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6.    Sekundärliteratur

6.1    Was ist Sekundärliteratur?

Als „Sekundärliteratur“ wird im Bereich der Alten Geschichte die moderne Forschungsliteratur im Gegensatz zu einem gewichtigen Teil der schriftlichen Quellenüberlieferung bezeichnet, bei dem es sich ebenfalls um literarische Werke handelt (z. B. Geschichtsschreibung). Wie später in Kapitel 7 noch genauer zu erläutern sein wird, kann man daher nicht einfach „Quellen“ und „Literatur“ gegeneinanderstellen. Vielmehr ist die „Primärliteratur“ (ein allerdings in der Geschichtswissenschaft eher ungebräuchlicher Begriff) der Quellen von der Sekundärliteratur der Forschung zu differenzieren.

6.2    Wozu Sekundärliteratur?

Auch wenn zumal deutsche Qualifikationsschriften manchmal einen anderen Eindruck vermitteln: Wissenschaftliches Arbeiten besteht nicht primär im selbstzweckhaften Sammeln und Wiederverwerten möglichst großer Massen an Sekundärliteratur. Ein nicht unbekannter Zunftgenosse hat in diesem Zusammenhang einmal bemerkt: „Lesen Sie nicht so viel Sekundärliteratur – die anderen haben auch keine anderen Quellen!“ Was wissenschaftliche Arbeit etwa von populärwissenschaftlicher Aufbereitung unterscheidet, ist in der Tat vor allem der direkte Bezug auf die Quelle. Die Werke der Sekundärliteratur bauen auf den Quellen auf, führen zu den Quellen hin und geben Vorschläge zu ihrer Deutung. Der Maßstab, an dem die wissenschaftliche Sekundärliteratur zu messen ist, sind daher immer wieder die Quellen. Da sich geisteswissenschaftliche Erkenntnisse oftmals nicht im Sinne eines zwingenden Beweises verifizieren lassen, ist als entscheidendes Qualitätskriterium immerhin einzufordern, dass sie nicht anhand der Quellen falsifizierbar, d. h. also nachweislich falsch sind. Ohne Kenntnis der Quellen können Sie die Sekundärliteratur wohl lesen, sind aber nicht in der Lage, sich eine eigene fundierte Meinung zu bilden. Erst die Auseinandersetzung mit den Quellen führt vom aus der Sekundärliteratur gezogenen Vor-Urteil zum eigenen Urteil. Das ist aber der Kern wissenschaftlicher Arbeit.

6.3    Erstinformation

Gerade am Beginn Ihres Studiums werden Sie oft mit einem Ihnen gestellten Thema zunächst nichts anfangen können, da Ihnen das nötige Grundwissen fehlt. Wissen Sie, wer Herodot war, wann er lebte, welche Werke er verfasste? Haben Sie eine Vorstellung von der geographischen Lage Palmyras, seiner wirtschaftlichen Bedeutung für den römischen Indienhandel? Können Sie den Begriff imperium maius unmittelbar einordnen? — Damit Sie im Zuge des Bibliographierens überhaupt Fachliteratur zu Ihrem Thema auffinden können, müssen Sie diese Fragen jedoch erst einmal klären: Erst dann können Sie z. B. über die RVK zielgerichtet nach monographischer Literatur suchen. Erst dann können Sie auch über allgemeine Überblicksdarstellungen zu Hinweisen auf wichtige Aufsatzliteratur gelangen. Und erst dann können Sie schließlich geeignete Stichwortlisten für die Suche in Bibliothekskatalogen und bibliographischen Datenbanken entwickeln. Ziel der Erstinformation ist die Erarbeitung eines chronologischen, geographischen und prosopographischen Wissensgerüstes, in das Sie weitere Informationen zu ihrem Thema einordnen können. Prinzipiell stehen dafür die im folgenden aufgeführten Möglichkeiten zur Verfügung, vielfach mittlerweile auch in elektronischer Form. Diese elektronischen Ausgaben sind zwar über den normalen webOPAC erschlossen, können aber auch gezielter über das Datenbankinformationssystem (DBIS) recherchiert werden: http://rzblx10.uni-regensburg.de/dbinfo/fachliste.php?bib_id=ub_a.

6.3.1    Lexika

6.3.1.1    Enzyklopädien:

Brockhaus, Encyclopaedia Britannica u. a.
Grundsätzlich muss gesagt werden, dass die für den Althistoriker relevanten Informationen im Brockhaus meist dünn gesät sind. Der Griff zu den großen angelsächsischen, französischen oder italienischen Enzyklopädien bringt oft mehr Ergebnisse. Die in ihren altertumswissenschaftlichen Artikeln sehr hilfreiche Encyclopaedia Britannica steht auch in elektronischer Form zur Verfügung (http://www.search.eb.com, aus dem Universitätsnetz frei zugänglich). Die Volltextsuche ergibt oft interessante Querverbindungen, die in der gedruckten Version nicht durch Verweise erschlossen sind. Enzyklopädien dienen ausschließlich der groben Erstinformation und sollten nicht in Seminararbeiten zitiert werden! Ziehen sie dafür die unten behandelten Fachlexika heran.

Ein Wort zur Wikipedia

Wachsender Beliebtheit erfreut sich die Benutzung der Wikipedia. Diese überaus nützliche Wissensressource soll hier auch gar nicht verteufelt werden, dennoch sind einige Punkte zu berücksichtigen:

(1) Wie bei den gedruckten Enzyklopädien fallen die altertumswissenschaftlichen Artikel in der englischen Wikipedia im Durchschnitt wesentlich fundierter aus als in der deutschen Variante. Anders verhält es sich etwa im Bereich Ägyptologie/Orientalistik.

(2) Da es keinen herausgeberischen Kontrollprozess gibt und die Einzelartikel stets ein work in progress darstellen, schwankt die Qualität erheblich.

(3) Die Nachweispraxis ist besonders in der deutschen Wikipedia ausgesprochen lax, so dass die einem Artikel zugrunde liegenden Quellen meistens nicht zu eruieren sind. Die Literaturhinweise sind generell dürftig und führen meist nicht zu den grundlegenden wissenschaftlichen Publikationen.

Bedenken Sie auch, welche Richtlinien die Wikipedia selbst für ihre Autoren ausgibt: „Daher sind grundsätzlich Informationsquellen zu bevorzugen, die nach den Grundsätzen wissenschaftlichen Arbeitens erstellt wurden. […] Ein Anzeichen für die Wissenschaftlichkeit einer Quelle ist, ob sie in die wissenschaftliche Diskussion, etwa in wissenschaftlichen Fachzeitschriften des betreffenden Themengebiets, einbezogen wird.

Zuverlässigkeit umfasst aber auch die Verfügbarkeit: die Quelle für eine Information sollte möglichst auch nach einigen Jahren noch nachvollzogen werden können. Während gedruckte Literatur im allgemeinen verfügbar bleibt, ist das bei Informationen aus Funk und Fernsehen nur bedingt möglich. Bei Informationen aus dem Internet ist besondere Sorgfalt angebracht: […] Informationen, die nur wenige Wochen im Web stehen, sind nicht als zuverlässig zu beurteilen. Dies gilt auch für die Mehrzahl privater Internetseiten. Hier gibt es in der Regel bessere Quellen der Informationsbeschaffung. […]

Nach dem Wikipedia-Prinzip erstellte und veröffentlichte Texte – egal aus welchem lokalen Namensraum oder externen Schwesterprojekt sie stammen – fallen naturgemäß nicht unter den hier verwendeten Quellenbegriff.

(http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Quellenangaben, 1.10.2007 [Hervorhebungen durch d. A. hinzugefügt])

Nutzen Sie also die Wikipedia für faktographische Recherchen, machen Sie sich aber bewusst, dass sie nicht die Fachlexika und schon gar nicht die eigentliche Forschungsliteratur ersetzen kann!

6.3.1.2    Fachlexika:

Die mit Abstand wichtigste Anlaufstelle für die Erstinformation, aber auch zur Klärung später auftretender Sachfragen sind sicherlich die Fachlexika.

  1. Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE), erschienen 1893-1980.
    Zweifellos die Königin der althistorisch einschlägigen Fachlexika. Der universale Anspruch dieses Unternehmens dokumentiert die Führungsrolle der deutschen Altertumswissenschaft bis in die Mitte des 20. Jh. In der 68 Halb- und 15 Supplementbände umfassenden RE finden Sie prinzipiell fast alles und jeden, die Benutzung ist jedoch gewöhnungsbedürftig. Insbesondere sind die folgenden Punkte zu beachten:

Die Benutzung der RE ist trotz all dieser Widrigkeiten unerlässlich, da sie zumeist den schnellsten Zugang zu den Quellen bietet, die fast vollständig angeführt werden. Spätestens, wenn Sie für Ihre Seminararbeit einen Beleg für ein bestimmtes Ereignis suchen, werden Sie die RE zu schätzen lernen. Die Quellenkenntnis der Autoren war meist überragend und ist bis heute oft unerreicht. Eine sukzessive Digitalisierung ist in Arbeit; die Ergebnisse können unter http://de.wikisource.org/wiki/Paulys_Realencyclopädie_der_classischen_Altertumswissenschaftbenutzt werden.

  1. Der Kleine Pauly (KlP), erschienen 1964-1975, und Lexikon der Alten Welt (LAW), erschienen 1965.
    Hier handelt es sich nicht um Enzyklopädien, sondern um Handlexika, die auch für den Studenten in preiswerten Taschenbuchausgaben erschwinglich sind. Beide Werke sind im Kern ein verknappender Auszug aus dem „Großen Pauly“, d. h. der RE. Allerdings wurden Artikel und Literaturangaben auf den neuesten Stand gebracht (der freilich heute auch schon wieder veraltet ist) sowie Überblicksdarstellungen zu Abstrakta hinzugefügt. Beide Lexika bestechen noch heute durch das gleichmäßig hohe inhaltliche und sprachliche Niveau der Artikel, ein Verdienst der Herausgeber. Aufgrund der höheren Dichte an Quellenbelegen gebührt dem KlP vielleicht die Präferenz vor dem LAW.

