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5.    Bibliotheken (bes. UB Augsburg)

Bevorzugte Aufenthaltsorte des Historikers sind Bibliotheken und Archive. Da letztere für den Althistoriker aufgrund der spezifischen Überlieferungslage kaum eine Rolle spielen, gewinnt der Umgang mit Büchern überragende Bedeutung. Der Althistoriker befindet sich in der angenehmen Situation, dass praktisch alle wichtigen Quellen in publizierter Form, d. h. letztlich als Buch vorliegen. Umso wichtiger ist es daher, sich mit Aufbau und Funktionieren einer wissenschaftlichen Bibliothek vertraut zu machen.

5.1    Bibliotheksstruktur

Die UB Augsburg stellt Informationen über ihre Struktur, die Lage ihrer Gebäude, Öffnungszeiten, Entleihbedingungen usw. auf ihrer Homepage bereit. Machen Sie sich dort mit den umfassenden Angeboten unserer Bibliothek vertraut: http://www.bibliothek.uni-augsburg.de. Regelmäßig werden auch Bibliotheksführungen angeboten, ein Angebot, das Sie zu Beginn Ihres Studiums unbedingt wahrnehmen sollten.

Die UB Augsburg gliedert sich in folgende Teilbibliotheken (unterstrichen jeweils die für den Althistoriker besonders einschlägigen Fachbereiche):

  1. Zentralbibliothek (ZB): Bibliographischer Apparat, allgemeine Nachschlagewerke, Wissenschaftskunde, Buch- und Bibliothekswesen, Klassische Archäologie, Kunstgeschichte.
    Im Gebäude der ZB befindet sich auch die Ortsleihe, wo Sie aus dem Magazin bzw. per Fernleihe bestellte Bücher abholen können.

  2. Teilbibliothek Geisteswissenschaften: Geschichtswissenschaft, Allgemeine Sprach- und Literaturwissenschaft, Klassische Philologie, Anglistik, Romanistik, Slawistik, Germanistik, Politologie, Volkskunde, Geographie, Biologie, Theologie, Philosophie, Pädagogik, Musikwissenschaft, Sport.

  3. Teilbibliothek Sozialwissenschaften: Rechtswissenschaft (inkl. Rechtsgeschichte), Psychologie, Soziologie.

  4. Teilbibliothek Naturwissenschaften: Mathematik, Physik, Chemie, Allgemeine Naturwissenschaften, Informatik.

5.2    Systematik

Die meisten wissenschaftlichen Bibliotheken im Freistaat Bayern strukturieren ihre Bestände nach der sogenannten „Regensburger Verbundklassifikation“ (RVK). Um ein Buch im Katalog einer Bibliothek zu identifizieren, muss ihm eine eindeutige „Signatur“ zugewiesen werden. Die RVK stellt ein System dar, diese Zuweisung gleichzeitig mit einer inhaltlichen Erschließung der Literatur zu verbinden. Eine Signatur nach der RVK stellt daher keine willkürliche Summe von Nummern und Buchstaben dar, sondern sagt eindeutig aus, wo ein Buch zu finden und welchem engeren Fachbereich es zuzurechnen ist.

Ein Beispiel soll dies illustrieren: Ein in der UB vorhandenes Exemplar des Buches Blum, Hartmut/Wolters, Reinhard: Alte Geschichte studieren (= UTB. 2747), Konstanz 2006 trägt die Signatur „50/NB 1400 B658“. Die „50“ bildet das Lokalkennzeichen (LKZ), das den Standort in der Bibliothek angibt. Alle Bücher mit dem LKZ 50 befinden sich in der Teilbibliothek Geisteswissenschaften (Ebene 3). Ein anderes Exemplar desselben Buches könnte allerdings die Signatur 170/NB 1400 B658 tragen. „170“ ist das LKZ der Lehrbuchsammlung, die sich in der Zentralbibliothek (Ebene 1) befindet. Wichtig sind für Sie ansonsten vor allem die LKZ 00, 01 und 23, die für bestellbare Magazinbestände stehen. Eine Aufstellung aller LKZ können Sie unter http://www.bibliothek.uni-augsburg.de/bibliothek_nutzen/benfuehrer/aufstellung/lkz einsehen. Der zweite Bestandteil einer Signatur nach der RVK ist die Notation, in unserem Falle „NB 1400“. Diese Notation steht für alle „Einführungen in die Geschichtswissenschaft und das Studium der Geschichte“ mit dem Schwerpunkt auf Alter Geschichte. NB 1600 stünde etwa für Einführungen in die Mittlere Geschichte, NH 5900 für Monographien über die Perserkriege usw. Als grobe Orientierung kann gelten, dass der erste Buchstabe der Notation das übergreifende Fachgebiet angibt, „N“ steht für die Geschichtswissenschaften. Der zweite Buchstabe zeigt die Publikationsform bzw. das engere Fachgebiet an; unter „NA“ finden Sie daher die Zeitschriften, unter „NB“ Einführungen, unter „NC“ Nachschlagewerke, unter „ND“ Literatur zu den Hilfswissenschaften, unter „NG“ Werke zur Alten Geschichte im weiteren Sinne und unter „NH“ solche zur griechischen und römischen Geschichte. Doch zurück zu unserem Beispiel: Das „B“ nach der Notation gibt die Initiale des Autors bzw. Herausgebers an, in diesem Falle also „B“ für B-lum. Dies ermöglicht die gezielte Auffindung von Literatur innerhalb einer Systemstelle der RVK. Im Einzelnen können Sie die aktuelle Fassung der RVK unter http://www.bibliothek.uni-regensburg.de/rvko_neu einsehen und durchsuchen. In der neuesten Version des webOPAC können Sie auch direkt über die Option „Systematische Suche“ die RVK-Systematik benutzen.

