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Thema : "Eine Japanerin in Deutschland" von Chika Kietzmann
verfasst von Chia-Ling Yen


Inhaltsverzeichnis

I Die Autorin Chika Kietzmann

II Das Buch

III Der Inhalt

1 Kommunikationsschwierigkeiten

2 Vergleich der Kulturen

2.1 Medien
2.2 Humor
2.3 Hygiene
2.4 Offenheit der Eltern
2.5 Trinkgewohnheiten
2.6 Einkaufen

3 Suche nach der eigenen Identität

IV Eigene Meinung

 

I Die Autorin Chika Kietzmann

Chika Kietzmann wurde 1966 in Japan geboren und ist dort aufgewachsen. Vor Abschluss des Gymnasiums verbrachte sie einige Zeit in den USA. Nach der Rückkehr studierte sie in Tokio Anglistik und arbeitete danach als Übersetzerin für Englisch und Japanisch. 1990 ist sie nach Deutschland gekommen. Sie studiert Völkerkunde und lebt mit ihrem Mann in Köln. Außer in den USA und Deutschland verbrachte sie auch eine gewisse Zeit in Thailand und anderen Ländern. Das Buch "Eine Japanerin in Deutschland" ist ihr erstes Buch, das auf Deutsch geschrieben wurde. Chika Kietzmann gehört zu den deutschschreibenden Autoren nichtdeutscher Muttersprache.


II. Das Buch

Das Buch erschien im Jahr 1995 bei ECON Taschenbuch Verlag. Zur Zeit gibt es keine neue Auflage, deshalb kann man das Buch in Buchhandlungen leider nicht bestellen oder kaufen.

Das ganze Buch ist in Prosa geschrieben, dabei in 26 Abschnitte unterteilt. Jeder Abschnitt hat einen eigenen Titel und ist in sich abgeschlossen. Die Erlebnisse der Autorin und ihr Deutschlandbild spiegeln sich darin wider. Die japanische und die deutsche Kultur sind immer im Vergleich dargestellt.

"Dieses Buch habe ich eigentlich nur deswegen geschrieben, um mein Deutsch zu verbessern, damit ich die Beziehungen zu meinen Freunden vertiefen und auch andere Leute leichter kennenlernen kann. Darüber hinaus fühle ich mich aber auch viel wohler, seit ich mit dem Buch begonnen habe. Das Schreiben über meine Erlebnisse in Deutschland hat mir geholfen, Schwierigkeiten zu überwinden. Was ich in diesem Buch niedergeschrieben habe, entspricht meinem Bild von Deutschland. Natürlich muss dies nicht mit dem Deutschlandbild anderer Ausländer übereinstimmen. Trotzdem würde ich mich sehr freuen, wenn die Leser durch dieses Buch etwas mehr darüber erfahren würden, wie eine Ausländerin in Deutschland lebt, was sie denkt und wie sie dieses Land sieht." So spricht die Autorin.

Das Buch ist sehr humorvoll geschrieben und außerdem von der Sprache her leicht verständlich.

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III. Der Inhalt

1. Kommunikationsschwierigkeiten

Wenn man im Ausland lebt, ist die Sprache sicherlich das erste Problem, das man hat. Warum sind Asiaten bekannt dafür, daß sie die deutsche Sprache nur sehr schwer lernen? Hier in diesem Buch werden einige Gründe genannt. Bevor man anfängt, überhaupt etwas zu sagen, muß man Tausende von Regeln im Kopf haben. Und auch wenn man schon die Regeln erlernt hat, beim Sprechen geht es so schnell, daß man kaum die Zeit dafür hat, etwas zu überlegen. In der japanischen Sprache gibt es keine Artikel, keinen Kasus, keinen Genus, keinen Numerus, keine Konjugation, gar nichts. So sieht die japanische Satzstruktur ungefähr so aus: Ich gehen. Du gehen. Er gehen. Ich haben ein Buch. Du haben zehn Buch. Er haben hundert Buch. Auch bestimmte oder unbestimmte Artikel existieren nicht.(*1) Über seinen Ursprung gibt es bisher nur Hypothesen. Neuerdings scheint sich die Theorie zu erhärten, daß das Japanische zusammen mit dem Mongolischen, Tungusischen und Türkischen einen gemeinsamen altaischen Ursprung hat. Allen Sprachen der ural-altaischen Gruppe sind wichtige Merkmale gemeinsam: Die Verben haben meist Sufflxe, die Suffixe können kombiniert werden, es gibt statt Prae- nur Postpositionen, und das Verb steht am Ende eines beliebig langen Satzes.(*2)