  2. Der Neue Pauly (DNP), erschienen 1996-2003.
    Kein Ersatz für die RE – auch wenn mancher das hoffen mag. DNP steht vom Umfang her zwischen RE und KlP und basiert im Grundsatz auf der Lemmaliste des letzteren. Die Qualität der Artikel schwankt erheblich, die Literatur- und Quellenangaben sind teilweise viel zu knapp. Davon abgesehen bietet DNP einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand. Besonders hilfreich sind die hervorragenden Illustrationen und Karten, sowie die Bände zur Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte, die das Fortleben der Antike in der europäischen Geistesgeschichte beleuchten. Trotz mancher Defizite stellt DNP daher eine unverzichtbare Ergänzung zur RE dar. Die Rechte am Volltext liegen mittlerweile bei Brill und eine deutsch-englische elektronische Version ist unter http://www.brillonline.nl verfügbar. Eine Benutzung ist aus dem Universitätsnetz möglich.
    Die Lexikonbände werden ergänzt durch eine Reihe von Supplementbänden, die bestimmten Themenbereichen gewidmet sind und weiterführende Materialien enthalten:

    1. Herrscherchronologien der antiken Welt, 2004.

    2. Geschichte der antiken Texte, 2007.
      Hier kommen Sie zur H-Soz-u-Kult-Rezension.

    3. Historischer Atlas der antiken Welt, 2007.
      Hier kommen Sie zur sehepunkte-Rezension und zur BMCR-Rezension.

    4. Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte, 2005.

    5. Mythenrezeption. Die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart, 2008.
      Hier kommen Sie zur BMCR-Rezension.

    6. Gelehrte und Wissenschaftler der Klassischen Altertumswissenschaften, geplant für 2010.

    7. Komparatistik der Antike, geplant für 2009.

  3. The Oxford Classical Dictionary (OCD3), erschienen 1996 in 3. Aufl.
    Ein echtes, weil einbändiges, Handlexikon. Die Artikel sind von renommierten Autoren durchgängig auf hohem Niveau, aber mit der gebotenen Knappheit verfasst. Die Literaturangaben bieten Hinweise auf Editionen, Übersetzungen und zentrale Werke der Sekundärliteratur. Die 3. Auflage spiegelt den aktuellen Forschungsstand wider. Gute Englischkenntnisse einmal vorausgesetzt bietet das OCD3 für den Anfänger oft den besten Einstieg, da Aktualität, Qualität und Handlichkeit gegeben sind. Glücklich sind die Besitzer der mittlerweile vergriffenen CD-ROM-Edition. Zugriff auf eine Online-Version ist im Rahmen der Oxford Reference Online (Premium Collection, Zusatzpaket Western civilization) unter http://www.oxfordreference.com kostenpflichtig möglich. Im Jahre 2004 ist unter dem Titel „The Oxford companion to classical civilization“ eine auf ein breiteres Publikum berechnete Auswahl der wichtigsten Lemmata erschienen, die um Illustrationen ergänzt wurde. Dieses Lexikon hat es also bis zum Lesebuch gebracht!

  4. The Cambridge Dictionary of Classical Civilization (CDCC), erschienen 2007.
    Hier kommen Sie zur BMCR-Rezension.

  5. Reallexikon für Antike und Christentum (RAC), erschienen 1941/1950-.
    Entgegen dem Titel ist das RAC kein reines Reallexikon (s. RE). Die Artikel des RAC, das sich als Sachlexikon zur Auseinandersetzung des Christentums mit der antiken Welt (im weitesten Sinne) versteht, decken auch die Bereiche der Assyriologie/Orientalistik, Judaistik und der Patrologie ab. Gerade zu Abstraktbegriffen wie „Amt“, „Alter“ oder „Barbar“ ist das RAC oft eine Fundgrube. Unter http://www.antike-und-christentum.de/index.php?scr=rac_ben&pg=sw_liste steht mittlerweile ein durchsuchbares Stichwortregister frei zur Verfügung, das insbesondere deshalb hilfreich ist, weil jeder Eintrag mit einer Liste bedeutungsverwandter „Synonyme“ verbunden ist, so dass sich relevante Artikel leichter auffinden lassen.

Eine Reihe von betagten, aber gerade für faktographische Recherchen immer noch nützlichen Nachschlagewerken steht mittlerweile im Internet frei zur Verfügung

  1. Daremberg, Charles/Saglio, Edmondo: Le dictionnaire des antiquités grecques et romaines (DAGR), erschienen 1877-1919.
    Französisches Pendant der RE. Die exzellente Internetpräsentation der Universität Toulouse sieht auch die Möglichkeit zur aktualisierenden Kommentierung durch die Nutzer vor.
    http://dagr.univ-tlse2.fr/sdx/dagr/index.xsp

  2. Smith, William: Dictionary of Greek and Roman biography and mythology, erschienen 1867.
    http://www.ancientlibrary.com/smith-bio
    http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3atext%3a1999.04.0104

  3. Smith, William: Dictionary of Greek and Roman antiquities, erschienen 1870.
    http://www.ancientlibrary.com/smith-dgra
    http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3atext%3a1999.04.0063
    http://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/secondary/SMIGRA/home.html

  4. Smith, William: Dictionary of Greek and Roman geography, erschienen 1854.
    http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3atext%3a1999.04.0064

  5. Seyffert, Oskar: Dictionary of classical antiquities, erschienen 1894.
    http://www.ancientlibrary.com/seyffert

Zu einzelnen Epochen bzw. Kulturkreisen der Alten Welt:

  1. Lexikon des Hellenismus, erschienen 2005.
    Bester Einstieg in die Welt des Hellenismus. Die Vorgängerversion „Kleines Lexikon des Hellenismus“ (zu benutzen in der 2. erw. Aufl. von 1993) ist mittlerweile in einer preisgünstigen Studienausgabe zu haben. Hier kommen Sie zur sehepunkte-Rezension und zur H-Soz-u-Kult-Rezension.

  2. Oxford Dictionary of Byzantium (ODB), erschienen 1991.

  3. Lexikon der Ägyptologie (LÄ), erschienen 1975-1992.

  4. Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie (RlA), erschienen 1932-.

  5. Encyclopaedia Judaica (EJ), erschienen 1971, auch auf CD-ROM.

  6. Reallexikon der germanischen Altertumskunde (RGA), erschienen 1973-.

  7. Encyclopaedia Iranica (EIr), erschienen 1973-.
    Perser, Parther und Sassaniden interagierten auf vielfältige Weise mit der griechisch-römischen Kultur des Mittelmeerraumes. Insofern ist die EIr auch für den Althistoriker durchaus von Interesse. Die bereits erschienenen Artikel können im Volltext unter http://www.iranica.com eingesehen werden.

Zu religionsgeschichtlichen Fragen:

  1. Thesaurus cultus et rituum antiquorum (ThesCRA), erschienen 2004-2006.
    Mischung aus Lexikon und Handbuch. Behandelt systematisch die Kulte der griechischen, und römischen Welt. Wie viele neuere Lexikonprojekte ist das Werk nicht einsprachig angelegt, sondern stellt die verbreiteten modernen Wissenschaftssprachen nebeneinander.

  2. Dizionario Etimologico della Mitologia Greca (DEMGOL), Datenbank (http://demgol.units.it)
    Lexikon zur etymologischen Herleitung der Namen griechischer Götter und Heroen. Die Datenbank ist frei zugänglich, die einzelnen Beiträge sind vielfach mehrsprachig verfügbar. Englische Übersetzung sind allerdings bisher nur für einen kleinen Teil der Daten vorhanden.

  3. Neues Testament und antike Kultur (NTAK), erschienen 2011.

  4. Handbuch religionswissenschaftlicher Grundbegriffe (HrwG), erschienen 1988-2001.
    Hervorragende Überblicksartikel zu grundlegenden Begriffen und Konzepten der Religionswissenschaft. Für jeden, der kulturgeschichtlich arbeitet, von höchstem Interesse!

  5. Metzler-Lexikon Religion (MLR), erschienen 1999-2002.

  6. Theologische Realenzyklopädie (TRE), erschienen 1976-2004.
    Bietet umfassende Information, aber aus evangelischer Warte. Deshalb für den Historiker natürlich nicht weniger nützlich, aber: Caveat theologus! Nur das Erscheinen des Gesamtregisters steht noch aus.

  7. Die Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG4), erschienen 1998-2006.
    Selbiges, wenngleich Konfessionspolemik heute kein großes Thema mehr ist. Eine CD-ROM-Version der 3. Auflage aus den Jahren 1957-1962 ist über das DBIS zu benutzen. Besser ist aber der Griff zur aktuellen Auflage.

  8. Lexikon für Theologie und Kirche (LThK3), erschienen 1993-2002.
    Besonders in der 3. Auflage ist im Hinblick auf die Kirchen- und Theologiegeschichte ein deutlicher Substanzverlust festzustellen. Eine Benutzung der älteren Ausgaben bzw. des ehrwürdigen Vorgängerwerkes „Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon oder Encyklopädie der katholischen Theologie und ihrer Hülfswissenschaften“ kann für den Historiker, dem es auf theologische Modernität ja nicht ankommt, durchaus noch lohnen.

  9. Handbuch der Kirchengeschichte, erschienen 1962-1979.
    Standardwerk zur Kirchengeschichte aus katholischer Sicht. Eine CD-ROM-Version ist über das DBIS zu benutzen.

6.3.2    Überblicksdarstellungen, Reihen und Handbücher

Die Vielzahl der einschlägigen Monographien kann hier nicht angeführt werden. Neben den im Folgenden besonders empfohlenen Werken sei insbesondere auf die bei Vollmer und in den Nachträgen von Markus Sehlmeyer gegebenen Zusammenstellungen verwiesen (s. Kap. 3.2 ). Nehmen Sie fremde Urteile (auch meine) aber nicht zu ernst: Wichtig für Sie ist an einer einführenden Darstellung nicht nur die wissenschaftliche Qualität, sondern auch die Lesbarkeit, die sich wiederum ganz subjektiv nach dem persönlichen Vorwissen, den Sprachkenntnissen u. a. bemisst. Es ist in jedem Fall besser, eine „schlechte“ Darstellung gelesen (und verstanden) zu haben als gar keine!

Fischer Weltgeschichte (Fischer Verlag, Frankfurt a. M.):
Weltgeschichte in 36 Bänden, entstanden in den Jahren 1965-1981. Für den Bereich der Alten Geschichte einschlägig sind insbesondere die Bände 4-9. Eine CD-ROM-Edition ist in der Digitalen Bibliothek erschienen.

dtv-Geschichte der Antike (Deutscher Taschenbuch Verlag, München):
Übersetzung der englischen „Fontana History of the Ancient World“ mit Auszügen aus wichtigen Quellen in Übersetzung. Wenigstens die ersten sechs Bände sind nun in einer äußerst preisgünstigen zweibändigen Sonderausgabe bei Albatros zu haben („Geschichte des antiken Griechenland“, „Geschichte des antiken Rom“). Für insgesamt knapp 30 € erhalten Sie hier eine vorzügliche, quellennahe Darstellung. Nicht ganz auf dem Stand der Zeit sind lediglich Ogilvies Ausführungen zum frühen Rom. Zu Anschaffung und Lektüre dennoch sehr empfohlen!

