"Deutsch-Englisch-Schülerleistungen International“
Ansprechpartner
Prof. Dr. Konrad Schröder, Claudia Harsch

Empirische Bildungsforschung hat nicht nur in Wahlkampfzeiten einen hohen Stellenwert in der Bildungspolitik. Nach TIMSS und PISA folgt nun DESI: „Deutsch-Englisch-Schülerleistungen International“. Diese Schulleistungsstudie (3,6 Mio Euro) wurde von der Kultusministerkonferenz der Länder in Auftrag gegeben und wird von einem Konsortium, bestehend aus Professoren der Universitäten Augsburg, Berlin (Humboldt), Dortmund, Hamburg und Koblenz-Landau sowie dem Deutschen Institut für internationale pädagogische Forschung (DIPF) durchgeführt.
Von der DESI-Studie erwartet man sich Aussagen zum Leistungsstand und den Fähigkeiten von Schülern und Schülerinnen der 9. Klassen aller Schulformen in den Bereichen Deutsch und Englisch. Hierbei geht es nicht mehr nur um Lesekompetenzen, wie in der PISA-Studie, sondern darüber hinaus um den aktiven und passiven Gebrauch des Deutschen und um die kommunikative Kompetenz in der Fremdsprache Englisch. Ein Messwiederholungsdesign soll die Veränderungen im Laufe der 9. Klasse aufzeigen.
Das Untersuchungsdesign ist jenseits rein sprachlich ausgelegter Tests breit ausgefächert, um den Einfluss schulischer, unterrichtlicher und personaler Faktoren erklären und Optimierungsansätze für den Unterricht aufzeigen zu können. Darüber hinaus eröffnet die Studie die Möglichkeit, die Situation von Schülern mit Migrationshintergrund zu beleuchten und Anstöße zu einer erfolgversprechenden Migrations- und Integrationspolitik zu geben. Nicht zuletzt erhofft man sich Anregungen für die Schulpolitik auf Länder- und Bundesebene.
Die PISA-Studie hat aufgezeigt, dass grundlegende schulische Reformen notwendig sind: Eine reine Leistungsstandmessung ohne breitere pädagogische Konzepte genügt nicht, um die Qualität des Bildungswesens in Deutschland dauerhaft zu verbessern. Dennoch müssen Reformen immer auf soliden Messsungen basieren, denen tragfähige Konzepte zugrunde liegen. DESI hat u.a. das Ziel, solche Daten und Erklärungsmodelle aufzuzeigen.
Beispielsweise kann ein Vergleich über alle Schulformen hinweg helfen, die Effektivität der verschiedenen Schulformen zu evaluieren und zu verbessern.
Darüber hinaus wird die momentane Diskussion um das Für und Wider von Ganztagsschulen weitere Anregungen aus DESI ziehen können: Dass das deutsche Schulsystem die Schüler in stärkerem Maße betreuen muss, legt PISA eindrucksvoll nahe.
Eine weitere, politisch relevante Gruppe stellen – wie die PISA-Studie ebenfalls verdeutlicht hat - die Schüler und Schülerinnen aus dem untersten Leistungsbereich dar. Nicht nur in den sozialen Brennpunkten der Großstädte zeigen sich die Probleme, die multiethnische Klassen aus sozial schwachen Schichten mit sich bringen. Die Jugendlichen auf der Kompetenzstufe I und darunter dürfen nicht zugunsten einer bloßen Eliteförderung vernachlässigt werden. Durch das Design der DESI-Studie wird ein Blickwinkel auf diese Problemgruppe eröffnet, der bei entsprechender Umsetzung helfen kann, auch die Leistungsschwachen gezielt zu fördern.
Und noch ein weiterer Punkt ist bedeutsam: An Deutschlands Schulen muss sich eine neue, den sozialen Sinn des Lernens bejahende Evaluationskultur etablieren. Nur aus der Zusammenarbeit aller am schulischen Bildungsprozess Beteiligten, also den Schülern, Eltern, Lehrern, Schulleitern und politisch Verantwortlichen kann sich ein qualitativ hochwertiges, zugleich aber auch menschenwürdiges Leistungssystem der Zukunft entwickeln. DESI wirkt in diesem Zusammenhang als Katalysator.
Nicht zuletzt aufgrund seiner leitenden Tätigkeit im Bundeswettbewerb Fremdsprachen (1985-2000) wurde Prof. Dr. Konrad Schröder in das DESI-Konsortium kooptiert. Gemeinsam mit Prof. Dr. Nold, Universität Dortmund, zeichnet er verantwortlich für die Testkomponente Englisch und die Beratung in allen fremdsprachendidaktischen Fragen.
An der Universität Augsburg werden Tests zur Messung der Lesekompetenz in Verbindung mit rezeptiven und produktiven Fertigkeiten entwickelt und Aufgaben zur Leistungsstandmessung einer übergreifenden kommunikativen Kompetenz erarbeitet. Auch die Datenauswertung und Interpretation in diesen Bereichen obliegt Prof. Schröder und seinem Team.
Das Projekt befindet sich momentan in der Pilotierungsphase. Die inzwischen entwickelten Instrumente sind im Herbst 2002 in vier Bundesländern auf breiter statistischer Basis getestet worden und die so gewonnenen Daten werden momentan ausgewertet.
Die Laufzeit des Projekts, das Drittmittel in einer Gesamthöhe von 300.000,-- € an den Lehrstuhl für Didaktik Englisch bringt, ist 2001-2005.