In japanischen Sätzen fällt das Subjekt permanent aus. Die Japaner versuchen, alles möglichst objektiv auszudrücken, obwohl in Wirklichkeit die Japaner die Dinge ziemlich subjektiv und emotional betrachten. Ohne Subjekt ist ein Satz scheinbar nicht mehr subjektiv. Ein Deutscher kommt nie auf die Idee, einen subjektlosen Satz aufzubauen. Wenn ein Deutscher Japanisch spricht, sagt er ungefähr dreißigmal, "ich, ich, ich", während ein Japaner im gleichen Zeitraum nur dreimal, "ich" sagt. Obgleich es bloß die Gewohnheit und die Struktur einer Sprache ist, bekommen viele Japaner den Eindruck, daß die Deutschen egozentrisch und aufdringlich sind. Die direkte Art der Deutschen ist für die Japaner zu frech. Umgekehrt irritieren die Japaner die Deutschen häufig mit ihrer vagen Ausdrucksweise. Die Japaner versuchen direkte Aussagen möglichst zu vermeiden, sie sind im allgemeinen nicht daran gewöhnt, eine gegensätzliche Meinung oder direkte Aussagen zu äußern. D. h. wenn man z. B. sagt, daß es heiß ist, meint er vielleicht, daß er etwas trinken möchte. Oder eine Gruppe Leute hat gerade entschieden, ins Restaurant zu gehen, dann würde ein Japaner mitgehen, auch wenn er eigentlich nicht möchte. Die Japaner sagen immer nur "Ja", "Egal" was sie gefragt werden, lächeln ständig und erklären nichts. Sie stimmen der Meinung jedes Gesprächspartners zu. Für die Deutschen oder allgemein für die westlichen Leute sind sie also völlig inkonsequent. Es scheint, als ob die Japaner dumm, langweilig und heuchlerisch wären. Haben sie gar keine eigene Meinung? :"Der Grund,: daß die meisten Japaner die Engländer für zivilisierter halten als die meisten übrigen Europäer, liegt in deren eleganten und höflichen Umgangsformen, an ihrer Selbstbeherrschung und ihrem höflichen Sinn für leichten Humor. Entschuldigungen spielen bei ihnen eine große Rolle, außerdem respektieren sie die verrnutete Meinung eines Gesprächspartners durch abgemilderte Formen der Behauptung, die manchmal zum Understatement wertlen. Wendungen wie 'may be' oder 'perhaps' kornmen ihnen spielend, wie

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1 Vgl. Mayer ( 1995). S.464
2 Vgl. Erlinghagen (1979). S.272-273

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2. Vergleich der Kulturen

2. 1 Medien

Der Inhalt der Nachrichten ist in Deutschland hauptsächlich auf Politik und Wirtschaft beschränkt. In Japan aber wird außer über politische und wirtschaftliche Ereignisse auch über viele gesellschaftliche und soziale Ereignisse und sonstige Neuigkeiten berichtet. Aber der Meinung der Autorin nach sind die Fakten in Japan eher oberflächlich naiv und emotional. So wurde z.B. der ehemalige Premierminister Singapurs Lee Kuan Yu wegen seiner erfolgreichen Modernisierungspolitik in Japan sehr positiv beurteilt. Japanische Touristen in Singapur bewunderten die Sauberkeit und Ordentlichkeit Singapurs. Aber ganz im Ggenteil davon wird Lee Kuan Yu in deutschen Medien als "Diktator" dargestellt, und wegen vielen strikten Gesetze ist das Leben in Singapur angeblich extrem unangenehm.

In einer Umfrage halten viele Japaner die Schweiz für den idealen Staat der Welt. Die Gründe sind vermutlich deren wunderbare Natur und politische Neutralität. Die japanischen Medien betrachten die Probleme oft nur oberflächlich, deshalb ignorieren die Japaner natürlich, welche Schwierigkeiten diese Neutralität gleichzeitig mit sich bringt. Ebenso wie die Schule und Politik der Jugend die Wahrheit über die Zeit vor 1940 vorenthalten, drücken sich auch die großen Medien vor diesem folgenreichen Thema. Niemand hat bis heute gründlich die Ausplünderung und Unterdrückung Südostasiens dargestellt. Folglich reist Japans Jugend jetzt in die Nachbarländer, ohne zu wissen, was dort vor nicht langer Zeit passierte, und welche Erinnerungen an die Japaner dort noch fortleben, während die Völker dieser Region das Nichtwissen der Jugend für absichtliches Verleugnen und Arroganz halten. Das ist nicht so, weil die japanische Presse die Wahrheit absichtlich unterdrückt, aber sie überlegt schon dabei, welcher Schaden oder Nutzen dem japanischen Volk durch eine Veröffentlichung entstehen könnte.(*6) Japan und Deutschland haben beide den Krieg verloren und danach ein bemerkenswertes Wirtschaftswachstum erreicht. Der Unterschied zwischen den beiden Völkern besteht darin, daß die Deutschen ständig versuchen, ihre Gesellschaft, ihr Staatssystem, ihr Leben zu verbessern, während die Japaner ihre Geduld und ihre Akzeptanz in der selben Situation zeigen.

