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Glossierung des Clm 6293


Die Glossierung des Clm 6293 (Gregor der Große, Dialoge) der BSB München

Projektstart: 01.07.2007
Projektträger: Universität Augsburg
Projektverantwortung vor Ort: Dr. O. Ernst

Zusammenfassung

Das Projekt verfolgt das Ziel einer kompletten Neuedition dieser wichtigen Glossierung sowie die eingehende sprachlich-funktionale Analyse des Wortmaterials. Die Arbeit am Projekt ist bereits abgeschlossen. Die Edition und Untersuchug wird derzeit für die Veröffentlichung vorbereitet. Die Griffelglossen des Clm 6293 gehören zur ältesten und umfangreichsten originalen Glossenüberlieferung zu Gregors Dialogen und wurden daher auch bereits zweimal ediert: einmal als Glossenliste von Herbert D. Merrit (1934) und erneut mit Korrekturen und grammatischem Kommentar von W. Schulte im Rahmen einer die gesamte Dialogglossenüberlieferung erfassenden Studie aus dem Jahr 1993. Da das Material zwar ediert vorliegt, aber bislang noch nicht eingehender sprachlich untersucht wurde, bestand zunächst der Plan, die Glossen auf der Basis der Edition Schultes bezüglich einer phonologisch-graphematischen und funktionalen Analyse im Rahmen meines Disstertionsprojektes zur Freisinger Griffelglossenüberlieferung zu behandeln. Die hierzu angestellten mehrfachen Autopsien der Handschrift machten allerdings schnell deutlich, dass die Edition von Schulte bezüglich einzelner Lesungen korrigiert werden muss und dass bei einer eingehenden Autopsie der gesamten Handschrift mit einer großen Zahl an Neufunden zu rechnen war. Zudem machte die textorientierte Ausrichtung der Arbeit Schultes ohnehin eine erneute Autopsie des Clm 6293 notwendig, da dem Clm 6293 neben den Dialogen auch weitere kurze Texte beigebunden sind, deren (allerdings nur sporadische) Glossierung weder bei Schulte noch in der Erstedition H. D. Meritts aus dem Jahr 1934 erwähnt ist. Die in der Folge angestellten Autopsien erbrachten die (angesichts der bereits zweimaligen Edition) erstaunliche Zahl von etwa 80 Neufunden, so dass bei der Glossierung des Clm 6293 nicht wie bisher mit 176 sondern mit etwa 250 althochdeutschen Glossen zu rechnen ist. Zwei Aspekte machen hier die Glossierung des Clm 6293 zu etwas Besonderem: 1. Der Clm 6293 weist nach derzeitigem Kenntnisstand die dichteste direkte Werktextglossierung der Dialoge Gregors auf. Die quantitativ am nächsten folgende Handschrift erscheint dagegen mit nur 35 Glossen eher sporadisch glossiert. 2. Die Eintragungstechnik mit dem Griffel lässt originären Sprachstand erwarten. Die Glossierung zeigt, soweit dies bisher zu sehen ist, einen frühen Sprachstand und weist auch aufgrund der Entstehungszeit der Handschrift noch in die Zeit um die Wende des 8./9. Jahrhunderts; so steht die Handschrift quantitativ betrachtet im Gesamtkorpus der Freisinger Griffelglossenhandschriften an zweiter Stelle und würde, wenn sich der frühe Sprachstand bestätigt, zu den am dichtesten glossierten Texthandschriften der frühen Zeit des Althochdeutschen überhaupt gehören. Dies macht den Clm 6293 nicht nur als eigenständige Textglossierung, sondern auch im Zusammenhang mit Quellenstudien zur reichen (bairischen) Glossarüberlieferung der Dialogglossen interessant.