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"Berlin Alexanderplatz" - Filmvorführung am 1.2.2006


"Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf" (1931)

Ein Allianz-Tonfilm von Phil Jutzi, mit Stefan George, Bernhard Minetti, Maria Bard u.a.

Drehbuch: Alfred Döblin und Hans Wilhelm, nach einem Roman von Alfred Döblin.

88 min.

 

Filmvorführung des Lehrstuhls für neuere und neueste Geschichte in Zusammenarbeit mit der Fachschaft Geschichte

Mittwoch, 1. Februar 2005, Hörsaal III

Eintritt frei!

Flyer / Plakat (120 KB)

 

Nach vierjähriger Haft wird Franz Biberkopf (Heinrich George) aus dem Gefängnis entlassen. Er beginnt einen Straßenhandel auf dem Alexanderplatz aufzubauen. Der Ganove Reinhold (Bernhard Minetti) versucht Biberkopf mit etlichen Tricks und schlimmen Erpressungen, wobei Biberkopf einen Arm verliert, für einen Einbruch mit seiner Clique zu gewinnen. Gestraft vom Leben gibt Biberkopf klein bei, verliebt sich aber gleichzeitig in Mieze (Margarete Schlegel), die seine Gefühle erwidert und versucht, ihn von Reinhold fernzuhalten. Dafür wird sie von dem Ganoven ermordet. Döblins komplexes Großstadt-Puzzle wird in der Verfilmung auf den Überlebenskampf des Ex-Sträflings Biberkopf reduziert. Die berührende Verkörperung der Hauptfigur durch Heinrich George, die inspirierte Bild- und Geräuschmontage sowie die atmosphärische Dichte, die sich aus der genauen Beobachtung der Hinterhofszenerie ergibt, machen den Film zu einem einmaligen Erlebnis.

 

Zum Roman:

Der Roman von Alfred Döblin erschien 1929. Das Werk ist der bisher bedeutendste deutsche Großstadtroman. Erzählt wird die Geschichte eines gutwilligen, aber schwachen "kleinen Mannes", den dunkle, ungreifbare Mächte und Kräfte in ständiger Abhängigkeit halten, bis er am Ende seines Lebens endlich zur Besinnung kommt, seinen "alten Menschen" wegwirft und von nun an seine "Vernunft" zu gebrauchen beschließt. Die als ein Pandämonium geschilderte Großstadt der Weimarer Republik aus Häusergewirr und Menschentrubel, Zeitungs und Reklamegeschrei, unterirdisch brodelndes Verbrechertum, Schlachthausdunst und Jazzrhythmen, Hurenwinkel und Kaschemmenphilosophie, Zuhälterpack, Flittermoral und strahlender Lichterglanz ist der eigentliche Gegenspieler des ehemaligen Transportarbeiters Biberkopf, der aus dem Zuchthaus kommt und nun beschließt, "anständig zu sein".

Ehrlich will er bleiben, wenn er als Straßenhändler und Zeitungsverkäufer am Berliner Alexanderplatz steht, in Bierschwemmen, Tanzlokalen und Zuhälterkaschemmen seine Abende verbringt, und ist doch, ohne es selbst zu wissen, schon verloren. Denn "verflucht ist der Mensch, der sich auf Menschen verläßt«, das ist das Leitmotiv des Romans. Biberkopf, immer auf der Flucht vor der eigenen Vergangenheit, verläßt sich auf den Ungeeignetsten, einen skrupellosen Verbrecher, dessen dämonischer Macht er hörig wird. Er läßt sich von seinem neuen "Freund" Reinhold im Tauschhandel mit Frauen versorgen, wird in Verbrechen hineingezogen, verliert dabei einen Arm, weil der "Freund" den gefährlichen Mitwisser unter ein Auto stößt, und gelangt schließlich zu der Überzeugung, daß das Anständigbleiben in dieser Welt nicht lohne. Er sucht und findet eine "Braut" und wird ihr Zuhälter; jetzt arbeitet er nicht mehr und macht wieder dunkle Geschäfte.

Doch Freund Reinhold, der Dämon der Unterwelt und immer auf Biberkopfs Spuren, raubt ihm die Geliebte, vergewaltigt und erwürgt sie. "Ganz aus ist es mit dem Mann Franz Biberkopf", der als vermeintlicher Täter verhaftet wird: Er bricht zusammen und kommt in die Irrenanstalt. Nach dem Prozeß der die Wahrheit zutage fördert, kann er vor Erschöpfung kaum noch nach Hause gehen, doch ist ihm nun endlich der "Star gestochen": "Man fängt nicht sein Leben mit guten Worten und Vorsätzen an, mit Erkennen und Verstehen fängt man es an und mit dem richtigen Nebenmann."  (Quelle: Kindlers Literaturlexikon)

 

externer Link: Döblin zum Film

 

Meldung vom 16.01.2006