Historische Fakultät der Universität Augsburg - 86135 Augsburg
Telefon: 0821/598-5549 - e-mail: valentin.kockel@phil.uni-augsburg.de

Prof. Dr. G. Weber Prof. Dr. V. Kockel Prof. Dr. M. Lausberg