Studium Geschichte (A. Francke, Tübingen):
Epochenzentrierte Überblicksdarstellungen mit chronologischen Tafeln und integriertem Quellenmaterial.

C. H. Beck Wissen (Verlag C. H. Beck, München):
Von namhaften Gelehrten deutscher Zunge verfasst, kompakt, billig. Die hohen Verkaufszahlen ermöglichen im Rahmen der Neuauflagen eine häufige Überarbeitung und Aktualisierung wenigstens der bibliographischen Hinweise.

(1) Vor- und Frühgeschichte:

(2) Orientalische Kulturen:

(3) Griechenland:

(4) Rom:

(5) Spätantike und Byzanz:

(6) Randkulturen:

(7) Archäologie:

(8) Religionsgeschichte:

(9) Kulturgeschichte:

Beck’s historische Bibliothek (Verlag C. H. Beck, München):
Im Vergleich zu der oben vorgestellten Reihe umfängliche, objektiv gesehen jedoch noch immer knappe Darstellungen, die sich an ein breiteres Lesepublikum richten.

Geschichte Kompakt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt):
Die Reihe beabsichtigt, leicht konsumierbare Einführungen in den neuesten Forschungsstand für Studierende zu geben. Vorwissen wird dementsprechend kaum vorausgesetzt. Begriffserläuterungen, Graphiken und ein kommentiertes Literaturverzeichnis erleichtern den Zugang zum Thema.

Hinzu kommen ähnlich angelegte Einführungen zu verwandten Disziplinen:

Gestalten der Antike (Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt):
Der Reihentitel ist selbsterklärend.

Studienbücher. Geschichte und Kultur der Alten Welt (Akademie Verlag, Berlin):
Die Bände dieser Reihe gliedern sich jeweils in drei Teile: Darstellung, Materialteil (Textquellen in Übersetzung und ggf. Bildquellen) und Anhang (Bibliographie, Zeittafeln, Karten usw.).

Urban-Taschenbücher (Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart):
Die Urban-Taschenbücher sind vor allem den Studenten der mittelalterlichen Geschichte vertraut, denn die Reihe mit Dynastiegeschichten gehört dort zur unverzichtbaren Einführungsliteratur. Gerade was die Völkerwanderungszeit angeht, sind einige Titel aber auch für den Althistoriker interessant.

Oldenbourg Grundriss der Geschichte ~ OGG (Oldenbourg Verlag, München):
Bände jeweils zweigeteilt in Darstellung und Forschungsbericht, Anhang mit inhaltlich gegliederter, ausführlicher Bibliographie. Die Bände werden in regelmäßigen Abständen aktualisiert, achten Sie daher darauf, immer die jeweils letzte Auflage zu benutzen. Die äußerste Komprimierung macht die Lektüre für den Anfänger mitunter zu einer ermüdenden Angelegenheit, ein ausreichender Überblick über die klassische Ereignisgeschichte lässt sich kaum gewinnen. Bei der Vorbereitung auf die Abschlussprüfung werden Sie in jedem Fall mit Gewinn auf den OGG zurückgreifen. Der systematisch strukturierte bibliographische Anhang ist stets von großem Nutzen. Erweiterungen und Überarbeitungen finden jeweils im Rahmen der ungeraden Neuauflagen (3., 5. usw.) statt!

Enzyklopädie der griechisch-römischen Antike ~ EGRA (Oldenbourg Verlag, München):
Wie die OGG-Bände sind auch die Publikationen dieser Reihe jeweils dreigeteilt in Darstellung, Forschungsüberblick und Bibliographie. In gewisser Weise stellt sich das Projekt also als Fortsetzung der OGG mit anderem, kulturgeschichtlichem Schwerpunkt dar – und reflektiert damit die veränderte Forschungslandschaft.

Routledge History of the Ancient World (Routledge Verlag, London/New York):
Anspruchsvolle Gesamtdarstellungen mit teilweise deutlich revisionistischem Impetus; daher wohl als problemorientierte Einführung, aber weniger zur Aneignung der communis opinio der Forschung geeignet.

Blackwell Companions to the Ancient World (Blackwell Publishing, Oxford):
Geplant ist eine Folge von Sammelbänden, die jeweils den neuesten Forschungsstand zu den einzelnen Epochen der Alten Geschichte vermitteln sollen. Der als erster erschienene Band zur Geschichte des Hellenismus erfüllt dieses Ziel vorzüglich. Man darf also auf den Fortgang der Reihe hoffen.

Dazu aus der Reihe Blackwell Companions to Philosophy:

Blackwell History of the Ancient World (Blackwell Publishing, Oxford):
Darstellungen zu Teilbereichen der Alten Geschichte, die sich an ein breiteres Publikum und Studenten in den ersten Semestern richten.

Blackwell Introductions to the Classical World (Blackwell Publishing, Oxford):
Einführungen in Teilbereiche der antiken Kulturgeschichte, die sich an ein breiteres Publikum und Studenten in den ersten Semestern richten.

Blackwell Ancient Religions (Blackwell Publishing, Oxford):

Ancient World at War (Blackwell Publishing, Oxford):

The Edinburgh History of the Greeks/of ancient Rome (Edinburgh University Press, Edinburgh):
Neue mehrbändige Gesamtdarstellung. Bis jetzt nur ein Band erschienen.

Oxford Handbooks (Oxford University Press)

Cambridge Companions (Cambridge University Press, Cambridge):

Brill’s Companions (Brill Academic Publisher, Leiden):
Ähnliches Konzept wie bei den Blackwell Companions, aber in erster Linie literaturwissenschaftlich ausgerichtet, d. h. die Einzelbände widmen sich meist einem bestimmten antiken Autor. Einige Bände sind dennoch auch von besonderem Interesse für den Historiker.

Collection Premier Cycle (Presses Universitaires de France, Paris):
Sehr gute und übersichtliche Rekapitulationen des Grundwissens, die auf die Bedürfnisse von Anfängern abgestellt sind. Zusammen mit der unten vorgestellten Reihe „Nouvelle Clio“, deren Bände auf denen der „Collection Premier Cycle“ aufbauen, stellt dieses Programm der PUF die systematischste didaktische Aufbereitung der Alten Geschichte auf examenstauglichem Niveau dar. Der Tradition der französischen Geschichtswissenschaft entsprechend finden neben der politischen Ereignisgeschichte auch kultur- und mentalitätsgeschichtliche Aspekte Beachtung. Schließlich sind die Bände auch nach rein literarischen Kriterien gut geschrieben und erzählen Geschichte anschaulich und klar strukturiert. Auch für die Einführung in Methoden und theoretische Konzepte anderer wissenschaftlicher Disziplinen mit Relevanz für den Althistoriker leistet die Reihe gute Dienste.

Nouvelle Clio, L’histoire et ses problèmes (Presses Universitaires de France, Paris):
Sehr gute und übersichtliche Darstellungen auf hohem Niveau, mit Problematisierung der Forschungsgeschichte. Sofern man französische Texte flüssig lesen kann, lohnt sich eine Anschaffung einzelner Bände spätestens für die Examensvorbereitung (die Paperbacks kosten jeweils ca. 30 €).

Daneben gibt es einige wichtige Handbuchreihen mit enzyklopädischem Anspruch:

Handbuch der Altertumswissenschaft ~ HdAW (C. H. Beck Verlag, München):
Monographische Darstellungen zu allen Bereichen der Altertumswissenschaft, so etwa zur politischen Geschichte, zur Literaturgeschichte, zur Metrik, zur Rechtsgeschichte usw. Ähnlich wie bei der RE sind aufgrund der langen Laufzeit des Projektes viele Bände bereits recht betagt. Freilich lässt das Alter keinen unmittelbaren Schluss auf die Verwertbarkeit zu: So ist etwa Georg Wissowas „Religion und Kultus der Römer“ – im Kern am Ende des 19. Jh. verfasst und 1912 überarbeitet – immer noch die umfassendste Darstellung des römischen Kultbetriebes und eine schier unerschöpfliche Fundgrube für die neuere Forschung. Die Bände zur griechischen und römischen Geschichte von Hermann Bengtsonaus den 60er Jahren sind hingegen weder bezüglich Fragestellung noch Erkenntnisstand auf der Höhe der Zeit. Vor diesen Bänden muss besonders gewarnt werden, weil sie in den Lehrbuchsammlungen der Bibliotheken stark vertreten und vom Verlag immer noch in preiswerten Sonderausgaben aufgelegt werden. Dennoch: Finger weg bei der Examensvorbereitung! Immer noch nützlich sind allerdings die – nur in der Original-, nicht aber den Sonderausgaben enthaltenen – quellenkundlichen Einführungsabschnitte zu den einzelnen Kapiteln. Wenn Sie sich also schnell über die wichtigsten Quellen zu dem von Ihnen zu behandelnden Thema informieren wollen, lohnt der Griff zum „Bengtson“, wobei natürlich zu bedenken ist, dass seither wichtige Inschriften- und Papyrusneufunde gemacht wurden.

Abteilung I: Einleitende und Hilfsdisziplinen

Abteilung II: Griechische Grammatik – Lateinische Grammatik – Rhetorik

Abteilung III: Alter Orient – Griechische Geschichte – Römische Geschichte

Abteilung IV: Griechische Staatskunde – Heerwesen und Kriegsführung der Griechen und Römer

Abteilung V: Geschichte der Philosophie – Geschichte der Mathematik und Naturwissenschaften – Religionsgeschichte

Abteilung VII: Geschichte der griechischen Literatur

Abteilung VIII: Geschichte der römischen Literatur

Abteilung IX: Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters

Abteilung X: Rechtsgeschichte des Altertums

Abteilung XII: Byzantinisches Handbuch

Den Abschnitt VIII ersetzt jetzt das seit 1989 erscheinende Handbuch der lateinischen Literatur der Antike (HLL):

The Cambridge Ancient History ~ CAH (Cambridge University Press, Cambridge):
Standarddarstellung der Alten Geschichte. Während die erste Auflage vorrangig den Bereich der politischen Geschichte abdeckte, bezieht die zweite Auflage verstärkt auch andere Aspekte (Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Historische Anthropologie usw.) mit ein. Gerade, wenn man eine Angabe zur Ereignisgeschichte sucht, kann sich auch ein Griff zur ersten Auflage nach wie vor lohnen. Der Umfang der einzelnen Artikel macht sie für den Anfänger teilweise schwer überschaubar. Die CAH ist als Hilfsmittel daher für eine wirkliche Erstinformation nur noch bedingt geeignet, sie steht an der Schwelle zur wissenschaftlichen Spezialliteratur. Einige Bände der ersten Auflage liegen mittlerweile auch frei verfügbar als Digitalisate vor:

Eine Ergänzung bilden einige thematisch angelegte Sammelbände:

Alle Cambridge Histories können in digitaler Form unter http://histories.cambridge.org (allerdings kostenpflichtig) konsultiert werden.

