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Isabell Gamperling


E-Mail: mail@gamperling.info


 

Thema der Dissertation:

Der westdeutsche Katholizismus und die Frage der Menschenrechte
in den 1970er und 1980er Jahren

In der Frage, was Menschenrechte seien und welche politischen Konsequenzen sich aus ihnen ableiten ließen, gingen Anfang der siebziger Jahre bis in die achtziger Jahre die Meinungen innerhalb des westdeutschen Katholizismus – und nicht nur dort – weit auseinander. Welchen politischen Auftrag hatte die Kirche? Wie weit sollten sich Katholikinnen und Katholiken gegen das Unrecht der Welt einsetzen? Welche Rolle spielten dabei „die Menschenrechte“, die in den siebziger Jahren in aller Munde waren und zum Gegenstand internationaler Konflikte und Impulsgeber neuer sozialer Bewegungen wurden?
Das Dissertationsprojekt stellt mit seinem Augenmerk auf die katholische Kirche und insbesondere ihre vielfältigen Vertreter innerhalb des westdeutschen Katholizismus einen zentralen, bislang aber noch kaum untersuchten Akteur in der Geschichte der Menschenrechte in den Mittelpunkt. Das Projekt geht davon aus, dass die Debatte um die Menschenrechte Teil einer komplexen Suchbewegung im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil war, als die katholische Kirche versuchte, ihre Rolle in einer modernen Gesellschaft zu definieren. An dieser Stelle setzt die Arbeit an und zielt darauf ab, die unterschiedlichen Motivlagen, die die katholischen Akteure in der Bundesrepublik bei ihren Aushandlungsprozessen um die Menschenrechte leiteten, herauszuarbeiten. Dabei versprechen drei ausgewählte Problemkontexte, die sowohl spezifische als auch übergreifende Einflussfaktoren auf den menschenrechtlichen Aushandlungsprozess der deutschen Katholiken aufweisen, einen besonderen Erkenntnisgewinn: die brasilianische und chilenische Militärdiktatur, das südafrikanische Apartheid-Regime sowie die polnische Volksrepublik.
Die Analyse der aufgeworfenen Problemstellung – mittels einer Kulturgeschichte des Politischen, erweitert durch eine praxeologische Perspektive – lässt Schlüsse zu, welche heterogenen und ambivalenten Selbstverständnisse des Katholisch-Seins in der Bundesrepublik nebeneinander bestanden, in welcher Wechselwirkung die Verfasstheit der katholischen Kirche in Westdeutschland mit globalen gesellschaftlichen Entwicklungen stand und wie „ die Menschenrechte“ während der siebziger und achtziger Jahre zum Spiegel inner- und außerkatholischer Wandlungsprozesse wurden. Das Dissertationsprojekt versteht sich damit als Teil der expandierenden internationalen Forschung zur Geschichte der Menschenrechte sowie als Beitrag zur Katholizismusforschung der siebziger und achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die sich bisher erst in sehr groben Zügen abzeichnet.