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Hauptseminar: Erinnerungskultur und Heimatbeschreibung. Vertriebene in Bayerisch Schwaben nach dem Zweiten Weltkrieg


Dozent(in): Prof. Dr. Marita Krauss
Termin: Do., 15.45-17.15 Uhr
Gebäude/Raum: 2129

Inhalt:

Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg und die Integration in einer neuen Heimat waren für die Betroffenen lebensgeschichtliche Zäsuren von größter Schärfe. Vielfältige Opfer- und Täterdiskurse, national aufgeladen, prägten die Diskussion darüber in den Jahren des Kalten Krieges und oft noch bis heute. Einzelschicksale verschwinden dabei  meist hinter kollektiven Zuschreibungen und Vorurteilen.

Die ersten Jahre der Integration nach dem Krieg sind inzwischen auf lokaler Ebene auch für Bayerisch-Schwaben vielfach bereits gut aufgearbeitet. Über die weitere gesellschaftliche und kulturelle Integration gibt es viel weniger. Und die Prozesse des Erinnerns und Verarbeitens, des Denkens und Sprechens über alte und neue Heimat werden meist bis heute als rückwärtsgewandt abgetan.

Für die Sudetendeutschen wird zur Zeit ein Museum konzipiert, das sich dem Thema unter der Leitidee „Zusammenleben“ mit neuen Fragen zuwendet. Sein Herzstück soll eine Datenbank sein, in der das Einzelschicksal über Interviews und Privatfotos einen großen Stellenwert erhalten wird. Es ist das Ziel des Seminars, das Konzept dieses Museums zu diskutieren und Vorarbeiten für das „digitale Archiv der Erinnerung“ zu leisten.


Einführende Lektüre:

- Dierk Hoffmann / Marita Krauss / Michael Schwartz (Hrsg.): Vertriebene in Deutschland. Interdisziplinäre Ergebnisse und Forschungsperspektiven, München 2000.
- Paul Hoser (Hrsg.): Kriegsende und Neubeginn. Die Besatzungszeit im schwäbisch-alemannischen Raum, Konstanz 2003.
- Christopher J. Wickham: Constructing Heimat in Postwar Germany. Longing and Belonging, New York u.a. 1999.