Suche

Kommentare zu den neuen Lehrveranstaltungen


PS Kateb Yacine                                Di, 10-11:30 Raum 4142

Der Poet, Journalist und lebenslang unangepasste Intellektuelle Kateb Yacine ist einer der „pères fondateurs“ der algerischen Literatur und trotz seines nicht allzu umfangreichen literarischen Werkes einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste algerische Autor.

Mit seinem Roman „Nedjma“ (1956), dessen Analyse im Zentrum des Seminars stehen soll, erregt er großes Aufsehen und läutet eine Art literarischer Revolution ein. Obwohl er zunächst bei der französischen Schriftsprache bleibt, stellt Kateb sich mit „Nedjma“ als erster algerischer Schriftsteller ganz offensichtlich der kulturellen Kolonialisierung entgegen, indem er die traditionelle europäische Form des Romans ablehnt und stattdessen eine nicht-chronologische, zyklische und polyphone Schreibweise wählt. Darüber hinaus klagt Kateb unmissverständlich den Umgang der Kolonialmacht mit der algerischen Bevölkerung an und verweist auf die Folgen der Kolonialisierung für die algerische Gesellschaft und Kultur – dies nicht etwa aus der Retrospektive, wie es zahlreiche Schriftsteller tun werden, sondern gleichsam mitten im Geschehen, denn der algerische Unabhängigkeitskrieg ist in vollem Gange, als der Roman publiziert wird.

Ergänzt werden soll die Lektüre im Seminar um Auszüge aus dem übrigen literarischen Werk Katebs, das die grundlegenden Themen aus „Nedjma“ immer wieder aufgreift und variiert.

Literatur zur Lehrveranstaltung:

Kateb Yacine: Nedjma. Paris: Seuil 1996 (zur Anschaffung empfohlen).

Arnaud, Jacqueline: La littérature maghrébine de langue française, tome II. Le cas de Kateb Yacine. Paris: l’Harmattan 1986.

Bonn, Charles et al. (éd.).: Actualité de Kateb Yacine. Paris: l’Harmattan 1993.

 

PS Lyrik der Romantik                            Mi, 11.45-13.15 Raum 4142

Im Gegensatz zu den europäischen Nachbarländern wie England oder Deutschland kann die romantische Bewegung in Frankreich aufgrund der gesellschaftspolitischen Verhältnisse erst relativ spät, zu Beginn des 19. Jahrhunderts, Fuß fassen. Anders als Victor Hugo dies voraussah und proklamierte, erlebte die Romantik als literarische Strömung ihren ersten großen Durchbruch nicht auf dem Theater – dieses stand als öffentlichkeitswirksames Instrument zur Beeinflussung der Massen unter der Zensur Napoleons und war der Neoklassik verpflichtet -, sondern in der Lyrik. Die Gattung Lyrik mit ihren bedeutenden Vertretern wie Alphonse de Lamartine, Victor Hugo oder Alfred de Vigny aus der sog. ersten Generation und Gérard de Nerval, Alfred de Musset sowie Théophile Gautier aus der zweiten Generation der Romantiker soll aus diesem Grund im Mittelpunkt des Seminars stehen. Dabei soll einerseits an Hand wegweisender poetologischer Texte das Selbstverständnis der französischen Romantiker mit ihrem Bedürfnis nach einer ideologischen Abgrenzung zur Klassik und ihrem festgefügten Literaturverständnis, ihrer Forderung nach der Darstellung von Realität in der Literatur, ihrer starken Hinwendung zum Christentum usw. erarbeitet werden. Andererseits sollen exemplarisch einzelne Gedichte auf ihre romantischen Grundthematiken und die Besonderheiten des jeweiligen Autors hin analysiert werden.

Die zu behandelnden Gedichte und Texte werden im Seminar als Kopiervorlagen zur Verfügung gestellt.

Literatur zur Lehrveranstaltung:

Asholt, Wolfgang: Der romantische Durchbruch. In: ders.: Französische Literatur des 19. Jahrhunderts. Stuttgart, Weimar: Metzler 2006, S.88-115.

Bénichou, Paul: Romantismes français, tomes I et II. Paris: Gallimard 2004.

Stenzel, Hartmut und Heinz Thoma (Hg.): Die französische Lyrik des 19. Jahrhunderts. Modellanalysen. München: Wilhelm Fink 1987.

Meldung vom 10.09.2008