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Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnispreis für Dr. Elke Seefried


Dr. Elke Seefried (Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte) wurde am 20. Oktober im Rahmen eines Symposiums der Friedrich Naumann Stiftung in Bonn mit dem Preis der Wolf-Erich Kellner Gedächtnisstiftung ausgezeichnet. Der Wolf-Erich-Kellner-Preis wird seit 1966 an Arbeiten verliehen, die sich in ausgezeichneter Weise mit der Geschichte und den Grundlagen des Liberalismus beschäftigen. Seefried erhielt den Preis für die Edition der Briefe von Theodor Heuss im NS-Regime, die 2009 unter dem Titel „In der Defensive“ erschien. Der Band gehört zur Gesamtedition „Stuttgarter Ausgabe“, die von der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus (Stuttgart) verantwortet wird. Seefried wählte aus etwa 2000 überlieferten Schreiben und Postkarten, die Heuss zwischen 1933 und 1945 verfasste, knapp 200 Dokumente aus, die im Band abgedruckt und kommentiert werden. In seiner Laudatio betonte der Vorsitzende des Kuratoriums der Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnisstiftung, Prof. Dr. Joachim Scholtyseck (Bonn), dass diese Edition wichtiges Material zum Verständnis der Biographie von Heuss, aber auch zum Verhalten von Liberalen im Dritten Reich zur Verfügung stelle. Die reflektierte Einleitung wäge das Verhalten von Heuss ab und ordne sein Wirken in die Forschung zum deutschen Liberalismus ein. Seefried konturierte in ihrer Dankesrede die spannungsreiche Aufgabe, vor die sich Heuss und auch andere Liberale im NS-Regime gestellt sahen: Man war ins politische und auch soziale Abseits geraten, stand einer zunehmend feindlichen politischen Umwelt gegenüber und war bemüht, sich neue Wirkungsfelder zu erschließen, während sich die Handlungsspielräume kontinuierlich verengten. Sie betonte allerdings auch, dass sich der deutsche Liberalismus schon vor Beginn des „Dritten Reiches“ teilweise von seinen parlamentarischen und auch demokratischen Zielen entfernt hatte. Theodor Heuss habe aus der Defensive heraus zu wirken versucht: Der Bildungsbürger habe sich auf die Gefilde der Publizistik zurückgezogen, um eine vergangene bürgerlich-liberale Gegenwelt zum Nationalsozialismus zu zeichnen, aber auch um die politische Entwicklung zumindest verschlüsselt kritisieren zu können; und er bemühte sich, bürgerlich-liberale und demokratische Netzwerke zu erhalten. So konnte er Handlungsspielräume und Grenzen ausloten – Grenzen freilich, die das NS-Regime steckte und die sich immer weiter verengten. Seefried dankte der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus und dem Editionsbeirat, dem Prof. Dr. Wolfgang Hardtwig, Dr. Hans Peter Mensing, Prof. Dr. Angelika Schaser und Prof. Dr. Andreas Wirsching angehören, und explizit Professor Wirsching, der sie auch in Fragen der Auswahl von Briefen und der Einleitung beraten habe. Und schließlich dankte sie jenen, die Briefe zur Verfügung stellten – den Archiven, aber auch den Privatpersonen, und hier insbesondere der soeben verstorbenen Ursula Heuss-Wolff, welche die Familienkorrespondenz zugänglich gemacht habe.

Meldung vom 10.11.2009