Suche

Wintersemester 2004/2005


ALTE GESCHICHTE, KLASSISCHE ARCHÄOLOGIE UND KLASSISCHE PHILOLOGIE

26.10.2004

Prof. Dr. Jürgen Malitz (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)
'Judenforschung'. Rassenkunde und gelehrter Antisemitismus in den Altertumswissenschaften 1933-1945
Bis 1933 waren Forschungen zur Geschichte des Judentums in Altertum, Mittelalter und Neuzeit die Domäne der von jüdischen Wissenschaftlern getragenen "Wissenschaft vom Judentum".
Spätestens seit der Verabschiedung der "Nürnberger Gesetze" vom September 1935 setzt in Deutschland eine "wissenschaftliche" Beschäftigung mit der Geschichte des Judentums ein, die als "Gegnerforschung" das Ziel verfolgt, den Antisemitismus auf historischer Grundlage zu rechtfertigen. Die Altertumswissenschaft war in diesem Zusammenhang weniger bedeutend als die Mediävistik, die Neuere Geschichte und die Wissenschaft vom Neuen Testament, doch gab es auch in dieser Disziplin Fachvertreter, die sich an solchen Arbeiten beteiligten oder durch ihre Bewertung der Rolle des antiken Judentums im Kontext anderer Studien einen "rassenkundlich" begründeten Antisemitismus legitimierten. Die sprachliche Spannweite dieser Arbeiten reicht von der Benutzung traditioneller Topoi (Vogt) im Laufe der Jahre bis zu Formulierungen eines eliminatorischen Antisemitismus (Schachermeyr im Jahre 1944). Nach 1945 sollte es lange dauern bis zu Publikationen deutscher Forscher in der wissenschaftlichen Tradition der Epoche vor 1933.

09.11.2004

Dr. Matthias Haake (Universität Münster)
Der Philosoph in der polis Athen: Die öffentliche Rede über Philosophen und Philosophie in hellenistischer Zeit.
Im Vortrag wird es um die Analyse der öffentlichen Rede über Philosophen im hellenistischen Athen gehen. Zentrale Quellengrundlage bildet das epigraphische Material wie beispielsweise Ehrendekrete, das Äußerungen der polis-Gemeinschaft manifestiert und somit den öffentlichen Diskurs widerspiegelt. Nachgegangen werden soll der Frage, wann und in welchen Kontexten die Athener als politische Gemeinschaft in welcher Weise über Philosophen 'redeten': Lassen sich Differenzen zwischen den einzelnen Schulen ausmachen und gibt es diachrone Entwicklungen? Abschließend wird erörtert, was sich ausgehend von der vorangegangenen Analyse über die Stellung des Philosophen in der polis Athen und über das Verhältnis der polis Athen zu den Philosophen aussagen läßt.

30.11.2004

Prof. Dr. Winfried Schmitz (Universität Bonn)
Der Demokrat und das Atom. Politische Ordnungen im Spiegel der antiken Kosmologie
Die griechischen Philosophen Leukipp und Demokrit haben in der Antike eine Atomtheorie entwickelt, aus der heraus sie den Kosmos erklären wollten. "Der gebräuchlichen Redeweise nach gibt es Farbe, Süßes, Bitteres, in Wahrheit aber nur Atome und Leeres". In derselben Zeit, in der die Atomlehre formuliert wurde, hat sich in Athen die Demokratie herausgebildet, in der mehr und mehr das Volk ins politische Zentrum gerückt wurde, über alle Angelegenheiten bei den Volksversammlungen entscheiden konnte, von Amtsträgern Rechenschaft forderte und in den Gerichtshöfen über Angeklagte urteilte. Ist die zeitliche Koinzidenz zufällig?

07.12.2004

Dipl.-Ing. Dr. Michael Pfanner (Scheffau)
Wie restauriere ich einen römischen Triumphbogen richtig? Zu Restaurierungen in Rom, in München und im Pergamonmuseum
Triumphbögen können als Sinnbilder römischer Architektur gelten. Ihr einzigartiges Erscheinungsbild und ihr monumentaler Charakter machten sie nicht nur im Altertum, sondern auch in der Neuzeit zu besonderen Denkmälern. Das drückt sich nicht zuletzt in der Art der modernen Restaurierungen und Rekonstruktionen aus. Drei hochberühmte Bauwerke  -  der Titusbogen in Rom, das Siegestor in München und das Markttor von Milet in Berlin  -  waren alle schwer beschädigt oder zerstört und wurden auf verschiedene Art und Weise restauriert. Der Referent hat sich mit allen drei Bögen direkt und intensiv beschäftigt. Aktueller Anlass ist die anstehende Generalsanierung des Pergamonmuseums und des Markttores von Milet.

11.01.2005

Prof. Dr. Claudia Wiener (Universität München)
Seneca und die moderne Psychotherapie
In Senecas Dialogi finden sich besonders gut sichtbar die Ansätze der hellenistischen Philosophie, mit therapeutischen Anweisungen bei der Überwindung von Krisensituationen zu helfen. Aus den drei Konsolationsschriften kann man ein gezieltes Vorgehen gegen Depressionserscheinungen herauslesen. In den drei Büchern De ira werden Methoden und Grundlagen der stoischen Aggressions-therapie diskutiert, die mit den Ansätzen von aktuellen kognitiven Verhaltens-therapien vergleichbar sind.

25.01.2005

Prof. Dr. Valentin Kockel (Universität Augsburg)
Neues vom Forum von Pompeji
2003 und 2004 konnte die Klassische Archäologie an der Universität Augsburg auf dem Forum von Pompeji eine sorgfältige zeichnerische Dokumentation der Pflasterung des Platzes selbst und der anschließenden Portiken durchführen. Dabei konnten zahlreiche Spuren von Statuenbasen, Brunnen und Flickungen, aber auch von ephemeren Absperrungen erstmals zusammengestellt werden. Jetzt zeichnet sich eine neues Bild dieses zentralen Platzes ab, der in stetem Wandel zunächst der Selbstdarstellung der lokalen Eliten diente, dann aber auch der Verehrung des Kaiserhauses. Makro- und Mikrogeschichte werden so getreu gespiegelt. Erste Sondagen geben außerdem Einblick in umfassende Umbauten im Süden des Platzes.

01.02.2005

Dr. Margarete van Ess (Deutsches Archäologisches Institut, Berlin)
Die Wiege der Kultur. Die Zerstörung archäologischer Stätten im Südirak


Foto: Joanne Farchakh

Viele Jahre der Kriege und des Embargos ließen es still werden um die 'Wiege der Kultur' - Mesopotamien im Irak. Dennoch, eine einzigartige und gut erhaltene Kulturlandschaft überstand diese Zeiten ohne allzu große Schäden. Die Raubzüge durch das Nationalmuseums in Bagdad haben diesen Teil der Weltkultur schlagartig wieder in das Bewußtsein aller gebracht. Die gleichzeitige Plünderung vieler berühmter Städte des Alten Sumer hält an und wird die vollständige Zerstörung dieser jahrtausende alten Siedlungen zur Folge haben.

Die Vorträge finden jeweils um 18 Uhr c.t. im Hörsaal III, Universitätsstraße 10 statt.

Kontakt und weitere Informationen:
Prof. Dr. Valentin Kockel
Klassische Archäologie - Philologisch-Historische Fakultät der Universität Augsburg - 86135 Augsburg
Telefon: 0821/598-5549 - e-mail: valentin.kockel@phil.uni-augsburg.de

Prof. Dr. G. Weber Prof. Dr. V. Kockel Prof. Dr. M. Lausberg