Aufstieg und Niedergang der römischen Welt ~ ANRW (Verlag de Gruyter, Berlin):
Mittlerweile der Versuch einer systematischen Gesamtdarstellung der römischen Welt in allen ihren Facetten in Form einer Sammelbandreihe. Hier finden Sie teilweise sehr gute Forschungsberichte. Insgesamt ist die Qualität der Beiträge aber sehr unterschiedlich. Ein elektronischer Titelindex steht unter http://www.cs.uky.edu/~raphael/scaife/anrw.htmlzur Verfügung.

Angesichts der – nicht zuletzt auch durch forschungspolitische Steuerungsmechanismen generierten – explosionsartigen Vermehrung der Publikationen ist es immer schwieriger, sich im Dickicht des Aufsatzdschungels zu orientieren. Seit jeher leistet die leider vor einiger Zeit eingestellte, jetzt aber wiederbelebte Reihe Wege der Forschung (WdF) – jetzt Neue Wege der Forschung (NWF) – hier beste Dienste. Die bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (Darmstadt) erscheinenden Bände versammeln jeweils besonders wichtige bzw. exemplarische Forschungsbeiträge. Für die Alte Geschichte relevant sind:

(1) Allgemeine Kulturgeschichte:

(2) Griechische Geschichte:

(3) Römische Geschichte und Zugehöriges:

(4) Religions- und Kirchengeschichte:

(5) Literatur, Philosophie und bildende Kunst:

(6) Randvölker, Byzanz und Epochenabgrenzung:

(7) Theorie und Methode:

Einen ähnlichen Ansatz wie die WdF verfolgt die englischsprachige Reihe Edinburgh readings on the ancient world, die zudem speziell auf Studenten zugeschnitten ist, d. h. in der Originalpublikation in Griechisch oder Latein gegebene Quellenzitate werden übersetzt, Fachbegriffe zusätzlich erläutert.

Einen Überblick über aktuelle Tendenzen der Forschung geben auch Forschungsberichte: Solche erscheinen für die verschiedenen Gebiete der Alten Geschichte regelmäßig in der Zeitschrift Greece & Rome (G&R), unregelmäßig auch in Geschichte in Wissenschaft und Unterricht (GWU) und der Revue historique (RH).

Neben den genannten Reihen gibt es natürlich auch eine ganze Reihe empfehlenswerter Einzelbände, die einen Überblick über größere Epochen der Alten Geschichte zu vermitteln vermögen:

(1) Alter Orient/Ägypten:

(2) Griechische Geschichte (Allgemein):

(3) Geschichte einzelner Poleis (v. a. Athen und Sparta):

(4) Hellenismus:

(5) Römische Geschichte:

(6) Sozial- und Wirtschaftsgeschichte:

(7) Sonstiges:

Immer noch lesenswert, ja teilweise unersetzt sind einige Klassiker. Diese älteren Darstellungen sind vor allem deshalb nicht zu verachten, weil sie im Regelfall noch direkt aus den Quellen gearbeitet wurden:

In Fachkreisen weithin verpönt ist die Benutzung des Ploetz, obwohl die neuesten Auflagen von renommierten Gelehrten betreut wurden. Um sich ein stabiles Grundgerüst an faktographischem Wissen anzueignen oder dieses zu rekapitulieren, leistet das Werk jedoch durchaus gute Dienste:

  1. Kompakt-Ploetz, Freiburg 2005 (38. überarb. u. aktual. Aufl.).
    Früher bekannt unter dem Titel „Der kleine Ploetz“. Bietet ein gutes ereignisgeschichtliches Grundgerüst.

  2. Der große Ploetz. Die Chronik zur Weltgeschichte, Göttingen 2010 (36. völlig überarb. Aufl.).
    Eher geeignet zum Nachschlagen. Sehr nützlich sind die Schemazeichnungen zur Verfassungsgeschichte. Die neuesten Überarbeitungen bringen ein farbiges Layout und zahlreiche Karten mit.

6.4    Bibliographieren

Eine der wichtigsten Fähigkeiten des Historikers ist es, Sekundärliteratur zu seinem Thema aufzufinden. Die durchaus vorhandene, spezielle Kreativität des historischen Arbeitens besteht gerade in der kritischen Auseinandersetzung mit diesen Vorarbeiten, d. h. dem sogenannten „Forschungsstand“. Forschung ist Diskurs, der sich manchmal mündlich (z. B. bei wissenschaftlichen Kongressen und Kolloquien), meist aber schriftlich (z. B. Monographie und darauf bezogene Rezension) vollzieht. Im Übrigen wäre es natürlich schon aus arbeitsökonomischen Gründen nicht sehr klug, das Rad stets neu erfinden zu wollen.

Sekundärliteratur haben Sie sicher auch schon für Referate in der Schule herangezogen. Der besondere wissenschaftliche Anspruch besteht darin, dass sie im Prinzip die gesamte für Ihr Thema verfügbare Literatur sichten und verarbeiten sollten. Ein solcher Anspruch ist angesichts der ständig wachsenden Flut an Publikationen freilich nicht mehr durchzuhalten. Sie sollten aber wenigstens die neuere Forschungsliteratur möglichst vollständig erfassen und lesen, um ein Bild über die aktuelle Forschungssituation zu erhalten, aus der sich die Schwerpunktsetzung Ihres Referates ja ableiten sollte. (Es macht z. B. keinen Sinn, ausführlich eine These zu widerlegen, die niemand mehr ernsthaft vertritt. Sehr wohl würde es aber Sinn machen, diese These erneut gegen eine bestehende communis opinio der Forschung zu verteidigen.) Nur aufgrund einer profunden Kenntnis des Forschungsstandes können Sie den Neuigkeitswert Ihrer eigenen Beobachtungen an den Quellen einschätzen. Umgekehrt wird nun auch die Bedeutung der Quellenlektüre einsichtig: Wie wollen Sie ohne Kenntnis der Quellen die auf Sie einprasselnden, unterschiedlichen Forschungsmeinungen werten und gewichten?

Wie aber kommt man zu einer annähernd vollständigen Erfassung der für ein Thema relevanten Fachliteratur? Man bezeichnet diesen Vorgang als Bibliographieren und unterscheidet grundsätzlich zwei Herangehensweisen, die sich wechselseitig ergänzen:

6.4.1    Unsystematisches Bibliographieren

Das klassische Schneeballsystem. Sobald Sie einen Lexikonartikel, einen Aufsatz, ein Buch usw. zu Ihrem Thema gefunden haben, werden Sie dort – wenn es sich um ein wissenschaftliches Werk handelt – in irgendeiner Form Literatur- und Quellenhinweise finden. Wenn Sie diesen nachgehen, stoßen Sie wiederum auf weitere Angaben und immer so fort. Das unsystematische Bibliographieren hat oft einen schlechten Ruf, der insofern berechtigt ist, als Sie sich ja von der Literaturauswahl und der Gewissenhaftigkeit Ihrer Vorarbeiter abhängig machen. Dennoch ist das unsystematische Bibliographieren gerade für die ältere Forschungsliteratur oft die eigentlich systematische Methode der Recherche. Sie können nämlich grosso modo davon ausgehen, dass in der wissenschaftlichen Literatur in erster Linie diejenigen älteren Arbeiten zitiert werden, die auch heute noch von Bedeutung sind bzw. die die Forschung entscheidend beeinflusst haben. Es wird Ihnen auch selbst unmittelbar auffallen, dass bestimmte Werke immer wieder in den Fußnoten auftauchen, also offenbar von zentraler Wichtigkeit sind. Das unsystematische Bibliographieren führt Sie also relativ zielgerichtet zu wichtiger Literatur. Der größte Nachteil dieser Recherchemethode ist, dass sie natürlich nur Literatur erschließt, die älter ist als der ursprüngliche Text. Gerade die neuesten Arbeiten werden Sie also so nicht finden.

6.4.2    Systematisches Bibliographieren

Das systematische Bibliographieren besteht vor allem in der Konsultation einschlägiger Fachbibliographien. Im Bereich der Altertumswissenschaften stehen diese mittlerweile alle in elektronischer Form zur Verfügung, so dass sich das tagelange Blättern in schweren Bänden erübrigt. Wichtig ist, aufbauend auf den durch die Erstinformation gewonnenen Kenntnissen eine möglichst vollständige Stichwortliste für die Suche in Bibliothekskatalogen, Literatur- und Volltextdatenbanken zu entwickeln. Zu bedenken ist dabei stets, dass bei einer Stichwortsuche im Gegensatz zur Schlagwortsuche immer unterschiedliche Sprachformen zu berücksichtigen sind, also z. B.: Kyrene ~ Cyrene ~ Cyrène ~ Cirene. Oft hilft schon das ohnehin empfehlenswerte Trunkieren des Wortstammes. Eine Suche nach „touris*“ findet dann etwa: „tourismus“, „tourism“, „tourisme“, „touristisch“, „touristique“ usw. Eigens zu suchen wäre aber immer noch nach „turismo“!

Eine weitere effiziente Methode der Literaturrecherche ist das Erstellen von Personalbibliographien: Wenn Sie wissen, dass ein Autor einmal zu einem bestimmten Thema gearbeitet hat, ist es nicht unwahrscheinlich, dass er zu diesem Bereich noch mehr publiziert hat. Eine Überprüfung ist über die Personenindices der großen bibliographischen Fachdatenbanken leicht möglich.

6.4.2.1    Allgemeine Bibliographien:

Allgemeine Bibliographien enthalten Titel aus verschiedenen Fachbereichen, sind also nicht spezifisch auf die Alte Geschichte ausgerichtet. Dies führt bei Suchanfragen oft zu einer höheren Zahl irrelevanter Treffer.

