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DFG-Projekt: „Die Volksaufklärung und ihre Aberglaubensdiskussion in Deutschland während der Jahre 1750-1830“


Ansprechpartner: Dr. Nicole Waibel

(Laufzeit: Februar 2010 – Januar 2012)

Ziel des Projektes ist die umfassende Analyse des Aberglaubensbegriffes im Kontext der „Volksaufklärung“ in Deutschland während der Jahre 1750-1830. Anhand verschiedener Medien werden Inhalte, Vermittlung und Wandlung des Begriffes aufgezeigt und der Frage nachgegangen, inwieweit die „Volksaufklärung“ zur Beseitigung abergläubischer Ansichten beitrug. Die Studie geht von der These aus, dass sich in dem genannten Zeitraum ein grundlegender Wandel des Aberglaubensbegriffes vollzieht, der wesentlich mit dem Selbstverständnis der Aufklärung verbunden ist. Über die Medien der Zeitungen und Zeitschriften, Intelligenzblätter, Schul- und Jugendbücher, Exempelliteratur und Predigten gelang es den Aufklärern, sich auszutauschen, ihre Ansichten darzulegen und den Diskurs im Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit zu etablieren.

Die Debatten um „Nation“ und „Volk“ seit der Jahrhundertmitte, der sprunghafte Anstieg der gegen den „Aberglauben“ gerichteten Literatur seit den 1770er Jahren, die Sammlung und Aufwertung von Volksüberlieferungen und der Wandel religiöser und naturwissenschaftlicher Weltbilder am Ende des 18. Jahrhunderts zeigen, dass der Aberglaubensdiskurs kein Randthema der Aufklärung darstellt, sondern zentrale politische, gesellschaftlich-soziale, wissenschaftliche und religiöse Fragestellungen der Zeit berührt.

Es wird zu klären sein, welche Einstellungen und Weltbilder dem Diskurs zu Grunde lagen, wie er aufbereitet und in verschiedenen Medien vermittelt wurde. Welchen spezifischen Erkenntniswert bringt z.B. eine Predigt im Vergleich zu einem Zeitschriftenartikel? Welche Inhalte prägen den Diskurs in norddeutschen und süddeutschen Gebieten? Wie wirkte sich  die konfessionelle Zugehörigkeit auf die inhaltliche Bestimmung des „Aberglaubens“, etwa im Bereich des Teufels- und Hexenglaubens aus? Und welche Intentionen verfolgten die Autoren mit ihren Schriften?   

Die Aufklärung und die frühromantische Bewegung werteten den Aberglaubensbegriff – wenn auch unter verschiedenen Zielsetzungen – auf und initiierten die bis heute andauernde Debatte um Okkultismus und Spiritualität. Welchen Wandlungen der Aberglaubensbegriff zwischen 1750-1830 unterlag, wie die „Volksaufklärung“ damit umging und auf Gegenströmungen reagierte, sind zentrale Fragestellungen des Projektes. Ihr Erkenntniswert reicht weit über das 18. Jahrhundert hinaus.