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11.    Papyrologie

11.1    Gegenstand

Die Abgrenzung der Papyrologie als eigenständiger Disziplin von Epigraphik und Klassischer Philologie ist nicht unproblematisch. Insbesondere Ulrich Wilcken, der Gründervater der modernen Papyrologie, plädierte etwa für einen Ausschluss der literarischen Papyri – gemeint sind solche, die literarische Texte überliefern –, da diese in das Aufgabengebiet des Klassischen Philologen fallen würden. Diese Beschränkung der Papyrologie auf dokumentarische Texte hat freilich Widerspruch hervorgerufen. Ähnlich wie die Epigraphik definiert sich die Papyrologie nicht ausschließlich über die physische Qualität, sondern auch den Fundort ihres Gegenstandes. Neben Papyri behandelt der Papyrologe auch Ostraka, Schreibtafeln aus Holz und teilweise sogar Inschriften – soweit die Texte in Ägypten gefunden wurden. Papyri haben sich nur in Gebieten mit extremer Trockenheit (Ägypten südlich von Kairo, Palästina; z. B. die berühmten Funde im ägyptischen Oxyrhynchos: http://www.csad.ox.ac.uk/POxy/VExhibition/vexhframe_hi.htm und http://www.csad.ox.ac.uk/POxy/frame1.htm) bzw. unter Sonderbedingungen (z. B. die karbonisierten Papyri von Herculaneum) erhalten. Die meisten Papyri stammen aus griechisch-römischer Zeit, da erst die Erfindung des kálamos im 3. Jh. v. Chr. eine breite Schriftkultur möglich machte: Mit dem Aufkommen dieser starren, an der Spitze gespaltenen Schreibfeder konnte sich eine alltagstaugliche Kursivschrift entwickeln. Aufgrund dieser geographisch und chronologisch ungleichmäßigen Fundverteilung hat sich die Papyrologie als ein Wissenschaftszweig etabliert, der sich der Erforschung von Papyri im Allgemeinen, sowie von griechischen und lateinischen Texten aus Ägypten als Ausdruck von dessen Geschichte und Kultur in griechisch-römischer Zeit im Besonderen widmet. Der besondere Wert der Papyrusquellen liegt darin, dass es sich in der ganz überwiegenden Mehrheit um sonst aus der Antike so spärlich überliefertes dokumentarisches Material handelt, also Primär- bzw. Überrestquellen. Außerdem erlauben uns Papyri einen Blick auf das Alltagsleben der Menschen in der Antike, liefern uns wertvolle Informationen zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Nicht zu Unrecht hat man daher davon gesprochen, dass die Papyri Geschichte „from a worm’s eye perspective“ bieten.

Die wichtigste Aufgabe der Papyrologie ist die Edition der aufgefundenen Textzeugen. Es handelt sich hier um eine ausgesprochen anspruchsvolle Aufgabe, da sich die meisten Papyri in einem äußerst schlechten Erhaltungszustand befinden, und vor allem die dokumentarischen Texte überdies meist in Kursivschrift abgefasst sind, also dem Äquivalent der modernen Schreibschrift. Wie bei vielen Zeitgenossen kann diese Kursive bis hin zu kryptischen Wellenlinien degenerieren, so dass eine Lesung viel Erfahrung voraussetzt. Ähnlich wie für den Epigraphiker sind für den Papyrologen eine lange Erfahrung und der intensive Austausch mit Fachgenossen von zentraler Bedeutung. Für papyrologische Editionen wurde ursprünglich das bereits behandelte Leidener Klammersystem entwickelt, das nun auch in der Epigraphik und bei der Edition mittelalterlicher Codices Verwendung findet. Die Edition erfolgt zumeist in Bänden, die jeweils die Bestände einer bestimmten Papyrussammlung bzw. die Funde von einer bestimmten Grabungsstelle enthalten.