Aus dem Gesagten folgt dreierlei: (1) Wo sich ein Buch befindet, das für das von Ihnen bearbeitete Thema einschlägig ist, finden sich meist noch mehr, da die Aufstellung nach der RVK eben unter inhaltlichen Gesichtspunkten erfolgt. (2) Auch in Bibliotheken, die ihre Bestände im Katalog schlecht verschlagwortet haben, garantiert die Vergabe der Notation eine gewisse „Mindestverschlagwortung“. Gerade bei Anfragen im Bayerischen Verbundkatalog stellt die Notationssuche daher ein sehr mächtiges Suchinstrument dar. (3) Nach einer kurzen Lernphase, werden Sie oftmals bei der Suche nach einem bestimmten Buch auf die zeitraubende Benutzung des webOPAC verzichten können, da der Inhalt eines Buches nach der RVK auch wesentlich seinen Standort bestimmt (Ausnahme sind natürlich die Magazinbestände).

Sehr oft werden Sie unter dem LKZ 63 (Klassische Philologie, in der Teilbibliothek Geisteswissenschaften, Ebene 4) Textausgaben nachschlagen müssen. Auch hier erleichtert die RVK das Geschäft wesentlich, indem unter FH und FX für jeden griechischen bzw. lateinischen Autor in chronologischer Folge eine eigene Systemstelle existiert. Innerhalb dieser folgt die Aufstellung in der Ordnung Lexika/Konkordanzen, Kritische Texteditionen, Übersetzungen, Kommentare, Sekundärliteratur. Sobald Sie den Wirkungszeitraum eines Quellenautors kennen, können Sie eine geeignete Edition also auch ohne Benutzung des webOPAC sehr schnell nachweisen und auffinden.

5.3    Verbundkataloge und Fernleihe

Weil keine Bibliothek alle jemals publizierten Bücher besitzen kann, und das Bibliothekswesen in Deutschland überdies (dem Prinzip des Föderalismus entsprechend) dezentral organisiert ist, kommt der Vernetzung der einzelnen Bibliothekskataloge und dem Austausch von Büchern per Fernleihe besondere Bedeutung zu. Für Ihre Arbeit von besonderer Bedeutung ist der Bayerische Verbundkatalog (BVB), dessen Bestände Sie über das Gateway Bayern (unter http://www.gateway-bayern.de) oder seit einiger Zeit auch direkt über den lokalen webOPAC (von hier auch Zugriff auf BVB-Aufsatzdatenbank und EZB, s. u.) recherchieren können. Die Fernleihe erfolgt innerhalb Bayerns jedenfalls direkt über die webOPAC-Oberfläche, was eine wesentliche Arbeitsersparnis und Beschleunigung gegenüber früheren Verfahren darstellt. Für noch umfassendere Recherchen steht der Karlsruher Virtuelle Katalog (KVK) unter http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/kvk.html zur Verfügung. Es handelt sich dabei um einen „Verbundkatalog der Verbundkataloge“, der auch die Bestände der großen Nationalbibliotheken unserer europäischen Nachbarländer und der USA erfasst. Da allerdings hier keine Notationssuche möglich und auch die Verschlagwortung der Bestände sehr uneinheitlich ist, bleibt Ihnen nur eine mit einiger Phantasie zu betreibende Stichwortsuche.