Das Fach Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Augsburg befaßt sich mit der Epoche von 1500 bis 1800. Die Phase um 1500 gilt bis heute als Neuzeitschwelle, wobei die Durchsetzung des Buchdrucks und die damit begründete 'Medienrevolution' als epochemachend angesehen werden muß. Andererseits erscheint aus der Perspektive der modernen Industriegesellschaft und ihrer politisch-gesellschaftlichen Denk- und Organisationsform eine Umbruchsphase um 1800 als die endgültige Wende zur Moderne. Dementsprechend haben es die FrühneuzeithistorikerInnen mit einer nach der heutigen Erfahrung zentralen Zwischen- und Umschaltphase zu tun: Die alteuropäische Lebensordnung war noch voll lebendig und gleichzeitig begannen sich die unmittelbar in die Gegenwart führenden modernen Entwicklungen abzuzeichnen. Kennzeichnend für die frühneuzeitliche Mentalität war der Umgang mit 'Veränderungen', wobei noch kaum Innovationsakzeptanz bestand, Wandlungsprozesse aber doch erfahren und damit zum Problem wurden.
Zentrale Studieninhalte dieser Epoche sind die Reformation und die dreifache Konfessionsbildung, die frühneuzeitlichen Staatsbildungskriege und die Entwicklung des europäischen Staatensystems zwischen Universalmachtstreben und Gleichgewichtsdoktrin sowie der doppelte Staatsausbau nach dem Westfälischen Frieden und die institutionelle Entwicklung des frühmodernen deutschen Reiches im Spannungsfeld von föderalistischen und absolutistischen Bestrebungen. Zu diesem Kanon kommt eine Reihe weiterer Themenfelder hinzu: ideengeschichtliche (Aufklärung), rechtsgeschichtliche (obrigkeitliche Normsetzung, Partizipation der Untertanen), geschlechtergeschichtliche (Ausgestaltung und Wandel der Geschlechterbeziehungen), wirtschaftsgeschichtliche (Altökonomik, Merkantilismus, Handelskultur), mediengeschichtliche (Buchdruck, politische Publizistik, Kommunikation).