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Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben (SBS) / Zeitungsbericht 1990


... und darum ist die Ananas in Augsburg klein und rot

Dr. Werner König arbeitet in der Uni am Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben

Wissen Sie, was Ananas sind? Wenn Sie dahinter eine tropische Frucht vermuten, liegen Sie falsch. "So sagen die alteingesessenen Augsburger zu Erdbeeren, und die tragen sie nach dem Einkauf in einer Gschtadl heim", verrät schmunzelnd Dr. Werner König (46), Dialektforscher der Uni Augsburg. Nicht die einzige Sprach-Eigenheit am Lech, der emsige Wissenschaftler nennt ein weiteres Beispiel: "Uns fare mer" statt "wir fahren". Und Dienstag ist hier Aftermeite - der "Tag nach Montag".
1984 startete das Forschungsprojekt "Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben" unter der Leitung von Professor Hans Wellmann und Dr. Werner König am Augsburger Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft. Heute abend wird das Projekt in der Fernsehsendung "Aus Forschung und Lehre" (20.45 Uhr, 3. Programm) vorgestellt.
Tonbandgeräte und Fragebögen mit rund 2250 Einzelfragen im Gepäck, begaben sich die Mitarbeiter auf O-Ton-Jagd und ließen die Leute "schwätze, wie se immer schwätze". Das Ergebnis: 275 Orte wurden erfaßt und elf Zentner Papier beschrieben. Die Daten befinden sich inzwischen im Computer und nach dem Korrekturdurchlauf beginnt die Auswertung.
Wenn die Weiterfinanzierung geklärt ist, hofft König auf schnelleres Fortkommen: "Im Moment kochen wir auf Sparflamme, weil sich unsere Geldgeber nocht nicht einig sind, wer bezahlt." Die Projektkosten teilen sich die Deutsche Forschungsgesellschaft, der Bezirk Schwaben, die Uni und der Freistaat.
In ein bis zwei Jahren soll der erste der fünf veranschlagten Bände auf dem Markt kommen, "aber wir könnten leicht acht bis zehn Bände füllen". In fünf Jahren, wenn das Mammut-Dialekt-Werk vollendet ist, will der gebürtige Schwabe, Dr. Werner König stammt aus Graben am Lech, eine populäre Kurzfassung in Angriff nehmen: eine Kulturgeschichte auf dem Dorf. "Wir haben beim Befragen alter Leute so viel ausgegraben, das weiß in 30 Jahren schon keiner mehr."

"Augsburger Allgemeine" vom 05.03.1990