11.2    Zitierweise

Zitiert werden Papyri meist nach diesen Editionen: P. [xy], z. B. P. Lond. ~ Papyrus Londiniensis, P. Berol. ~ Papyrus Berolinensis usw. Freilich gibt es auch Ausnahmen: So werden die Texte des sogenannten Babatha-Archives nach dem vor der Publikation verstorbenen Entdecker als P. Yad. ~ Papyri Yadin zitiert. Editionen von Ostraka werden als O. [xy], solche von Holz- bzw. Wachstäfelchen als T. [xy] (für tabulae)abgekürzt. Texte, die außerhalb dieser großen Ausgaben publiziert wurden, werden in regelmäßigen Abständen in dem von Friedrich Preisigke begründeten Sammelbuchgriechischer Urkunden aus Ägypten zusammengestellt und sollten dann als SB [Band],[Textnummer] zitiert werden. In Anlehnung an dieses Sammelbuch erscheint seit 1993 auch ein Koptisches Sammelbuch, in dem Editionen koptischer Papyri nach Sachgruppen zusammengestellt sind – freilich auch solche, die im Rahmen von Sammlungspublikationen erschienen sind; zu zitieren sind solche Texte als KSB [Band],[Textnummer]. Werden zu bereits edierten dokumentarischen Papyri Neulesungen vorgeschlagen, werden diese in der Berichtigungsliste der griechischen Papyrusurkunden aus Ägypten (BL) aufgenommen. Die Bände von SB und BL erfüllen also für den Papyrologen eine ähnliche Funktion wie AE und SEG für den Epigraphiker. Zumindest für den Nicht-Papyrologen ist dieses System oft schwer zu durchschauen, unverzichtbar ist daher:

Oates, John F./Bagnall, Roger S./Clackson, Sarah J./O’Brien, Alexandra A./Sosin, Joshua D./Wilfong, Terry G./Worp, Klaas A.: Checklist of editions of Greek, Latin, Demotic and Coptic papyri, ostraca and tablets: http://scriptorium.lib.duke.edu/papyrus/texts/ clist.html.
Hier finden Sie in autoritativer Form die zu verwendenden Abkürzungen für papyrologische Editionen gesammelt. Die Rubrik Instrumenta enthält außerdem eine gute Basisbibliographie papyrologischer Arbeitsmittel.

11.3    Bibliographie

Die Fondation Égyptologique Reine Élisabeth in Brüssel gibt seit 1932 die auf Vollständigkeit zielende Bibliographie Papyrologique heraus, seit einigen Jahren auch in elektronischer Form als Filemaker-Datenbank. Die Jahrgänge 1960-1999 wurden im Jahr 2000 auf der CD-ROM Subsidia Papyrologica 1.0 zusammen mit dem damals aktuellen Stand des Heidelberger Gesamtverzeichnisses (s. unten Kap. 11.4 ) zugänglich gemacht (weitere Informationen unter http://www.ulb.ac.be/philo/cpeg/bp.htm).

Eine Einführung in die Benutzung von Papyri als Quelle durch den Historiker bieten:

Bagnall, Roger S.: Reading papyri, writing ancient history (= Approaching the ancient world), London/New York 1995.
Ein brillantes Buch, das nicht nur in die Methodik der Papyrologie einführt, sondern am Beispiel der Papyrologie allgemeine methodische Probleme der Alten Geschichte behandelt. Sehr aufschlussreich sind die Bemerkungen zum Verhältnis der Alten Geschichte/Papyrologie zur Anthropologie. Dass die Darstellung jeweils auf konkreten Forschungsbeispielen aufbaut, sorgt für Anschaulichkeit. Diese 112 Seiten sind eine Pflichtlektüre für jeden, der sich mit der Geschichte der Alten Welt befasst!

Nesselrath, Heinz-Günther (Hg.): Einleitung in die griechische Philologie (= Einleitung in die Altertumswissenschaft), Stuttgart 1997, S. 59-71.

