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D-A-CH-Projekt Variantengrammatik des Deutschen


Projektstart: 01.09.2011
Projektträger: Universität Augsburg
Projektverantwortung vor Ort: Prof. Dr. Stephan Elspaß
Beteiligte Wissenschaftler / Kooperationen: Prof. Dr. Christa Dürscheid (Zürich)
Prof. Dr. Arne Ziegler (Graz)

Zusammenfassung


Ziel des Projekts ist es, auf der Grundlage eines breiten Korpus von Texten aus allen Ländern und Regionen des zusammenhängenden deutschen Sprachgebiets die tatsächliche Variation in der Grammatik der geschriebenen deutschen Standardsprache zu erfassen, in einem Handbuch zu dokumentieren und damit eine Basis sowohl für Grammatiken als auch für weitergehende grammatische Untersuchungen zu schaffen. Bei dem auf zunächst für drei Jahre angelegten Projekt, das seine Arbeit im September 2011 aufgenommen hat, handelt sich um eine gemeinsame Initiative dreier Sprachwissenschaftler aus der Schweiz, Deutschland und Österreich. Es wird durch drei Förderorganisationen aus Deutschland (DFG), Österreich (FWF) und der Schweiz (SNF) finanziert. Die Förderung basiert auf dem sog. D-A-CH-Abkommen, das die Durchführung grenzübergreifender Projekte in diesen drei Ländern unterstützt.

Beschreibung

Die nationale und regionale Variation in der Grammatik der deutschen Standardsprache hat in der Grammatikographie – trotz einer immer stärkeren Orientierung an Textkorpora – bislang kaum Beachtung gefunden. Diese Variation ist freilich nicht etwas außerhalb der Standardsprache Anzusiedelndes, sondern Realität innerhalb der Standardsprache; sie kann auch nicht pauschal als sozial markiert angesehen oder einer „Grammatik der gesprochenen Sprache“ zugeschlagen werden. Die Unterschiede zwischen den nationalen und regionalen Varietäten des Standarddeutschen betreffen u. a. die Wortstrukturierung, die Phrasenstruktur und die Rektion. So finden sich in deutschsprachigen Zeitungen der Gegenwart – je nach Land oder Region – morphologische und morphosyntaktische Varianten wie Zugmitte / Zugsmitte, Störenfried / Störefried (Fugenelement), bei jemandem beantragen / jemandem beantragen (Verbrektion), die Parks / die Pärke / die Parke (Numerus), der / das Tunnel (Genus), für / auf das Examen lernen (Präposition) und Das Wetter ändert / Das Wetter ändert sich (Reflexivum). Auch syntaktische Varianten wie Bereits sind die Ämter besetzt / Die Ämter sind bereits besetzt (Vorfeldbesetzung), Gut, gibt es Bauern / Gut, dass es Bauern gibt (Nebensatzstruktur) zählen dazu. Das Nichterkennen bzw. Nichtanerkennen dieser Variation führt in verschiedenen Bereichen zu Problemen: in der Grammatikschreibung zum vorschnellen Ausschluss von grammatischen Varianten (und damit auch von möglichen Grammatikalisierungswegen), die nicht im Blickfeld der Grammatikographen liegen, und in sprachnormvermittelnden Instanzen wie Schule und Universität zu ungerechtfertigten Markierungen von regionalen oder nationalen Varianten des Standarddeutschen als ,Fehler‘.

Ziel des Projekts ist es, auf der Grundlage eines breiten Korpus von Texten aus allen Ländern und Regionen des zusammenhängenden deutschen Sprachgebiets die tatsächliche Variation in der Grammatik der geschriebenen deutschen Standardsprache zu erfassen, in einem Handbuch zu dokumentieren und damit eine Basis sowohl für Grammatiken als auch für weitergehende grammatische Untersuchungen zu schaffen. In unserer Variantengrammatik wird es also nicht um dialektale Merkmale gehen und auch nicht um solche Konstruktionen, die aus den Besonderheiten gesprochener Sprache resultieren bzw. – wie beispielsweise in der Internetkommunikation – durch Merkmale der konzeptionellen Mündlichkeit überlagert sind. Der Schwerpunkt in der Korpusanalyse und -auswertung wird vielmehr auf die standardsprachlichen Daten aus deutschsprachigen Zeitungen und belletristischen Texten gelegt.

