Schöne Online-Tutorien zu den Techniken wissenschaftlichen Arbeitens bieten http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/Tutorium und http://www.geschichte-online.at. Diese Angebote sind zwar an sich vor allem mit Blick auf die Neuere und Neueste Geschichte konzipiert, aber die Arbeitsschritte von der Materialsichtung bis zur Abfassung der Arbeit gestalten sich in der Alten Geschichte natürlich nicht viel anders.
Die Studienratgeber zum wissenschaftlichen Arbeiten sind Legion. Bibliographische Hinweise zu den neueren Titeln gibt der Wikipedia-Artikel http://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftliche_Arbeit. In Auswahl seien genannt:
Boeglin, Martha: Wissenschaftlich arbeiten Schritt für Schritt. Gelassen und effektiv studieren (= UTB-M), München 2007.
Frank, Andrea/Haacke, Stefanie/Lahm, Swantje: Schlüsselkompetenzen: Schreiben in Studium und Beruf, Stuttgart 2007.
Sommer, Roy: Schreibkompetenzen. Erfolgreich wissenschaftlich schreiben (= UNI-WISSEN Kernkompetenzen), Stuttgart 2006.
Wolfsberger, Judith: Frei geschrieben. Mut, Freiheit und Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten, Wien 2007.
Kolmer, Lothar/Rob-Santer, Carmen: Geschichte schreiben. Von der Seminar- zur Doktorarbeit (= UTB. 2688), Paderborn 2006.
Schmale, Wolfgang (Hg.): Schreib-Guide Geschichte. Schritt für Schritt wissenschaftliches Schreiben lernen (= UTB. 2854), Wien 2006.
Hier kommen Sie zur H-Soz-u-Kult-Rezension der genannten Bände.
Die vielleicht beste Lehre ist jedoch die aufmerksame Lektüre der vorliegenden Fachliteratur selbst. So bekommen Sie schnell ein Gefühl für die erforderliche Fußnotendichte, unterschiedliche Zitationsformen usw.
Am Beginn der Auseinandersetzung mit einem speziellen Thema wird zunächst gerade bei Studienanfängern das Bedürfnis nach Überblicksinformation stehen. Diese erfolgt am besten über Enzyklopädien, Fachlexika und Handbücher bzw. handbuchartige Reihen. Am Ende der Orientierungsphase sollten folgende Punkte als Basis für das weitere Vorgehen erarbeitet sein:
Zeittafel
Vorstellung vom geographischen Raum
Kenntnis wichtiger Personen
Kenntnis wichtiger Institutionen und Fachbegriffe
Kenntnis des historischen Hintergrundes
Kenntnis wichtiger Forschungsfragen/-kontroversen
Sammlung zentraler Quellen
Liste offener Fragen
Arbeitshypothese
Nun beginnt die Sammlung speziellerer Informationen. Das Bibliographieren sollte zu einer möglichst vollständigen Erfassung wenigstens der neueren Forschungsliteratur führen. Die so erfasste Literatur bearbeiten Sie am besten rekursiv, beginnen also mit den neuesten Titeln und natürlich denjenigen, die möglichst passgenau Ihr Thema bearbeiten. Besonders hilfreich sind oft auch wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten wie Dissertationen und Habilitationen, da sie in der Regel auf Vollständigkeit der Materialbehandlung zielen und einen Forschungsüberblick bieten. Um abschätzen zu können, ob eine dicke Monographie die Lektüre lohnt, dient neben einem Blick in Inhaltsverzeichnis und Einleitung auch die Konsultation von Rezensionen. Diese geben in kompakter Form Einblick in Inhalt und wissenschaftlichen Ertrag einer Publikation. Bei Aufsätzen helfen oft die Abstracts in der APh weiter. Im Allgemeinen bewährt es sich, zunächst anhand einiger zentraler Arbeiten ein Grundexzerpt anzulegen und die weitere Literatur dann bei abweichenden Meinungen als Anmerkungen einzuarbeiten. Sie werden sehen, dass sich spätestens ab dem vierten gelesenen Aufsatz die Zahl der wirklich neuen Argumente und Quellen in Grenzen hält. Dann können Sie vermehrt zum „Diagonallesen“ übergehen.
