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Sommersemester 2011


ALTE GESCHICHTE, KLASSISCHE ARCHÄOLOGIE UND KLASSISCHE PHILOLOGIE

10.05.2011

Prof. Dr. Gregor Weber (Augsburg)
Raoul Schrott, Homer und die Medien. Die neue Troia-Kontroverse in kritischer Evaluierung

Die These des österreichischen Literaturwissenschaftlers Raoul Schrott, Homer sei ein griechischer Schreiber des 7. Jh. v.Chr. in assyrischen Diensten und sein Vorbild für den Ort sei eine Bergfestigung in Kilikien gewesen, hat Aufsehen erregt: Sie wurde erstmals in einem Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Dezember 2007 vorgelegt und dann in einem Buch von 2008 ausgearbeitet. Im Feuilleton deutschsprachiger Zeitungen, in Radio- und Fernsehbeiträgen, in Fachzeitschriften und auf Tagungen entwickelte sich eine rege Berichterstattung und Diskussion, die bis in das Jahr 2010 andauerte. Der Vortrag zeichnet die Kontroverse mit ihren Phasen, Protagonisten und Argumenten nach und fragt warum der Thematik solche Aufmerksamkeit beschieden war. Die Antwort ist vielschichtig: Zum einen stoßen Homer und Troia im deutschen Bildungsbürgertum immer noch auf Interesse. Zum anderen haben die Medien einen Sachverhalt aufgegriffen, bei dem ein gebildeter Laie den Forschern im Elfenbeinturm eine (angebliche) Lösung aufzeigt, die jene nach Jahrhunderten wissenschaftlicher Arbeit nicht gefunden haben. Schließlich wurde die These in den Medien in den Kontext der Auseinandersetzung um die Zugehörigkeit der Türkei zu Europa gestellt.

24.05.2011

Dr. Petra Cain (Leipzig)
Ein Denkmal des Ahnenstolzes? Neues zum Togatus Barberini

sose11_cain_bildDer sog. Togatus Barberini hat seit langem unsere Vorstellung vom „Römertum“ mitgeprägt. Die Statue eines Mannes, der zwei Büsten in den Händen hält, gilt als die Darstellung eines römischen Patriziers, der Ahnenbilder seiner Familie präsentiert und daher als bildliche Verkörperung des enormen Ahnenstolzes der römischen Aristokratie. Eine erneute Untersuchung der Statue stellt diese Deutung in Frage und führt zur kritischen Überprüfung der archäologischen Ahnen - bilddiskussion.

07.06.2011

Prof. Dr. Sabine Föllinger (Bamberg)
"Starke" Frauen in Aischylos‘ Orestie

Aischylos ist der erste Tragödiendichter, von dem uns vollständige Tragödien erhalten sind. Sein zentrales Werk ist die Tragödientrilogie „Orestie“, die von der Ermordung des siegreichen Feldherrn Agamemnon durch seine Frau Klytaimestra, von dessen Rächung durch den gemeinsamen Sohn Orestes und vom Gericht über Orestes handelt. In Klytaimestra, aber auch in Elektra und Kassandra hat der Tragödiendichter drei wirkmächtige Frauenfiguren geschaffen. Ihre Präsenz und ihr handlungsbestimmendes Auftreten stehen im Widerspruch zu der Rolle, die Frauen in der Öffentlichkeit Athens im 5. Jh. v. Chr. innehatten. Der Vortrag wird die Rolle dieser Bühnenfiguren vor dem Hintergrund der mythischen Tradition und in Relation zu der historischen Wirklichkeit untersuchen.

21.06.2011

Prof. Dr. Carola Jäggi (Erlangen-Nürnberg)
Fundsache Paulus, oder: Archäologie als Medienereignis. Spurensuche in S. Paolo fuori le mura in Rom

sose11_jaeggi_bildDas Grab des Apostels Paulus zählt seit dem 4. Jahrhundert zu den bedeutendsten Verehrungsstätten in Rom. Seit vor wenigen Jahren bei Grabungen unter dem sog. Papstaltar in S. Paolo fuori le mura ein steinerner Sarkophag und in ihm Knochenreste aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. entdeckt wurden, reißt das Medienecho um den Heidenapostel und seine letzte Ruhestätte nicht mehr ab. „Hier liegt Paulus“ und ähnlichlautende Schlagzeilen verkündeten 2005 von dem Fund, und seither kommen jeden Sommer – pünktlich zum Peter-und-Pauls-Fest am 29. Juni – neue Sensationsmeldungen hinzu. Der Vortrag will einerseits der Frage nachgehen, weshalb es plötzlich so wichtig ist, mit naturwissenschaftlichen Methoden die Authentizität des Grabes „sicher“ nachweisen zu können, wo doch die katholische Christenheit seit mehr als 1700 davon ausgeht, hier die Grabstelle des Heidenapostels vor sich zu haben. Andererseits soll anhand des archäologischen Befundes und der Schriftquellen die bauliche Genese des Paulusgrabes und der mit ihm in Verbindung stehenden Memorialeinrichtungen vorgestellt werden.

05.07.2011

Prof. Dr. Paul Zanker (Rom/München)
Der Konstantinsbogen als Senatsstiftung

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Der Vortrag soll zum einen den Konstantinsbogen als Ehrenmonument vorstellen, zum anderen im Einzelnen zeigen, dass das Bildprogramm vom Senat stammt. Diesem lag daran, nachdem er von Konstantin nach der Schlacht an der Milvischen Brücke wider erwarten gut behandelt worden war, den Lobpreis des Siegers mit Hoffnungen auf eine Wiederkehr der guten Zeiten unter Trajan, Hadrian und Marcus, und auf die Wiederherstellung einer auf mehrere Kaiser verteilten Herrschaft wie im tetrarchischen System Diokletians zu verbinden. Für die Zukunft erhofft sich der Senat ein Festhalten an den alten Göttern, denen er auch Konstantins Siege zuschreibt. Das von Konstantin bereits nach der Schlacht offen favorisierte Christentum spielt im Bildprogramm keine Rolle, vermutlich aber in der merkwürdig gedrechselten Inschrift.

12.07.2011

Eike Faber M.A. (Potsdam)
Macht der Rhetorik – Rhetorik der Macht. Zum athenischen Epitaphios

19.07.2011

Prof. Dr. Hartwin Brandt (Bamberg)
Verfaulende Gliedmaßen und tropfende Nasen: Zum geriatrischen Diskurs in der Antike


Die Vorträge finden jeweils um 18 Uhr c.t. im Hörsaal III, Universitätsstraße 10 statt.

Prof. Dr. Valentin Kockel

Prof. Dr. Marion Lausberg

Prof. Dr. Gregor Weber