Learning about papyrology: http://www.lib.umich.edu/papyrus-collection/learning-about-papyrology.
Teilweise interaktive Lerneinheiten zu antiken Schreibmaterialien, der Schreibkultur des griechisch-römischen Ägypten u. a. vermitteln einen farbigen Eindruck davon, was die Arbeit des Papyrologen ausmacht. Einen ersten Einstieg in die lateinische Paläographie kann man anhand der Entzifferung eines Papyrus mit Senecas Medea wagen. Hilfestellung wird gegeben!

Eine kurze Einführung in das Arbeitsgebiet der Papyrologie und die Neuordnung des Duke Papyrus Archive gibt Peter van Minen unter http://scriptorium.lib.duke.edu/papyrus.

Umfassendere Einleitungen in die Papyrologie bieten:

  1. Wilcken, Ulrich/Mitteis, Ludwig: Grundzüge und Chrestomathie der Papyruskunde. [4 Bde.], Berlin 1910-1912.
    Der Klassiker. Der Mommsen-Schüler Wilcken gehörte – nicht ohne Anregung durch den Meister selbst – zu den maßgeblichen Begründern der Papyrologie als eigenständiger Wissenschaftsdisziplin. Mitteis war einer der profiliertesten Rechtshistoriker seiner Zeit. Beide gaben einen in seinem umfassenden Zugriff bis heute unerreichten Überblick über das aus Papyri gewonnene Wissen über Verwaltung und Rechtsgeschichte Ägyptens in der Antike. Den beiden Darstellungsbänden („Grundzüge“) ist jeweils ein Band mit exemplarischen Texten („Chrestomathie“) beigesellt. Auch wenn durch Neufunde und Fortschritte in der Forschung manches überholt ist, bietet dieses monumentale Werk doch immer noch einen guten Einstieg in die Materie.

  2. Montevecchi, Orsolina: La papirologia (= Trattati e manuali), Mailand 1991 (3. durchg. u. erw. Aufl.).
    Das derzeit wohl beste Handbuch zur Papyrologie. Neben prägnanten Darstellungen zu Beschreibstoffen, Geschichte und Verwaltung Ägyptens in der Antike, Textgattungen, Wissenschaftsgeschichte u. a. finden sich ausführliche Literaturhinweise, Listen mit zentralen Texten, überlieferten antiken Archiven, wichtigen Papyrussammlungen und editionen, in den Papyri häufig verwendeten Abkürzungen, datierter Papyri (wichtig für paläographische Vergleiche!) und schließlich 183 Seiten Tafelwerk mit Transkriptionen, das Leseübungen ermöglicht. Leider ist eine seit längerer Zeit angekündigte englische Übersetzung bis heute nicht erschienen.

  3. Bagnall, Robert S. (Hg.): The Oxford handbook of papyrology, Oxford 2009.

  4. Turner, Eric G.: Greek papyri: an introduction, Oxford 1980.

  5. Pestman, Pieter W.: The new papyrological primer, Leiden 1994 (2. überarb. Aufl.).
    Sammlung von kommentierten (aber nicht übersetzten!) repräsentativen Beispieltexten (nur teilweise mit Bildtafeln). Am Beginn des Buches findet sich eine knappe, aber sehr übersichtliche und praktisch orientierte Einleitung in die Papyrologie. Gerade für den Anfänger sehr hilfreich ist die paläographische Tabelle, die einen chronologisch geordneten Überblick über die in Papyri vorkommenden Buchstabenformen gibt.

  6. Rupprecht, Hans-Albert: Kleine Einführung in die Papyruskunde (= Die Altertumswissenschaft), Darmstadt 1994.
    Gut die Hälfte des Buches wird durch ausführliche Literaturhinweise in Anspruch genommen. Als Einführung für den Anfänger ist das Werk tatsächlich kaum zu empfehlen, da der Text auf konkrete Beispiele und selbst Erläuterungen etwa zu juristischen Fachbegriffen weitgehend verzichtet und daher ein erhebliches Vorwissen voraussetzt. Es handelt sich also eher um eine systematisierende Zusammenfassung des aus Papyri gewonnenen Realienwissens als eine wirkliche Einführung in die Papyrologie. Den größten Nutzwert entfaltet das Werk im Gebrauch als Handbuch zum Nachschlagen, das schnell zur grundlegenden Forschungsliteratur führt und die Angaben der älteren Handbücher auf den neuesten Stand bringt.