Wenn hier Sammlungs- und Ausarbeitungsphase idealtypisch getrennt behandelt werden, so ist dies in gewisser Weise auch einer heute überkommenen Konvention geschuldet. Die Möglichkeiten der modernen EDV erlauben es, ein Exzerpt fließend zu einem ausformulierten Text auszubauen. Auch können Sie Literaturnachweise gleich als Fußnote in das Exzerpt einfügen, so dass diesbezüglich später keine Arbeit mehr anfällt. Auch wenn bei einer solchen verschleifenden Arbeitsweise mitunter mehrere Überarbeitungen des Textes fällig werden, kann es psychologisch günstig sein, auf diese Weise niederschwellig in die Schreibphase überzugehen: Nichts ist kontraproduktiver als die schreibhemmende Angst vor dem leeren Bildschirm.
ACHTUNG!!! Denken Sie daran, Fernleihen rechtzeitig in die Wege zu leiten!
Während der Lektüre der Sekundärliteratur bauen Sie Ihre Quellensammlung weiter aus und streben hier in jedem Fall Vollständigkeit an. Spätestens im Hauptstudium sollten Sie wenigstens die wichtigsten literarischen Quellen soweit kennen, dass Sie wissen, wo etwas für Ihr Thema zu erwarten ist. Die einschlägigen Stellen lassen sich dann über die Indices der Ausgaben und Übersetzungen schnell lokalisieren. Als Wegweiser zu den Quellen kommt der RE nach wie vor grundlegende Bedeutung zu. Daneben können auch Datenbanken mit digitalisierten Volltexten, Münzen, Inschriften oder Papyri durchsucht werden. Die Quellen werden nach Maßgabe der historisch-kritischen Methode einer Wertung unterzogen. Kommentare bzw. kommentierte Corpora sind hier als Hilfsmittel von großer Bedeutung.
ACHTUNG!!!
Übernehmen Sie niemals in der Literatur vorgefundene Quellenbelege kritiklos ohne sie selbst nachzuprüfen. Erstens kommt man so nie zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Sekundärliteratur, und zweitens schleicht sich auch bei Quellenreferenzen immer wieder der Fehlerteufel ein. Schleppen Sie diese Fehler nicht weiter! Wenn Sie in den Quellen eine Inschrift aus älteren Editionen wie CIL, SIG oder ILS zitiert finden, kann es gut sein, dass mittlerweile eine Neuedition vorliegt. Über die epigraphischen Datenbanken bzw. CLAROS werden Sie schnell zu diesen Publikationen geführt. Analog ist bei Papyri vorzugehen. Hier hilft vor allem das HGV weiter.
Die Sammlungsphase sollte zu folgenden Ergebnissen führen:
Grundexzerpt mit Notierung abweichender Forschungsmeinungen.
Sammlung möglichst aller für das Thema relevanter Quellen.
Das wichtigste Ergebnis der Sammlungsphase sollte jedoch die Bildung und Festigung einer gemessen am Maßstab der Quellen fundierten eigenen Meinung sein.
Sprechen Sie nach Möglichkeit frei, auch wenn Sie einen vollständigen Text ausformuliert haben. Dies ermöglicht Ihnen,
Blickkontakt mit Ihrem Publikum (nicht nur dem Dozenten! – das wirkt ganz unsicher) zu halten.
auf Konzentrationsabfälle im Publikum durch Anpassung der Sprechweise und Raffen der Argumentation flexibel zu reagieren.
ihre Gedankengänge in einer dem Denkvermögen eines durchschnittlichen homo sapiens angepassten Geschwindigkeit zu präsentieren. Bedenken Sie stets, dass die von Ihnen präsentierten Sachverhalte für Sie selbst zwar mittlerweile vertraut, für Ihre Zuhörer aber noch fremd sind!
