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wählerisch beim Essen

f3_09b

wählerisch beim Essen (Frage 9b)

Für Personen, die sehr wählerisch sind, wenn es ums Essen geht, gibt es sehr viele Bezeichnungen – geradezu ein Feuerwerk an Varianten. Dennoch lassen sich die Varianten zu folgenden Grundformen zusammenfassen: Südlich von Donau und Thaya sagt man überwiegend heikel (auch in den Formen haklich, haglich oder hoigl). Im Frankenland heißt es gnäschig, in Baden-Württemberg schleckig und in der Schweiz zum Teil gschnädderfräsig. In Norddeutschland, besonders im Nordosten, aber nicht in Schleswig-Holstein (hier sagt man krüsch), hört man überwiegend mäkelig, in Sachsen auch käbsch, in der Pfalz und im Saarland, teilweise auch in Baden-Württemberg, schnäkig. In Ostbelgien und im Mosel-Saar-Gebiet heißt es auch klott, am Mittelrhein schlauchig. In Westdeutschland ist dann kaum noch eine Ordnung zu erkennen, die bunteste Vielfalt findet sich dabei in Nordrhein-Westfalen. Hier nur einige Beispiele: mäkelig, schnücks(ch), pingelig, leksch, schlauchig, wählerisch ... und viele weitere.
Zu vielen dieser Ausdrücke gibt es entsprechende Dialektwörter. Deshalb finden sich vor allem in Dialektwörterbüchern Informationen über die Herkunft vieler dieser Ausdrücke, vgl. z.B.:
schnäkig (vgl. PfWb, V, Sp. 1219f.: schnäkelig zum Verb schnäken mit der Doppelbedeutung 'wählerisch beim Essen sein' oder auch 'heimlich naschen')
klott (vgl. RhWb, II, Sp. 1290: glutt 'wählerisch im Essen')
schlauchig (vgl. RhWb, VII, Sp. 1262f., zu schlauchen in der Bedeutung 'etwas Gutes essen, das Beste oben wegessen, naschen u. ä.'. Schlauch (mhd. sluoch) kann nach Kluge (S. 724) auch einen Rüssel bezeichnen, also evtl. eine Anspielung auf die "kritische Nase"?)
schnäubisch (vgl. RhWb, VII, Sp. 1560: zum Verb schnauben, verwandt mit schnuppen 'etw. Leckeres essen, naschen'). Zudem besteht wohl eine Verwandtschaft zu den Lexemen schnuppern, schnauben (also das Essen kritisch beschnuppern). Eventuell stellt der Anlaut sch auch eine Lautgebärde für die kritisch hochgezogene Oberlippe des „kritischen Gourmets“ dar (Kluge, S.735).
pingelig (vgl. RhWb, VI, Sp. 848: zum Verb pingeln in der Bedeutung 'langsam und ohne Appetit essen')
krüsch geht nach Kluge, S. 490, wohl auf das Adjektiv kürisch zum Verb küren (= 'wählen') zurück. Zuerst wurde die Form wohl zu kürsch verkürzt und anschließend die Laute ü und r vertauscht.