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6 Dambmann (1979). S 280-281

2.2 Humor

Die beiden Völker haben auch einen unterschiedlichen Sinn für Humor. In kurzen Worten, die Deutschen lachen gerne über die anderen, und die Japaner über sich selbst. Deutsche erzählen sehr geme rassistische Witze: Negerwitze, Türkenwitze, Asylantenwitze und so weiter. Wenn sich die Deutschen nicht über Menschen anderer Nationalität lustig machen, dann tun sie es über irgendwelche Minderheiten: Behinderte, Mantafahrer, Ostfriesen oder Blondinen. Die Japaner machen dagegen nicht so häufig Witze über andere Leute. Das finden sie gemein. Sie machen eher Witze über sich selbst und das stört niemanden. Man erzählt den anderen, wenn man einen dummen Fehler gemacht hat, oder einem etwas Lustiges passiert ist. Das ist für die Deutschen schwer verständlich. Wenn man den Deutschen einen Witz über selbst erzählt, sagen sie anstatt zu lachen: "Es tut mir Leid, daß dir so etwas passiert ist."

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2.3 Hygiene

Jedes Volk oder jeder Mensch hat eine eigene Vorstellung darüber, was sauber ist. Wer es anders als man selbst macht, gilt als unsauber.

Die Deutsche putzen ihre eigenen Wohnungen eifrig, und nicht nur das Innere ihrer Wohnungen oder Häuser wird in Ordnung gehalten, sondern auch das Äußere. Man putzt regelmäßig Fenster und pflegt die Gärten. Deutsche Frauen finden ihren Stolz in "blitzblanken Fußböden". Nach der Auffassung der Autorin sind die Deutschen fanatisch was Sauberkeit angeht. Mit so vielen Putzmitteln, Spülmitteln und Waschmitteln kann man schon gut verstehen, wie die Deutschen davon begeistert sind, ihre Wohnung und Umgebung sauber zu halten. Deutsche Hausmeister beschweren sich häufig, weil ihre japanischen Mieter ihre Wohnung und die Treppe nicht oft genug putzen. Ausländer sind in ihren Augen echt unsauber.

Japanerinnen würden dagegen sagen, warum nicht beim Eintreten die Schuhe abstellen und in Slippern im Hause umhergehen, dann ist das ständige Wienern des Fußbodens ganz überflüssig. In Japan ist es nicht die Wohnung, die man so eifrig putzt, sondern der eigene

Körper.(*7) Da die Japaner generell starken Parfümgeruch nicht mögen, bemühen sie sich immer nach Seife zu riechen, und das ist ein Zeichen von Sauberkeit. Es kommt häufig vor, daß Ausländern verwehrt wird, öffentliche Badehäuser zu betreten, weil man glaubt, daß Ausländer die Bäder verschmutzen.

Viele Thailänder finden es einfach unglaublich, daß die Japaner nur einmal am Tag baden, denn sie duschen mehrmals am Tag.

Die meisten Amerikaner finden es nicht so wichtig, ob ihre Kleidung fleckenfrei ist und eventuell Risse und Löcher geflickt sind. Hauptsache ist, daß sie frisch gewaschen ist. Was frisch gewaschen ist, ist auch sauber, selbst wenn ein paar Flecken in der Wäsche nicht herausgegangen sind. Für sie ist es ekelhaft, wenn man mehr als einmal etwas angehabt hat. Deshalb waschen die Amerikaner ihre Wäsche wie verrückt.