Entwerfen Sie in jedem Fall eine Gliederung, auch wenn Sie aufgrund von Stichpunkten völlig frei sprechen. Das zwingt Sie, Ihr Thema gedanklich zu durchdringen und eine stringente Argumentation zu entwickeln. Nichts ist schlimmer als ein Vortrag ohne Klimax, auf die die Argumentation hinzielt (Prinzip „umgestürzter Zettelkasten“ bzw. literarischer: „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen.“).
Die Kunst eines guten Referenten besteht nicht in der Präsentation des vollständigen Materials, sondern in der aufgrund vollständiger Kenntnis des Materials getroffenen Auswahl der zentralen Quellen und Sekundärliteratur.
Visualisieren Sie Ihre Argumente durch Schaubilder, illustrieren Sie Ihren Vortrag durch Sachquellen, um Abwechslung und Anschaulichkeit zu erreichen.
Stellen Sie ein Thesenpapier mit Gliederung, wichtigen Quellenzitaten und Literaturhinweisen zur Verfügung, das erleichtert es Ihren Zuhörern, dem Referat zu folgen.
Fassen Sie Fragen oder Widerspruch nie als persönlichen Angriff auf! Wissenschaft ist Diskussion, und die Diskussion dient der Präzisierung der Argumentation. Nachdem Sie sich mühevoll in ein Thema eingearbeitet haben – was gibt es schöneres, als sich mit anderen darüber auszutauschen?
Entwickeln Sie unbedingt vor dem ersten Tastaturschlag eine Gliederung. Diese kann immer noch verändert werden, aber die grobe Richtung muss festgelegt sein, wenn Ihre Argumente nicht ziellos in die Irre gehen sollen.
Anders verhält es sich mit der Einleitung. Schon Cicero mahnte dazu, diese erst am Ende der Ausarbeitung eines Textes zu verfassen, da sonst meist nur Banalitäten und Gemeinplätze geäußert würden. In der Tat: Sie werden sehen, dass die wirkliche Durchdringung eines Themas oft erst im Moment des Schreibens geschieht, weil die Verschriftlichung einen viel höheren Grad an Festlegung und Präzision erfordert als ein mündlicher Vortrag. Von daher kann es tatsächlich sinnvoll sein, die Einleitung einer Hausarbeit am Schluss zu verfassen. Andererseits freilich schadet es auch nicht, eine provisorische Einleitung, die Forschungsstand und Ziel der eigenen Arbeit skizziert, vorab niederzulegen. Die endgültige Version der Einleitung sollte dann aber in jedem Fall folgende Elemente enthalten:
Einführung in das Thema (nicht mehr als 2-3 Sätze!).
Forschungsüberblick (gesichertes Wissen vs. Kontroversen und offene Fragen), Angabe der verwendeten Grundlagenliteratur und Begründung ihrer Auswahl.
Fragestellung der eigenen Arbeit.
These der eigenen Arbeit.
Methodisches Vorgehen der eigenen Arbeit.
Grundsätzlich sollten Sie bedenken, dass eine Einführung dazu dienen soll, den Leser zum Weiterlesen zu ermutigen. Die Einleitung ist die Visitenkarte Ihrer Arbeit, und meist lässt sich die Qualität einer Seminararbeit für den Korrektor schon nach den ersten zwei Seiten ziemlich gut abschätzen. Vermeiden Sie nach Möglichkeit Banalitäten wie „Schon immer habe ich mich für das Schicksal der Sklaven interessiert…“, „Letztes Jahr war ich auf Urlaub in Italien, da fand ich plötzlich einen Stein…“ oder „Als ich vor zwei Semestern die Übung bei Herrn Prof. XYZ besuchte…“. Eine gute Option ist es hingegen immer, mit einem devisenhaften oder provozierenden Zitat (aus Quellen oder Sekundärliteratur) zu beginnen. Insgesamt sollte die Einleitung in einer Proseminararbeit einen Umfang von 1-2 Seiten nicht überschreiten.
