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Kleiner Bayerischer Sprachatlas (KBSA)


Projektstart: 01.01.2000
Projektträger:
Projektverantwortung vor Ort: Dr. Manfred Renn Prof. Dr. Werner König

Zusammenfassung

Der KBSA ist im Dezember 2005 im dtv-Verlag erschienen, bereits im Januar 2006 gab es eine 2. Auflage. Der Atlas behandelt auf 121 Karten nicht nur wichtige Phänomene aus der Lautlehre und aus der Grammatik, er stellt vor allem auch interessante Themen aus dem Wortschatz dar.

Beschreibung

Buch:

Kleiner Bayerischer Sprachatlas, hrsg. v. Werner König und Manfred Renn, München 2005/ 22006.
256 Seiten (mit 121 Farbseiten)
erschienen im dtv-Verlag, Euro 14,50

KBSA

Im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Atlanten zeigen beim KBSA auf den Karten Farbflächen mit Texteinträgen die geographische Verbreitung bestimmter Sprachphänomene. Zu allen Karten erläutert auf der gegenüberliegenden Seite ein Kommentar in allgemein verständlicher Weise das Kartierte, gibt Hinweise zur Herkunft und Verwandtschaft der Wörter und liefert zusätzliche Informationen.

Entstehung

Bereits seit 1984 bzw. seit 1989 arbeiten unter dem Titel "Bayerischer Sprachatlas" in Bayern sechs regionale Forschungsprojekte an der umfassenden Erhebung und Dokumentation der Dialekte im Freistaat. Es sind dies:

Diese Projekte stellen ihre Ergebnisse in umfangreichen, wissenschaftlichen Sprachatlanten auf der regionalen Ebene der Bezirke dar. Dabei wird mit Symbolkarten gearbeitet, d.h. dass auf den Karten an jedem Aufnahmeort Symbole den am Ort üblichen Sprachtyp (Wort, Laut, Endung) repräsentieren. Parallel zu diesen Atlanten haben die sechs bayerischen Atlasprojekte gemeinsam auch an einer populären "Kompaktausgabe" für das Gesamtgebiet des Freistaats Bayern gearbeitet. Grundlage für diese Arbeit sind die bei den sechs Einzelprojekten gesammelten Sprachdaten. Für die äußerste Südwestecke Bayerns wurde auch auf das Material des Vorarlberger Sprachatlasses (VALTS) zurückgegriffen.

Arbeitsweise und Ziele des KBSA

Die Arbeit am KBSA begann im Januar 1999. Zunächst wurde versucht, in enger gegenseitiger Abstimmung "arbeitsteilig" zu arbeiten, indem also jedes Teilprojekt Karten und Kommentare für ganz Bayern erstellte. Von dieser Konzeption rückte man aus Gründen der Effizienz und zugunsten von mehr Einheitlichkeit wieder ab.

Ab Juli 2000 lag die zusammenfassende Kartierarbeit und die Endredaktion des KBSA ganz in den Händen des SBS in Augsburg, der von Professor Werner König geleitet wird. Für diese Arbeit stand für Manfred Renn zeitweise eine vom Freistaat Bayern finanzierte 1/2 Stelle (BAT) zur Verfügung. Die Einzelprojekte lieferten weiterhin die Sprachdaten und einen ersten Karten-Entwurf aus den jeweiligen Teilgebieten.

Eine Auszug aus dem KBSA

ferkeln

Die Karte zeigt die regional unterschiedlichen Bezeichnungen für den Geburtsvorgang bei den Schweinen. Dieser Vorgang, bei dem ein Mutterschwein in relativ kurzer Zeit etwa 10 - 12 Ferkel auf die Welt bringt, läuft relativ leicht ab.

Ein Teil der in Bayern dialektal üblichen Ausdrücke sind vom Ablauf motiviert: werfen und (aus)schütten beziehen sich darauf, dass die Ferkel aus menschlicher Sicht ungewöhnlich schnell aus der Muttersau herausgeworfen werden.

Das Verb bringen nimmt nicht nur auf den Vorgang Bezug. Hier ist aus Sicht der Menschen auch der Aspekt des Beschenktwerdens mit betont.

Die Bedeutungen 'ausbrüten' und 'sich fortpflanzen' stecken im Verb hecken, so schon mhd. belegt, das allgemein meist als "aushecken" verwendet wird. Hierher gehört auch ein Substantiv "Hecke", das u.a. die 'in einem Wurf geborenen Jungen' bezeichnet. Zurückzuführen sind diese Wörter auf einen Stamm *hag-, der auch in der Bezeichnung "Hagen" für 'Zuchtstier' vorkommt (Pfeifer 519, Kluge 362).

Die anderen Bezeichnungen sind alle auf das sichtbare Ergebnis des Geburtsvorgang, auf die jungen Schweine bezogen. In einer recht nüchternen Weise trifft dies auf den Ausdruck Junge machen in Unterfranken zu. Wesentlich bemerkenswerter ist, dass man dort teilweise auch die Verbform jungen ohne Objekt verwenden kann.

Andere Verbformen leiten sich von den regional üblichen substantivischen Bezeichnungen für die jungen Schweine ab. So ist problemlos säueln (seile) zu "Sau" und schweine(l)n ( schweinne, schwei nle) zu "Schwein" bzw. zur Diminutivform "Schweinlein" zu stellen. Die Verben suggeln, umgelautet süggeln, gehören zu "Suggel" oder "Suggerl", beides Bezeichnungen für 'junge Schweine', die auch gerne auf unsaubere Kinder übertragen werden. Hierher gehört auch das Verb "suckeln", eine Intensivbildung zu "saugen" (Kluge 20, 763).

Das Verb ferkeln hat seine substantivische Entsprechung in "Ferkel" bzw. "Ferkelein" (< mhd. verhel, verhelîn < ahd. far(a)h, farhilîn), Von gleicher Herkunft ist auch der "Fack" ('großes Ferkel') und die Diminutivform "Fäckel", von dem fäckeln abgeleitet ist. Man muß hier Schwund von r zwischen dunklem Vokal und hinterem Verschlußlaut annehmen: farh > *fach > Fack (Zehetner 107). Die Karte zeigt die geographisch unterschiedlichen Lautungen von Sekundärumlaut ( ä, a), von alten -ck- (ck, gg, g) und der Endung -eln (-la, -ln, -en).

Auch die sehr unterschiedlich gesprochenen, hier unter fär(le)n zusammengefassten Verben (z.B. fäärle, fean, faadln, faa-n) haben substantivische Entsprechungen, z.B. "Färlein", die auf verhelîn zurückgehen.