  1. Periodicals Index Online (PIO), Online-Datenbank:
    Der PIO erfasst die Inhaltsverzeichnisse von ca. 5000 Zeitschriften aus dem Bereich der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften. Zwar liefern die unten genannten Fachbibliographien naturgemäß eine breitere Abdeckung für den Spezialbereich der Altertumswissenschaften, doch der PIO bietet eine weitaus bessere Erfassung der Bestände aus dem 19. und frühen 20. Jh. Dies macht sich insbesondere bei großen traditionsreichen Zeitschriften wie den TAPhA bemerkbar. Nach oben differiert freilich der Berichtszeitraum des PIO je nach Bearbeitungsstand der einzelnen Zeitschrift (z. B. TAPhA bis 1995, aber Tyche nur bis 1990). Negativ ist weiterhin zu vermerken, dass keine differenzierte Verschlagwortung erfolgt und jeweils nur die erste Seite des Aufsatzes genannt wird (also z. B. nur „85“ statt „85-96“), was zu Schwierigkeiten bei der Fernleihe führen kann. Dennoch ist der PIO besonders für die Auswertung der älteren (aber deshalb nicht zwangsläufig veralteten!) Literatur das Hilfsmittel der Wahl. Eine Nationallizenz für alle wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland wurde mit Unterstützung der DFG erworben, sodass der Zugang aus dem Universitätsnetz (http://pio.chadwyck.co.uk) kostenfrei möglich ist.

  2. Internationale Bibliographie der Rezensionen geistes- und sozialwissenschaftlicher Literatur (IBR), Online-Datenbank.
    Die aus dem Universitätsnetz frei zugängliche Online-Datenbank erschließt seit dem Jahr 1985 erschienene Rezensionen. Zugleich mit den Rezensionen erschließt sich auch die rezensierte monographische Literatur. Die ebenfalls verfügbaren CD-ROM-Versionen enthalten jeweils nur die Daten für eingeschränkte Berichtszeiträume!

  3. Internationale Bibliographie der geistes- und sozialwissenschaftlichen Zeitschriftenliteratur (IBZ), Online-Datenbank:
    Die aus dem Universitätsnetz frei zugängliche Online-Datenbank erschließt seit dem Jahr 1983 erschienene Aufsatzliteratur aus Zeitschriften.

  4. Internationale Jahresbibliographie der Festschriften (IJBF), Online-Datenbank:
    Die aus dem Universitätsnetz frei zugängliche Online-Datenbank erschließt seit dem Jahr 1986 erschienene Aufsatzliteratur aus Festschriften.

  5. Internationale Jahresbibliographie der Kongressberichte (IJBK), Online-Datenbank:
    Die aus dem Universitätsnetz frei zugängliche Online-Datenbank erschließt seit dem Jahr 1984 erschienene Aufsatzliteratur aus Kongressberichten.

  6. Aufsatzdatenbank des Bibliotheksverbundes Bayern, Online-Datenbank:
    Erschließt Aufsätze seit dem Jahr 1993, freilich ohne Verschlagwortung. Zugänglich über das Gateway Bayern, über das auch der BVB abgefragt wird, oder direkt über den lokalen webOPAC (zu aktivieren über den Link „Datenbankauswahl“ in der Suchmaske). Eine Liste der ausgewerteten Zeitschriften ist unter http://bvba2.bib-bvb.de/inhaltsverzd_suche.html einsehbar.

  7. JADE British Library, Online-Datenbank:
    Die deutschlandweit frei unter http://www.ub.uni-bielefeld.de/databases/jade oder auch über das Gateway Bayern zugängliche Datenbank führt Aufsätze aus den Jahren seit 1992 auf.

  8. Index to Theses, Online-Datenbank:
    Erschließt seit dem Jahr 1716 an englischen und irischen Universitäten eingereichte Qualifikationsschriften. Abstracts sind jeweils als PDF-Bild beigefügt. Aus dem Universitätsnetz frei zugänglich.

  9. Dissertation Abstracts (DA on Disc), CD-ROM:
    Führt Qualifikationsschriften vorwiegend nordamerikanischer Universitäten seit dem Jahr 1861 auf; für Einträge seit dem Jahr 1981 liegen Abstracts vor. Zugänglich über das DBIS. Eine abgespeckte Variante (Beschränkung der angezeigten Treffer, keine Abstracts) steht frei unter http://disexpress.umi.com zur Verfügung.

6.4.2.2    Fachbibliographien:

Fachbibliographien erfassen nur Titel zu einem mehr oder weniger eng definierten Fachbereich.

  1. Année Philologique (APh), Druckfassung und Online-Datenbank:
    Die große altertumswissenschaftliche Jahresbibliographie, die theoretisch alle Publikationen verzeichnet. Da die Erfassung sehr aufwendig ist, erscheinen die Bände mit einer Verzögerung von etwa zwei Jahren, auch hier finden Sie also die neueste Literatur nicht. Dennoch ist die APh das ihren Beständen nach umfassendste Suchinstrument. Eine gegenwärtig die Jahre 1924-2008 umfassende elektronische Version ist unter http://www.annee-philologique.com/aph verfügbar, allerdings nicht kostenlos. Die UB Augsburg hat jedoch eine IP-Lizenz erworben. Sie erhalten also ohne Passwortabfrage Zugriff, wenn Sie die Site aus dem Universitätsnetz heraus besuchen. (ACHTUNG!!! Die IP-Adresse Ihres Rechners wird in einer lokalen Cookie-Datei gespeichert. Sofern Sie sich also via VPN [dazu s. u.] einloggen wollen, ist unbedingt zuerst die VPN-Verbindung herzustellen, bevor die APh aufgerufen wird, weil sonst bereits Ihre private IP abgespeichert ist, was wiederum eine Passwortabfrage von Seiten der APh provoziert! In diesem Fall über die entsprechende Browserfunktion Verlauf und Cookies löschen.) Seit einiger Zeit stehen auch brauchbare Ausgabe- und Exportfunktionen zur Verfügung, neuerdings auch eine Verknüpfung mit lokalen Bibliotheksangeboten via Ex libris SFX. Zudem sind in der APh zu vielen Aufsätzen auch kurze Zusammenfassungen vorhanden. Durch eine Volltextsuche erhalten Sie oft viele Literaturangaben, die sie allein vom Titel her nie für relevant gehalten hätten. Außerdem bekommen Sie so schon beim Bibliographieren einen groben Überblick über aktuelle Forschungsdiskussionen.

  2. Gnomon und Gnomon Online, Online-Datenbank:
    Eichstätt-Augsburger Hausmarke. Das Produkt der Lehrstühle für Alte Geschichte in Eichstätt und Augsburg glänzt durch herausragende Aktualität (fast wöchentliche Updates der Online-Datenbank unter http://www.gnomon-online.de, genaue Verschlagwortung (Thesaurus) und flexible Ausgabemöglichkeiten. Außerdem erschließt die Gnomon-Datenbank schwerpunktmäßig ansonsten nur schwer nachzuweisende Literatur und bezieht auch ältere Arbeiten, die in der elektronischen APh nicht erfasst sind, in Auswahl mit ein. Die Benutzung ist also nicht nur aus Lokalpatriotismus unumgänglich. Die früher wichtige Unterscheidung zwischen der CD-ROM- bzw. Downloadversion und dem Webangebot Gnomon Online ist seit einiger Zeit hinfällig. Gnomon Online enthält nun den kompletten Datenbestand!! Seit dem Update 2006 besitzt die Gnomon-Datenbank eine neue Oberfläche, welche die Benutzung der Datenbank erheblich vereinfacht. Seit dem Update 2007 ist in den Gnomon zudem ein französischer Thesaurus integriert, seit dem Update 2009 auch ein englischer und italienischer. Die Universitätsbibliothek Würzburg sowie die Universitätsbibliothek Duisburg haben elektronische Tutorials erstellt, die in die Benutzung der Gnomon-Datenbank einführen. Eine freundliche externe Würdigung der Gnomon-Datenbank finden Sie hier.

  3. Dyabola, CD-ROM und Online-Datenbank:
    Während die APh ursprünglich vor allem eine philologische Bibliographie war (Titel!), kann Dyabola als das wichtigste Verzeichnis archäologischer Fachliteratur gelten. Beides ist im Rahmen eines althistorischen Referates zu berücksichtigen. Das Projekt begann als Digitalisierung des Realkatalogs des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom, bezieht aber mittlerweile auch andere Bestände mit ein (z. B. Neuanschaffungen der École Française de Rome, der the British School at Rome, der American Academy in Rome und der Escuela Española de Historia y Arqueologia en Roma). Die Datenbank kann unter http://www.dyabola.de aus dem Universitätsnetz heraus benutzt werden. Dazu müssen Sie jedoch auf der Eingangsseite unbedingt die Option „IP-Access“ aktivieren!

  4. Zentraler Online-Katalog des DAI (ZENON DAI), Online-Datenbank:
    Verbundkatalog der verschiedenen Standorte des Deutschen Archäologischen Instituts, der teilweise auch die früher nur in Dyabola verfügbaren Daten enthält (d. h. den Realkatalog des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom). Beide Datenbanken entwickeln sich seit einigen Jahren getrennt fort, wobei der Datenzuwachs bei Dyabola wohl größer ist. ZENON ist frei zugänglich unter http://opac.dainst.org. Im Vergleich zu Dyabola mutet die Suchoberfläche allerdings steinzeitlich an.

  5. OLC-SSG Altertumswissenschaften, Online Datenbank:
    Fachspezifischer Auszug aus dem Inhaltsverzeichnisdienst der deutschen Bibliotheksverbünde (http://gso.gbv.de/DB=2.44, zugänglich nur aus dem Universitätsnetz). Umfasst gegenwärtig 162 Zeitschriften, vornehmlich seit dem Jahr 1993.

  6. Droits Antiques Database (DRANT), Online-Datenbank:
    Rechtshistorische Datenbank (http://www2.misha.fr/flora/jsp/index.jsp). Für staatsrechtliche und verwaltungsgeschichtliche Themen eine wichtige Fundgrube. Die Verschlagwortung ist hervorragend.

  7. Bulletin Analytique d'Histoire Romaine (BAHR), Online-Datenbank:
    Datenbank zur römischen Geschichte (http://www2.misha.fr/flora/jsp/index.jsp). Die Oberfläche entspricht derjenigen von DRANT. Auch hier imponiert die dichte Verschlagwortung.

  8. Datenbank zur prähistorischen und klassischen Archäologie und Geschichte im Netz (DAPHNE), Online-Datenbank:
    Metasuche in mehreren französischen Fachdatenbanken (http://www.daphne.cnrs.fr), darunter auch BAHR.