Auf die Einleitung folgt die eigentliche Untersuchung, wobei Sie – um in der Terminologie der antiken Rhetorik zu sprechen – neben der argumentatio, der positiven Beweisführung, auch die refutatio, die Widerlegung möglicher Gegenargumente, nicht vernachlässigen sollten. Überlegen Sie von Anfang an, welche Argumente gegen Ihre Thesen vorgebracht werden können. Dies dient der Schärfung und Präzisierung Ihrer eigenen Argumentation – ist also ein fundamentaler Mechanismus der Selbstkritik –, nimmt aber auch Ihren Lesern und v. a. dem Korrektor Einwände aus der Hand. Anders als bei einer mündlichen Diskussion haben Sie bei einem Aufsatz nur eine einzige Chance, Ihre Meinung darzulegen, und was Sie nicht schreiben, kann nicht gewertet werden. Durchdringen Sie daher Ihr Thema in möglichst vielfältigen argumentativen Facetten. Entweder in der Einleitung oder im Hauptteil sollten Sie auch einen Abschnitt über die Quellenlage einbauen.
Schließlich sollte jede Arbeit mit einem vernünftigen Schluss zu Ende kommen. Hier sollten Sie einerseits die Erträge der Argumentation zusammenfassen – im Idealfall ist nun aus der in der Einleitung geäußerten These ein gesichertes Ergebnis geworden –, andererseits kann auch ein Ausblick gegeben werden auf größere Zusammenhänge. Sie könnten etwa die Relevanz Ihrer Ergebnisse für benachbarte Forschungsfelder thesenhaft andeuten.
Formal ist bei Ihrer Proseminararbeit auf folgende Dinge zu achten:
Der erste Eindruck ist oft der entscheidende. Verwenden Sie daher Mühe auf das äußere Erscheinungsbild Ihrer Arbeit (Layout, Orthographie usw.). Jede bessere Textverarbeitung verfügt heute über Rechtschreibprüfung, Silbentrennung (Vermeidung von „Flattersatz“) und Absatzkontrolle (Vermeidung von „Schusterjungen“ und „Hurensöhnen“). Kaffeeflecken und Eselsohren signalisieren nur, dass Sie offenbar selbst von dem Produkt Ihrer Mühsal nichts halten.
Das Titelblatt sollte aufführen: Universität, Fakultät, Lehrstuhl, Semester, Veranstaltung, Dozent, Titel der Arbeit, Name, Adresse, Studienfächer und Semesterzahl des Verfassers. Das könnte dann etwa so aussehen:
Universität Augsburg
Philologisch-historische Fakultät
Lehrstuhl für Alte Geschichte
Proseminar
„…und mein Gestank reicht bis an den Himmel“: Fisch in der Antike
Dr. Andreas Hartmann
Die Gewährleistungspflicht des Händlers auf dem antiken Fischmarkt unter besonderer Berücksichtigung der gallischen Provinzen
Michael Mumpitz
Irgendwo 13
85089 St. Nimmerlein
E-Mail: michi.mum@funktioniertnicht.de
Lehramt für das Gymnasium Deutsch/Geschichte
3. Fachsemester
Sommersemester 2011
Nach dem Titelblatt folgt ein Inhaltsverzeichnis. Welches Nummerierungssystem Anwendung findet, ist egal, nur muss es konsequent durchgehalten werden. Zu beachten ist unbedingt die Grundregel: „Wer A sagt, muss auch B sagen.“ Es kann also niemals auf ein Unterkapitel 4.1 unmittelbar das nächste Oberkapitel 5 folgen! Die Untergliederung eines Hauptpunktes ist aus logischen Gründen nur sinnvoll, wenn er sich in mindestens zwei Unterpunkte aufspalten lässt.
