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Sommersemester 2005


ALTE GESCHICHTE, KLASSISCHE ARCHÄOLOGIE UND KLASSISCHE PHILOLOGIE

19.04.2005

Dr. Peter Scholz (Frankfurt/München)
Der Politiker als Erzieher des Volkes? Lykurgs Rede gegen Leokrates und das Programm der kulturellen und politischen Erneuerung Athens nach der Niederlage von Chaironeia
Die Prozeßrede - Gegen Leokrates - ist eine der wenigen vollständig erhaltenen Reden aus dem Athen der Alexanderzeit. Sie gewährt einen eindrücklichen Einblick in die patriotische Stimmung des Jahres 330 v. Chr., die ihren Höhepunkt in dem berühmten Kranzprozeß fand. Zugleich wird in der Rede Lykurgs das Strukturproblem der griechischen Städte unmittelbar anschaulich, nämlich die Bedrohung der - Einheit - der Polis durch die Emanzipation des Einzelnen gegenüber dem Gemeinwesen. Diesem Problem versuchte Lykurg dadurch zu begegnen, daß er das Ethos der Vorfahren wiederzubeleben versuchte: In seinen Reden appellierte er daher eindringlich an seine Mitbürger, sich der eigenen kulturellen und politischen Traditionen zu erinnern, in seinen sonstigen politischen Maßnahmen sorgte er für eine umfassende Konsolidierung und Neuorganisation des athenischen Gemeinwesens. Über dieses Reformprogramm hinaus soll im Vortrag vor allem erörtert werden, in welcher Art und Weise Lykurg gegenüber dem Demos auftrat und argumentierte und inwieweit er sich darin von seinen Vorgängern und Nachfolgern abhob.

03.05.2005

Dr. Axel Gering (Berlin)
Fußgängerzonen neben Müllhalden. Verfall und Genuß in der spätantiken Stadt (am Beispiel von Ostia
FussgängerzoneBlüte und Verfall antiker Städte folgten nicht unbedingt aufeinander, beides konnte auch nebeneinander Bestand haben. So sind in Ostia die ersten großflächigen Einstürze vielgeschossiger Altbauten noch während aufwendiger Bauvorhaben zu beobachten, die der luxuriösen Ausgestaltung der städtischen Infrastruktur dienten. Untersucht wird vor allem ein Zeitraum zwischen dem späten 3. und dem mittleren 4. Jh. n Chr. In ihm entstehen zahlreiche Bauten im Vergnügungssektor. Diese Beobachtungen widersprechen der traditionellen Vorstellung von einer allmählich abnehmenden Vielfalt der komplexen antiken Stadtkultur in später Zeit. Insbesondere die neuen Promenaden und Plätze als Schnittstellen zwischen den luxuriösen Wohn- und Vergnügungsvierteln und den dadurch ausgeblendeten ?Scherbenvierteln? waren oft erst durch den Verfall des kaiserzeitlichen Stadtbilds entstanden. So wird einerseits danach gefragt, wie Ruinen wahrgenommen wurden, andererseits nach den Strategien zu Bewältigung dieser Situation und insgesamt nach den Bereichen von Kontinuität und Wandel zwischen Kaiserzeit und Spätantike.

10.05.2005

Prof. Dr. Adolf Hoffmann (Istanbul)
Bauforschung in unbekanntem Terrain - Die hellenistische Burg auf dem Karasis bei Adana/Türkei
BErst vor zehn Jahren wurde auf dem Berg Karasis nördlich von Adana eine ausgedehnte hellenistische Burganlage entdeckt, die abgesehen von ihrer ungewöhnlichen Ausdehnung mit einer ebenso ungewöhnlich reichen Bautypologie aufwartet. In einer Kooperation mit dem Entdecker, Mustafa H. Sayar, wird die Burg seit 2002 von einem internationalen und interdisziplinären Team eingehend untersucht. Wenn auch geplante Grabungen zur näheren Eingrenzung der zeitlichen Einordnung noch ausstehen, lassen sich schon heute detailliertere Aussagen zu Gliederung, Funktion und Bedeutung dieser wahrscheinlich von den seleukidischen Königen errichten und in Teilen hervorragend erhaltenen Fortifikationsanlage treffen.

31.05.2005

Prof. Dr. Gerhard Zimmer (Eichstätt)
Werkstattbesuche. Bei griechischen Bronzegießern

14.06.2005

PD Dr. Thorsten Burkard (München)
Ein römischer Historiker im 20. Jahrhundert. Tacitus im Dritten Reich, bei Lion Feuchtwanger und bei Golo Mann

28.06.2005

Prof. Dr. Werner Riess (Chapel Hill)
Kampf gegen die Räuber ? Mittelitalien im 3. Jh. nach Chr.
Das im Imperium Romanum endemische Problem der Räuberei war in Mittel- und Süditalien mit der Wirtschaftsform der Transhumanz untrennbar verbunden. Sechs Inschriften aus dem 3. Jh. n. Chr. erwähnen sogenannte praepositi, Gesetzeshüter, die das Brigantentum unter Kontrolle bringen sollten. Diese Magistrate werden in meinem Vortrag in den Kontext der italischen Transhumanz und der daraus resultierenden sozialen Konflikte gestellt werden. Diese Inschriften, die aufgrund ihres hohen historischen Aussagewertes einmalige historische Zeugnisse sind, stellen ein Bindeglied zwischen der literarischen Überlieferung, die überwiegend aus der Zeit vor dem 3. Jh. stammt, und der spätantiken Gesetzgebung dar. Die epigraphische Überlieferung scheint anzudeuten, dass das endemische Phänomen des Brigantentums in Italien um die Mitte des 3. Jhs. wahrscheinlich epidemische Größenordnungen annahm.

12.07.2005

PD Dr. Christian Mann (Freiburg)
Zur Inszenierung von Loyalität. Die Demagogie in der athenischen Demokratie des 5. Jahrhunderts vor Christus

Die Vorträge finden jeweils um 18 Uhr c.t. im Hörsaal III, Universitätsstraße 10 statt.

Kontakt und weitere Informationen:
Prof. Dr. Valentin Kockel
Klassische Archäologie - Philologisch-Historische Fakultät der Universität Augsburg - 86135 Augsburg
Telefon: 0821/598-5549 - e-mail: valentin.kockel@phil.uni-augsburg.de

Prof. Dr. G. Weber Prof. Dr. V. Kockel Prof. Dr. M. Lausberg