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Hefegebäckmann

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Hefegebäckmann (Frage 1b)

weckmann

Das ‘süße Gebäck in Form einer menschlichen Gestalt („Gebildbrot“), das am Martinstag (11.11.) oder in der Vorweihnachtszeit (v. a. zu St. Nikolaus, also am 6.12.) gebacken wird’, ist nicht in allen deutschen Regionen bekannt. Dort, wo es bekannt ist, wird es überwiegend nach einer männlichen Figur benannt und enthält meist das Grundwort -mann oder -kerl. In Ostbelgien und im Westen Deutschlands ist der Bezeichnungstyp ,Teig + -mann/-kerl‘ verbreitet: In Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein heißt es Stutenkerl, ansonsten (vor allem entlang des Rheins, aber auch weiter östlich) Weck(en)mann. Bemerkenswert ist dabei die scharfe Grenzziehung zwischen Rheinland und Westfalen. Das Areal von Stutenkerl entspricht ungefähr dem Gebiet, in dem in der WDU-Karte ‘das Rosinenbrot’ (4-19) die Variante Stuten verzeichnet ist, wobei nicht nur Brot mit Rosinen als Stuten bezeichnet wird, sondern der (süße) Hefeteig ausschlaggebend ist (http://de.wikipedia.org/wiki/Stuten, 30.12.10). Aus diesem Teig wird auch das abgebildete Gebäck gemacht. Auch Weck ist eine Bezeichnung für (Rosinen-)Brot aus diesem Teig, allerdings wird dies nach der WDU-Karte nur in einem kleinen Teilgebiet des Weck(en)mann-Areals so verwendet (westlich von Köln). Im Südwesten ist Weck(en) dagegen die übliche Bezeichnung für Brötchen/Semmel/… . Die Wörter Stuten und Weck beziehen sich ursprünglich nicht auf den Teig, sondern auf die Form eines bestimmten Gebäcks: Mittelniederdt. stūt, stute ist verwandt mit Steiß (nl. stuit) und bezeichnet auch den ‘dicken Teil des Oberschenkels’, stuten danach ein schenkelförmiges Brot (Schiller-Lübben Bd. 4, 454f.). Weck (wegge) bedeutete zunächst nur ‘Keil’ (so auch noch lux. Weck, nl. wig), diese Bezeichnung ging dann schon früh und in vielen Regionen (auch im Engl. und Nl.) auf ein entsprechend geformtes Weizengebäck über (DWB Bd. 27, Sp. 2788).
Nach demselben Muster sind auch Hefekerl (in Süddeutschland einige Male) und Pfefferkuchenmann/Lebkuchenmann (v. a. in Ostdeutschland) gebildet. In Ostdeutschland wurde zumeist vorwiegend „bei uns unbekannt“ gemeldet. Auch die Tatsache, dass die angegebenen Bezeichnungen hier recht gemischt erscheinen, weist darauf hin, dass die Sache in diesem Gebiet keine regionale Tradition hat (oder außer Gebrauch gekommen ist). Anders ist es in der Schweiz: Hier ist das Gebäck allgemein unter den Namen Grättimann bzw. (häufiger) Grittibänz bekannt. Diese Namen gehen auf die Wortfamilie des Verbs grätte(n) (auch gritten) ‘mit gespreizten Beinen gehen’ zurück (Grätti/Gritti: ‘gespreizt, schwerfällig, unbehülflich gehender langsamer Mensch’, s. Schweizerisches Idiotikon Bd. 2 Sp. 823, vgl. ebd. Bd. 4 Sp. 258). Auch grätschen ist hiermit verwandt. Die Bezeichnungen beziehen sich auf die typische breitbeinige Darstellung dieser Figuren. -benz ist eine Kurzform des Namens Benedikt, auch Bernhard (s. Schweizerisches Idiotikon, Bd. 4, Sp. 1410).
In Österreich wird durchgehend, in Bayern häufig Krampus gemeldet, also eine Benennung nach dem schreckenerregenden Begleiter von St. Nikolaus, dem in Teilen der Alpen und anderen Gebieten v. a. des ehemaligen Habsburgerreichs ein ausgeprägtes regionales Brauchtum gewidmet ist (s.a. http://de.wikipedia.org/wiki/Krampus, 30.12.10). Durch das Zusammen-Auftreten mit dem Nikolaus hat er sich selbst zum Geschenkebringer am 5./6. Dezember entwickelt („Habt ihr heute etwas vom Nikolaus oder vom Krampus bekommen?“), und sein Name steht dann auch wie beim Nikolaus für den Geschenkanlass bzw. das Datum („Hast was zum Krampus bekommen?“). Von Nikolaus kommt die Bezeichnung Klausenmann zwischen Donau und Lech.
Eine lokale Spezialität ist schließlich die Bezeichnung Dambedei in der Gegend um Karlsruhe. Das Wort kann auch eine Puppe oder eine dumme Person bezeichnen und wird daher mit Dampel in Dampelhans ‘ungeschickter Mensch’ in Verbindung gebracht (s. PFWB Bd. 2, Sp. 63: Dampe-deihe). Mit Dei werden in dieser Region auch andere traditionelle Gebildbrote aus Hefeteig bezeichnet (Christdei(h) zu Weihnachten); das Wort hat evtl. mit gedeihen zu tun, es bezöge sich dann auf den ursprünglichen Sinn der Gebildbrote, Segen zu bringen (s. PFWB Bd. 2, Sp. 197).
Gegenüber der entsprechenden Karte mit Daten aus den 1970/80er Jahren (WDU 4-22) fällt auf, dass die Bekanntheit der Sache offenbar stark zugenommen hat; östlich der Weser sowie in der Pfalz, im Rhein-Main-Gebiet und in Bayern sind in der WDU-Karte fast keine Belege verzeichnet, und auch in Österreich nur vereinzelte Krampus-Meldungen. (Allerdings wurde damals auch nach einer Figur gefragt, die „oft mit einer Tonpfeife im Mund“ versehen ist.)