Titelblatt und Inhaltsverzeichnis werden nicht paginiert, aber in der mit der Einleitung einsetzenden Seitenzählung mitgezählt.
Der Text der Arbeit wird durch Überschriften entsprechend dem Inhaltsverzeichnis gegliedert. Bitte nicht jedes Unterkapitel auf einer neuen Seite beginnen. Solche bis in die Magisterarbeit beliebten Tricks, um Seiten zu schinden, machen keinen guten Eindruck.
Normales Erzähltempus ist das Imperfekt. Das Präsens findet nur in Ausnahmefällen Verwendung, etwa in überzeitlich gültigen Deutungen des erzählten Geschehens (z. B. „Seit Cäsar wurden nun allein schon für die schiere Existenz des politischen Führers Supplikationen beschlossen. Damit aber fallen Wohlergehen des Führers und Staatsheil zusammen.“) oder als stilistischer Kunstgriff.
Bei Quellenzitaten sind in der Alten und Mittelalterlichen Geschichte besondere Konventionen zu beachten:
Alte Geschichte: Alle literarischen Quellen sind in der üblichen abgekürzten Form (Orientierung an LSJ, ThLL, KlP, DNP und/oder OCD3) unter Benutzung der Standardeinteilung in Bücher/Kapitel/Paragraphen zu zitieren. Nur in Spezialfällen erfolgt eine Zitation nach den Seitenzahlen einer Standardausgabe, niemals jedoch nach Seitenzahlen einer modernen Textausgabe! Eine Ausnahme kann es bei patristischen Quellen geben, für die bisweilen eine verbindliche Einteilung nicht existiert bzw. überhaupt nur eine Ausgabe in den großen Sammelcorpora vorliegt: In diesen Fällen wird Band und Seitenzahl der Ausgabe in PG (Patrologia Graeca), PL (Patrologia Latina), CCSG (Corpus Christianorum Series Graeca), CCSL (Corpus Christianorum Series Latina) oder CCSA (Corpus Christianorum Series Apocryphorum) angegeben. Eine Ausgabe im Corpus Christianorum ist dabei stets derjenigen in der älteren Patrologia vorzuziehen!
Verweise auf Inschriften, Papyri oder Münzen stellen Sie bitte soweit möglich immer auf die bekannten Standardcorpora (CIL, IG, SEG, AE, RRC, RIC usw.) um. Einträge aus Corpora werden nicht mit Seitenzahl, sondern mit Nummer zitiert, also: CIL 6,1134, ILS 709, AE 1978,356, P. Oxy. 4530, RRC 524,1, RIC I2 Claudius 45 usw. Generell inakzeptabel sind indirekte Angaben in der Form „zitiert nach Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11“.
Mittelalterliche Geschichte: Die erzählenden Quellen sind unter Benutzung der in den Editionen verwendeten Titel zu zitieren. Wie in der Alten Geschichte ist die textimmanente Gliederung in Bücher/Kapitel/Jahre im Zitat zu übernehmen. Zur genauen Bestimmung der Textstelle ist abschließend die entsprechende Seitenzahl in der benutzten Quellenedition anzugeben (Bsp. für ein vollständiges Zitat: Matthaeus Parisiensis, Chronica maiora, ad 1245, S. 431-433). Bei den dokumentarischen Quellen ist zu beachten, dass diese anhand der gängigen Abkürzungen in den Standardeditionen (MGH, RI etc.) zu zitieren sind. Dabei soll der Quellennachweis jeweils das Corpus, die Abteilung und/oder den Band – je nach Einteilung – sowie die Nummer der betreffenden Quelle und die Seitenzahl beinhalten (Bsp.: MGH DD F I., Nr. 151, S. 260).