  7. Gallo, Italo: Avviamento alla papirologia greco-latina (= I manuali. 1), Neapel 1983.
    Interessant vor allem der nach Ländern geordnete Überblick über die wichtigsten Sammlungen und ihre Geschichte, das Kapitel über die Papyri aus Herculaneum, sowie die ausführliche Behandlung der Bedeutung literarischer Papyri. Das Buch liegt auch in englischer Übersetzung vor: Greek and Latin papyrology (= BICS Supplement. 54), London 1986.

  8. Capasso, Mario: Introduzione alla papirologia. Dalla pianta di papiro all’informatica papirologica, Bologna 2005.

  9. Capasso, Mario: Che cos’è la papirologia (= Le Bussole. 351), Rom 2009.

Alle genannten Werke befassen sich nicht oder nur am Rande mit der eigentlichen Lesung der Papyri. Während Inschriften – soweit in gutem Erhaltungszustand – meist leicht zu lesen sind, weil die verwendete Schrift in etwa unserer Buchschrift entspricht, ist dies zumindest bei den dokumentarischen Papyri nicht der Fall. Eine Beschäftigung mit der Entwicklung der Schriftformen, d. h. ein Studium der Paläographie ist hier notwendig:

  1. Seider, Richard: Paläographie der griechischen Papyri. [3 Bde.], Stuttgart 1967-1990.
    Unverzichtbares Tafelwerk zur griechischen Paläographie („Schriftkunde“). Der dritte Band sollte die eigentliche Darstellung enthalten, doch erlaubte der Tod des Autors nur noch die Fertigstellung des ersten Halbbandes mit der Paläographie der griechischen Papyri bis zum Ende der Ptolemaierzeit.

  2. Seider, Richard: Paläographie der lateinischen Papyri. [3 Bde.], Stuttgart 1972-1981.
    Entsprechendes Tafelwerk zur lateinischen Paläographie.

  3. Turner, Eric G.: Greek manuscripts of the ancient world (= BICS Suppl. 46), London 1987 (2. erw. Aufl.).

  4. Cavallo, Guglielmo/Maehler, Herwig: Hellenistic bookhands, Berlin/New York 2008.
    Hier kommen Sie zur BMCR-Rezension.

  5. Cavallo, Guglielmo/Maehler, Herwig: Greek bookhands of the early Byzantine period A.D. 300-800 (= BICS Suppl. 47), London 1987.

  6. Cavallo, Guglielmo: La scrittura greca e latina dei papiri. Una introduzione (= Studia erudita. 8), Pisa/Rom 2008.
    Hier kommen Sie zur BMCR-Rezension.

Eine zusätzliche Schwierigkeit ergibt sich daraus, dass die Papyri – wie teilweise auch die Inschriften – oftmals einen kolloquialen bzw. dialektalen Sprachstand abbilden. Die „normalen“ philologischen Hilfsmittel helfen deshalb nur bedingt weiter. Anzuwenden sind vielmehr:

  1. Preisigke, Friedrich/Kießling, Emil: Wörterbuch der griechischen Papyrusurkunden. [3 Bde.], Berlin 1925-1931.
    Erschließt das bis 1921 publizierte Material. Band IV (ersch. nur die Faszikel für α-ζ) sowie drei Supplementbände von 1971, 1991 und 2000 arbeiten die bis 1988 erschienen Texte auf. Eine aus neueren Publikationen kompilierte Wörterliste und ein entsprechender Konträrindex liegen unter http://www.papy.uni-hd.de/WL/WL.html vor.

