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Kleiner Sprachatlas von Bayerisch Schwaben (KSBS)


Projektstart: 01.10.2004
Projektträger:
Projektverantwortung vor Ort: Dr. Manfred Renn Prof. Dr. Werner König

Zusammenfassung

Der Kleine Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben (KSBS) stellt die wichtigsten und interessantesten Dialektunterschiede, die im Raum zwischen Allgäu und Ries anzutreffen sind, auf farbigen Karten dar und erläutert diese in knappen Kommentaren.
Der KSBS ist am 31.Oktober 2007 im Wißner-Verlag (Augsburg) in der Reihe 'Materialien zur Geschichte des bayerischen Schwaben', die von Rolf Kießling herausgegeben wird, erschienen.

Beschreibung

Buch:

Kleiner Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben, hrsg. v. Werner König und Manfred Renn, Augsburg 2007.
388 Seiten
Euro 14,80

KSBS

Für ein populärwissenschaftliches Werk, wie es der KSBS darstellt, werden keine öffentlichen Gelder mehr zur Verfügung gestellt. Daher war der KSBS auf Spenden von Institutionen, aus der Wirtschaft oder von Privatpersonen angewiesen. Zu Dank verpflichtet fühlen wir uns:

  • Bezirksverband der schwäbischen Sparkassen
  • Dr. Eugen Liedl Stiftung
  • Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg e.V.
  • Kulturfonds Bayern, Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst
  • Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung
  • Förderverein "Schwäbischer Dialekt" e.V.
  • Kögel Erich
  • Bayerische Einigung e.V. Bayerische Volksstiftung
  • Universität Augsburg
  • Bezirk Schwaben
  • Schwäbische Forschungsgemeinschaft

Hintergründe

Zu diesem Atlas angeregt und motiviert wurden die Herausgeber u. a. durch die von Edith Funk und Manfred Renn betreute Zeitungs-Serie "G'schwätzt und g'redt - aus dem Sprachatlas", die zwischen 2000 und 2002 in lockerer Folge in der Gesamtausgabe von "Augsburger Allgemeinen" und "Allgäuer Zeitung" geboten wurde. Sie hatte ein ungewöhnlich intensives und positives Echo in der Leserschaft gefunden.

Der KSBS hat auch einen Vorgänger im " Kleinen Bayerischen Sprach-Atlas" (KBSA), der ebenfalls von Werner König und Manfred Renn federführend bearbeitet wurde und der im Dezember 2005 im dtv-Verlag erschienen ist. Zu diesem bayernweiten, ebenfalls populären Atlasband soll der KSBS eine wichtige regionale Ergänzung darstellen. Denn viele Themen, die im KBSA aus unterschiedlichen Gründen entweder gar nicht oder nur grob dargestellt werden konnten, sollen im KSBS für den wesentlich kleineren Raum detailliert behandelt werden.

Grundlage für diesen populären Atlas ist sein großer Bruder, der streng wissenschaftlich abgefasste " Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben"(SBS), der in den letzten 20 Jahren an der Universität Augsburg erarbeitet wurde und der nun mit der Publikation von insgesamt 15 dicken Bänden sowie einem 16. Registerband vor seinem Abschluss steht. Der große Sprachatlas hatte aber den Raum südlich von Kempten nicht behandelt, weil dieses Gebiet schon im "Vorarlberger Sprachatlasses" (VALTS) berücksichtigt ist. Deshalb wird bei der Bearbeitung des KSBS auch regelmäßig auf Karten und auf Material des VALTS zurückgegriffen. Für diese Möglichkeit danken die Bearbeiter Herrn Professor Eugen Gabriel, dem "Vater" des VALTS ganz herzlich. 

Da das Material für einen solchen Sprachatlas letztlich darauf basiert, dass sich dafür ca. 600 Personen aus der ganzen Region oft tagelang für Auskünfte zur Verfügung stellten und geduldig und gewissenhaft die Fragen der von den Atlas-Projekten ausgesandten Exploratoren beantworteten, kann man mit aller Berechtigung sagen, dass der KSBS ein "Volksatlas" im doppelten Sinne des Wortes ist: er ist nicht nur "für das breite Volk" bestimmt, er ist auch "aus dem breiten Volk" entstanden.

Wir Bearbeiter glauben auch, dass mit der allgemeinverständlichen aber dennoch wissenschaftlich untermauerten Darstellung der alten Dialekte in diesem Atlas sich breite Volksschichten im bayerischen Schwaben in ihrem Wunsch nach Erhalt der bodenständigen Sprache und Kultur bestätigt fühlen und dass somit das nicht allzu ausgeprägte Selbstbewusstsein der Menschen hierzulande gefördert wird. Insofern hoffen wir auch, ein Stück weit die regionale Identität zu stärken.

Verantwortliche für den Band: Prof. Dr. Werner König und Dr. Manfred Renn.

 

Als kleine Kostprobe aus den Vorarbeiten für den KSBS hier der Entwurf einer Wortkarte mit Kommentar:

Rosenkranz-pub  

Rosenkranz (Gebetsschnur)

In den auf der Karte kariert gezeichneten, überwiegend evangelischen Gegenden um Memmingen und im Norden ist die hier angesprochene Gebetsschnur nahezu unbekannt. Den Katholiken dient sie dazu, beim Rosenkranz-Gebet die korrekte Anzahl und Abfolge der Gebetsteile zu gewährleisten. Kern des Rosenkranzes, der gut 20 Minuten Gebetszeit in Anspruch nimmt, sind fünf "Gesetzlein" von je zehn "Gegrüßet seist du Maria", jeweils mit eingefügten Sätzen, die der Zeit im Kirchenjahr bzw. dem Bet-Anlass angepasst sind. Man spricht deshalb entweder vom "schmerzhaften" (in der Fastenzeit und bei Traueranlässen), vom "glorreichen" (nach Ostern) oder vom "freudenreichen" Rosenkranz. Eingeleitet, verbunden und abgeschlossen werden die fünf Gesetzlein jeweils noch mit einem "Vater unser" und einem "Ehre sei dem Vater". Der Rosenkranz als Bet-Instrument wurde bei uns im 13. Jh. aus Spanien eingeführt und ist wohl eine Nachahmung der islamischen, ursprünglich sogar der buddhistischen Gebetsschnüre.

Die auch hochsprachlich übliche Bezeichnung Rosenkranz, die heutzutage überall die alten Ausdrücke schon nahezu verdrängt hat, ist in Anlehnung an den kirchenlateinischen Ausdruck rosarium entstanden, wohl verbunden mit der Vorstellung, dass die aufgereihten Gebete wie ein Kranz von Rosen die Gottesmutter  schmücken sollen. Von den ersten zwei Wörtern der lateinischen Version des Herrengebetes, dem Pater noster, leiten sich die zwei bei uns großflächig verbreiteten alten Bezeichnungen für die Gebetsschnüre ab: Pater, das im Tonvokal wie altes â gesprochen wird (Bååtr, Bautr, Bådr u.ä.), und Nuster, das im betonten Vokal eine Hebung von o zu u erfahren hat (Nuschtr). Weniger eindeutig zu klären ist die Herkunft der im Osten üblichen Bezeichnungen. Wahrscheinlich ist, dass hier Beter vorliegt, also das Instrument zum Beten. Nicht ganz auszuschließen ist aber auch, dass hier einmal eine Umlautform von "Pater", also Päter, vorlag oder zumindest zur Entstehung des Ausdrucks beigetragen hat.