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Altertumswissenschaftliches Kolloquium im Wintersemester 2017/18


Das Altertumswissenschaftliche Kolloquium der Universität Augsburg widmet sich in diesem Wintersemester unter dem Titel "Volks(ver)führer!" der Frage nach Demagogie und Populismus in den politischen Kulturen der Antike. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Vor dem Hintergrund aktueller Krisen sind „Populismus“ und „Demagogie“ zu Schlüsselbegriffen der politischen Debatte geworden. Was ein „Populist“ eigentlich ist, wird dabei meist nicht weiter problematisiert, obwohl eine allgemein akzeptierte Definition nicht existiert. Tatsächlich gehört „Populismus“ – ähnlich wie „Magie“ oder „Aberglaube“ – zu einem Arsenal polemischer Begriffe, die seit der Antike der Aushandlung gesellschaftlicher Normen dienen. Umgekehrt lässt sich auch die pauschale Verdammung der herrschenden Elite als einer gierigen und korrupten Clique als „populistisches“ Motiv bereits bis in die Antike zurückverfolgen. Schon von der Wortgeschichte her liegt auf der Hand, dass die Altertumswissenschaften zu den aktuellen Debatten um „Demagogie“ und „Populismus“ einiges beizutragen haben, zumal die Rezeption der antiken Präzedenzfälle sowie der antiken Staatstheorien das Denken über die Gefahren einer von Demagogen gesteuerten „Pöbelherrschaft“ maßgeblich beeinflusst hat. Diese Linie antiker Demokratiekritik wurde in jüngster Zeit wiederbelebt, indem etwa der amerikanische Politologe Jason Brennan eine Beschränkung des Wahlrechts auf „kompetente“ Bürger fordert. Die jüngere altertumswissenschaftliche Forschung hat demgegenüber erfolgreich versucht, ein differenziertes Bild der „Demagogen“/„Populisten“ und ihrer Praktiken zu zeichnen. Die Vortragsreihe möchte in diesem Sinne exemplarisch Facetten von „Demagogie“ und „Populismus“ beleuchten. Damit soll ein Beitrag zum einen zu einer Motivgeschichte des politischen Diskurses, zum anderen zur sozialwissenschaftlichen Modellbildung geleistet werden.

  

Terminübersicht

07.11.2017

Prof. Dr. Dr. h.c. Bernhard Zimmermann (Freiburg i. Br.)

Kleon und die Demagogen. Meinungslenkung und Eigeninteresse im demokratischen Athen des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr.

21.11.2017

Dr. Manuel Flecker (Kiel)

Ritual oder Aufruhr? Zur Bilderwelt vom Grabmal des Storax in Chieti

05.12.2017

Dr. Katja Kröss (München)

Vanus populi favor? "Demagogie" in der Kaiserzeit

19.12.2017

Prof. Dr. Uwe Walter (Bielefeld)

Mit dem Volksdiktator aus dem Legitimitätsdilemma? Variationen des Caesarismus im 19. und 20. Jahrhundert

16.01.2018

Dr. Christopher Dickenson (Aarhus)

Public speaker's platforms and popular politics in Roman Greece

30.01.2018

Prof. Dr. Elke Stein-Hölkeskamp (Duisburg-Essen)

"Geld macht den Mann". Reichtum als Distinktionsmerkmal archaischer Eliten

06. 02. 2018

Jun.-Prof. Dr. Marian Nebelin (Chemnitz)

"Populare" und "populares" Handeln in der römischen Republik

Die Vorträge finden jeweils ab

18:15 Uhr im Hörsaal III, Universitätsstr. 10, statt.

 

Veranstalter:

Prof. Dr. Natascha Sojc, Klassische Archäologie

Prof. Dr. Gregor Weber, Alte Geschichte

 

Meldung vom 09.10.2017