  2. Preisigke, Friedrich/Littmann, Enno: Namenbuch, enthaltend alle griechischen, lateinischen, ägyptischen, hebräischen, arabischen und sonstigen semitischen und nichtsemitischen Menschennamen, soweit sie in griechischen Urkunden (Papyri, Ostraka, Inschriften, Mumienschildern usw.) Ägyptens sich vorfinden, Heidelberg 1922.

  3. Mayser, Edwin: Grammatik der griechischen Papyri aus der Ptolemäerzeit mit Einschluss der gleichzeitigen Ostraka und der in Ägypten verfaßten Inschriften. [2 Bde.], Berlin 1926-1970 (teilweise in 2. überarb. Aufl.).

  4. Palmer, Leonard R.: A grammar of the post-ptolemaic papyri, London 1946.
    Erschienen ist nur Bd. I,1 zur Morphologie.

  5. Gignac, Francis Th.: A grammar of the Greek papyri of the Roman and Byzantine periods. [2 Bde.] (= Testi e documenti per lo studio dell’antichità. 55), Mailand 1976-1981.

Ein kleiner Onlinekurs zur Lektüre von Papyri steht unter http://www.phf.uni-rostock.de/fkw/iaw/papyrologie/index.htm bereit: Anhand von 16 Beispielen kann der Nutzer seine Lesungen vom Computer überprüfen lassen. Hinzu kommen Abrisse zur Geschichte Ägyptens und Hinweise auf Hilfsmittel und Literatur. Sehr nützlich ist schließlich die von Traianos Gagos erstellte Select bibliography of papyrology: http://www.lib.umich.edu/papyrus-collection/select-bibliography-papyrology.

11.4    Datenbanken

Wie auf dem Gebiet der Epigraphik kommt auch in der Papyrologie elektronischen Datenbanken eine schnell wachsende Bedeutung zu, zumal es hier keine gedruckten Gesamtcorpora gibt.

  1. Duke Data Bank of Documentary Papyri (DDBDP): PHI #7 (CD-ROM) oder Perseus Project (http://www.perseus.tufts.edu/hopper/collection.jsp?collection=Perseus:collection:DDBDP)
    Umfangreiche digitale Sammlung von bis zum Juni 1996 publizierten dokumentarischen Papyri. Die DDBDP können Sie in einer aktualisierten Fassung auch kostenlos im Rahmen des Perseus Project benutzen. Eine Liste der noch nicht erfassten papyrologischen Publikationen finden Sie unter http://scriptorium.lib.duke.edu/papyrus/texts/mancano.html (derzeit offline).

  2. Catalogue of Paraliterary Papyri: http://cpp.arts.kuleuven.be.
    Erschließt Papyri, die weder als literarisch noch dokumentarisch zu klassifizieren sind und deshalb auch nicht in TLG bzw. DDBDP erscheinen.

  3. Heidelberger Gesamtverzeichnis der griechischen Papyrusurkunden Ägyptens (HGV): http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~gv0.
    Zusammenstellung aller in Ägypten und den angrenzenden Regionen gefundenen dokumentarischen Papyri in griechischer und lateinischer Sprache. Über eine differenzierte Suchmaske ist eine Recherche nach Fundort, Datierung, Schlagworten usw. möglich. Links zu den Texten der DDBDP im Rahmen des Perseus Project sind ggf. vorhanden. Das HGV ist ein unverzichtbares Arbeitsinstrument für die papyrologische Forschung, da es (1) im Gegensatz zur DDBDP auch nach 1996 publizierte Texte erschließt und (2) gerade bei bereits länger publizierten Texten vielfach verbesserte Datierungen bietet. In Ergänzung zu den älteren papyrologischen Wörterbüchern von Friedrich Preisigke sind die auf der Webpage des HGV (http://www.papy.uni-hd.de/WL/WL.html) verfügbaren Kompilationen „Wörterliste“ (ein „Index der Indices“ papyrologischer Editionen) und „Konträrindex“ (eine rückläufige Fassung der „Wörterliste“) heranzuziehen. Hier kommen Sie zur BMERR-Rezension.