  9. Index Theologicus (IxTheo), CD-ROM und Online-Datenbank:
    Wertet theologische Zeitschriften, Festschriften und Kongressberichte der UB Tübingen aus. Erfasst sind Bestände seit dem Jahr 1973. Frei zugänglich unter http://www.ixtheo.de. Jeweils die letzten drei Monatslieferungen sind auch unter http://www.ixtheo.de/zid-curr/index.html konsultierbar. Die von 1975-1982 erschienenen Ausgaben des ZID Theologie liegen eingescannt unter http://www.ixtheo.de/zid-curr/zid_retr.htm vor.

  10. Base d’Information Bibliographique en Patristique (BIBP): http://www.bibl.ulaval.ca/bd/bibp.
    Bietet Abstracts zu den erfassten Aufsätzen. Die Erschließung erfolgt über eine dichte Verschlagwortung nach Disziplinen, Themen und behandelten Quellen.

  11. Theologische Literaturdokumentation Innsbruck (THEOLDI): http://www.uibk.ac.at/theol/theoldi.
    Von altertumswissenschaftlichem Interesse insbesondere wegen der enthaltenen Bibelwissenschaftlichen Literaturdokumentation BILDI.

Nutzung von Datenbanken über das DBIS Augsburg

Etliche der genannten Datenbanken sind nicht frei im Internet verfügbar. Entweder sind diese als Applikationen über den CD-ROM-Server der UB verfügbar gemacht oder – im Falle von Webdatenbanken – für die Netzwerkadressen der Universität Augsburg freigeschaltet. Die entsprechenden Angebote (z. B. APh, Dyabola u. v. m.) können Sie also zunächst nur innerhalb des lokalen Netzwerkes der Universität nutzen, etwa von den Terminals im Lesesaal aus.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, von jedem mit dem Internet verbundenen PC aus eine virtuelle Verbindung mit dem Intranet der Universität herzustellen. Man spricht dann von einem Virtual Private Network (VPN). Sobald die VPN-Verbindung hergestellt ist, können Sie von ihrem heimischen PC aus die kompletten Angebote des DBIS Augsburg nutzen.

Um eine VPN-Verbindung einzurichten, müssen Sie den bereits vorkonfigurierten VPN Client von den Seiten des Rechenzentrums herunterladen und installieren: http://www.rz.uni-augsburg.de/anleitungen/vpn. Danach können Sie normalerweise sofort die Verbindung herstellen, wobei Sie zur Authentifizierung nur Ihre normale Benutzerkennung und Ihr Passwort benötigen. Falls Sie eine Firewall verwenden, kann es mitunter zu Problemen kommen.

Zur Nutzung des WLAN in den Lesesälen der UB benötigen Sie übrigens denselben VPN Client – eine Installation lohnt also doppelt!

6.4.2.3    Volltextarchive/Buchsuchen:

Völlig neue Möglichkeiten der Literatursuche eröffnen Buchsuchen wie Google Books (http://books.google.de), das vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels gestartete Libreka (http://www.libreka.de) oder amazons A9 (http://a9.com). Hier kann jeweils der komplett digitalisierte Volltext der aufgenommenen Bücher abgefragt werden. Sofern das Copyright bereits abgelaufen ist, können bei Google Books sogar ganze Bücher heruntergeladen werden. Ein Zugriff auf den Volltext ist bei noch urheberrechtlich geschützten Werken natürlich nicht möglich, doch können die genauen Seitenangaben für die Treffer abgefragt werden. Von vornherein auf die Anzeige kompletter Bücher ausgelegt sind Textarchive wie das Internet Archive (http://www.archive.org, nur ältere, mittlerweile gemeinfreie Titel), Scribd (http://www.scribd.com, manche Angebote urheberrechtlich wohl problematisch, sehr gute Benutzeroberfläche) und PaperC (http://paperc.de, Lesezeit eingeschränkt, Bezahlangebot zur Anfertigung elektronischer Seitenkopien). Noch sind die digitalisierten Inhalte sehr ungleichmäßig verteilt, abhängig von der Kooperationsbereitschaft einzelner Verlage und Bibliotheken. Dennoch ist zu erwarten, dass dieser Art der Literaturrecherche langfristig die Zukunft gehören wird. Wohin die Reise geht, zeigt bereits die Verlinkung von Suchtreffern mit Google Books- bzw. Libreka-Angeboten in der neuesten Version des lokalen webOPAC. Hinzu kommt, dass auch wissenschaftliche Zeitschriften zunehmend in elektronischer Form angeboten werden und ältere Bände für große Archive digitalisiert werden – am bedeutendsten sind JSTOR (http://www.jstor.org, noch englischsprachig dominiert, sehr umfangreich), Persée (http://www.persee.fr, ausschließlich französischsprachig) und Digizeitschriften (http://www.digizeitschriften.de, ausschließlich deutschsprachig, noch keine Durchsuchbarkeit der Digitalisate im Volltext). Den technischen Standard setzt JSTOR, das zunehmend auch deutschsprachige Zeitschriften aufnimmt (z. B. Historia und ZPE). Da eine einfache Google-Suche Ergebnisse aus allen genannten Datenquellen liefert, ist sie mittlerweile auch für wissenschaftliche Zwecke ein ausgezeichnetes Rechercheinstrument, das gerade bei speziellen Fragestellungen oft hilfreicher ist als die klassischen Hilfsmittel. Für die geschichtswissenschaftliche Arbeit weniger hilfreich, da stark naturwissenschaftlich ausgerichtet, ist bis jetzt hingegen Google Scholar (http://scholar.google.de).

6.4.2.4    Bibliothekskataloge:

Lohnen kann schließlich auch die Recherche in Bibliothekskatalogen:

  1. Verbundkataloge wie BVB und KVK:
    Gerade der BVB ist aufgrund des Sammelschwerpunktes der Bayerischen Staatsbibliothek im Bereich Altertumswissenschaft und der Möglichkeit der Notationssuche ein sehr mächtiges Suchwerkzeug, das allerdings nur die monographische Literatur erfasst – wenigstens sofern im Gateway Bayern keine zusätzlichen Datenbanken wie die Aufsatzdatenbank des BVB oder JADE für die Suche aktiviert wurden. Seit geraumer Zeit stehen im Rahmen des BVB für viele Neuerscheinungen auch die Inhaltsverzeichnisse zur Verfügung. Dies ist besonders bei Sammelbänden oft eine hilfreiche Dienstleistung. In der neuesten Version des Gateway Bayern (http://www.gateway-bayern.de) sind diese Inhaltsverzeichnisse nun auch direkt über die allgemeine Suchfunktion im Volltext recherchierbar. Damit nähert sich der Bibliothekskatalog in seinen Erschließungsmöglichkeiten den Fachbibliographien an.

  2. Kataloge von altertumswissenschaftlichen Fachbibliotheken
    Im Vergleich mit „normalen“ Bibliothekskatalogen ist hier natürlich die Zahl der Fehltreffer viel geringer. Nützliche Adressen sind exempli gratia:

  1. Virtueller Katalog Theologie und Kirche (VThK): http://www.vthk.de.
    Metasuche in den Katalogen theologischer Fachbibliotheken im deutschen Sprachraum. Teilweise werden auch Zeitschrifteninhaltsverzeichnisse ausgewertet; der Datenbestand des ehemaligen Kirchlichen Verbundkataloges (KiVK) ist integriert. Ein vergleichbares Instrument für den Bereich der Alten Geschichte im engeren Sinne wäre sehr erwünscht.

6.4.2.5    Spezialbibliographien:

Daneben finden Sie im Internet eine Reihe von Datenbanken zu Spezialthemen, die Ihnen das Leben zusätzlich erleichtern:

  1. Bibliotheca Classica Selecta (BCS): Das Portal bietet für das Bibliographieren vor allem mit einer inhaltlich gegliederten Einsteigerbibliographie (BCS-BOR unter http://bcs.fltr.ucl.ac.be/BOPlan.html) und einer Datenbank mit den Inhaltsverzeichnissen wichtiger altertumswissenschaftlicher Zeitschriften (TOCS-IN unter http://bcs.fltr.ucl.ac.be/TOCS-IN/default.htm) wichtige Hilfestellung.

  2. Bibliothèque des sciences de l’antiquité: http://bsa.biblio.univ-lille3.fr/bibliographies.htm.
    Sammlung von Auswahlbibliographien. Gegenwärtig liegen Literatursammlungen zu folgenden Themen vor: Ptolemaica (Ägypten in hellenistischer Zeit), Lucretius (De rerum natura Buch 3), Curtius Rufus (Bücher 8-10), Aristoteles (Rezeption im 19. Jh.), Polemos (Krieg in Griechenland von der Schlacht bei Marathon bis zum Tod Alexanders d. Gr.), Gesellschaft und Wirtschaft im alten Griechenland, Epiros, Skythen, Philodemos, Pausanias, Hadrian.

  3. Atlas Bibliographique de l’Antiquité Classique (ABAC): http://bsa.biblio.univ-lille3.fr/abac/abacaccueil.
    Interaktive Karten ermöglichen einen zielgerichteten Zugriff auf archäologische Literatur zu bestimmten Fundorten. Bis jetzt liegt der Abschnitt über Britannien vor.

  4. Numismatic Index of Periodicals (NIP): http://www.harrybassfoundation.org/search_numlit.asp.

  5. Numismatic Literature (NumLit): http://www.numismatics.org/Numlit/Numlit.

  6. Nestor – Bibliographie zum vorklassischen Griechenland bis in homerische Zeit: http://classics.uc.edu/nestor

  7. Chloris – An Aegean Bronze Age Bibliography: http://www.chass.utoronto.ca/fine_arts/chloris/srchMain.html.

  8. Teiresias – a bibliography of Boiotian studies: http://collection.nlc-bnc.ca/100/201/300/teiresias.

  9. Bulletin d’Histoire Achéménide: http://www.achemenet.com.
    PDF-Fassungen der in der Zeitschrift Topoi abgedruckten bzw. als Monographie publizierten Literaturberichte von Pierre Briant im Rahmen des vorzüglichen Achemenet-Projektes, das auch eine Vielzahl von Quellendokumenten erschließt.

  10. Nomoi – Bibliographie zur griechischen Rechtsgeschichte: http://www.sfu.ca/nomoi.

  11. Alexander the Great – a bibliography: http://hum.ucalgary.ca/wheckel/alexande.htm.
    Neben einer 1300 Einträge umfassenden allgemeinen Bibliographie zu Alexander d. Gr. bietet Waldemar Heckel von der Universität Calgary auf dieser Seite auch thematische Auszüge zu spezielleren Themenstellungen und eine Literaturliste zur Geschichte der Diadochen.

