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Die Psychopathologie der Postmoderne in Erzählwerken Susan Sontags und Julia Kristevas


Matthias Schreiner, M.A.

Susan Sontag (*1933, † 2004) und Julia Kristeva (* 1941) erlangten durch Essays (Sontag) bzw. Theoriewerke (Kristeva) Bekanntheit, in welchen sie zu literarästhetischen Sujets, aber auch zu anderen Künsten Stellung bezogen und in denen sie in kulturkritischer Form Beiträge zum Gegenwartsbewusstsein leisteten (und leisten). Beiden Autorinnen geht es um eine kritische Auseinandersetzung mit dem ökonomischen, militärischen und kulturellen Status quo der westlichen Welt und der sogenannten Weltgemeinschaft ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Unterschied zu ihren essayistischen bzw. theoretischen Arbeiten sind ihre literarisch-fiktionalen Werke allerdings weniger breit rezipiert.

Im Rahmen eines komparatistischen Dissertationsprojektes sollen lediglich die Prosaarbeiten Sontags und Kristevas untersucht werden. Der Ansatz bezieht sich also auf zwei Autorinnen, die in der ästhetischen Theorie der Postmoderne und der modernen Psychopathologie zu Hause sind und gleichzeitig diese Theorie literarisch, d.h. gesellschaftsrelevant verarbeiten. Sontag und Kristeva denken und schreiben multioptional. Ihre Intention ist die Verbindung von Theorie, Politik und Literatur als Teil des gesellschaftsrelevanten Denkens und Handelns.

Eine Beschreibung bzw. Definition der Postmoderne als real- und kulturgeschichtlicher Epoche ist Bestandteil des methodischen Ansatzes. Die literarischen Werke Sontags und Kristevas sind dann ins Verhältnis zur als „Postmoderne“ apostrophierten Epoche zu setzen, sodass die Werke auch als Reaktion auf ‚eigene’ psychopathologische Phänomene dieser Epoche – etwa den Vietnam-Krieg oder die Bürgerkriege im ehemaligen Jugoslawien – gelesen werden können. Schließlich ist aufzuzeigen, welcher ästhetischen Mittel, welcher narrativen Strategien sich zwei Autorinnen bedienen, die zum einen mit einem spezifisch postmodernen Epochenbewusstsein schreiben und zugleich die Diskussion um künstlerisch postmoderne Ästhetiken selbst mitgeprägt haben: In welchen Spannungsverhältnissen stehen literatur- und kulturästhetische Theoriebeiträge und eigene literarische Produktion?