  4. Advanced Papyrological Information System (APIS): http://www.columbia.edu/cu/lweb/projects/digital/apis/index.html.
    Verbundkatalog der großen amerikanischen Sammlungen (University of California, Berkeley; Duke Papyrus Archive; University of Michigan; Princeton University; Yale University).

  5. papyri.info: http://papyri.info.
    Metasuchportal, das die Datenbestände von DDBDP, HGV und APIS unter einer Oberfläche zusammenführt. Befindet sich noch in der Entwicklungsphase.

  6. Banque de données des textes coptes documentaires: http://dev.ulb.ac.be/philo/bad/copte.
    Nach dem Vorbild des HGV gestaltetes Pendant für die koptischen Papyri.

  7. Homer & the Papyri: http://www.stoa.org/homer/homer.pl.
    Vom Centre for Hellenic Studies betreute Datenbank, die den schnellen Zugriff auf die in Papyri dokumentierte antike Homerüberlieferung gestattet.

  8. Trismegistos: http://www.trismegistos.org.
    Nachfolgeprojekt der Leuven Homepage of Papyrus Archives and Collections (LHPC: http://www.trismegistos.org/coll) sowie der Leuven Database of Ancient Books (LDAB: http://www.trismegistos.org/ldab). Die Leuvener Datenbankbestände sind nun unter einer integrierten Oberfläche durchsuchbar und mit den Daten anderer Projekte wie etwa dem HGV verknüpft.
    Ehemals LHPC: Hier können Sie eruieren, welche moderne Sammlung welche Papyri bewahrt, und wo diese ggf. publiziert sind. Ferner finden Sie hier eine äußerst wertvolle Zusammenstellung antiker Archive und moderner Papyrusdossiers mit Kurzbeschreibung sowie Angabe moderner Verwahrorte und Publikationen bzw. Sekundärliteratur. Eine umfangreiche PDF-Datei mit Addenda und Corrigenda zu den Texten des Zenonarchives steht ebenfalls zur Verfügung: http://www.trismegistos.org/arch/ add_corr_zenon.pdf.
    Ehemals LDAB: Die von uns verwendeten Textausgaben basieren meist auf mittelalterlichen Codices. In den Papyri stehen uns jedoch – wenn auch meist fragmentarische – Textzeugen zur Verfügung, die einige hundert Jahre älter sind und damit näher am Original stehen. Papyri sind damit eine wichtige Quelle für Rezeptionsgeschichte und Textkritik – ein Potential, das noch bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Wenn Sie nachschlagen möchten, ob zu einem bestimmten Autor eine Überlieferung auf Papyrus existiert, können Sie das mit Hilfe der LDAB leicht tun. Enthalten sind neben neuerem Material die älteren (gedruckten) Kataloge Pack, R. A.: The Greek and Latin literary texts from Greco-Roman Egypt, Ann Arbor 1965 (2. durchg. u. erw. Aufl.), Haelst, J. v.: Catalogue des papyrus littéraires juifs et chrétiens, Paris 1976 und teilweise Gigante, M.: Catalogo dei papiri ercolanesi, Napoli 1979. Die von P. Mertens gesammelten Nachträge zu dem Katalog von R. A. Pack sind noch nicht vollständig eingearbeitet. Hier ist auch die folgende Datenbank zu konsultieren.

  9. Mertens-Pack3 am CeDoPaL: http://promethee.philo.ulg.ac.be/cedopal/index.htm.
    Im Entstehen begriffene elektronische Fassung der von P. Mertens begründeten Kartei mit Aktualisierungen zu Pack, R. A.: The Greek and Latin literary texts from Greco-Roman Egypt, Ann Arbor 1965 (2. durchg. u. erw. Aufl.).