  12. Hellenistic Bibliography: http://132.229.7.185/letteren/opleiding/klassieketalen/index.php3?m=&c=86.
    Von Martine Cuypers kompilierte umfassende Bibliographie zur hellenistischen Dichtung (ca. 17.350 Titel), die aber auch wertvolle Abschnitte zur hellenistischen Geschichte, zum ptolemaiischen Ägypten sowie zu den Bereichen Ideologie/Patronage enthält.

  13. Index zu ANRW: http://www.cs.uky.edu/~raphael/scaife/anrw.html.

  14. Neue Forschungen zur Spätantike (1990-2002): http://userpage.fu-berlin.de/~antike/fmi/antike/Bibliographie.html.

  15. Bibliographie Biblique Informatisée de Lausanne (BiBIL): https://wwwdbunil.unil.ch/bibil//bi/de/bibilhome.html.
    Erschließt die indexierte Literatur über eine differenzierte Suchmaske und ermöglicht den direkten Export von Suchergebnissen in die Literaturverwaltungsprogramme Endnote und Reference Manager.

  16. Pinax Online: http://perswww.kuleuven.ac.be/~u0013314/pinaxonline.html.
    Zusammenstellung bibliographischer Webressourcen zur griechischen Geschichte.

  17. Ancient Greek Costume: http://scholar.library.csi.cuny.edu/roccos/greekcostume.
    Von Linda Jones Roccos kompilierte Bibliographie zu allen Aspekten altgriechischer Kleidung.

  18. Bibliographien zur Black Athena-Debatte: http://www.shikanda.net/afrocentrism/bibliobla.htm.

Daneben sollten Sie das exzellente Verzeichnis von Alessandro Cristofori (http://www.rassegna.unibo.it/rassegna/bibliogr.html) konsultieren.

In den Standardbibliographien teilweise nicht erschlossen sind einige nur in elektronischer Form publizierte Zeitschriften, die gleichwohl interessante Artikel enthalten können:

  1. Göttinger Forum für Altertumswissenschaft (GFA): http://gfa.gbv.de.

  2. Princeton/Stanford Working Papers in Classics (PSWPC): http://www.princeton.edu/~pswpc.
    Unter „working papers“ versteht man Vorabpublikationen, die oft noch ein work in progress darstellen. Beim der Zitieren ist daher stets die Textversion anzugeben!

  3. Folia Electronica Classica (FEC): http://bcs.fltr.ucl.ac.be/fe/default.htm.

  4. Didaskalia: http://www.didaskalia.net.
    Zeitschrift zum antiken Theater und seiner Rezeption.

  5. Digressus: http://www.digressus.org.

  6. Leeds International Classical Studies: http://www.leeds.ac.uk/classics/lics.

  7. HISTOS (eingestellt): http://www.dur.ac.uk/Classics/histos.

  8. Electronic Antiquity: http://scholar.lib.vt.edu/ejournals/ElAnt.

  9. Studia Humaniora Tartuensia (SHT): http://www.ut.ee/klassik/sht.

  10. Classics@: http://chs.harvard.edu/publications.sec/classics.ssp.

  11. Dictynna: http://dictynna.revue.univ-lille3.fr.

  12. Ancient Narrative: http://www.ancientnarrative.com.

  13. Frankfurter elektronische Rundschau zur Altertumskunde (FeRA): http://www.fera-journal.eu.

Unter Zuhilfenahme dieser Hilfsmittel werden Sie sehr schnell weit mehr Fachliteratur nachweisen als sie in Ihrem ganzen Studium lesen können. Um die allerneuesten Aufsätze zu finden, können Sie noch die aktuellen Ausgaben altertumswissenschaftlicher Fachzeitschriften von Hand durchsehen. Die eigentlichen Schwierigkeiten bei der Bearbeitung eines Themas beginnen jedoch erst nach der mechanischen Tätigkeit des Bibliographierens.

6.5    Exzerpieren

Sobald Sie eine Literaturangabe entdeckt haben, müssen Sie natürlich überprüfen, ob sich hinter einem interessant klingenden Titel auch tatsächlich etwas für Ihr Thema einschlägiges verbirgt. Besonders, wenn eine kostenpflichtige Fernleihe notwendig wird, wüsste man das natürlich gerne schon vor der eigentlichen Lektüre. Hier gibt es zwei Hilfsmittel:

  1. Aufsätze in Zeitschriften und Sammelbänden: In der APh finden sich zu vielen – aber nicht allen – Aufsätzen kurze Inhaltsangaben, die eine genauere Einordnung ermöglichen.

  2. Monographien und Sammelbände: Hier hilft die APh nicht weiter. Dafür werden in vielen historischen Zeitschriften und besonders einigen speziellen Rezensionszeitschriften Besprechungen dieser Publikationen veröffentlicht, die eine kurze Inhaltsangabe und eine Einordnung in die Forschungslandschaft enthalten. Gute Rezensionen sind oft der schnellste Weg, sich einen Überblick über ein neues Themengebiet zu verschaffen. Man findet Rezensionen

  1. über die Verweise in APh, Gnomon, Dyabola und IBR.

  2. gebündelt in den Rezensionszeitschriften Gnomon und Classical Review (CR), sowie den Rezensionsteilen fast aller Fachzeitschriften.

  3. in den frei zugänglichen Internetangeboten

Eine Metasuche in diesen drei Publikationen ist über das Angebot Historische Rezensionen Online (HOR) unter http://www.clio-online.de/rezensionenmöglich.

Ist eine vorliegende Publikation wirklich relevant, sollten Sie sofort die kompletten bibliographischen Daten erfassen, damit Sie später nicht für ein Zitat eine langwierige Suche beginnen müssen. Es kommt immer wieder vor, dass Studenten viele Kopien anfertigen, ohne ihre Quelle zu vermerken, und dann bei der Abfassung ihrer Hausarbeiten die entnommenen Zitate nicht mehr nachweisen können. Vermeiden Sie diesen Fehler von Anfang an! Folgende Angaben müssen in einem bibliographischen Datensatz enthalten sein:

  1. Monographie: Autor(en), Titel, Untertitel, Erscheinungsort, Erscheinungsjahr, ggf. Reihentitel.

  2. Abschlussarbeit (Dissertation, Magisterarbeit, Habilitation): Autor, Titel, Untertitel, Art der Arbeit (Diss., Habil. usw.), Universität, Erscheinungsjahr.

  3. Sammelband: Herausgeber, Titel, Untertitel, Erscheinungsort, Erscheinungsjahr, ggf. Reihentitel.

  4. Aufsatz in Sammelband: Autor(en), Titel, in: Herausgeber, Titel, Untertitel, Erscheinungsort, Erscheinungsjahr, ggf. Reihentitel, Seiten.

  5. Aufsatz in Lexikon: Autor(en), Lemma, Lexikon, Band, Erscheinungsjahr, Seiten/Spalten.

  6. Aufsatz in Zeitschrift: Autor(en), Titel, in: Zeitschrift, Band, Erscheinungsjahr, Seiten.

Abkürzungen

Ein leidiges Thema. Im Bereich der Altertumswissenschaften ist es üblich, viele Lexika und Zeitschriften nur durch Abkürzungen zu bezeichnen, um die Anmerkungsapparate und Literaturverzeichnisse nicht zu sehr aufzublähen. Für den Anfänger sind diese kryptischen Kürzel oft schwer verständlich: Was verbirgt sich hinter ZPE, JHS, CL, CPh, CR, AHB usw.? Einige Abkürzungen für die wichtigsten Lexika kennen Sie bereits: RE, LAW, KlP, DNP, OCD3, RAC. Die Kürzel für die Zeitschriften orientieren sich in althistorischer Literatur in der Regel an der Liste, die Sie am Beginn jedes Druckbandes der APh oder in deren elektronischer Version finden. Bedenken Sie dabei, dass in den Druckbänden jeweils nur die im jeweiligen Berichtsjahr ausgewerteten Zeitschriften aufgeführt werden! Das Centro Italiano dell’Année Philologique hat deshalb eine elektronische Kompilation aller Abkürzungsverzeichnisse der einzelnen APh-Bände erstellt, die unter http://www.aristarchus.unige.it/ciaph/siglario.php durchsucht werden kann. Für die teilweise abweichenden Abkürzungen in archäologischer Fachliteratur sollte man Dyabola konsultieren.

Seit einiger Zeit steht unter http://www.archeolinks.com/aristarchos.htm auch das Programm Aristarchos kostenlos zur Verfügung, das über eine bequeme Datenbanksuche die Auflösung von Abkürzungen nach Dyabola, APh, AJA und Enciclopedia dell’arte antica ermöglicht. Umgekehrt können auch die entsprechenden Abkürzungen für vorliegende Zeitschriftentitel ermittelt werden. Benutzung empfohlen!

Wer es lieber gedruckt mag, kann sich an Wellington, Jean S.: Dictionary of bibliographic abbreviations found in the scholarship of classical studies and related disciplines, Westport 2003 (2. überarb. u. erw. Aufl.) halten.

Sie sollten sich in jedem Fall frühzeitig an die Verwendung dieser Kürzel gewöhnen. Ihr Gebrauch ist für Ihre Seminararbeit obligatorisch!

In welcher Form Sie die oben genannten Angaben aufnehmen und später zitieren, ist im Prinzip Ihre Sache. Ein Blick in die Fachliteratur lehrt, dass jede Zeitschrift und jeder Sammelband seine eigenen Zitierrichtlinien hat. Wichtig ist aber, dass die oben genannten Angaben vollständig und nach einem konsequent durchgehaltenen System präsentiert werden.

