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Ausstellung: Augsburger Plaudertaschen packen aus


„Augsburger Plaudertaschen packen aus...“

Unter diesem Motto fand Anfang 2011 in der neuen Stadtbücherei Augsburg eine Ausstellung von Studierenden der Europäischen Ethnologie/Volkskunde statt. Dabei bot sich für die Nachwuchswissenschaftler Gelegenheit, Forschungsergebnisse außerhalb der Universität zu präsentieren. Zugleich bestand für Studierende die Möglichkeit, ein potentielles zukünftiges Arbeitsfeld – das Museum – kennen zu lernen.

 Vorbereitung und Durchführung einer kulturhistorischen Ausstellung

Begonnen hatte das Vorhaben, eigenständig eine kulturhistorische Ausstellung zu realisieren, bereits im Herbst 2010. Im Laufe der Planungsphase wurde die Möglichkeit einer reinen Schautafelausstellung als zu langweilig und konventionell verworfen. Da eine universitäre Einrichtung aber auf kein Museumsdepot zurückgreifen kann, musste eine Materie gewählt werden, bei der es leicht war, an Exponate zu kommen. Mit der Alltagstasche, die fast Jeder und in irgendeiner Form besitzt, war schließlich das geeignete Objekt gefunden.Die Vorteile lagen auf der Hand: Die Exponate sind einfach zu beschaffen, der leicht herzustellende persönliche Bezug spricht die Besucher auch auf emotionaler Ebene an. Gegenwart und Vergangenheit lassen sich ebenso wie interkulturelle und regionale Bezüge einbinden. Dadurch wird ein kleiner Teil des Augsburger Stadtlebens musealisiert und bietet den Studierenden die Möglichkeit zur Feldforschung.Während des Seminars wurden alle bei einer kulturhistorischen Ausstellung anfallenden Arbeitsschritte vermittelt, wie die Beschaffung von Exponaten, die Textherstellung, das Design, die Präsentation und der Aufbau einer Ausstellung sowie Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Zudem musste auch die Vernissage und ein ansprechendes Rahmenprogramm erarbeitet und umgesetzt werden. 

Inhaltlich lag der Schwerpunkt der zu konzipierenden kulturhistorischen Ausstellung dabei auf zwei Aspekten: Alte Taschenformen, belegt durch zeittypisches Bildmaterial und historische Originale boten eine Reise in die Vergangenheit des Kulturgutes „Tasche“.Daneben hatten die Seminarteilnehmer die Aufgabe, den Augsburgern in die Taschen zu blicken. Für diesen Bezug zur Gegenwartsvolkskunde, der auch einen interkulturellen Ansatz verfolgt, waren kleine Teams von Studierenden in der Stadt unterwegs, um Passanten anzusprechen. Überall fanden sich kooperative BürgerInnen, die sich und ihre Tasche mitsamt Inhalt fotografieren ließen und auch bereit waren, standardisierte Fragen zu Alter, Beruf und Nationalität zu beantworten.

Um die historischen Aspekte des Themas in der Ausstellung nicht zu vernachlässigen, beschäftigten sich die Studierenden zudem mit der Entwicklungsgeschichte der Tasche. Dazu wurde ein konzentrierter Abriss mit Hilfe eines Zeitstrahls und geeignetem Bildmaterial visualisiert, ergänzt um zeittypische Originale. Letztere wurden von verschiedenen Leihgebern gegen Vertrag zur Verfügung gestellt und mussten von den Studierenden wie richtige Museumsobjekte inventarisiert werden: Datiert, beschrieben, vermessen und fotografiert. Die dabei gewonnen Ergebnisse flossen später in die Objektbeschriftungen mit ein. 

Bereits Wochen vor der Ausstellungseröffnung begannen die Studenten mit der begleitenden Pressearbeit. Ziel war es, die Ausstellung schon vor der Vernissage in den städtischen Publikationen zu platzieren und das geweckte Interesse während der Laufzeit aufrecht zu erhalten. Da ansonsten kein nennenswertes Werbeetat zur Verfügung stand, konzentrierte sich die weitere Öffentlichkeitsarbeit vor allem auf kostenlose Angebote im Internet. Man stellte Informationen online – etwa auf Facebook – und bestückte gebührenfreie Termindatenbanken. Daneben mussten Printprodukte zur Ausstellung wie Flyer, Plakat und Einladungskarten gestaltet und in Druck gegeben werden. Dabei einigte man sich im Vorfeld darauf, ein eigenes Corporate Design festzulegen, welches später Eingang in die Ausstellungsgestaltung fand. Ansonsten konzentrierte sich das Ausstellungsdesign auf eine ausgewogene Mischung aus Texttafeln und Objekten und integrierte zudem interaktive Elemente, wie bewegliche Klappen mit Hintergrundinformationen. Leuchtsäulen in der Raummitte rückten zu guter Letzt bekannte Augsburger Persönlichkeiten ins rechte Licht. 

Der Vernissage-Abend wurde von Frau Professorin Dr. Doering-Manteuffel, Dekanin der Philologisch-Historischen Fakultät, eröffnet. Während dieser Veranstaltung und in den folgenden vier Wochen der Ausstellungslaufzeit war so einiges geboten: Angefangen von Live-Musik, über eine karitative Taschenauktion und einem abendlichen „Pocket Poetry“ bis hin zu museumspädagogischen Angeboten für Kinder und Jugendliche. Daher fanden es alle beteiligten sehr schade, als die Ausstellung schlussendlich mit vereinten Kräften wieder abgebaut werden musste.

 

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