Ein literaturwissenschaftliches Symbol-Lexikon ist im deutschen Sprachraum bislang ein Desiderat. Das projektierte Metzler Lexikon Literarischer Symbole soll diese Lücke schließen. Unter der Mitarbeit von über 100 Fachwissenschaftlern und mit über 400 Volleinträgen versammelt es die wichtigsten Symbole der abendländischen Kultur und zeichnet ihre Geschichte in der Literatur an exemplarischen Belegstellen von der Antike bis in die Gegenwart nach. Unter ‚Symbol’ wird dabei ein konkretes dingliches Element, ein ‚signum visibile’ (G. Kurz) verstanden, das mit einer oder mehreren sekundären Bedeutungen versehen wird, die auf größere semantische Zusammenhänge verweisen. Zugrundegelegt wird ein weiter Literaturbegriff, der neben kanonisierter Literatur aller Gattungen auch weltliche und religiöse Gebrauchsliteratur, Unterhaltungsliteratur, Märchen, Fabeln etc. umfasst. Der Herkunftsbereich der berücksichtigten Symbole ist nicht auf Antike und Christentum beschränkt, sondern bezieht auch neu generierte literarische Symbole, wie z.B. die Technik-Symbole seit dem 19. Jahrhundert, mit ein. Wenn auch eine Vielzahl von Belegen geliefert werden soll, geht es doch nicht um eine lückenlose Auflistung, sondern um die Entwicklung einer Geschichte des jeweiligen Symbols. Dabei wird nicht ein ursprünglicher symbolischer Sinn aus den literarischen Bearbeitungen destilliert, vielmehr liegt der Schwerpunkt der Darstellung auf den Bruchstellen, den historischen Veränderungen und Transformationen des Symbols, etwa von der antiken Mythologie über die christliche Allegorese hin zur neuzeitlichen Symbolik. Das Kriterium für die Aufnahme eines Symbols ist demnach seine Wirkungsmächtigkeit in der literarischen Rezeption.
Hgg.: Günter Butzer und Joachim Jacob