Vermehrt sind Volltexte von Zeitschriften, aber auch Büchern im Internet verfügbar. Hier eine Auswahl an frei zugänglichen Angeboten:

  1. Greek, Roman, and Byzantine Studies (GBRS), 2004-2008: http://www.duke.edu/web/classics/grbs/index.html

  2. Illinois Classical Studies (ICS), 1976-1998:
    https://www.ideals.uiuc.edu/handle/2142/10684

  3. Rheinisches Museum für Philologie (RhM), 1950-2005: http://www.rhm.uni-koeln.de

  4. Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik (ZPE), 1988-2000: http://www.uni-koeln.de/phil-fak/ifa/zpe/index.html

  5. Epigraphica Anatolica (EA), 2003-2006: http://www.uni-koeln.de/phil-fak/ifa/epanat

  6. Faventia, 1979-2007: http://ddd.uab.es/record/21

  7. Cuadernos de filología clásica (CFC), 1971-1990: http://www.ucm.es/BUCM/revistasBUC/portal/modulos.php?name=Revistas2&id=CFCA

  8. Cuadernos de filología clásica, Estudios griegos e indoeuropeos (CFC(G)), 1991-2007: http://www.ucm.es/BUCM/revistasBUC/portal/modules.php?name=Revistas2&id=CFCG

  9. Cuadernos de filología clásica. Estudios Latinos (CFC(L)), 1991-2007: http://www.ucm.es/BUCM/revistasBUC/portal/modules.php?name=Revistas2&id=CFCL

  10. Gérion, 1983-2007: http://revistas.ucm.es/portal/modulos.php?name=Revistas2&id=GERI

  11. Hispania Epigraphica (HEp), 1989-2007: http://www.ucm.es/BUCM/revistasBUC/portal/modulos.php?name=Revistas2&id=HIEP

  12. Emerita, 1996-2006: http://emerita.revistas.csic.es/index.php/emerita

  13. Tekmeria, 1995-2008: http://www.tekmeria.org

  14. Bulletin of the American Papyrological Society (BASP), 1963-2007: http://quod.lib.umich.edu/b/basp

  15. Revue Internationale des Droits de l’Antiquité (RIDA), 1997-2005: http://www.ulg.ac.be/vinitor/rida

  16. Annales, 1929-2002: http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/revue/ahess

  17. Bulletin de correspondance hellénique (BCH), 1877-2003: http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/revue/bch

  18. Comptes-rendus des séances de l'Académie des Inscriptions et Belles-Lettres (CRAI), 1950-2005: http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/revue/crai

  19. Dialogues d’histoire ancienne (DHA), 1974-2005: http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/revue/dha

  20. Mélanges d’École française de Rome (MEFRA), 1881-1999: http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/revue/mefr

  21. Mètis, 1986-1998: http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/revue/metis

  22. Revue de l’histoire des religions (RHR), 1946-2004: http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/revue/rhr

  23. Philologus, 1920-1938: http://gallica2.bnf.fr/ark:/12148/cb34469666m/date

  24. Hermes, 1866-1938: Suche unter http://gallica.bnf.fr (nicht als Zeitschrift erfasst, sondern Einzelbände), bis 1892 auch unter http://www.digizeitschriften.de/resolveppn/PPN509862098

  25. Revue des études anciennes (REA), 1899-1938: http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/cb328584003/date

  26. Dumbarton Oaks Papers (DOP), 1999-2003: http://www.doaks.org/publications/doaks_online_publications.html

  27. Themis, 1827-1841: http://dlib-zs.mpier.mpg.de/mj/kleioc/0010/exec/series/%222173789-7%22

  28. Zeitschrift des Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Romanistische Abteilung (ZRG), 1880-1919: http://dlib-zs.mpier.mpg.de/mj/kleioc/0010MFER/exec/series/%222085098-0%22

  29. Collections de l’Ecole française d’Athènes en ligne (CEFAEL):http://cefael.efa.gr

  30. eScholarship Editions der University of California: http://www.escholarship.org/editions

Hinzu kommen die kostenpflichtigen Digitalausgaben der Verlagshäuser und Zeitschriftenarchive wie das Periodicals Archive Online (PAO), ein Schwesterprojekt des Periodicals Index Online (PIO), das wie dieser in Deutschland als Nationallizenz verfügbar ist. Im Rahmen des JSTOR-Projektes sind die maßgeblichen englischsprachigen Fachzeitschriften digitalisiert und im Volltext durchsuchbar; im deutschsprachigen Bereich arbeitet der von einigen Bibliotheken getragene Verein DigiZeitschriften am Aufbau eines ähnlichen Datenbestandes und auch JSTOR erfasst neuerdings deutschsprachige Zeitschriften. Viele französische Fachzeitschriften sind auf der Plattform Persée verfügbar. Seit kurzem ist die Benutzung von JSTOR über eine Nationallizenz in Deutschland flächendeckend möglich. Was jeweils genau über das Universitätsnetz abrufbar ist, lässt sich leicht über die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) ermitteln: http://rzblx1.uni-regensburg.de/ezeit/index.phtml?bibid=AAAAA&colors=7&lang=de.

Das Durcharbeiten der Literatur beginnt man am besten (schon wegen des unsystematischen Bibliographierens) mit den neuesten Titeln. Ob Sie lieber Exzerpte anfertigen (handschriftlich oder mit dem Computer) oder in Kopien Anstreichungen vornehmen, hängt von persönlichen Vorlieben ab. Eine Gefahr des xerographischen Zeitalters ist allerdings, mehr zu kopieren als man lesen kann bzw. zu viel Zeit mit Kopieren zu vertun. Häufen Sie also keinesfalls zu Beginn Ihrer Arbeit tonnenweise Kopien an, in der Hoffnung, das alles noch durcharbeiten zu können. Dasselbe gilt mutatis mutandis natürlich auch für die Abspeicherung von Digitalisaten.

Arbeiten Sie für Ihr Referat wenigstens drei oder vier Aufsätze gründlich durch, d. h. gehen Sie den Literatur- und v. a. Quellenbelegen nach. Je früher Sie sich mit den Quellen vertraut machen, desto schneller können Sie die in der Literatur geäußerten Forschungsmeinungen einschätzen. Erstellen Sie sich parallel zur Lektüre der Sekundärliteratur eine Quellensammlung, in der sie die Stellenangaben mit einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung oder ggf. auch dem Volltext zusammenstellen. Dann müssen Sie für Ihr Thesenpapier später nur noch eine Auswahl aus diesem Fundus treffen.

6.6    Das eigene Bücherregal

Gerade wenn Sie später einmal nicht ständigen Zugang zu einer gut ausgestatteten Bibliothek haben, werden Sie – etwa bei der Unterrichtsvorbereitung – den Vorteil einer heimischen Handbibliothek schätzen lernen. Hier ein Vorschlag, welche Bücher durch einen langfristig hohen Nutzwert ihre Anschaffung auch für den Nichtspezialisten rechtfertigen:

  1. Der Kleine Pauly: 98 €.
    Ein gutes Handlexikon leistet unschätzbare Dienste bei der oft auftretenden Frage: Wie war das gleich mit…? Weil der KlP auch Quellenbelege auflistet, macht er von der Auswahl der Schulbücher etwas unabhängiger. Im Vergleich zum einbändigen OCD3 für ca. 140 € ist der KlP mit seinen fünf Bänden ein Schnäppchen.

  2. Die Geschichte des antiken Griechenland und Die Geschichte des antiken Rom: jeweils 14,95 €.
    Preisgünstige Neuauflage der ehemaligen dtv-Geschichte der Antike. Vorzügliche Gesamtdarstellung der Alten Geschichte mit vielen Quellenzitaten. Hervorragende Lektüre zur Auffrischung verschütteter Kenntnisse. Für diesen Preis eigentlich ein Muss.

  3. Bleicken, Jochen: Die athenische Demokratie (= UTB 1330), Paderborn 1995 (4. völlig überarb. u. erw. Aufl.): 21,90 €.
    Referenzwerk zur höchst lehrplanrelevanten athenischen Demokratie. Lassen Sie sich keine frühere Auflage andrehen, diesen fehlt der Forschungsteil am Ende!

  4. Schmitt, Hatto H. (Hg.): Kleines Lexikon des Hellenismus. Studienausgabe, Wiesbaden 2003: 24,80 €.
    Bietet mit seinen breit angelegten Überblicksartikeln den besten verfügbaren Einstieg in die komplexe Periode des Hellenismus. (Ja, das steht auch im Lehrplan!)

  5. Bleicken, Jochen: Die Verfassung der römischen Republik. Grundlagen und Entwicklung (= UTB 460), Paderborn 1999 (8. Aufl): 16,90 €.

  6. Bleicken, Jochen: Verfassungs- und Sozialgeschichte des römischen Kaiserreiches. [2 Bde.] (= UTB 838-839), Paderborn 1995 (4. Aufl.) und 1994 (3. verb. Aufl.): jeweils 16,90 €.
    Alle drei Bände sind mittlerweile nicht mehr ganz taufrisch, bieten aber immer noch den besten Überblick zur staatsexamensrelevanten römischen Staatskunde.

  7. Czysz, Wolfgang/Dietz, Werner/Fischer, Thomas/Kellner, Hans-Jörg: Die Römer in Bayern, Hamburg 2005: 14,95 €.
    Preisgünstige Neuauflage des Standardhandbuches zur römischen Präsenz im Gebiet des heutigen Bayern. Neben historischen und systematischen Überblicksartikeln informiert ein topographischer Anhang über alle wichtigen Ausgrabungsstätten.

WICHTIG!!! Nach Lehrplan müssen Sie auch ägyptische Geschichte, insbesondere auch Religionsgeschichte behandeln, wofür aber in der LPO I sinnigerweise gar keine Vorgaben gemacht werden und entsprechend auch keine Lehrkapazitäten an den Universitäten zur Verfügung stehen. Empfehlenswert sind:

  1. Hornung, Erik: Grundzüge der ägyptischen Geschichte, Darmstadt 2011 (7. aktual. Aufl.): 19,90 €, 14,90 € über die WBG.

  2. Ders.: Einführung in die Ägyptologie. Stand, Methoden, Aufgaben, Darmstadt 2010 (7. Aufl.): 19,90 €, 14,90 € über die WBG.

  3. Ders.: Geist der Pharaonenzeit, Düsseldorf 2005: 7,95 €.

  4. Ders.: Der Eine und die Vielen. Altägyptische Götterwelt, Darmstadt 2005 (6. überarb. Aufl.): 29,90 €, 24,90 € über die WBG.
    Der im Lehrplan vorausgesetzte Gegensatz zwischen Polytheismus und Monotheismus ist gerade auf die altägyptische Religion tatsächlich kaum anzuwenden. Wer sich mit der Frage wirklich fundiert und abseits der üblichen Klischees beschäftigen will, kommt an dieser schon wegen der Fremdheit des Gegenstandes nicht immer ganz leicht konsumierbaren Studie nicht vorbei.

  5. Shaw, Ian: The Oxford history of ancient Egypt, Oxford 2003: ca. 17 €.
    Reflektiert im Vergleich zur oben genannten Einführung von Erik Hornung auch neuere, teilweise revisionistische Forschungspositionen.

Viele der genannten Bücher lassen sich zu einem günstigeren Preis gebraucht über amazon.de oder antiquarisch (Metasuche über eurobuch.com) erwerben.