Der Inhalt der Quellen wird entweder paraphrasiert (oft im Haupttext) oder – wo es auf den Wortlaut ankommt – vollständig angeführt (eingerückt im Haupttext oder in den Fußnoten).
Die Anführung im griechischen bzw. lateinischen Original macht natürlich einen guten Eindruck, Sie können aber ohne Nachteil auch deutsche/englische/französische Übersetzungen benutzen. Editionen und Übersetzungen sind im Literaturverzeichnis gesondert auszuweisen (siehe unten).
Sekundärliteratur ist mit den notwendigen bibliographischen Angaben in konsistenter Form nachzuweisen. Alle Zitationen in den Fußnoten erfolgen in abgekürzter Form: Verwenden Sie dabei das sogenannte Harvard-System („Müller 1976, S. 56“) oder geben Sie stattdessen aussagekräftige Kürzel wie etwa „Müller, Homeric society, S. 56“ an.
Wörtliche Zitate aus der Literatur sollten sich in Grenzen halten, denn gerade die freie Paraphrase zeigt, dass Sie die Literatur nicht nur abschreiben können, sondern auch verstanden haben. Wenn Sie eine bestimmte Aussage aus der Literatur übernommen haben, zitieren Sie die Publikation „nackt“. Falls Sie Literatur angeben wollen, die sich mit demselben Problem befasst, aber nur zu ähnlichen oder gar abweichenden Ergebnissen kommt, stellen Sie ein „Vgl.“ voran oder formulieren besser einen Satz („Ähnlich Müller, Homeric society, S. 56. Anders aber Meier, Mündlichkeit, S. 45-47…“). Verwenden Sie keinesfalls – wie in manchen Tutorien empfohlen – „Vgl.“ für alle sinngemäßen Zitate, denn dann beginnen fast alle Fußnoten mit „Vgl.“. Ob es sich um ein wörtliches oder ein sinngemäßes Zitat handelt, erkennt der Leser nicht an „Vgl.“, sondern an gesetzten oder nicht gesetzten Anführungszeichen. Die Seitenangaben sollten in der Form „3-15“ und nicht „3 ff.“ erfolgen.
Innerhalb eines wörtlichen Zitats darf an Schriftsatz (Unterstreichungen, Kursivdruck usw.), Orthographie und Zeichensetzung nichts verändert werden. Ausnahme: Aus doppelten Anführungszeichen im Quelltext werden innerhalb des seinerseits in doppelten Anführungszeichen stehenden Zitates einfache Anführungszeichen. Auslassungen in wörtlichen Zitaten sind durch „[…]“ zu kennzeichnen, ebenso Einfügungen zur Vervollständigung der Satzstruktur oder Verdeutlichung der Bezüge durch eckige Klammern.
Einführungsliteratur ohne Fußnotenapparat wird nicht als Beleg für bestimmte Fakten herangezogen (denn ein Beleg, der keine Rückverfolgung bis zu den Quellen ermöglicht, ist wertlos), wohl aber als Forschungsmeinung – soweit der Autor ein ausgewiesener Fachmann ist, dessen Meinung Autorität beanspruchen kann. Diese Art von Grundlagenliteratur hat nach der Orientierungsphase jedoch meist ihren Dienst getan.
Abweichende Forschungsmeinungen sind als solche zu kennzeichnen und am besten kurz zu referieren („So Müller, Homeric society, S. 56. Dagegen jedoch Meier, Mündlichkeit, S. 45-47, der die Stabilität mündlicher Traditionen weniger günstig einschätzt.“). Wenn solcherart mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“).
Abbildungen (Diagramme, Photos usw.) müssen genauso nachgewiesen werden wie Textzitate!