  10. Photographic Archive of Papyri in the Cairo Museum: http://ipap.csad.ox.ac.uk.
    Digitale Fassung des International Photographic Archive of Papyri mit Bildern zahlreicher Papyri, geordnet nach Publikationen. Die Bilder sind jeweils mit einem Abstract und Links zur DDBDP bzw. zum HGV versehen.

  11. Gazetteer of Papyri in British Collections: http://gpbc.csad.ox.ac.uk.
    Katalog aller in britischen Sammlungen aufbewahrten Papyri mit kurzer Inhaltsangabe und Angaben zur Herkunft.

  12. Papyrus Portal: http://www.papyrusportal.de.
    Äquivalent des APIS für die deutschen Papyrussammlungen. Momentan sind Bestände aus Heidelberg, Köln, Trier, Bonn, Gießen, Halle, Jena, Leipzig und Würzburg durchsuchbar.

  13. Sammlung der Universität Köln: http://www.uni-koeln.de/phil-fak/ifa/NRWakademie/papyrologie.
    Hochauflösende Bilder aller publizierten Papyri der Kölner Sammlung.

  14. Sammlung der Universität Heidelberg: http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~gv0/Papyri/P.Heid._Uebersicht.html.
    Hochauflösende Bilder aller publizierten Papyri der Heidelberger Sammlung.

  15. Papyrus-Projekt Halle-Jena-Leipzig: http://papyri-leipzig.dl.uni-leipzig.de.

Eine Reihe von Editionsbänden liegen im Rahmen des Internet Archive in digitalisierter Form vor:

APF 1
APF 4
APF 6
SB 2
P. Amh.
I
P. Amh. II
P. Cair. Cat
P. Cair. Goodspeed

P. Cair. Masp I
P. Cair. Masp II
P. Cair. Masp III
P. Hib. I

P. Lille I
P.Lille II
P. Lond. IV

P. Lond. V
P. Oxy. I
P. Oxy. II
P. Oxy. III
P. Oxy. IV
P. Oxy. V
P. Oxy. VI
P. Oxy. VII
P. Oxy. VIII
P. Oxy. IX
P. Oxy. X
P. Oxy. XII
P. Oxy. XIII
P. Oxy. XIV
P. Rev. Laws
P. Ryl. I
P. Ryl. IV
P. Teb. II
P. Teb. III.1
P. dem. Mag. I
P. dem. Mag. III
The Great Harris Papyrus



11.5    Übersetzungen und Forschungsberichte

Eine – an sich wünschenswerte, weil für einen kritischen Umgang mit den Papyrusquellen unerlässliche – nähere Beschäftigung mit dem Gebiet der Papyrologie wird in der Studienpraxis oft bereits an den sprachlichen Voraussetzungen scheitern, und wo das nicht zutrifft, an einem Mangel an Zeit. Dennoch gehört eine Kenntnis wenigstens der Grundzüge des Faches und der wichtigen Editionen zum notwendigen Handwerkszeug jedes Althistorikers und Klassischen Philologen. In richtiger Beurteilung der Verhältnisse ist neueren Texteditionen meist eine Übersetzung beigegeben. Nicht eben taufrische, aber weitgehend konkurrenzlose Quellensammlungen bieten:

  1. Hengstl, Joachim: Griechische Papyri aus Ägypten als Zeugnisse des öffentlichen und privaten Lebens (= Tusculum-Bücherei), München 1978.

  2. Hunt, Arthur S./Edgar, Campell C./Page, Denys L.: Papyri. [3 Bde.] (= Loeb Classical Library. 266/282/360), Cambridge 1969.

Einen schnellen Überblick über historisch besonders bedeutsame Papyri verschaffen einige Forschungsberichte:

  1. Bagnall, Roger S.: Papyrology and Ptolemaic history, 1956-1980, in: CW 76 (1982-1983), S. 13-21.

  2. Keenan, James G.: Papyrology and Roman history, 1956-1980, in: CW 76 (1982-1983), S. 23-31.

  3. Bowman, Alan K.: Papyri and Roman imperial history: 1960-1975, in: JRS 66 (1976), S. 153-173.