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7 Vgl. Erlingltagen (1979). S.177-178

2.4 Offenheit der Eltern

Obwohl die Jungen in Deutschland sich häufig beschweren, daß ihre Eltern sie nicht verstehen, sind die Eltern im allgemeinen offener als die Eltern in Japan. Denn Japan ist ein Land mit patriarchalischer Tradition. Unter dem alten System war die Familie eine patriarchalische Gruppe, die Gehorsam forderte, dieser dazugehören aber auch Schutz und Sicherheit bot. Was der einzelne erstrebte und erreichte, schuf er nicht als Individuum, sondern als Mitglied seiner Familie. In Deutschland wird das Kind von seinen ersten Lebenstagen an dazu erzogen, ein auf sich selbst gestelltes Individuum zu sein: In Babykorb und Kinderzimmer wird es isoliert. In Japan dagegen wird das Kind niemals isoliert, sondern ist immer bei der Mutter. Dadurch entstand die Autorität der Älteren.(*8) Auch bis Heutzutage haben die Kinder in Japan, wenn sie erwachsen sind, Hemrnungen, den Eltern ihren Freund bzw. ihre Freundin vorzustellen. Die Beziehung zwischen Mann und Frau ist in vielen japanischen Familien kein Gesprächsthema, und es ist peinlich, in der Familie über einen Freund oder eine Freundin zu sprechen. Es ist fast ein Tabu. Man kann hier in Deutschland viel offener den Eltern sagen, was man denkt, wie man sich fühlt und was man tatsächlich tut, ob die Eltern es akzeptieren ist eine andere Sache. Ein Problem besteht dann, wenn eine Japanerin mit einem deutschen Mann befreundet ist. Während der Junge dies sofort seinen Eltern erzählt, läßt das Mädchen ihre Familie nichts davon wissen. Der Junge denkt dann, daß sie vielleicht ihre Beziehung gar nicht ernst nimrnt.

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2.5 Trinkgewohnheiten

Nach Feierabend zieht es fast die Hälfte aller Angestellten nicht gleich nach Hause. Gemeinsam trinken die Kollegen eines Büros einen Whisky oder Sake in einer der vielen winzigen Kneipen und, indem sie ihre Erlebnisse, Erfahrungen und Sorgen teilen.(*9) In Japan sollte man trinken, um in der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Wer nicht trinkt, ist ungesellig. Betrunken zu sein wird nicht als schlecht betrachtet. Nur wenn man betrunken ist, kann man sich entspannen und ehrlich sein. Man versteckt also sein wirkliches Wesen nicht mehr und gewinnt dadurch an Vertrauen. Das Trinken verbindet Menschen, es ist Mittel der Korumunikation. Ganz im Gegensatz dazu finden es die Deutschen eine Schande, betrunken zu sein. Sie halten dies für asozial, denn es ist ein Zeichen von Schwäche, die man vor anderen möglichst nicht zeigen soll. Die Deutschen trinken, weil es ihnen schmeckt. Wenn man bei einem offiziellen Anlaß betrunken ist, verliert man das Vertrauen der anderen. Die betrunkenen Leute in Deutschland sind meistens zugleich richtige Alkoholiker und aggressiv. Anders ist es in Japan, dort stören die Betrunkenen niemanden, sie schlafen nur.

2.6 Einkaufen

In Deutschland sind die Geschäfte sonntags zu, weil das Gesetz dies nicht erlaubt. Für die aus Japan kommenden Ausländer ist es besonders unangenehm, denn in Japan gibt es an jeder Ecke ein "24-Hour" Geschäft, wo man zu jeder Tages- und Nachtzeit einkaufen kann. Dort kann man Briefmarken und Telefonkarten kaufen, kopieren, faxen, Stromrechnungen bezahlen, u. s. w. Auf der Straße stehen überall Getränkeautomaten, wo man auch zu jeder Zeit eiskalte Limonade oder heißen Dosenkaffee bekommen kann. Wenn man Essen oder Getränke in einem Restaurant bestellt, oder wenn man in einem Kaufhaus für jemanden ein Geschenk kauft, können die Waren nach Hause geliefert werden, der Lieferservice ist immer dabei. Man muß nicht immer kontrollieren, ob man alles im Haus hat. Das Stadtleben in Japan scheint praktischer zu sein. In Japan sind die Serviceleistungen so wichtig, daß sich alle Geschäfte und Firmen ständig neue Serviceleistungen ausdenken und so die Verkäufer höflich sein müssen, um mehr Kunden zu gewinnen. Weil die Verkäufer so höflich sind, fühlen sich dann die Kunden verpflichtet, etwas zu kaufen. Das Leben wird praktischer und praktischer, aber dafür braucht man mehr Geld. Die Serviceleistungen sind scheinbar kostenlos, doch tatsächlich sind sie in die Preise einkalkuliert. Deswegen sind die Lebenshaltungskosten in Japan ziemlich hoch. Als Folge muß man mehr und mehr arbeiten. Die Konkurrenz wird stärker und stärker, was als Vorbild für die Volkswirtschaft dient. Obgleich Japan zweifellos ein Land des Reichtums ist, ob dadurch eine gesunde Konkurrenz erzieht wird, bleibt noch eine offene Frage!