Ein Wort zum Internet: Die Geschichtswissenschaften gehen mit der Zeit, und deshalb wird zunehmend auf das Internet als Informationsquelle verwiesen. Der Autor dieser Zeilen verschließt sich diesem Anliegen keineswegs – etwas grundlegend anderes ist es jedoch, Internetangebote als zitable Informationsquellen zu Belegzwecken zu verwenden. Erstens muss deutlich gesagt werden, dass die meisten Internetangebote – so informativ sie sein mögen – wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genügen, also nur im Rahmen der Orientierungsphase eine Rolle spielen können. Zweitens ist zu bedenken, dass Angebote im Internet oft eher ephemeren Charakter haben, d. h. eine von Ihnen zitierte Seite für Ihre Leser schon nicht mehr einsehbar sein kann, weil der Anbieter den Provider gewechselt hat, Pleite gegangen ist oder seinen Webauftritt einfach nur umstrukturiert hat. Der Effekt ist in allen Fällen derselbe: Ihr „Beleg“ ist nicht mehr nachvollziehbar und damit für den Leser schlicht wertlos. Deshalb: Nutzen Sie die Möglichkeiten des Internet zur Erstinformation, zur Konsultation von Datenbanken, zur Beschaffung von Bildmaterial usw., aber verwenden Sie Internetadresse nicht als Ersatz für wissenschaftliche Fachliteratur.
Quellen- und Literaturnachweise erfolgen als Fußnoten. Endnoten sind eine (von Verlagen leider gepflegte) Zumutung für den quellenorientierten Leser. Jede Fußnote ist das (ggf. elliptische) Äquivalent eines vollständigen Satzes und wird daher mit einem Punkt abgeschlossen.
Für die Platzierung des Fußnotenzeichens gibt es verschiedene Systeme. Fußnoten, die ein wörtliches Zitat nachweisen, stehen unmittelbar hinter den Anführungszeichen. Fußnoten, die sich auf ein bestimmtes Wort beziehen, stehen unmittelbar hinter diesem Wort. Fußnoten, die sich auf einen ganzen Satz bzw. ein Kolon beziehen, können entweder vor oder hinter dem Satzzeichen stehen, doch ist auf Konsequenz zu achten.
Geizen Sie nicht mit (auch wörtlich zitierten) Quellenbelegen. Wenn deshalb Ihre Arbeit etwas länger wird, macht das nichts.
Wählen Sie eine Schriftgröße von 11-12 pt je nach Schriftart (Standard ist eine Serifenschrift wie Times New Roman 12 pt) und einen 1½fachen Zeilenabstand im Haupttext. In den Fußnoten genügen 10 pt und einfacher Zeilenabstand. Dasselbe gilt für in den Haupttext eingeschobene längere Zitate. Diese bitte links und rechts ca. 1 cm einrücken!
Entweder in der Kopf- oder der Fußzeile befindet sich die Paginierung.
Der Umfang einer Proseminararbeit liegt idealerweise zwischen 12 und 15 Seiten – all inclusive. In der Regel empfiehlt es sich daher, nicht einfach das Thema des mündlichen Referates zu übernehmen, sondern einen Teilaspekt daraus zu vertiefen. Ein (rechtzeitiges) Gespräch mit dem Seminarleiter kann vor der Wahl schwierig zu bearbeitender Themen bewahren.
Achten Sie auf Sachlichkeit der Formulierung. Wendungen wie „ich finde unheimlich, dass“ haben keinen Platz in einer wissenschaftlichen Arbeit. Es geht nicht um persönliche Befindlichkeiten, die sich jeder Kritik entziehen, sondern um nachprüfbare Argumentationen und Quelleninterpretationen. Bemühen Sie sich um Anwendung desselben elaborierten Codes, den Sie in der Fachliteratur vorfinden.
Am Ende der Arbeit steht ein Quellen- und Literaturverzeichnis, in dem die verwendeten Ausgaben geordnet nach Quelleneditionen (bzw. Übersetzungen) und Literatur angeführt werden. Die Sortierung erfolgt jeweils alphabetisch nach Autor bzw. Herausgeber. Zeitschriften und Lexika sind stets mit den üblichen Abkürzungen zu zitieren.