Bei dem auf zunächst für drei Jahre angelegten Projekt, das seine Arbeit im September 2011 aufgenommen hat, handelt sich um eine gemeinsame Initiative dreier Sprachwissenschaftler aus der Schweiz, Deutschland und Österreich. In methodischer und theoretischer Hinsicht ist es angelehnt an die Arbeiten zum Variantenwörterbuch des Deutschen (Ammon 2004 et al.), legt seinen Schwerpunkt aber gerade nicht auf die lexikalischen Unterschiede zwischen den einzelnen Varietäten, sondern auf die Unterschiede im Bereich der Grammatik des Standarddeutschen. Es wird durch drei Förderorganisationen aus Deutschland (Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG), Österreich (FWF – Der Wissenschaftsfonds) und der Schweiz (Schweizerischer Nationalfonds, SNF) finanziert. Die Förderung basiert auf dem sog. D-A-CH-Abkommen, das die Durchführung grenzübergreifender Projekte in diesen drei Ländern unterstützt. Das Projekt wird geleitet von Prof. Dr. Christa Dürscheid (Zürich), Prof. Dr. Stephan Elspaß (Augsburg) und Prof. Dr. Arne Ziegler (Graz).

Literatur:

Ammon, Ulrich / Hans Bickel / Jakob Ebner et al. (2004): Variantenwörterbuch des Deutschen. Die deutsche Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. Berlin, New York: de Gruyter.

Dürscheid, Christa / Inga Hefti (2006): Syntaktische Merkmale des Schweizer Standarddeutsch. Theoretische und empirische Aspekte. In: Dürscheid, Christa / Martin Businger (Hrsg.): Schweizer Standarddeutsch. Beiträge zur Varietätenlinguistik. Tübingen: Narr. 131–161.

Dürscheid, Christa / Stephan Elspaß / Arne Ziegler (2011): Grammatische Variabilität im Gebrauchsstandard: das Projekt ,Variantengrammatik des Standarddeutschen‘. In: Konopka, Marek / Jacqueline Kubczak / Christian Mair / František Štícha / Ulrich H. Waßner (Hrsg.): Grammatik und Korpora 2009 / Grammar & Corpora 2009. Tübingen: Narr  (Corpus Linguistics and Interdisciplinary Perspectives on Language, 1), 123–140.

Eichinger, Ludwig M. / Werner Kallmeyer (Hrsg.) (2005): Standardvariation. Wie viel Variation verträgt die deutsche Sprache? Berlin, New York: de Gruyter (= Institut für Deutsche Sprache, Jahrbuch 2004).

Elspaß, Stephan (2010): Regional Standard Variation in and out of Grammarians’ Focus. In: Lenz, Alexandra N. / Albrecht Plewnia (Hrsg.): Grammar Between Norm and Variation. Frankfurt a. M.: Lang, 127–144.

Götz, Ursula (1995): Regionale grammatische Varianten des Standarddeutschen. In: Sprachwissenschaft 20, 222–238.

Ziegler, Arne (2010a): ‚Er erwartet sich nur das Beste‘ … Reflexivierungstendenz und Ausbau des Verbalparadigmas in der österreichischen Standardsprache. In: Bittner, Dagmar/Gaeta, Livio (Hrsg.): Kodierungstechniken im Wandel. Das Zusammenspiel von Analytik und Synthese im Gegenwartsdeutschen. Berlin/New York: de Gruyter, 65–81.