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Deutsch-französischer Master der Universitäten Augsburg und Nancy von der DFH gefördert

 

Der wissenschaftliche Beirat der Deutsch-Französischen Hochschule (Université franco-allemande) hat im Dezember 2011 die Förderung des binationalen Masters (PhD-Track) Europäische Kommunikationskulturen vom Zeitalter der Aufklärung bis in die Gegenwart (Les cultures européennes de la communication depuis le siècle des Lumières jusqu’à l’époque contemporaine) beschlossen. In einer entsprechenden Mitteilung der Referatsleiterin "Evaluation und Finanzierung von Studienprogrammen" wird auf die "exzellente wissenschaftliche Evaluierung des Projekts" verwiesen. Der Master Europäische Kommunikationskulturen ist eines von drei positiv evaluierten Programmen in Bayern (sechs Programme werden deutschlandweit gefördert).

 

Fachdisziplinen/Start/Programmverantwortliche

Das in den Bereichen Romanistik/Lettres modernes angesiedelte Studienprogramm startet im Wintersemester 2012. Programmverantwortliche sind die Augsburger Romanistinnen Prof. Dr. Rotraud von Kulessa (Lehrstuhl für Romanische Literaturwissenschaft) und Prof. Dr. Sabine Schwarze (Lehrstuhl für Romanische Sprachwissenschaft) sowie an der Université de Nancy die Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Catriona Seth (Lettres Modernes/18e siècle).

 

Inhalte/Aufbau des Programms

Das Studienprogramm widmet sich der systematischen Aufarbeitung und Interpretation der Entwicklung europäischer Kommunikationskulturen von der Entstehung öffentlicher Kommunikationsräume im 18. Jahrhundert bis hin zu ihrer Neuorganisation in der Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen dabei die Werte und das Wirkungspotential der Aufklärung für die Gegenwart. Die binationale und interdisziplinäre Perspektive des Masters umfasst literarische, linguistische, historische und kulturelle Studienbereiche, wodurch auch eine umfassende Einbindung von Ergebnissen der in beiden Ländern besonders traditionsreichen Aufklärungsforschung ermöglicht wird. Durch den Umgang mit zwei Wissenschaftskulturen und der Perfektionierung der jeweiligen Partnersprache können interkulturelle Kompetenzen erworben und ausgebaut werden.

Die deutschen und französischen Studierenden/Doktoranden absolvieren das Studienprogramm in gemischten Gruppen und werden auf die Weise mit zwei Wissenschaftskulturen und deren Kommunikationsformen vertraut. Die Masterphase dient in erster Linie der wissenschaftlichen und beruflichen Orientierung. Die Studierenden haben deshalb die Möglichkeit, im 3. Semester zwischen der Beteiligung an einem Forschungsprojekt und einem Berufspraktikum zu wählen. Diejenigen, die sich für ein anschließendes Promotionsstudium entscheiden, können das Thema der Dissertation aufbauend auf der Masterarbeit entwickeln. Die Doktoranden werden in die strukturierten Promotionsprogramme beider Universitäten integriert und können die Möglichkeit der Co-Tutelle nutzen.

Der Master mit PhD-Track ist als Forschungsmaster konzipiert, bietet aber ebenso die Möglichkeit eines anschließenden Berufseinstiegs im Verlagswesen, in Bibliotheken bzw. in Kultur- und Medieninstitutionen (Praktikumsplätze werden in diesen Bereichen zur Verfügung gestellt).

 

Projektgenese und Profil der Initiatorinnen

Der Weg von der Idee zum fertigen Projektantrag war denkbar kurz und geradlinig.

Eine enge Zusammenarbeit zwischen den benachbarten Lehrstühlen für romanische Sprach- und Literaturwissenschaft (Französisch/Italienisch) bahnte sich aufgrund zahlreicher komplementärer Interessen und Forschungsgebiete der Lehrstuhlinhaberinnen bereits unmittelbar nach Amtsantritt von Rotraud von Kulessa im April 2011 (Nachfolge Henning Krauß) an. Ihre Schwerpunkte liegen u.a. in der Literatur der Aufklärung sowie im Kultur- und Wissenstransfer im 18. Jahrhundert. Sabine Schwarze ist ihrer frühen wissenschaftlichen Sozialisation in der Hallenser Aufklärungsforschung auch später treu geblieben und forscht u.a. zu Sprach- und Übersetzungstheorien, Mediengeschichte und Wissenschaftssprache im Zeitalter der Aufklärung. Beide sind aktive Mitglieder der französischen bzw. italienischen Gesellschaften zur Erforschung des 18. Jahrhunderts, eine Aktivität, aus der sich auch die Zusammenarbeit mit der französischen Kollegin entwickelt hat. Catriona Sethgilt als  anerkannte Spezialistin der Ideengeschichte und der Literatur der Aufklärung, mit Schwerpunkt auf Kultur- und Wissenstransfer.

Catriona Seth wird sich in Augsburg am 2. Februar mit dem Eröffnungsvortrag zur Ausstellung „Französische Erziehungsschriften des 18. Jahrhunderts aus den Beständen der Universitätsbibliothek Augsburg“ vorstellen. Im September 2012 werden Kulessa, Schwarze und Seth gemeinsam eine interdisziplinäre Sektion zum Thema Les Lumières et les media de communication depuis le 18e siècle jusqu’à l’époque actuelle auf dem Frankoromanistentag in Leipzig leiten, in der es ausgehend von der Charakteristik der Kommunikationsmedien im 18. Jahrhundert um die Aktualität der Errungenschaften der europäischen (hier insbesondere der französischen) Aufklärung, deren Präsenz in der heutigen Medienlandschaft und damit auch im kulturellen Gedächtnis der Sprach- und Kulturgemeinschaften gehen soll.

Die Idee zur Entwicklung eines binationalen Masters mit enger inhaltlicher Anbindung an die Aufklärungsforschung nahm während des Weltkongresses der International Society for Eighteenth Century Studies (ISECS) im Juni 2011 in Graz erste Konturen an. Pünktlich zur DFH-Deadline im Oktober 2011 standen der komplette Antrag sowie - dank der konstruktiven Zusammenarbeit mit der Augsburger Universitätsleitung - ein Kooperationsvertrag der Universitäten Augsburg und Nancy.

 

 

Text: Prof. Dr. Sabine Schwarze

Augsburg, den 12. Januar 2012