Beispiel für ein korrektes Zitierschema
Die Zwischenüberschriften geben im Folgenden nur den Publikationstyp an; keinesfalls sollen sie als Vorlage für die Gliederung eines Literaturverzeichnisses dienen! In diesem sollten nur Quellen und moderne Literatur gesondert ausgewiesen werden.
Quellenedition:
Livius: Ab urbe condita, hrsg. von Alexander Hugh McDonald, Bd. V [libri xxxi-xxxv] (= OCT), Oxford 1965.
Übersetzung:
Xenophon: Die Verfassung der Spartaner, hrsg., übers. u. erl. von Stefan Rebenich (= TzF. 70), Darmstadt 1998.
Monographie:
Gehrke, Hans-Joachim: Jenseits von Athen und Sparta. Das Dritte Griechenland und seine Staatenwelt, München 1986.
In einer Reihe erschienenes Werk:
Malitz, Jürgen: Die Historien des Poseidonios (= Zetemata. 79), München 1983.
Taschenbuch:
Brodersen, Kai: Reiseführer zu den Sieben Weltwundern, Frankfurt/Leipzig 1992.
Neuauflage:
Martin, Jochen: Spätantike und Völkerwanderung, München 1995 (3. überarb. Aufl.).
Nachdruck:
Lauffer, Siegfried: Kurze Geschichte der antiken Welt, München 1981 (ND München 1971).
Wiederveröffentlichung:
Strasburger, Herrmann: Ptolemaios und Alexander, Leipzig 1934, abgedr. in: Strasburger, Herrmann: Studien zur Alten Geschichte I, hrsg. von Walter Schmitthenner und Renate Zoepffel, Hildesheim/New York 1982, S. 83-147.
Dissertation:
Schmitthenner, Walter: Octavian und das Testament Caesars. Untersuchungen zu den politischen Anfängen des späteren Augustus, Diss. Heidelberg 1948.
Schulprogramm:
Schmitt, Hatto Herbert: Hellenen, Römer und Barbaren. Eine Studie zu Polybios, Jahresber. Hum. Gymn. Aschaffenburg 1957/58. [oder: Progr. Aschaffenburg 1958.]
Beitrag in einem Sammelwerk:
Wirbelauer, Eckhard: Der Schild des Achilleus (Ilias 18,478-609). Überlegungen zur inneren Struktur und zum Aufbau der ‚Stadt im Frieden’, in: Vergangenheit und Lebenswelt. Soziale Kommunikation, Traditionsbildung und historisches Bewusstsein (= ScriptOralia. 90), hrsg. von Hans-Joachim Gehrke und Astrid Möller, Tübingen 1996, S. 143-178.
Lexikonartikel:
Rosenberger, Veit: Art. Hierarchie, in: DNP 5 (1998) Sp. 534-535.
Zeitschriftenaufsatz:
Zimmermann, Martin: Probus, Carus und die Räuber im Gebiet des Pisidischen Termessos, in: ZPE 110 (1996), S. 265-277.
Akademieschrift:
Stärk, Ekkehard: Antrum Sibyllae Cumanae und Campi Elysii. Zwei vergilische Lokale in den Phlegräischen Feldern, ASAW [oder: AbhLepizig] 75.3, Stuttgart/Leipzig 1998.
Rezension:
Rüpke, Jörg: Rez. Baudy, Die Brände Roms, in: Gnomon 66 (1994), S. 40-43
ACHTUNG!!!
Wichtigstes Kriterium dafür, ob Ihre Arbeit als mindestens ausreichende Leistung eingestuft wird, ist die Einarbeitung der Quellen. Arbeiten, die ohne Quellen auszukommen glauben, werden grundsätzlich nicht akzeptiert! Bauen Sie Ihre Darstellung wo immer möglich von den Quellen her auf! Aus gegebenem Anlass sei auch darauf hingewiesen, dass auch sprachliche Mängel in die Bewertung einfließen!