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Die Erforschung antiker Vasen im 18. Jahrhundert


PD Dr. Stefan Schmidt

Bemalte griechische Vasen wurden – obwohl bereits seit der Renaissance in vereinzelten Exemplaren bekannt – erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts für die Altertumswissenschaften ein Thema. Grundlage dafür waren vor allem die Funde, die bei den vielen neuen Grabungen in Campanien und Unteritalien gemacht wurden. Doch erst die aufwendige Publikationen der Sammlungen des britischen Gesandten in Neapel, Sir William Hamilton seit 1767 hatten enormen Einfluss auf ganz verschiedenen Ebenen der zeitgenössischen Kultur und der Wahrnehmung. Die völlige Abkehr von den Verspieltheiten des Rokoko hin zu den strengen und einfachen Formen eines Klassizismus, die Robert Rosenblum als eine Ästhetik der tabula rasa bezeichnete, war nicht nur der Anlass sich mit den antiken Vasenbildern intensiver zu beschäftigen, sie wurde durch die Erschließung des archäologischen Materials entscheidend befördert. Die Rolle detailliert nachzuzeichnen, die die mediale Verbreitung der antiken Keramik bei den Veränderungen dieser Zeit spielte, hat sich das Ausstellungsprojekt zum Ziel gesetzt.

Die Aufgabe ist dabei zweifach. Einerseits soll die direkte Wirkung der Publikationen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts auf die kunsthandwerkliche Produktion und die zeitgenössische Literatur vorgeführt werden. Andererseits soll die Art und Weise der Präsentation von antiken Vasen in den Druckwerken in Verbindung gesetzt werden zu den kunsttheoretischen und philosophischen Grundbegriffen der Ästhetik in der Zeit um 1800. Die damals propagierten Auffassungen, dass das Wesen der Dinge erst in der Abstraktion von zufälligen Erscheinungen, wie Licht und Umgebung, deutlich hervorträte, beruhen nicht zuletzt auf der Anschauung der antiken Vasenbilder, bei denen aus technischen Gründen die Reduktion auf wenige Linien und ungegliederte Flächen vorgeprägt war. Die ästhetische Befriedigung, die diese Bilder trotz dieses ‚Mangels’ gewährten, war ein Ausgangspunkt für die theoretische Begründung der neuartigen Kunsttheorie.

Das Projekt ist eingebunden in eine Reihe von Vorhaben, die sich mit der medialen Vermittlung von Antike und archäologischen Forschungen im ausgehenden 18. Jahrhundert beschäftigen. Neben Ausstellungen in der Universitätsbibliothek Augsburg, der Universitätsbibliothek Freiburg, dem Archäologischen Institut Zürich, dem Winckelmannmuseum Stendal und der Universitätsbibliothek Leipzig sind im Rahmen des Projektes folgende Publikationen erschienen:

Stefan Schmidt: Ein Schatz von Zeichnungen. Die Erforschung antiker Vasen im 18. Jahrhundert. Begleitheft zu einer Ausstellung in der Universitätsbibliothek Augsburg (Augsburg 1997)

M. Flashar (Hrsg.), 1768. Europa à la grecque, Vasen machen Mode (München 1999)

Hans-Ulrich Cain – Hans-Peter Müller – Stefan Schmidt (Hrsg.), Faszination der Linie: Griechische Zeichenkunst auf dem Weg von Neapel nach Europa (Leipzig 2004)

Hancarville und die Hamiltonsche Vasensammlung. Viertes Heft des Arbeitskreises für Theorie und Geschichte der Kunstgeschichtsschreibung (Stendal 2005)

 

Die Ausstellung zum Thema fand 1997/98 in der Universitätsbibliothek Augsburg statt und wurde von einem gleichnamigen Textheft begleitet. Die Konzeption paßten später andere Ausstellungen in Freiburg, Leipzig und Zürich an die jeweils örtlichen Bedingungen an und stellten sie unter verschiedene Titel.

[weitere Informationen zur Ausstellung]