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8 Vgl. Schwalbe (1979). S.328-330
9 Vgl. Damnmann (1979). S. 244

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3. Such nach der eigenen Identität

"Wenn man in seinem Heimatland lebt, meint man mit 'Identität' in erster Linie die Identität des Individunms. Wenn man im Ausland lebt, definiert man sie eher als 'Zugehörigkeit'. Statt 'Wer bin ich?' fragt man 'Wozu gehöre ich?"', meint die Autorin.

Wenn die Deutschen in Deutschland sind, feiern sie vielleicht nicht besonders aktiv Weihnachten. Das ist für sie nicht besonders interessant, man hört die gleichen Weihnachtslieder, bekommt Geschenke, jedes Jahr ist es immer dasselbe. Ob man feiert oder nicht, Weihnachten ist sowieso da. Aber wenn sie in einem ganz fremden Land sind, sieht man keine geschmückten Bäume auf den Straße mehr, keinen Weihnachtsmarkt, hört keine Weihnachtslieder, bekommt keine Geschenke. Dann würde man wahrscheinlich selbst einen Baum schmücken.

Als die Autorin noch in Japan lebte, haßte sie die Religion, weil für sie die Religion die Ursache fast allen Übels war. Aber nachdem sie einige Jahre in Deutschland gelebt hat, ist sie davon überzeugt, daß der Buddhismus tief in ihr wurzelt. Wäre sie in Japan geblieben, hätte sie vermutlich nie entscheiden können, ob sie religiös ist oder nicht. Obwohl die vorherrschende Religion in Japan heute der Buddhismus ist, heißt es in der Verfassung:"Keine Religionsgemeinschaft darf vom Staat irgendwelche Vorrechte erhalten, noch irgendwelche politische Macht ausüben. Niemand darf gezwungen werden, an irgendwelchen religiösen Handlungen, Feiern, Riten oder Übungen teilzunehmen. Der Staat und seine Organe enthalten sich der religiösen Erziehung oder irgendeiner anderen religiösen Tätigkeit."(*10) Deswegen bekommen die Schüler in der Schule keinen Religionsunterricht. Die meisten Japaner wissen einfach zu wenig über ihre eigene Religion. Dagegen werden die Schüler in Deutschland in manchen christlichen privaten Schulen über das Christentum unterrichtet. Die Japaner haben nur ein gewisses Getühl für den Buddhismus.

Viele islamischen Frauen tragen hier in Deutschland Kopftücher, obwohl ein Teil davon eigentlich sich freiwillig entscheiden kann, die Kopftücher zu tragen oder nicht. Außerdem sind sie im Ausland, weshalb scheinbar keine Notwendigkeit besteht, den Kopf zu bedecken. Natürlich ist das Teil ihrer Religion, aber manche finden dadurch ihre Zugehörigkeit im Ausland. Wenn man immer in seiner Heimat bleibt, hat man mehr Gemeinsamkeiten mit den anderen als Gegensätze. Aber wenn man im Ausland ist, wo man mehr Gegensätze als Gemeinsamkeiten mit den anderen hat, ist es einfacher, über solche Gegensätze seine Identität zu definieren. Aber am wichtigsten ist, daß man auf keinen Fall diese "Identität als ein Volk" übertreiben soll, denn es besteht die Gefahr, daß man durch die ständige Betonung seiner "Zugehörigkeit" andere Kulturen ganz und gar ablehnt und so anderen Völkern gegenüber fast rassistisch wird.

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10 International Society for Educational Infornation (1998) S. 111

IV Eigene Meinung

Ich persönlich finde das Buch sehr interessant. Man erfährt dadurch, daß Dinge, die man in seiner Heimat für selbstverständlich gehalten hat, in einem anderen Land nicht unbedingt selbstverständlich sind. Die ausländischen Leser können auch einen Einblick in die deutschen Verhältnisse bekommen. Die Deutschen erhalten ebenfalls eine Vorstellung, wie ein Ausländer sich in Deutschland Schritt für Schritt zurechtfindet. Am wichtigsten ist, daß beide zueinander tolerant sein sollen und jeder seine eigene Lebensform und Kultur behalten darf. Und das ist auch die Voraussetzung für eine multikulturelle Gesellschaft.

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