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MITARBEITER-NEWS | Aktuelles Forschungsvorhaben von Prof. Elsen


Das aktuelle Forschungsvorhaben von Prof. Hilke Elsen beschäftigt sich mit der Rolle der Lautsymbolik für den Spracherwerb.

Lautsymbolik heißt, dass lautliche Einheiten Träger von Bedeutungsaspekten sein können. Wesentlich häufiger als vielfach angenommen lösen phonetische Merkmale, Töne, Sprachlaute, Lautkombinationen oder komplexere Lautstrukturen wiederholt bestimmte Assoziationskomplexe aus und stehen dann mit Bedeutung(facett)en in Beziehung. Bekannte Beispiele sind Schallnachahmung/Onomatopoesie (ping-pong, klapp!), Gefühlsäußerungen (au!, ih!) oder die akustisch-sprachliche Darstellung nichtakustischer Erscheinungen (schnapp!). Andere lautsymbolische Aspekte beziehen sich auf die unwillkürliche Verbindung von hohen, hellen Vokalen und der Vorstellung von ‘klein’ und dadurch ‘harmlos’, etwa bei der Verbalisierung von (Tier)geräuschen wie zirpen, wimmern, winseln, to tweet, to squeak im Vergleich zu grollen, donnern, to growl, to roar. Im Gegensatz zu den Sprachen in Europa weisen andere sogar einen recht hohen Anteil lautsymbolischer Wörter auf.

Bereits im frühen Erstspracherwerb nützen Kinder entsprechende Korrelationen. Das kindliche Gehirn reagiert auf lautsymbolische Wörter anders als auf sol­che ohne lautsymbolischen Wert, wenn Wort und Gegen­stand gleichzeitig präsentiert werden (Asano et al. 2015). Auf Ikonizität beruhende Korrespondenzen erleichtern entspre­chend den Erwerb, wenn sie den Spielraum einengen, Wörter und Gegenstände zu koppeln. Lautsymbolik hilft dabei, grundsätzlich die Verbindung zwischen Lautkörper und Gegenstand zu entdecken (Imai/Kita 2014, Asano et al. 2015).

Diese Beobachtungen können wir uns auch für die Vermittlung von Lexik zunutze machen. Lautsymbolische Korrelationen lassen sich gezielt im Fremdsprachen­unter­richt ein­set­zen, etwa Kurzvokale begleitet von kurzen Handbewegungen oder stimm­lose Plosive von plötzlichen Bewegungen wie Klatschen (Wrembel 2010).

In dieser Weiterführung des Lautsymbolikprojekts sollen die Arbeiten zum Thema Lautsymbolik als Verarbeitungsvorteil zusammengestellt und der Nutzen für die Daf/DaZ-Situation ausgelotet werden.

 

Literatur:

Asano, Michiko, Imai, Mutsumi, Kita, Sotaro, Kitajo, Keiichi, Okada, Hiroyuki, Thierry, Guillaume 2015. Sound symbolism scaffolds language development in preverbal infants. Cortex 63. 196–205.

Elsen, Hilke 2014c. Lautsymbolik - ein vernachlässigter Forschungsgegenstand der Sprachwissenschaft. Glottotheory 5.2. 185-218.

Elsen, Hilke 2015.  Der Faktor Lautsymbolik. JournaLIPP 4. 27-42.

Imai, Mutsumi, Kita, Sotaro, Nagumo, Miho, Okada, Hiroyuki 2008. Sound symbolism facilitates early verb learning. Cognition 109.1. 54–65.

Parault, Susan J., Parkinson, Meghan 2008. Sound symbolic word learning in the middle grades. Contemporary Educational Psychology 33.4. 647–671.

Parault, Susan J., Schwanenflugel, Paula J. 2006. Sound-symbolism: A piece in the puzzle of word learning. Journal of Psycholinguistic Research 35. 329–351.

Wrembel, Magdalena 2010. Sound symbolism in foreign language phonological acquisition. Research in Language 8. 175–188.

Meldung vom 12.04.2016